Was verdient ein Lokführer? (Update)

Gewerkschaft der Lokführer laut Focus:

Ein Lokführer verdiene derzeit monatlich 1970 bis 2142 Euro, das seien je nach Steuerklasse netto 1450 bis 1500 Euro. Die GDL verlangt ein Einstiegsgehalt von 2500 Euro, das wären 27 Prozent mehr als bisher. Das Einkommen soll dann stufenweise steigen, bis nach 30 Beschäftigungsjahren 3000 Euro erreicht sind.

Dafür sind Lokführer Tag und Nacht, jahrein, jahraus, auf der Schiene. Weit ab von Zuhause. Das ist nicht viel Geld netto heute, um damit eine Familie gut zu ernähren.

Was verdient der Bahnvorstand? Und wie sind seine Bezüge in den letzten Jahren gewachsen? Ich weiss, unfaire Fragestellung, Euer Ehren. Ich ziehe die Frage zurück…

Einkommensvergleich von Lokomotivführern in Europa

TABELLE: Einkommensvergleich von Lokomotivführern in Europa: Lokomotivführer in Deutschland haben im Vergleich zu ihren westeuropäischen Kollegen das geringste Einkommen. [Danke für den Hinweis, Malte!]

28 Gedanken zu “Was verdient ein Lokführer? (Update)

  1. Schwierige Diskussion, da der Bahnvorstand auch recht hat, wenn er sagt, dass ein Lokführer durchschnittlich 33.000 Euro (brutto) im Jahr verdient. Da sind dann halt alle Zulagen etc.pp. mit eingerechnet, welche bei der monatlichen Bewertung der Gewerkschaft natürlich unterschlagen werden.

    Mit dem Bahnvorstand zu vergleichen ist witzlos. Was für Berufe würdest du als vergleichbar bezeichnen? Mit denen könnte man besser dann auch das Gehalt vergleichen.

    Die Bahn sieht halt die Bahnbegleiter/Schaffner/… als vergleichbaren Beruf (Tag und Nacht, jahrein, jahraus, auf der Schiene ;-)) und gibt ihnen dementsprechend gleich viel.

  2. Vergleichen würde ich die Lokführer mit Kapitänen zur See und mit Kapitänen der Landstrasse. Mit Kapitänen der Lüfte ginge auch. Alle drei haben hohe Verantwortung für mitreisende Passagiere und Fracht und sind lange von zuhause fort.

  3. Natürlich werden die Lokführer ihre deutliche Erhöhung kriegen müssen, aber die Zeiten, in denen man von _einem_ Durchschnittsgehalt eine Familie ernähren konnte, haben wir schon eine Weile hinter uns gelassen, oder?

  4. Ich finde auch den Aspekt interessant, dass die so heldenhaft kämpfende Gewerkschaft Der Lokführer dann ja wohl in den letzten 20 Jahren einen eher unterdurchschnittlichen Job für ihre Mitglieder gemacht haben muss, oder wie kommt es zu diesem Rückstand?

    Und bei den Vergleichen würde ich dann vielleicht auch mal die notwendige Ausbildung für den Beruf heranziehen (die ich nicht kenne, aber für relevant halte). Müsste man dann einen Lokführer nicht zum Beispiel mit einem Schlosser vergleichen und nicht mit einem Flugkapitän?

  5. - Demnach wären Screendesigner Bitbieger

    Passt doch :-)

    Auf Schlosser kam ich deswegen: “Bei der Deutschen Bundesbahn war die Laufbahn des Triebfahrzeugführers eine Beamtenlaufbahn des mittleren technischen Dienstes. Zugangsvoraussetzung war der Volksschul- bzw. Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene Lehre im Metall- oder Elektrohandwerk,ebenso waren eine zweijährige Gesellenzeit nachzuweisen” (wikipedia).

  6. Das bundesdeutsche Durchschnittsgehalt für Angestellte liegt meines Wissens bei ca. 2500 Euro brutto.

    Davon kann eine kleine Familie mit zwei Kindern leben, jedenfalls, wenn die Frau noch etwas jobbt. Bei einer verantwortungsvollen und komplexen Tätigkeit, die eine Ausbildung voraussetzt, kann die Vergütung m.E. durchaus etwas höher sein. Andererseits finde ich, dass die “30-Prozent”-Forderung nur verhandlungstaktisch, nämlich als Forderung zu verstehen ist. Eine tatsächliche Erhöhung um 30% hielte ich für unangemessen – zumal die Lokführer bei ihrer Berufswahl ja in etwa wussten, worauf sie sich eingelassen haben.

    Wenn am Ende eine Erhöhung um ca. 15% rauskäme, dazu ein paar Rücksichten auf spezifische Lokführerbelange, dann hielte ich das für vor dem Hintergrund der historischen Einkommensentwicklung der Lokführer für vernünftig. Übel am Tarifstreit ist m.E. vor allem, dass die Bahn das Selbstorganisationsrecht der Beschäftigten torpediert. Auch finde ich es durchaus bedenklich, dass die Mehrheitsgewerkschaft mit Knebelklauseln agiert und mit Machtspielchen versucht, gegen die streikenden Beschäftigten zu arbeiten. Als Gewerkschaftsbonze mag man es vielleicht für normal finden, dass man mit dem Vorstand der Bahn gemeinsam kungelt und Entgeltansprüchen der Beschäftigten aus Überstunden einfach mal eben verrechnet.

    Ich kann verstehen, dass die GDL-Beschäftigten sich von dieser Mehrheitsgewerkschaft nicht vertreten lassen wollen. Das ist ihr Recht.

  7. Oh, danke für den Link.

    Vollzeitbeschftigte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen verdienten 2005 im Produzierenden Gewerbe, Handel, Kredit- und Versicherungsgewerbe in Deutschland durchschnittlich 3 024 Euro brutto im Monat und damit 22,9 % mehr als 1996. Die Inflation betrug in diesem Zeitraum 15.58%.

    Was mich in dieser Tarifauseinandersetzung wundert, ist das Verhalten der Medien. Wenn satt bezahlte Chef- und Oberärzte streiken, dann gelten Forderungen als berechtigt, wenn unterbezahlte Lokführer streiken, werden deren Forderungen oft als übertrieben dargestellt.

  8. “Wenn satt bezahlte Chef- und Oberärzte streiken, dann gelten Forderungen als berechtigt”
    ist ja immer schön, dass man seine Vorurteile in immer neue Worte giessen kann.

  9. Oh, findest Du nicht, dass die durchnittliche Monatsvergütung von Chef- und Oberärzten sehr weit oberhalb des Durchschnittlohns liegt? Oder was meinst Du mit “Vorurteil”? Immerhin arbeite ich mit recht exakten Werten – oder bemühe mich wenigstens darum.

    Wer hat dann Vorurteile?

  10. Ich finde, die Lokfühler sollten endlich mal zur vollen Demonstration ihrer Macht kommen und den Bahnverkehr einen vollen Tag lang komplett lahmlegen (Personen- und Güterverkehr).
    Der Streik ist es meiner Meinung nach Wert unterstützung zu werden, denn die Lokführer sind ein gutes Beispiel von Arbeitern, die von einem Unternehmen so schamlos benachteiligt werden, dass man schon fast darüber lachen könnte, wenn es nicht so traurig und bezeichnend für dieses Land wäre.

    MfG
    Daniel

  11. @ Cem

    “Vergleichen würde ich die Lokführer mit Kapitänen zur See und mit Kapitänen der Landstrasse. Mit Kapitänen der Lüfte ginge auch. Alle drei haben hohe Verantwortung für mitreisende Passagiere und Fracht und sind lange von zuhause fort.”

    Schlechter Vergleich. Fängt bei der Ausbildung an und hört am Arbeitsplatz auf. Lokführer haben bei weitem nicht so viel Entscheidungsspielraum und damit Verantwortung wie ein Pilot oder ein Kapitän. Ein etwas grober Vergleich zum veranschaulichen: versuche mal ein Passagierflugzeug zu starten, ein Frachtschiff aus dem Hafen zu bringen und einen ICE anzufahren.

    Trotzdem schadet es nichts, wenn die Leute besser bezahlt werden. Nach dem ersten heftigen Streik bin ich sehr gespannt, wie lange es dauern wird, bis sich Mehdorn seine Lokführer von einer Zeitarbeitsfirma holt und die GdL-Mitglieder rauswirft. Er kann den gar keinen eigenen Tarifvertrag geben. Gleich danach gründet sich dann eine Gewerkschaft der Fahrdienstleiter und die können die Bahn noch viel gründlicher lahmlegen als die Lokführer.

  12. Die Mehrzahl der streikenden Ärzte waren Assistenzärzte, nicht Ober- und Chefärzte. Des weiteren ist eine wesentliche Forderung des Streikes die Reduzierung der Arbeitszeiten auf das gesetzliche Höchstmass von 48 Stunden in der Woche gewesen. Deine angeführte Studie (die man bei der Verdi-Herkunft auch nicht als neutrales Dokument ansehen kann) spricht bei Assistenzärzten von einem Nettoeinkommen von 2009,- € in 2003. Die Verbesserung durch Wegfall von AIP, von der die Studie spricht ist übrigens auch nicht zu merken, nix von 100.000 €. Vielleicht unterhältst du dich mal mit jungen Ärzten ausserhalb ihrer Arbeitszeit, um mal einen Eindruck von deren Arbeitszeiten zu bekommen, insbesondere Assistenzärzte an der Uni können da zu ganz neuen Erkenntnissen führen.

  13. Um auf den Durchschnitt zu kommen, muss es auch immer welche geben, welche unter ihm liegen. ;-)

    Mit meinem ersten Kommentar wollte ich genau das aufzeigen, was in der Diskussion herauskam – der Vergleich eines Berufes mit einem anderen, ist eine völlig subjektive Sache. Dementsprechend kann es keine Lohngerechtigkeit geben, nichtmal eine relative.

  14. Also im Vergleich mit Kindergärtnern und Erziehern, Altenpflegern usw. kommen die doch gut weg?

    Man stelle sich vor, die streiken. Dann können die Damen und Herren “Eisenbahner” nicht mal zum Arbeiten bzw. Streiken. Ausser sie nehmen dann dahin ihre Kinder und Omas mit.

    Mehr Geld ist ja ok, die Frage ist nur, ob ich mehr bekomme, wenn ich meinem Arbeitgeber einen Millionenschaden verursache. Die haben nur Glück, dass sie bei der Bahn arbeiten. In anderen Betrieben als der Bahn würde der Schuss nach hinten losgehen, da würde der Betrieb bei solchen Verlusten nämlich einfach dicht machen. Dann wären alle arbeitslos und die Vorstände hätten ihre Schäfchen im Trockenen.

    Wie viel verdient eigentlich der Schell? Ist mir auch wurscht, hauptsache ich komme nach meiner 50 Stunden Woche (ohne überstunden ausgleich, ohne urlaubsgeld ohne Weihnachtsgeld etc) am Freitag pünktlich nach Hause. Sonst werd ich grantig.

    Mir zeigt diese ganze Situation nur eines ganz deutlich: Ohne die Bahn sind wir ganz schön aufgeschmissen. Wenn ein paar Tausend Leute ganz Deutschland lahmlegen und dazu weite Teile der deutschen Wirtschaft schädigen können, dann ist da was ganz gehörig ungeschickt organisiert.

    Da sollte mal jemand drüber nachdenken …

  15. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man in Deutschland anderen eher kaum etwas gönnt, denn man selbst hat ja auch nicht mehr usw. Eine echte Neidgesellschaft die sich dadurch so leicht von oben her, ausspielen lässt.

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  18. Ich finde nicht, dass ich für diese Streiks Verständnis haben muss oder mich solidarisch zeigen sollte. In diesem Fall wirkt die Gewerkschaft der marktwirtschaftlichen Regulierung von Angebot und Nachfrage entgegen. Sie soll gerne die Meinung der Arbeitnehmer bündeln, aber ihre Position nicht missbrauchen um Unternehmen zu erpressen. Wenn die Funktion der Gewerkschaft tatsächlich die Vertretung des Allgemeinwohls wäre müsste Sie abwägen zwischen Kosten und Nutzen für eine Berufsgruppe auf der einen Seite und Schaden bei vielen Tausenden anderen Arbeitnehmern. Wenn auch nicht unmittelbar spürbar, wird das Geld, dass hier erpresst wird auf Kosten anderer eingetrieben. Unternehmen stehen still, können nicht produzieren, keine Produktion, kein Absatz, kein Geld um Mitarbeiter zu zahlen, Rückgang von Investitionen, Einbußen im internationalen Wettbewerb, Verlust von Arbeitsplätzen.
    Nur weil die Bahn bis heute nahezu eine Monopolstellung hat können Gewerkschaften ihre Macht hier missbrauchen, da der Verbraucher keine Alternative hat, und es auf dem Markt keinerlei Wettbewerb gibt. Eine vergleichbare Situation findet man sonst vielleicht noch bei der Post.
    Also jeder soll gerne für seine Interessen kämpfen, aber zum einen nicht auf Solidarität von Menschen hoffen auf deren Rücken der Streit ausgefochten wird und die vielleicht noch weniger verdienen, zum zweiten nicht auf eine Art und Weise, die in Egozentrismus kaum zu übertreffen ist. Aber wer weiß, vielleicht dauert der Streik ja lang genug um die Kunden ganz zu vertreiben. Schon mal daran gedacht, dass die den Streik bezahlen? Wer zahlt denn schon gerne für ein Produkt das nicht funktioniert? Wie Zufrieden ist ein Zuschauer bei einem Konzert wo die Band nicht kommt?
    Das ist nicht das Gleiche? Stimmt. Es gibt hunderte Bands und nur wenige Bahnen… Das ist aber nicht der Verdienst der Bahn, sondern die Tatsache, dass das Bahnnetz viel zu lange ein einziges staatliches Unternehmen war. Solche Streiks sorgen am Ende vielleicht doch noch für eine Regulierung, die Bahn kann zwar nicht so mir nichts dir nichts Mitarbeiter entlassen, was natürlich auch in großem Maße gut ist, aber Kunden könne natürlich entscheiden, dass Sie sich auf das Medium Bahn nicht mehr verlassen können, dass sie lieber mit dem Auto fahren oder ihre Güter besser per LKW transportieren lassen können, was dann zu Umsatzeinbußen und letztendlich wieder Entlassungen in Form von betreibsbedingten Kündigungen führen kann.
    Als haltet durch, ob die Bahn ein konkurrenzfähiges Unternehmen bleibt spielt doch keine Rolle, Hauptsache ihr kriegt euer Geld um jeden Preis;-)

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