Hagia Sophia – Kathedrale und Moschee

207_253_hagia_sophiaAbbildung: Hagia Sophia, Lithographie der Gebrüder Fossati, “Aya Sofia Constantinople”, London 1852, pl. 25 (Athens Gennadeios Library) digital wieder aufgelegt bei Octavo Editions.

Die Hagia Sophia in Istanbul ist einer der weltweit majestätischsten Denkmäler der sakralen Architektur. Sie war lange Zeit die grösste christliche Kathedrale der Welt. Eine orthodoxe Basilika. Erbaut 537 vom byzantinischen Kaiser Justinian wurde sie nach der Eroberung der Stadt 1453 von den türkischen Osmanen als Moschee umgestaltet und um vier Minarette und einige Nebenbauten erweitert. Heute ist sie nach der Gründung der Republik 1923 ein Museum. Sie liegt prächtig zwischen dem Goldenen Horn, dem Bosphorus und dem Marmara-Meer gut sichtbar auf einem der Hügel Istanbuls. Ihre grosse abgeflachte Kuppel war das spätere Vorbild für die grossen imperialen Baumeister des Osmanischen Reiches, wie für den grossen Architekten Sinan, Erbauer der berühmtesten grossen Moscheen und Paläste des 16. Jahrhunderts . Die Hagia Sophia symbolisiert durch ihre Geschichte wie kein zweites Gebäude die Befruchtung zwischen Oxident und Orient. Aber auch zwischen dem arabischen Nordafrika und dem slawischen Kulturraum im Norden. Bis heute ist in Istanbul übrigens immer noch der Sitz des Metropoliten, des Oberhaupts der griechisch-orthodoxen Kirche.

Interessanterweise gibt es auch ein berühmtes Gegenstück zur Hagia Sophia, am anderen Ende des Mittelmeeres: Die Mezquita de Córdoba, die von einer islamischen Moschee (erbaut 784) in eine christliche Kathedrale (1236) umgewandelt wurde. Dabei hat man ihr einen Glockenturm hinzugefügt. Auch sie steht für die wechselvolle Geschichte zwischen Muslimen und Christen. Ich würde sie sehr gerne einmal besuchen eines Tages.

Ich bin stolz, genau an diesem Schnittpunkt der Kulturen geboren zu sein. Meine Heimatstadt ist Byzanz, Konstantinopel und Istanbul gleichermassen. Einer der ältesten noch bestehenden Städte der Welt mit über 2.500 Jahren ununterbrochener Geschichte, die heute noch spürbar ist. Stadt der Begegnung zwischen Ost und West. Nord und Süd. Heute, Gestern und Morgen. Stadt der Völker. Stadt der Verständigung der Kulturen, Sprachen und Religionen. Stadt der Toleranz. Das hat mich in meiner Haltung geprägt wie keine andere Stadt.

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14 Antworten zu “Hagia Sophia – Kathedrale und Moschee”

  1. Hendrik sagt :

    Bin Anfang Juni das erste mal in Istanbul, dein Artikel sorgt für noch mehr Vorfreude ;-)

  2. Cem Basman sagt :

    @Hendrik, das freut mich sehr. Viel Spass in der Stadt zwischen den Kontinenten!
    Hier sind einige Artikel mit Stichwort “Istanbul”:
    http://sprechblase.wordpress.com/?s=istanbul
    Vielleicht findest du etwas interessantes für dich darunter.

  3. Oliver sagt :

    Ohne diese “Schnittstelle” wäre heute bei uns nicht viel Kultur zu finden, das vergessen leider auch viele.

  4. Cem Basman sagt :

    @Oliver, das schöne an Kultur ist ja, dass gerade wenn sich unterschiedliche Kulturen begegnen, neue und interessantere Kulturen entstehen können. Die Geschichte ist voll davon. Aus der richtigen Mischung von bestehenden entstehen immer neue Stoffe. Kultur ist wahrscheinlich mit Chemie verwandt :-)) …aber als Archäologe ist dir das ja alles längst vertraut :-)))

  5. Chris sagt :

    Ich liebe diese Texte von Dir. :)

    [Insider] Die sind weitaus gehaltvoller als die eines Malte W. [/Insider]

  6. Tim sagt :

    Beides sehr schöne Orte. Ausgangspunkt und Zwischenstopp einer potentiellen Mittelmeerrundreise? ;-)

  7. Cem Basman sagt :

    @Tim, ach schön wär’s. Eine Kreuzfahrt von einem zum anderen Ende…

  8. dot tilde dot sagt :

    hast du eigentlich pamuks autobiografisches buch über istanbul gelesen?

    .~.

  9. Britta Stahl sagt :

    Ein wirklich beeindruckendes Kulturdenkmal – und es steht wohl zu Recht in dieser traumhaften Stadt, die schon immer ein Handelsknotenpunkt und kultureller Treff war. Die Stadt steht noch auf meiner Urlaubsziele-Liste!

  10. missZ sagt :

    Danke für diesen Beitrag, hat mich doch zu Tränen gerührt. Irgendwie vermisse ich die Stadt

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  2. Planblog - 24. März 2009
  3. Mancher kann nicht aus dem Fenster hinausdenken » F!XMBR - 24. März 2009

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