Valentin wirft mir ein Stöckchen aus Dublin zu. Ich konnte nicht ausweichen…
Liest Du gerne?
Ja. Aber leider immer weniger Belletristik auf Papier als immer mehr elektronische Sach- und Zwecktexte. Mittlerweile immer mehr im Internet. Viel in Blogs. Das Lesen vom Bildschirm hat mir vor einigen Jahren, als es noch keine ergonomischen Flatscreens gab, auch die Augen ruiniert.
Wenn ja, welches Genre?
Recht unterschiedlich. Als Kind und Jugendlicher viel Weltliteratur und Klassiker. Mit 18-20 Jahren politische Bücher. Revolutionäre. Guerilla. Anarchistische Bücher. Bizarre Bücher. Aber auch hardboiled Sex’n Crime. Pulp. Später moderne Romane aus der ganzen Welt. Eine längere Zeit las ich viel aus der dritten Welt. Karibik. Lateinamerika. Nahost. Im Laufe der Zeit wurde der Trend zu Biographien und auch zur orientalischen Literatur immer stärker. Vielleicht eine Besinnung auf die Wurzeln. Ja, auch Liebesromane. Grosse Gefühle. Auch Bücher mit geistigem Inhalt werden wichtiger. Glaube und Spiritualität. Aber keine Ratgeberbücher. Mag ich nicht. Ausser Kochbücher natürlich. Ich lese auch viel in Englisch. Wenige Menschen dürfen mir Bücher schenken. Ich empfinde Bücher und Lesen als eine sehr private Sache. Meine Vorlieben zu treffen ist schwierig. Sie wechseln auch. Gerne auch Bildbände über Architektur, Kunst, Fotografie, Mode, Kultur. Auch Geschichte. Und das illustrierte Buch.
Mit Musik ist es ähnlich. Wer meinen Geschmack trifft, der hat einen Freund für’s Leben. Das ist ziemlich selten. Da lasse ich mich aber auch gerne überraschen mit neuer guter Musik.
Dein letztes Buch hieß wie?
Eines der letzten war “Der Blick aus meinem Fenster” von Orhan Pamuk, dem aktuellen Nobelpreisträger aus der Türkei.
Würdest Du es weiter empfehlen?
Es ist nicht jedermanns Geschmack.
Warum hast Du Dir genau dieses Buch zugelegt?
Pamuk ist genau meine Generation und stammt aus einer bürgerlichen Schicht Istanbuls zu der ich auch gehört habe. Zudem stammt er auch noch aus meinem Stadtviertel. Deshalb interessiert er mich besonders. Stimmung und Strömungen in seinen Erzählungen kenne ich zu genau. Ich hatte das grosse Glück, ihn dieses Jahr in Hamburg bei einer Lesung zu erleben. Erstaunlicherweise hat mir sein Dolmetscher sogar besser gefallen, als er selbst.
Welches war das miserabelste Buch, dass Du je in der Hand hattest?
Hunderte. So etwas merke ich mir nicht. Langweilt mich etwas, lege ich es weg. Und etwas was mich nicht interessiert, langweilt mich. Entweder die Sprache, die Geschichte, das Sujet oder ganz einfach die Figuren.
Bist Du ein Bücherquäler? Entsorgst Du z.B. die Schutzumschläge, machst Eselsohren oder besudelst die Seiten?
Nein. Bücher sind mir heilig. Sogar miserable. Es tut mir in der Seele weh, auch am Körper, wenn ich Leute sehe, die Bücher schlecht behandeln.
Was machst Du mit den Büchern, wenn Du sie gelesen hast?
Ich bewahre sie auf. Und schleppe sie von Umzug zu Umzug mit. Sie sind alle ordentlich aufgereiht. Die Systematik ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Und so in Zehnjahresabständen entsorge ich immer wieder mal einen grossen Teil an Büchersammlungen. Nur meine liebsten bleiben dann über. Das sind dann die Sedimente meines früheren Lesehungers. Ein regelmässiger mittlerer Bestand von vielleicht 700-800. Ich mag auch gute Buchhandlungen und Büchereien.
Weitergereicht an… isabo, Übersetzerin; Merlix, Autor, gelernter Buchhändler, Astrologe, Manager, Vater; Oliver, Leser.