Archiv | Juli 2008

“Woher nimmst du dir eigentlich die ganze Zeit zu bloggen und zu surfen?”

Eine Frage, die mir häufiger gestellt wird. Ganz einfach, ich schaue wenig fern und vermeide Meetings. Ausserdem schreibe ich recht schnell und surfe effizient. Das nimmt weniger Zeit in Anspruch als es den Anschein hat. Vieles davon erledige ich auch nebenbei in den Leerlaufzeiten zwischen den anderen Aufgaben.

Vergleiche hierzu auch die Ansichten von Seth Godin. Zwei Köpfe, ein Gedanke.

10 gute Ratschläge für Kommentare in Online-Communities von Zeitungen

Kommentarfunktionen auf Webseiten von Zeitungen sind ein trauriges Kapitel. Oft verwaist oder voller Trolle. Lieblos in einer eigenen Sektion und weit ab von dem zu kommentierenden journalistischen Artikel.

Derek Powazek listet zehn gute Ratschläge auf, wie Zeitungen für ihre Communities die Kommentarfunktionen besser konzipieren und moderieren. Zehn Grund-Grundregeln. Es ist die Aufgabe der Redaktion, die Qualität der Kommentare zu erhöhen, sagt Derek. Sein Fazit:

The real reason comments on newspaper sites suck isn’t that internet commenters suck, it’s that the editors aren’t doing their jobs. If more newspapers implemented these 10 things, I guarantee the quality of their comments would go up.

Welche deutschsprachige Zeitung könnte dabei etwas lernen? Ich denke, eine ganze Reihe…

Schweben, Fliegen, Reisen

Jemand fragte mich heute, welche Superkräfte ich denn gerne hätte. Von der Person weiss ich, dass sie gerne selber schweben und fliegen können würde. Im Traum passiert das auch manchmal. Das ist tatsächlich ein schönes und unbeschwertes Gefühl. Ich selber hatte mal so einen Traum als Kind. Mehrfach hintereinander. Ich stand an einer verlassenen Strassenecke. Ein leichter Wirbelwind hob mich sanft in die Höhe. Ich fing an mich dabei langsam zu drehen, ruderte etwas mit den Armen und Beinen, veränderte meine Richtung, steuerte ein bischen gegen. Der Wind setzte mich nach kurzer Zeit genauso sanft auf den Boden zurück. Laub und alte Zeitungen wirbelten mit. Ich erinnere mich noch ganz genau daran. Ich war angenehm überrascht und es war wundervoll.

Auf die Frage nach den Superkräften, die ich gerne heute hätte, hatte ich zunächst keine Antwort. Ich hatte nicht das Gefühl, irgendwelche Superkräfte haben zu müssen. Nach einer Weile kam ich aber darauf.

Ich hätte gerne die Fähigkeit, ungehindert in Raum und Zeit zu reisen. In jede gewünschte Richtung und an jeden Ort. Sofort ohne die Strapazen der Reise. Ein Fingerschnippen. Ein Wunsch. Ein Gedanke würde mich augenblicklich dorthin bringen, wo ich hin will. Zu einem Zeitpunkt, den ich mir wünsche. Ohne Technologie, Wurmlöcher, Teleportation, Zeittunnel oder so. Einfach magisch. So wie ich einen Link im Browser anklicke und plötzlich woanders bin. Mich frei und ungebunden zu bewegen. Ohne Gepäck.

BuzzMachine: Turn off the Press

Benjamin Birkenhake hat mich per Mail auf den recht lesenswerten Artikel von Jeff Jarvis Google as the new pressroom hingewiesen. Im Artikel sagt Jarvis, dass die Verlage im falschen Geschäft sind. Zeitungen und Verlage sind weder in der kostenintensiven Fertigungs- oder in der Absatzwirtschaft noch in der IT, da seien sie eben ziemlich schlecht. Sie sollten sich lieber fragen, was eigentlich ihr Kerngeschäft ist. Jeff Jarvis’ Rat:

So take the advice, papers: Get out of the manufacturing and distribution and technology businesses as soon as possible. Turn off the press. Outsource the computers. Outsource the copyediting to India or to the readers. Collaborate with the reporting public. And then ask what you really are. The answer matters dearly.

Währenddessen hatte einer in England den selben Gedanken. Ben meinte daraufhin in seiner Mail: “Verdammt, die Zukunft überholt mich auf der rechten Spur” - Ben ist Teamleiter für DIE ZEIT.

Der Daily Telegraph schwenkt um zu Google Apps

Die IT Landschaften bei Grossunternehmen sind in Bewegung geraten. macnews.de meldete vor einigen Tagen, der Telegraph-Verlag steige von Microsoft auf Google Apps um. Der IT Verantwortliche einer der meistverkauften britischen Tageszeitungen, CIO Paul Cheesbrough, erklärte, das Verlagshaus mit 1.400 Mitarbeitern werde die webbasierten Goggle Apps nutzen. Ein Test mit 10% der Belegschaft hätte sehr positive Ergebnisse gebracht. Insbesondere die kollaborativen Möglichkeiten seien bei Journalisten auf eine hohe Akzeptanz gestossen wie beispielsweise beim Einsatz während der jüngsten Berichterstattung von Wimbledon, bei der parallel und online acht Telegraph-Reporter gearbeitet hätten. Er merkte an, dass die Microsoft Infrastruktur mit MS Office und Exchange nicht schlagartig durch Google Apps ersetzt werde, sondern nur auslaufe ohne dass weiter darin investiert werden würde.

Der Telegraph wäre nach dem Axel-Springer-Verlag in Deutschland, das zweite grosse Verlagshaus, dass innerhalb weniger Tage eine radikale Abkehr von Microsoft verkündet. Die fortlaufenden Kosten der Software-Lizensierung und des Betriebs sind für beide sicher ein gravierendes Argument dabei gewesen. Ob die Rechnung mit den erhofften langfristigen Kosteneinsparungen einschliesslich den zu berücksichtigenden Umstellungskosten dabei aufgeht, wage ich etwas zu bezweifeln. Sollten aber diese beiden Vorhaben exemplarisch und nachweisbar gelingen, hat Microsoft ein ernstes Problem.

[Danke Sven für den Hinweis auf diese Nachricht per Mail]

Kleine Design-Studie über “grosse Blogs”

Smashing Magazine kommt bei der Analyse von grossen Blogs zu folgendem Ergebnis:

  1. large blogs require a multi-column layout solution (usually 3 columns suffice) (58%);
  2. layouts are usually centered (94%),
  3. layouts usually have a fixed width (px-based) (92%),
  4. the width of the fixed layout varies between 951 and 1000px (56%),
  5. 58% of the overall site layout is used to display the main content,
  6. CSS-layouts are used (90%),
  7. the background is light, the body text is dark (98%),
  8. the most usual (not necessarily most user-friendly) line length lies between 80 and 100 characters,
  9. Verdana, Lucida Grande, Arial and Georgia are used for body text (90%),
  10. the font size of body text varies between 12 and 14px (78%),
  11. Arial and Georgia are used for headlines (52%),
  12. headlines have the font size between 17 and 25px.

Illustriert sind alle Aussagen mit prominenten (amerikanischen) Blogs. Das Ergebnis ist nicht ganz überraschend. Wer immer auch ein magazin-artiges Blog launchen will, sollte das lesen und damit experimentieren.

Wordle-Cloud: Barack Obama Berlin Speech

Erstellt von Tim Bonnemann per Wordle zu Obamas Berlin Rede. Cool. Whole lotta buzzwords…

Update: Exzellent: debategraph, eine weitere sehr interessante Sicht!

Sister Carol – Natty Dread Congo

Made my day. Die Musik zum Wetter. Sister Carol (“Reggae’s answer to Queen Latifah“) und “Natty Dread Congo” (1996). Entdeckt beim wunderbaren Herrn Paulsen. Kam gut nach einem frustrierenden Wochenende auf Usedom.

Twitter: Backup von Followern & Friends

Eine einfache Möglichkeit seine Twitter-Kontakte zu sichern, zeigt Holy Moly bei Vince Koser auf:

  1. Logg dich bei Twitter ein.
  2. Gib http://twitter.com/statuses/followers.xml in die Adresszeile des Browsers ein (oder Klick einfach auf diesen Link).
  3. Speichere die Seite und lese sie als XML-Datei beispielsweise mit Excel ein.
  4. Hast du mehr als hundert Follower, gib http://twitter.com/statuses/followers.xml?page=2 und so fort…
  5. Verfahre analog mit den Kontakten, denen du folgst http://twitter.com/statuses/friends.xml
  6. Jetzt hast du alle deine Kontakte und Follower in einem Spreadsheet übersichtlich gesichert…

Nebeneffekt: Die gesamten öffentlichen Twitter-Profildaten deiner Friends und Follower werden dabei ausgelesen.

Viel Spass beim Ego-Boosting!

Obama in Berlin: Die Rede

200.000 hören am 24. Juli 2008 den US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama an der Siegessäule. Die komplette original Transskription seiner Rede ist hier nachzulesen.

Ein bischen viel Kennedy-Pathos und Ernst-Reuter-Inspiration [Danke Anke!].

T-Phone

Via Björn Ognibeni leidgeprüft. Manchmal enthalten Fälschungen mehr Wahrheit als das Original.

Kapriolen bei Twitter

planspark For anyone who’s too oblivious to have noticed yet, Twitter isn’t a micro-blogging whatever service… IT’S A PSYCHOLOGICAL EXPERIMENT!!!

Twitter ist immer für eine Überraschung gut. Arg gebeutelt von Performance-Problemen, war der Microblogging und Messagingdienst in den letzten Monaten immer häufiger in die Knie gegangen und hatte bei seinen leidenschaftlichsten Anhängern für reichlich Unmut gesorgt. Es kam bei Twitter immer mehr zu Totalausfällen. Zwischendurch wurden auch wichtige Funktionen offensichtlich wegen der Leistungsengpässe zeitweise immer häufiger abgeschaltet. Failwhale-Watching wurde ein beliebter Pausenfüller. Twitter-Clones witterten Morgenluft. Doch die Fans sind bisher leidensfähig.

Seit gestern gibt es nun ein neues Phänomen: Massive Kürzungen der Followerzahlen. Bei mir fehlten heute morgen genau 100 Abonnenten. Ein Bug? Oder eine Methode von Twitter, um einen Flaschenhals in der unterdimensionierten Software-Architektur zu entlasten? Waren die eliminierten Followeraccounts inaktive User? Ich habe den Verdacht, dass das etwas mit der Performance-Optimierung zu tun hat. Aber wer weiss. Kommuniziert wurde das von den Betreibern bisher so: Es ist ein Bug, wir arbeiten daran, die Zahlen werden wieder hergestellt, das dauert, aber es kann sein, dass am Ende eine geringere Anzahl von Followern angezeigt wird als vorher, weil wir Spamaccounts dabei eliminieren [Danke für den Hinweis auf den Blogpost, Franz]. Twitter läuft am Limit.

Ich achte sehr auf Spamaccounts bei Twitter und blocke diese sofort. In meiner Verfolgertruppe ist damit die Wahrscheinlichkeit von diesen Accounts höchst unwahrscheinlich. Ich erwarte also, dass alle Follower wieder in meiner Liste auftauchen sollten.

Was ich damit sagen will: Ich habe keinen aus der Liste rausgeworfen. Twitter war es. Don’t panic, dear followers.

Update am nächsten Tag: Alle meine Followers sind wieder da!

Blogparade: Empfehlenswerte Urlaubslektüre

Jochen Mai von der Karrierebibel füllt das Sommerloch mit einer jahreszeitlich passenden Blogparade: Empfehlenswerte Urlaubslektüre! Bis zum 10. August kann jeder über ein oder mehrere Bücher bloggen, die einem besonders gefallen haben. Zu gewinnen gibt es auch etwas. Bücher natürlich.

Ich werde versuchen, über den Roman Liebesbrand von Feridun Zaimoglu zu schreiben. Neugierig geworden darauf bin ich durch isabo, die das Buch vorgestern in ihren Urlaubskoffer gepackt hatte. Animiert, das Buch dann heute auch zu kaufen, hat mich diese begeisterte Besprechung in der Zeit. Empfehlungsmarketing funktioniert bei mir also. Ob mir die Lektüre denn auch gefällt, werden wir später (hoffentlich) in meinem Blogparadenbeitrag sehen.

Feridun Zaimoglu habe ich mal vor vielen Jahren bei einer Lesung in Hamburg kennen und schätzen gelernt. Das Buch, mit dem der deutsche Autor türkischer Herkunft bekannt geworden ist, heisst übrigens Kanak Sprak. Starker Tobak.

PS: Bücher, die ich zuletzt gelesen habe: Die Schöne des Herrn von Albert Cohen sowie das leicht philosophische Buch Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück von Francois Lelord… Ferner habe ich frischen Nachschub auf meinem Nachtisch: Tom Reiss’ Der Orientalist, eine Biografie über das fantastische Leben von Lev Nussimbaum alias Essad Bey alias Kurban Said, dem Autor von Ali und Nino, eine Erzählung über die Liebe zwischen einem muslimischen jungen Mann und einer Christin, das Nationalepos von Azerbaidschan, das Weltliteratur wurde. Leichte Kost als Hausaufgabe habe ich auch noch erhalten: Snobs von Julian Fellowes. Ich fürchte, jetzt brauche ich aber wirklich Urlaub!

Warum man ein Unternehmen gründen sollte

Paul Jozefak, Managing Partner und VC bei Neuhaus Partners in Hamburg, meint, die Gründe liegen im Ekel, in der Einsamkeit und Langeweile der Leute… oder so ähnlich. Kann man auch so sehen.

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