Twitter-Phänomene (Teil I)
15. März 2008Dieses morgendliche einsilbige “Moin” in der Twittergemeinde erinnert mich an eine WG. Eine Wohngemeinschaft, liebe Spätgeborene. Eine virtuelle Wohngemeinschaft. Man kennt sich, verliert kein überflüssiges Wort. “Moin”. Man zählt die Moins durch, die Kaffees ab. Sind alle da? Fehlt jemand? Man bekommt langsam ein Gespür für den Lebensrythmus der anderen. Die Twittergemeinde erwacht zusammen, geht Kaffee trinken, einkaufen, isst zu mittag, langweilt sich am abend, guggt Fernsehen, geht auf Parties, hängt ab, besäuft sich, wandert ziellos durch die Gegend, ist nachts einsam,… Jeder an seinem Ort. Und doch zusammen.
Nur eine Stimme flötet morgens regelmässig immer “Good Morning Tweethearts, you Princes of Twitter, you Kings of the Web!!!”. Da weiss man, dass der Tag jetzt nun wirklich anfängt. Grosses Kino. Kleine WG.Â
Twitter ist eine WG. Moin.
[Aus der Reihe: ViW - Völkerkunde im Web, Lese auch Twitter ist Crowdfeeling. Piep. und Twitter ist lakonisch. Cool.]
Tags: Moin, Völkerkunde, Web, WG



15. März 2008 um 9:03
Auch “Spätgeborene” kennen noch WGs, keine Sorge.
Und für mich ist es eher eine Jugendherberge oder ein Hostel - viele Stimmen aus vieler Herren Länder, mal kommen neue hinzu, mal gehen welche. Immer eine relativ ungezwungene Atmosphäre. Man kennt sich - einige gut, einige nur “vom Sehen” Es gibt Gruppen, die zusammen frühstücken und einzelne, die eher so zufällig dazustoßen.
15. März 2008 um 9:32
Manchmal erinnert mich das auch an ein Terrarium mit lauter kleinen wuseligen Käfern…
15. März 2008 um 12:13
Wie schon getwittert: Großartige Beobachtung dein Artikel.
15. März 2008 um 16:59
[...] und dafür, und vielleicht ein bisschen dafür liebe ich Twitter. Dem gegenüber stehen die Ignoranten, die unaufhörlich fragen: Mit so etwas [...]
15. März 2008 um 17:18
Die WG-Idee hat meines Wissens @_Lu auch schon mal aufgebracht (Finde den richtigen Link nicht). Ich finde das sehr treffend. Eben soziale Hintergrundgräusche. Das Klackern beim Abwaschen, das aus der Küche kommt, drüben telefoniert einer und ein anderer raschelt mit seiner Chipstüte. Plötzlich ruft der nächste rüber: “Was gibts denn heute im Fernsehen?”
Ja. Wahrlich eine echte WG. Und jeder hat andere Mitbewohner.
15. März 2008 um 17:18
[...] Twitter-Phänomene (Teil I) [...]
15. März 2008 um 17:20
@mspro, gerade eben habe ich Teil II gepostet. Genau das! Witzig. Twitter hat tatsächlich eine eigene Qualität, die nicht formal im Inhalt oder an der Struktur festzumachen ist, sondern im Verhalten ihrer Teilnehmer. das ist etwas besonderes, finde ich.
15. März 2008 um 17:55
15. März 2008 um 18:47
Das Schöne dabei ja auch : es fühlt sich so vertraut an.
Für mich ein echtes Phänomen, weil ich niemanden aus der WG im wirklich wahren Leben kenne.
Und schon vermisst man (ich), Leute, wenn sie mal nicht da sind, und sorgt sich mit, wenn einer jault.
15. März 2008 um 19:05
[...] Twitter-Phänomene (Teil I) [...]
15. März 2008 um 19:40
[...] Twitter-Phänomene (Teil I) [...]
15. März 2008 um 20:36
WWWG
15. März 2008 um 22:37
Man ist so nah, und doch so fern… besser als Gruppenchats in Skype. Twitter ist zwanglos
15. März 2008 um 22:47
Wie recht du doch hast, doch das ein normaler “nachrchtschreibdienst” solche gefühle vermitteln kann ist schon wahnsinn
15. März 2008 um 23:51
Moin moin! - eigentlich, oder?
15. März 2008 um 23:55
@skibowski, nein.
17. März 2008 um 9:09
Zumindest war ich selten fernen Menschen so nah. Schon irgendwie toll, so ne globale Konversation…
18. März 2008 um 8:29
Ich hab mich ja tatsächlich auch von der Twitter-Welle überrollen lassen. Doch wird der Dienst in zwei Jahren nocht genutzt? Da bin ich mir nicht so sicher…
2. April 2008 um 14:00
[...] Ganze in ein undurchschaubares Gewusel. Über wirres.net habe ich Cem’s Twitter Phänomene (Twitter ist eine WG. Moin. - Twitter ist Crowdfeeling. Piep. - Twitter ist lakonisch. Cool.) entdeckt und habe die Aspekte [...]
3. April 2008 um 23:34
[...] Gedankenaustausch und Tratschen. Wie früher in der Schulklasse. Manche meinen wie in einer Wohngemeinschaft. Ja vielleicht. Auf jeden Fall spannend. Und: Nicht (mehr) zu [...]