Blogpause

Nach fast 1.500 Artikeln und über 9.000 Kommentaren legt dieses Blog nach zweieinhalb Jahren eine Pause auf unbestimmte Zeit ein. Ob ich die „Sprechblase“ irgendwann weiterführe, an anderer Stelle ein neues Blog aufmache, vielleicht themengebunden ein vertikales Blog starte oder gar nicht mehr blogge, bleibt zunächst offen. Eine Blogpause ist eben auch eine Kreativpause. Entgegen meiner bisherigen Gewohnheit lösche ich dieses Blog nicht, sondern lasse es im Web noch eine Weile am Leben. Derweil lese ich Blogs von Freunden und entdecke neue…

Ich melde mich. Sischer. Nachrichten gibt es von mir ansonsten wie immer auf Twitter und Facebook. Immer persönlich, nie privat. Danke allen Lesern für Ihre Treue und geschätzte Gewogenheit für das Blog und den Autor!

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Gone fishing canoeing.

Midge Ure – If I Was (1985)

If I was von Midge Ure wehte gestern nacht sehnsüchtig und leise durch die laue Nachtluft von einer entfernten Jukebox an mein Ohr. Eine wunderschöne Synthie-Pop-Hymne des Glasgowers. Mochte ich schon immer. Der Text:

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Hunger und Liebe

 Hunger hat nicht nur mit Brot zu tun. Viel bitterer ist der Hunger nach Liebe. 

- Konfuzius (wiederzitiert von Mutter Theresa)

 

Social Media: Des Kaisers neue Kleider.

Irgendwie glaube ich nicht mehr an (soziale) Netzwerke und Networking-Partys. Ich halte beides nicht für sehr effizient. Es kommt dabei allerdings sehr darauf an, wer man ist und was man erwartet.

Zunächst, was meine ich mit „effizient“? Wikipedia beschreibt den Unterschied zu „effektiv“  wie folgt:

Effektiv arbeiten bedeutet, eine Aufgabe möglichst gut zu erfüllen, effizient arbeiten hingegen bedeutet, ein Ziel mit möglichst geringem Mitteleinsatz, oder möglichst großem Ertrag zu erreichen.

Effizient bedeutet also vereinfacht gesagt, dass ich mein gesetztes Ziel mit vertretbarem Aufwand erreiche, effektiv dagegen nur, dass ich es überhaupt irgendwie erreiche. Mir geht es heute um die Effienz.

In meinen Augen ist Social Media ein Konglomerat aus Plattformen hauptsächlich für C2C und B2C. Also, wie Konsumenten untereinander kommunizieren, indem sie Inhalte austauschen, teilen oder generieren. Und auch wie Unternehmen, kleine, mittlere wie grosse, mit mehr oder weniger Erfolg ihre jeweiligen Botschaften an die Konsumenten bringen oder mit Ihnen kommunizieren. Die erstere Gruppe halte ich dabei für effizienter oder produktiver: C2C.

Die Gruppe der Freiberufler und geschäftlichen Einzelkämpfer zu ihren Kunden würde ich zwischen die beiden Gruppen plazieren. Merkwürdigerweise gibt es keinen Begriff für diese Marktbeziehung, meines Wissens nach. Ich nenne diese Gruppe mal F2C oder auch F2B, also Freelancer to Consumer oder Freelancer to Business. Freiberufler haben für mich eine Zwitterrolle zwischen Business und Consumer. Sie sind Consumer-ähnlich, weil sie mit einer sehr persönlichen Stimme und für sich sprechen – Sie sind aber auch Business-ähnlich, weil es ihnen ja letztendlich auch um Geschäftanbahnung auf den Märkten geht.

Fast alles in den Social Medien ist heute und in naher Zukunft C2C. Hingegen F2B und B2C folgen in weitem Abstand  in genau der Reihenfolge bezogen in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung dahinter. Das sind meine Beobachtungen seit es Social Media gibt. Gefühlt – ich kann sie nicht mit absoluten Zahlen belegen.

Wer also, sich selber darstellen und  möglichst viele Leute kontakten will, auf möglichst vielen Parties eingeladen werden möchte, ist bei den Social Medien genau richtig. Ähnliches gilt für diejenigen, die als Einzelkämpfer ihre Kompetenzen und Leistungen entweder im Konsumermarkt oder mit grossem Glück an Unternehmen vermarkten will, kann Social Media als eine der Kanäle für Geschäftsanbahnungen nutzen. Sie sollten aber sich nicht darauf verlassen, sondern auch und insbesondere die klassischen Kanäle dafür einsetzen.

Zusammengefasst bisher: Für Konsumenten ist es ein Spass und ein guter Zeitvertreib. für Freiberuflicher darüber hinaus auch eine Gelegenheit, Geschäftskontakte anzubahnen. Mehr nicht. Das ist legitim und völlig in Ordnung. Mit dieser Meinung habe ich wahrscheinlich so ziemlich alle im Social Media Bereich gegen mich.

Was ist aber nun mit B2C und B2B? In meinen Augen, seien wir ehrlich, sind die B2C Etats verschwindend klein gegenüber den restlichen Etats der Unternehmen, soweit ich das in meinem Umfeld mitbekomme. Ausnahmen bestätigen möglicherweise diese selbstangenommene Behauptung. Zudem habe ich eher den Eindruck, es geht den Unternehmen bei Social Media eher um Beschwichtigung, negativen Druck aus dem Markt nehmen u.ä. – Die Social Media Berater mögen es mir verzeihen. Echte ernsthafte Konsumentenpartizipation ist eher selten in den Erwartungen der Unternehmen. kein Idealbild. Beim B2C im PR-Bereich geht es eher um Marktvorbereitung und -öffnung, um die Beschleuniger und Hubs im Markt zu gewinnen und als Multiplikatoren zu nutzen. Im Vertrieb schlicht nur um einen Absatzkanal.

Ich bin im B2B Bereich. Die Entscheider meiner Kunden sind meist (beruflich) nicht im Social Media Web. Ich muss sie anders erreichen. Auch deren unmittelbare Einflusssphäre innerhalb der Unternehmen ist kaum im Social Web. Beruflich nutzt mir Social Media gar nichts. Höchsten, um vielleicht den einen oder anderen interessanten potentiellen Mitarbeiter kennenzulernen. Deshalb habe ich immer gesagt, ich bin zum privaten Spass im Social Web. Aus ganz privatem Interesse. Kunden kann ich da nicht gewinnen. Den Erfolg von B2C kann ich nicht wirklich beurteilen. Vermute aber in Relation zum Gesamtgeschehen kann er so gross nicht sein. Ja es gibt eBay, amazon & Co. Sind das Social Media Plattformen? Bedingt. Google? Auch keine wirklich.

Aus diesen Gründen halte ich Social Media Plattformen wirtschaftlich für ziemlich bescheidene Plattformen. Ungeachtet der Nutzerzahlen und Umsätze, die die Plattformbetreiber erwirtschaften. Das ist wie mit den Schaufel- und Jeansherstellern während des Goldrauschs. Für des Kaisers neue Kleider.

Die reale Wirtschaft läuft (immer noch) ausserhalb der Social Media Plattformen. Oder sehe ich das verkehrt?

Update – Hier noch einige lesenswerte aktuelle Artikel zum Thema B2B und Social Media:

Anlässlich der Diskussion in den Kommentaren…

…und unabhängig davon früher (Juni 2010):

Update 2 – Grossen Dank an alle Kommentatoren für die sehr sehr gute nachfolgende Diskussion und Diskussionskultur!

Lied

Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber
wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber
die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber
die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, aber
wo ich lebe, will ich nicht sterben, aber
wo ich sterbe, da will ich nicht hin
bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.

- Thomas Brasch

Twittnite: Wachwechsel

twittnite-logoIch freue mich sehr, dass @svenwiesner Twittnite von mir übernimmt und weiterführt. Viel Erfolg! Party on! Rock the house, Sven!

Sven Wiesner bin ich zum ersten Mal auf dem Startup Weekend im September 2007 in Hamburg begegnet. Er war derjenige, der das Logo und die Screens des Projekts gemacht hatte. Seitdem haben wir uns so auf allen namhaften Events im Norden getroffen und viele viele Gespräche auch zwischendurch geführt. Sven war Stammgast bei fast allen der sechs Twittwochs und Twittnites in Hamburg. Sven lebt Social Networking auf eine sehr angenehme Art. Was gibt es noch zu ihm zu sagen? Lesen wir seine Twitter Bio: „Social Media Berater, Karrenfetischist, Twitter-Junkie aus Hamburg St. Pauli. Hey-ho, let’s go!“ – Na, das sagt doch alles und viel mehr! Er ist ein hervorragender Nachfolger und ein perfekter Gastgeber.

Twittnite bleibt natürlich unkommerziell für die Teilnehmer. Es bleibt alles gleich, nur anders! Ich komme nächstes Mal gerne als Gast!

Wann, wo und wie es weitergeht erfahrt ihr ab jetzt alles bei ihm. Go, Sven!

PS: Warum ich aufhöre, habe ich schon an anderer Stelle erläutert…

Neues WordPress Theme: Koi von Nick La

Das strenge Schwarz/Weiss war mir auf Dauer doch etwas zu langweilig. Deshalb heute Themenwechsel: „Koi“ von Nick La, der selber eine sehr schöne und üppige Variante seines Themes nutzt. Farbgebung und Ausführung erinnern etwas an Tatoos (Hallo, Sven!). Der japanische Koifisch steht für Liebe und Freundschaft. Das Kostbarste, was wir haben.

Noch ein Wort vor dem Anpfiff

Fussballnationalmannschaften sind auch Spiegelbilder der Gesellschaft. In Südafrika läuft in wenigen Stunden ein sehr junges, spielfreudiges, kreatives und starkes Team auf, das Deutschland nicht nur sportlich, sondern auch die multikuturelle Realität und Einheit im Land widerspiegelt. Neben den deutschen Leistungsträgern spielen Hochleistungsfussballer mit Migrationshintergrund aus Polen, der Türkei, Ghana und weiteren Ländern. Sie alle stammen und spielen noch in der Bundesliga. Sie alle sind in Deutschland geboren oder fussballerisch hier aufgewachsen. Die Mannschaft wirkt wie aus einem Guss.

Zu keinem Zeitpunkt vor oder während der Weltmeisterschaft in Südafrika habe ich in der Öffentlichkeit ein abfälliges Wort über die Herkunft einiger Spieler gehört. Im Gegenteil, die Berichterstattung, auch von den einschlägigen bebilderten Revolverblättern,  ist überaus positiv. Auch in den Gesprächen, die ich so auf der Strasse, in der U-Bahn oder auch bei der Arbeit zufällig mitbekomme, herrschen die gleichen Stimmungen und Meinungen.

Die Migranten der zweiten und dritten Generation sind angekommen. Das erfüllt mich mit grosser Freude und Stolz. Sie haben zu den von manchen als typisch deutsch bezeichneten Charaktereigenschaften wie Fleiss, Zuverlässigkeit, Präzision auch den Spritzer Frische, Kreativität und Intuition mitgegeben. Das ist gut. Nicht nur für den Fussball. Sondern auch in der Gesellschaft. Ein multikuturelles Team, das sich gut versteht und akzeptiert, ist robust, optimistisch, überraschend und reich an Ideen. Sie vereint in einer raffinierten Mischung das Beste aus allen Welten aus dem eigenen Land.

Wie ein guter Cocktail. Unschlagbar gut.

Deswegen glaube ich, dass heute Nachmittag die deutsche Mannschaft die Engländer auf dem Rasen schlagen wird. Während die englische Presse und Öffentlichkeit immer noch dem ewig gestrigen Deutschlandbild voller Ressentiments nachhängt und nicht gemerkt hat, oder nicht merken will, dass sich die deutsche Gesellschaft vollkommen verwandelt hat in den letzten 20-30 Jahren.

Freuen wir uns auf einen schönen, fairen und erfolgreichen Kick!

Update: Chronistenpflicht: Deutschland hat gegen England 4:1 gewonnen. Super!

Dinge, die mein Vater mir beigebracht hat

  • Angeln und Geduld
  • Kravatten binden (mit einem doppelten Windsorknoten)
  • Kaffee und Tee ohne Zucker zu trinken und Bitterschokolade (habe ich eher bei ihm abgeschaut)
  • Toleranz und Grosszügigkeit gegenüber Fehlern
  • Verzeihen, auch wenn es weh getan hat
  • Gutes und einfaches Essen zu geniessen
  • Ein guter Gastgeber zu sein
  • Mut zum Risiko
  • Pünktlichkeit
  • Glaube an das Gute im Menschen
  • Unerschütterliche Zuversicht und Hoffnung
  • Nicht aufzugeben
  • Ein Gefühl für Würde und Ehre

und

  • Liebe und Herzensbildung

Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Danke für all das und noch viel mehr.

Prof. Dr. Sigmund Freud, Wien IX, Berggasse 19

Es ist schon ein seltsames Gefühl, im Wartezimmer von Prof. Dr. Sigmund Freud zu sitzen. Wer hier alles schon auf seine Erlösung gewartet haben muss. Getriebene. Gequälte Seelen. Studienobjekte.

Ein dunkler Raum mit Blick auf den engen Hinterhof. An den Wänden Stiche aus dem Alten Testament, seine Approbationsurkunde und einige Auszeichnungen als Arzt. Eine Vitrine mit seiner Antikensammlung aus kleinen Artefakten aus Altägypten. Eine etwas beklemmende Atmosphäre aus heutiger Sicht. Ich stehe auf und gehe ins Behandlungszimmer.

Praxis und Wohnung Sigmund Freuds in der Berggasse 19 im neunten Bezirk Wiens. In diesem Haus lebte und arbeitete Freud von 1891 bis 1938, von hier aus trat er mit seiner Familie am 4. Juni 1938 die Flucht vor den Nationalsozialisten ins englische Exil an. Ein gepflegtes typisches Wiener Wohnhaus im Bürgerstil aus der vorvergangenen Jahrhundertwende. Hier hat er mit seiner Familie gelebt, sechs Kinder gezeugt, seine Patienten empfangen, die meisten seiner Theorien entwickelt und bahnbrechenden Bücher geschrieben, der Vater der Pyschoanalyse.

Heute ist seine Wohnung ein Museum. Man muss wie damals einer seiner Patienten die steinernen Stufen in den ersten Stock hochgehen, an der Tür mit seinem original Namensschild klingeln, es wird höflich aufgemacht, dann geht man in die Diele, wo noch sein Hut, Schlägermütze und Spazierstock an der Garderobe (hinter Glas) hängen und seine Reisekoffer gestapelt sind. Von dort gelangt man eben in das original und detailreich restaurierte kleine Wartezimmer. Hinter einer Tür mit zwei Flügel dann der Behandlungsraum, wo früher die berühmte Couch stand, die heute allerdings in London ist. Rechts dahinter wiederum sein privates Arbeitszimmer und sein lederbezogener Drehstuhl.

Ehrfürchtig wandeln seine Jünger und einige neugierige Touristen durch den heilgen Gral.

Lust auf etwas Golfpunk?

Wer hat Lust auf freies Golfen ohne Etikette, kanariengelber gebügelter Hose und hohe Mitgliedsbeiträge in elitären Clubs? Ohne gepflegten Rasen und dicker Brief- und Golftasche? Zwei Schläger reichen für Abschlag und Putten. Nur der Spass zählt. Den Spielplatz suchen wir uns irgendwo in der Stadt. Industriegelände oder Hafen. Eingeteilt in Gruppen von blutigen Anfängern und Hartgesottenen. Crossgolf nennt man auch so etwas.

Ich gebe zu, Inspirationsquelle sind die genialen Natural Born Golfers in Hamburg/Berlin und meine eigene klägliche allererste Erfahrung letzte Woche als Gast auf der Driving Range, dem Putting Green und Übungsgrün just in einem dieser feinen Clubs. Ich dachte mir, das müsste auch anders gehen. Freestyle. Herrschaftsfrei. Golfpunk eben.

Nur mal so in den Raum gefragt. Rein neugierdehalber und prinzipiell. Habe momentan überhaupt keinen konkreten Plan dafür. Hm, liebe Blogger, Twitterer und Consorten? In Hamburg? Irgendwann vielleicht im Spätsommer 2010. Mit bisschen Rahmenprogramm. Würdet ihr bei sowas mitmachen? Eine Art sportliche Variante zur Twittnite.

Wie gross ist euer Interesse??

Melody Gardot – Worrisome Heart

Melody Gardot, die junge US-amerikanische Jazz-Sängerin und Singer-Songwriter mit einer grossartigen reifen Stimme.  Auf Anraten ihres Arztes kam sie nach einem schweren Unfall, wobei sie gehbehindert und lichtempfindlich wurde, über die Musiktherapie zum Jazz und Blues. Sie singt authentische Songs über die Liebe, Verluste, Herzschmerz, Seitensprung,… Die Kritker überschlagen sich vor Lob.

Worrisome Heart

I need a hand with my worrisome heart
I need a hand with my worrisome heart
I would be lucky to find me a man
Who could love me the way that I am
With this here worrisome heart
I need a break from my troubling ways
I need a break from my troubling ways
I would be lucky to find me a man
Who could love me the way that I am
With all my troubling ways
I need a man who got no baggage to claim
I need a man who got no baggage to claim
I would be lucky to find me a man
Who could love me the way that I am
A worrisome troubling baggage free modern day dame,
Said a worrisome troubling baggage free modern day dame
Ain’t no body the same

Disruptive Living & Working.

  1. Follow the rules and then break them.
  2. Play. Explore. Experiment. Innovate. Invent.
  3. Set new rules.
  4. Loop procedure.

Keep some few constants while proceeding. The one you love.

Soziales Web: Zurück zum Einfachen und Notwendigen

Ich bin zunehmend genervt von der Impertinenz von einigen Sozialen Mega-Medien wie beispielsweise Facebook. Von ihrer Zudringlichkeit und Unverschämtheit wie sie sich ungefragt meiner Daten bedienen. Wie sie sich bei mir einschmeicheln, mir Unterhaltung und Freundschaften versprechen und über mich dafür als Marketingmasse verfügen. Zugegeben, ich habe ihnen selber dafür Tür und Tor geöffnet und meine Daten bei ihnen abgelegt. Das war dumm und naiv. Was ich unterschätzt hatte, war ihre Gier, immer mehr Informationen und Meta-Daten daraus zu ziehen und über sie bedenkenlos und gewissenlos zu verfügen. Ich fühle mich in einer Falle, aus der ich schwer wieder herauskomme.

Was tun?

Zunächst gilt es, alle Webpräsenzen zu überprüfen, in denen ich bewusst Mitglied geworden bin, diese auf ein notwendiges Minimum zu beschränken und aus den überflüssigen Datenkraken, soweit das noch geht, wieder auszutreten und meine Daten zu löschen. Aus den Töpfen, in die ich unbewusst gelandet bin, herauszukommen, ist sicher ungleich schwieriger oder fast unmöglich.

Was ist das Minimum für mich, wenn ich überhaupt im Web vorhanden sein möchte?

Für mich ist das wichtigste Element ein persönliches Blog, meine Stimme im Web. Möglichst selbstgehostet. Dort habe ich die Kontrolle, was ich von mir selbst im Web preisgeben will oder auch nicht. Das Blog ist mein Eigenheim im Web. Das Soziale im Blog lässt sich ganz einfach mit den traditionellen Mitteln wie Kommentare, Links und Backlinks bewerkstelligen. Natürlich habe ich auch hier gewisse Regeln zu beachten und Bedrohungen wie von den grossen Datenabsaugern und Bots abzuwehren. Jeder Eigenheimbesitzer muss sich eben auch gegen Einbrecher und Betrüger wappnen. Mit mehr oder weniger Erfolg. Immer noch besser als Ausweis und Schlüssel irgendwelchen Hütchenspielern in die Hand zu drücken.

Für die Echtzeitkommunikation finde ich Twitter immer noch angenehm. Es ist einfach und robust. Sie wollen nicht mehr als meine Mailadresse. Alles Weitere liegt in meiner eigenen Verantwortung. Bisher habe ich auch nicht den Eindruck, dass sie aus der Tatsache, wem ich folge und von wem ich dort verfolgt werde, nenneswertes Kapital schlagen wollen. Twitter ist ein loser Haufen, sehr liquide in der Vernetzung und ziemlich informell. Manche finden es anarchistisch. Für mich ist das in Ordnung.

Ich finde es auch praktisch, einen Visitenkartenordner im Netz zu haben. Ich habe mich schon vor sechs Jahren für Xing als Business Netzwerk entschieden. Dabei bleibt es und ich habe keinen weiteren Bedarf. Ja, es ist unsexy und nicht besonders aufregend und unterhaltsam. Aber dafür lässt es mich weitgehend auch in Ruhe und treibt, soweit ich es sehen kann, keinen Schindluder mit meinen Daten.

Hier und da gibt es sicher noch die eine oder andere Plattform für nützliche spezielle Webdienste wie Musik, Fotos, Videos, Präsentationen und ähnliches, über die ich ja im Einzelfall immer noch entscheiden kann und ihre Dienste separat oder auch eingebettet in meinem Blog nutzen kann.

Was braucht der Webmensch mehr? Mir reicht’s. Ach ja, Suchmaschinen: Unentbehrlich. Also, das viel verschrieene Google. Was soll ich sagen? Es funktioniert zuverlässig, was die Suchergebnisse anbelangt und es gibt in diesem Punkt leider keine wirklich vernünftige Alternative bisher. Man muss ihnen aber auf die Finger schauen und öfter mal darauf hauen, wenn sie wieder übermütig werden.

Nächste Frage: Wie komme ich aus dem anderen Schrott wieder raus?

Die Hauptsache ist das echte Leben. Die virtuellen dienstbaren Heinzelmännchen im Web sollen es nur unterstützen und es hier und da angenehmer und einfacher machen. Mehr nicht. Die Alternative wäre, sich komplett aus dem Web zurückzuziehen.

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