Sprechblase

Bubble Burst in 2008

Veröffentlicht in Allgemeines by Cem Basman am Juni 28th, 2007

Das Web wird international und national mittlerweile überschwemmt von dümmlichen Webangeboten und den dazugehörigen Startups mit den lächerlichsten, hippsten und buntesten Namen, die auch den letzten Winkel in den hintersten Nischen des Longtail doppelt- und dreifachbesetzen wollen. Die Erwartungen und Spekulationen an diese Startups haben sich völlig von der realen Wirtschaftslogik abgenabelt. Ich halte mehr als 90% dieser Unternehmungen für reine Abzocke von Geldern von Dritten oder für grenzenlose Naivitäten und Selbstbetrug.

Der Film auf der Seifenblase wird immer dünner, ihre schillernde Oberfläche wird immer dunkler. Sie wird mit einiger Sicherheit demnächst zerplatzen. In den nächsten 6-9 Monaten schätze ich. Jedoch anders als 1999/2000 ist es diesmal keine Spekulationsblase, wo weltweit unerfahrene Kleinanleger in Scharen gewieften Riskokapitalgebern und Fondsmanagern blind wie in einem Goldrausch gefolgt sind und ihre gesamten Ersparnisse und teuer kreditfinanzierten Einlagen dabei verloren haben. Nein, diesmal überbieten sich die Riskokapitalgeber gegenseitig im Traum vom raschen und mühelosen Reichtum, habe ich den Eindruck. Die Kleinanleger halten sich vornehm zurück. Und ich denke, sie werden sich klug diesmal am Spiel nicht beteiligen. Es wird eine kleinere Implosion als damals also.

Ich halte diese internetlastige Euphorie für extrem kontraproduktiv mittlerweile. Zu viel Aufmerksamkeit, Kapital, Arbeit und Kreativität wird hineingesteckt. In Luftschlösser und hedonistische, kurzweilige und vollkommen überflüssige Webangebote des mittlerweile unerträglichen totgehypten WebZwoNull, in das Zweite Leben und in das Gezwitscher und seine Clone. Überall der Traum des schnellen und unverbindlichen Reichtums. Jeder, der scripten kann oder einen Scripter kennt, will mit 26 in Rente gehen. So gut wie keines der Geschäftsmodelle rechnet sich operativ für irgendeinen der Beteiligten. Weder für Gründer, Big Daddy noch den Nutzer. Einzig der Goldene Exit ist festeinkalkulierte Grösse und verspricht das ersehnte Glück.

Die Blase wird Anfang 2008 platzen und alle Hütchenspieler mit sich in den Orkus reissen. Ich rieche das förmlich. Nur ganz wenige werden überleben und weiter Bestand haben.

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7 Responses to 'Bubble Burst in 2008'

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  1. bosch said, on Juni 28th, 2007 at 21:17

    Ja, so wird es kommen. Aber: alles selbstgemachte Leiden.

  2. Konstantin said, on Juni 28th, 2007 at 21:54

    .

  3. Alexander Hüsing said, on Juni 29th, 2007 at 7:46

    Motivation für eine Gründung sollte niemals sein, dass man reich werden will. Ohne Leidenschaft funktioniert der Aufbau eines eigenen Unternehmens nicht. Gründer sollten voll und ganz an ihre Idee glauben und Spaß daran haben, etwas Neues aufzubauen.

    Übrigens im Vergleich zu früher ist bei vielen heutigen Startups bei weitem nicht so viel Geld im Spiel wie 1999/2000. Die Investoren sind vorsichtiger geworden. Hinzu kommt, dass viele Investitionen im Gegensatz zu früher an feste Ziele geknüpft sind.

    Die Fülle der Startups ist in letzter Zeit in der Tat hoch. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland beim Thema Gründungen aber noch hinterher. Es wird somit nicht zu viel, sondern zu wenig gegründet. Man muss sich dabei aber bewusst sein, dass nicht alle Startups ein Erfolg werden. Sicherlich werden einige Ideen in den nächsten Monaten wieder verschwinden. Das ist aber kein Beinbruch.

  4. Daniela said, on Juni 29th, 2007 at 9:51

    Etwas auf die Beine zu stellen und zu merken, dass die Kiste nicht fliegt, ist kein Fehler und bläst keine Blase. Ich denke, es sind mehrere Säulen, auf denen Luftschlösser fußen:

    - das Gründerteam (wer macht heute noch was alleine?) ignoriert sämtliche wirtschaftlichen Indikatoren, (Fehl)Entwicklungen und die Notwendigkeit einen kleinen aber feinen Businessplans

    - die Geldgeber haben zu viel Money, dass sie investieren *müssen*

    - Geldgeber gehen davon aus, das 8- bis 10fache aus dem Investment rausholen zu können

    - deshalb müssen sie ihre Investments weiter pushen und an die verkaufen, die glauben, etwas zu verpassen, wenn sie jetzt nicht zugreifen (wofür man das braucht, kann man ja später noch entscheiden)

    - es gibt zu wenig gute Angebote, die smart money benötigen

    - das ganze entwickelt sich zum Spiel mit Strategie und erzeugt einen Spiraleneffekt (leider nicht immer nach oben)

    Ich für meinen Teil beobachte immer mehr eine gewisse Strategie, die sich im Markt wiederholen zu scheint: mit Firmen sprechen, ihre Ideen kopieren, finanzieren und verkaufen.

    just my 2 cents

  5. Cem Basman said, on Juni 29th, 2007 at 11:30

    Daniela & Alexander, heute ganz früh hatte ich das Bedürfnis einen Rant loszuwerden und in Starkdeutsch zu formulieren. Dies ist schliesslich ein persönliches Blog. Daniela, du hast vollkommen recht mit “es gibt zu wenig gute Angebote”. Und das die Businesspläne (soweit ich es erkennen kann) mit der heissen Nadel gestrickt sind. Die Vorhaben erscheinen mir mehrheitlich ziemlich oberflächlich und nicht durchdacht. Und den zehnten Twitterclone zu hochzuziehen macht wahrscheinlich keinen Sinn.

    Natürlich sitzt das Geld nicht mehr so locker. Die Investitionsbeträge sind pro Fall deutlich geringer. Natürlich sind die Investoren schlauer geworden als letztes Mal. Aber sind sie auch klüger geworden? Aus der perspektive erinmnert mich manches und mancher an den Derivatehandel, Zero- und Junkbonds oder Handel mit Optionsscheinen…

    Die Geschäfte und Investionen im Web sind nur ein Bruchteil der Gesamtinvestionen in einer Wirtschaft. Aber sicher der schillerndste momentan.

    Ich will das Ganze nicht schlecht reden. Im Gegenteil: Die guten Beispiele sind hervorragend gelungen. Deshalb, weil sie an den Bedürfnissen und Verhalten ihrer Kunden und Nutzer orientiert sind. weil sie ehrlich mit ihnen umgehen. Und weil es leidenschaftlöich aber mit Übersicht machen. Xing ist so ein Beispiel.

  6. Daniela said, on Juni 29th, 2007 at 11:39

    Cem, wir sind “berufbedingt” of mit Analysten und Investoren im Gespräch. Glaub mir, es herrscht ein unheimlicher Investitionsdruck bei den VC´s und Fondsbetreuern: zu viele Menschen haben zu viel Geld. Das viele Geld wird wiederum den VC´s gegeben, um daraus noch mehr zu machen - und das ist Geld, dass angelegt werden *muss*.

    Das Geld ist da. Der Druck ist da. Gute Geschäftsideen verhältnismäßig unterrepräsentiert.

    Noch. :)

  7. Armin Auth said, on Juni 29th, 2007 at 21:21

    Cem, da kann ich dir nur zustimmen. Wieviele Angebote der “kann ohne nicht leben” gibt es denn wirklich? Und die x-te Variation eines bekannten Themas holt doch nun wirklich keinen mehr hinterm Ofen hervor. Das wird sich in Kuerze sicher bereinigen, da die VCs trotz Geldschwemme irgendwann auf den Trichter kommen, dass eine Spende an eine karitative Eirichtung mehr Rendite bringen kann als das naechste me-too Startup. Die wenigsten der Klon-Apps duerften die kritische Masse erreichen, um langfristig bestehen zu koennen geschweige denn von Google, Yahoo oder aehlichen Kalibern auch nur wahrgenommen zu werden. Ein extremes Beispiel sind fuer mich die oben schon erwaehnten Twitter-Klone.

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