Sprechblase

Gaza: Krieg 2.0 in Twitter und YouTube (Updates)

Veröffentlicht in Sprechblase von Cem Basman am 31. Dezember 2008

Zum ersten Mal wird in einem Krieg von den Kriegsparteien und ihren Anhängern das Social Web aktiv und bewusst als Informationswaffe eingesetzt. Hamas und Israel kämpfen nicht nur mit Raketen und Panzern, sondern auch mit Tweets und Videos. Mehrere Twitter-Accounts feuern seit kurzem teilweise jeweils im Minutentakt Information und Desinformation rund um die Uhr. Beispiele dafür sind gazanews und israelconsulate. In YouTube werden fortlaufend Augenzeugenberichte hochgeladen. Manche der Bilder sind an Grausamkeit und Greultaten nicht zu überbieten. Das wird nicht ohne Wirkung auf die Öffentlichkeit und die weltweite Meinungsbildung bleiben. Einiges davon gehört sicher vor ein (internationales) Kriegsgericht. Ich erspare mir an dieser Stelle den direkten Link auf einige Videos.

Seit gestern hat die israelische Armee einen offiziellen YouTube Channel. Von offizieller palästinensischer Seite ist mir zur Zeit dergleichen noch nichts bekannt. Einen Hamas Channel scheint es früher gegeben zu haben. Aber der renommierte internationale arabische TV Sender Al Jazeera hat einen YouTube Channel in englischer Sprache aus dem Kriegsgebiets in Gaza. Al Jazeera hat auch einen Live Stream auf zatoo (registrieren und Treiber laden!), wo gerade @Riy ein Interview zum Thema Gaza-Berichterstattung und Twitter/YouTube gegeben hat. Ferner kann man aktuelle Videos aus dem Gazastreifen bei nazekaburahma verfolgen (Dank an @Riyadh für die Links zu zatoo und @Riy).

Hier das Interview auf Al Jazeera mit @Riy zum Thema Gaza-Berichterstattung und Twitter/YouTube:

Meinen Standpunkt zum Krieg in Gaza habe hier schon dargestellt. Meine Hoffnung auch. In den Kommentaren dazu sind die konträren Ansichten ebenfalls nachzulesen.

Update 3: Offensichtlich hat YouTube einige Beiträge aus dem Kanal der israelischen Armee (IDF, Israel Defense Forces) herausgenommen bzw. die Ansicht einiger weiterer eingeschränkt. Deshalb plant die IDF ein eigenes Blog aufzusetzen, um ihr Video-Material der Öffentlichkeit uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen [via, via].

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30 Antworten

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  1. Picki sagte, am 31. Dezember 2008 zu 14:50

    Es wundert mich, daß youtube diese Videos überhaupt zulässt.

  2. Cem Basman sagte, am 31. Dezember 2008 zu 14:54

    Ich habe schon mitbekommen, dass es massive Proteste darüber gibt. Auch via Twitter. Wenn Soldaten gefesselte Gefangene aus nächster Nähe erschiessen, dann ist das ein Fall für das Kriegsgericht oder den internationalen Gerichtshof.

  3. horax sagte, am 31. Dezember 2008 zu 15:02

    durch social web werden die von uns räumlich und sicherlich auch gedanklich entfernten grausamkeiten und wirren des krieges noch bewußter. ich erhoffe mir dadurch mehr ablehnung und ächtung bewaffneter auseinandersetzungen, ob das jemals dann auch bei den verantwortlichen ankommt oder ob genügent druck aufgebaut werden kann ist sicherlich offen.

  4. Picki sagte, am 31. Dezember 2008 zu 15:02

    allerdings ist es das.
    Ich würde mir allerdings auch Strafen für die Publikation solcher Videos wünschen. Oder?

  5. Cem Basman sagte, am 31. Dezember 2008 zu 15:03

    @Picki, ich denke YouTube wird sehr schnell darauf reagieren. Strafen kann YouTube nicht, aber die Videos entfernen bzw den zuständigen Stellen zur Verfügung stellen.

  6. Moe sagte, am 31. Dezember 2008 zu 15:33

    Ob es wohl einen Zusammenhang dazu gibt, dass Israel – soweit ich das gestern den Medien entnahm – dort keine ausländischen Journalisten reinlässt?

  7. Cem Basman sagte, am 31. Dezember 2008 zu 15:47

    @Moe, Al Jazeera berichtet aus innerhalb der Kriegszone in Gaza: http://www.youtube.com/user/AlJazeeraEnglish

  8. Cem Basman sagte, am 31. Dezember 2008 zu 15:51

    @Moe …und gerade eben: tagesschau.de „Urteil des Obersten Gerichtshofs – Israel muss wieder Journalisten in den Gazastreifen lassen“
    http://www.tagesschau.de/ausland/journalistengaza100.html

  9. Liron sagte, am 31. Dezember 2008 zu 16:34

    I don’t know anything about the IDF not letting in foreign media (sounds likely, given the situation on the ground) but I think the concept of having user-generated media fantastic. The traditional media is so heavily biased (as it tends to be) on both sides of the conflict that as difficult as the pictures may be, it’s refreshing to live in an age where we can receive a direct link from and to the people who are going through these ordeals.

    Not only for media purposes – since the cellphone lines in Israel went down in the south of Israel yesterday following the rocketing, my family used Skype to communicate that my brother (who is at the university in the south of Israel) was safe and that the rockets did not hit close to him.

  10. Thomas Dolby sagte, am 31. Dezember 2008 zu 16:37

    Israel versucht es nach dem Libanon-Debakel mit einer neuen Strategie, ob das funktioniert, bleibt fraglich.
    Der begriff embedded bekomt so jedenfalls eine neue Dimension. Die Probleme in Palästina werden so aber gewiss nicht gelöst

  11. Moritz sagte, am 31. Dezember 2008 zu 16:44

    Soweit ich weiß, hat auch das ZDF einige Reporter vor Ort – das sind dann palästinänsische Mitarbeiter des ZDF.

  12. [...] Kriege wirklich PR und Social Media brauchen, wie einen YouTube-Channel. Frank antwortet. Und Cem hat einen schönen Beitrag darüber, wie die Kriegsparteien Social Media als Waffe [...]

  13. Ben sagte, am 31. Dezember 2008 zu 21:12

    Auch wenn youtube versucht die Videos zu entfernen werden sie irgendwo im netz landen (zb liveleak).

  14. Cem Basman sagte, am 31. Dezember 2008 zu 22:22

    Update 3: Offensichtlich hat YouTube einige Beiträge aus dem Kanal der israelischen Armee (IDF, Israel Defense Forces) herausgenommen bzw. die Ansicht einiger weiterer eingeschränkt. Deshalb plant die IDF ein eigenes Blog aufzusetzen, um ihr Video-Material der Öffentlichkeit uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen.

  15. Rias A. Sherzad sagte, am 31. Dezember 2008 zu 23:02

    Ja, Raketen in das dichtbesiedeltste Wohngebiet der Welt (Gaza) feuern, geliefert von den USA – so löst man seit 2001 Probleme. USA? Genau… das sind die, die nicht einmal Maschinen bauen können um Wahlzettel zu zählen, aber dann angeblich Raketenlenksysteme entwickeln, mit denen dann „chirurgisch-präzise“ Schläge gegen Waffenfabriken geführt werden. Ist klar. Wer Raketen in Richtung Israel schickt ist feige, aber wer Bomben aus einem Flugzeug über Wohngebiete abwirft ist mutig und ein Befreier… hmm…

    Das nennt man Propaganda, insbesondere wenn man überlegt, mit welchen Argumenten eine demokratisch gewählte Regierung gestürzt werden soll. Früher war die Hamas der verlängerte Arm der Sowjets, dann der Al-Qaida und momentan, weil es so schön in die allgemeine Hysterie passt, ein verlängerter Arm des Irans. Bullshit.
    Achja, zum Thema Medienpropaganda empfehle ich Noam Chomsky’s „Media Control“, sehr lesenswert.

    Wen es interessiert: die folgende Karte zeigt, wie das den Palästinensern gehörende Land durch diverse Kriege, Annexionen und gewaltsame Vertreibungen verkleinert wurde. Verhandelt wird mit der Fatah nur noch über „Stage 4″ , die „Stage 3″ ist nicht mehr erreichbar seitdem die Israelis die Verhandlungen in der Clinton-Ära haben scheitern lassen:
    http://img.photobucket.com/albums/v508/newlife71128/palestine.gif

  16. Katzenelson sagte, am 1. Januar 2009 zu 08:48

    Cem Basman sagt und verlinkt: „Meinen Standpunkt zum Krieg in Gaza habe hier schon dargestellt.“
    Ich aber konnte dort keinen „Standpunkt“ eines Cem Basman erkennen.

    Schalom aus Israel!

  17. Cem Basman sagte, am 1. Januar 2009 zu 13:16

    @Katzenelson, mein Standpunkt ist eindeutig: „Verständigung“. Denn: „Es gibt sicher viele Gründe, gegen eine Verständigung zu sein, aber nur einen einzigen dafür. Den wahren.“. Und der heisst Shalom, Salam, Frieden. Siehe auch meinen Kommentar dazu.

  18. Katzenelson sagte, am 1. Januar 2009 zu 14:17

    Wischiwaschi, nichts zu danken.
    Da finde ich den Standpunkt ägyptischer Politik doch viel interessanter: http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1230733129053&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

  19. Cem Basman sagte, am 1. Januar 2009 zu 14:32

    @Katzenelson, ich gehe mal davon aus, dass der israelische Ministerpräsident auch gut geschützt seine Zeit verbingt und nicht offen im Schützengraben an der Front liegt. Wie auch die besagten Leute der Hamas.

    Das Thema dieses Artikels hier ist, wie beide Seiten massiv das Social Web für ihre Interessen nutzen, nicht wer Recht oder Unrecht im Konflikt hat, oder gar wer angefangen hat. Das ist ein anderes Thema. Ein Thema, das uns der Lösung des Konflikts nicht unbedingt weiterbringt. Das kann man ewig diskutieren. Ähnlich wie bei einer Ehescheidung. Das ergibt nur eine endlose und unfruchtbare Debatte um Schuld und Gegenschuld.

  20. Katzenelson sagte, am 1. Januar 2009 zu 20:11

    In Sachlichkeit: Ein PM Israels lebt gut geschützt (wie sein Volk) im besten Fall, nie aber kriegestiftend untergetaucht außer Sicht im Versteck oder Exil (siehe auch: A. Hitler, S. Hussein, H. Nassrallah, I. Haniya etc.).
    In veritas: Es wird NICHT zum ersten Mal in einem Krieg von den Parteien und ihren Anhängern das Social Web aktiv und bewusst als Informationswaffe eingesetzt; es ist allenfalls so, dass diesmal sich auch die Israelis organisierter dieser Bühne bedienen.

    Katzenelson,
    deutsch-katholischer Atheist in Israel

  21. Katzenelson sagte, am 1. Januar 2009 zu 22:26

    Aktuelle Zugabe, zur gefälligen Kenntnisnahme: http://wa-ne2.www.haaretz.com/hasite/images/iht_daily/D010109/info2.jpg

  22. Rias A. Sherzad sagte, am 2. Januar 2009 zu 14:30

    Wurde gefällig zur Kenntnis genommen.
    … und was möchten Sie uns mit dieser Statistik sagen?

    Rias A. Sherzad,
    Afghanischer Muslim in Hamburg

  23. Krieg 2.0 « magucken sagte, am 2. Januar 2009 zu 17:20

    [...] Ein aktuelles Beispiel im heise newsticker: Israelisches Militär startet YouTube-Channel oder Gaza Krieg 2.0 in Twitter und YouTube im Blog Sprechblase von Cem Basman. Laut heise hat die israelische Botschaft in N.Y. eine [...]

  24. dani sagte, am 2. Januar 2009 zu 20:51

    Ehud Olmert, seit dem Herbst nur noch israelischer Ministerpräsident auf Abruf, führt sein Land zum Jahresende in einen neuen Krieg und macht dabei falsch, was er nur falsch machen kann. Zwar ist es prinzipiell legitim, gewaltsam auf die Raketenangriffe zu reagieren, mit denen israelische Zivilisten aus dem Gazastreifen heraus terrorisiert werden. Das Ausmaß der Reaktion aber ist völkerrechtlich und moralisch nicht vertretbar.
    Olmert stellt zudem die neue Führung seines Verbündeten USA, die in drei Wochen antritt, vor vollendete Tatsachen, und vor allem: Er führt einen Krieg, der ebenso wenig zu gewinnen ist wie zwei Jahre zuvor der ebenfalls von ihm zu verantwortende Libanon-Krieg. Noch härter gesagt: Olmert betreibt unfreiwillig das Geschäft der Hamas, vor der er seine Landsleute schützen will. Er hat sich von dieser islamistischen Verbrecherbande zu einem aussichtslosen Vorgehen provozieren lassen. Bewusst hat die Hamas ihre Stellungen so errichtet, dass es es unmöglich wäre, sie zu treffen und dabei Zivilisten zu schonen.

    Abgesehen vom hundertfachen persönlichen Leid bedeutet jeder tote oder verwundete Zivilist, jedes zerstörte Wohnhaus einen Propagandaerfolg für jene Hamas-Aktivisten, die ihrerseits pervers genug denken, um aus Wohngebieten Raketen auf Wohngebiete schießen zu lassen. Die Infrastruktur dieses Hamas-Terrors lässt sich weder durch Luftangriffe zerstören noch durch Panzerkolonnen. Dazu müssten in einem Gebiet mit 1,5 Millionen Einwohnern Haus für Haus Razzien gestartet werden. Und das wird Olmert kaum riskieren.

    Unbestreitbar ist, dass Israel seine Bürger schützen muss. Nur scheitert Olmert ja genau an dieser Aufgabe. Ein Gewinn an Sicherheit ließe sich nur durch mühsame Verhandlungen erreichen, etwa mit Syrien, aber auch mit Ägypten, über dessen Gebiet der Waffenschmuggel läuft. Vor allem aber müssten die Palästinenser im Gazastreifen eine erträgliche Lebensperspektive erhalten. Bomben und Panzer dagegen treiben sie nur den Islamisten in die Arme.

  25. [...] wie mir nicht weit   Bereits seid der erneuten Zuspitzung der Gaza-Krise findet man im Netz zahlreicheQuellen, die davon sprechen, dass sich Israel in dieser Zeit verstärkt auch der modernen Medien [...]

  26. [...] Weitere Internetnutzung zur Berichterstattung bei Sprechblase. [...]

  27. [...] abend der Einmarsch der Israelis in Gaza war ein gutes Beispiel dafür. Bevor eine Nachrichtenagentur die Meldung überhaupt auf den Ticker für ihre Abonnenten in [...]

  28. /sms ;-) sagte, am 5. Januar 2009 zu 18:31

    danke für deine tollen hinweis…

  29. hans sagte, am 6. Januar 2009 zu 13:17

    Hallo liebe Leser,

    Ich finde es sehr Traurig dass ein Volk wie die Juden die selbst seit Jahrtausenden verfolgt wurden, nun an einer Minderheit genau das gleiche vollstrecken was ihrem Volk im 2. Weltkrieg passiert ist.
    In den Nachrichten wird verbreitet dass die Angriffe noch nie in der Geschichte so gezielt und Präzise durchgeführt wurden wie in diesem Krieg(Massaker). Doch die Wahrheit ist, die Menschen im Gazastreifen bestehen zu 99% aus Zivilisten, sie sind Eingekesselt und werden mit Streubomben, Mörser-Granaten, Raketen, Panzern und zum Schluss von der Armee mit Gewehren beschossen. Streubomben sind Bomben die sich in Riesige Teppiche aus kleinen Bomben teilen und Riesige Flächen komplett aus löschen, das kann man doch nicht als gezielte Schüsse gegen Terroristen auslegen oder was meint Ihr dazu?
    Ich bin Deutscher und absolut Unparteiisch.
    Meine objektive Meinung das es sich hierbei um vorsätzlichen Völkermord handelt!

  30. Rias A. Sherzad sagte, am 7. Januar 2009 zu 00:40

    Hans, das ist kein „Muslime gegen Juden“-Krieg -und wird es hoffentlich auch nie werden – sondern „Palästinenser gegen Zionisten/Israel“.


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