Ich fahre Rad.

Bis vor einiger Zeit war ich Autofahrer. Jetzt fahre ich in der Stadt gerne Bus und Bahn. Es ist deutlich schneller und ich brauche in der überfüllten Innenstadt keine Parkplätze suchen. Es spart Zeit. Ich bin beweglicher und es schont die Nerven. Auch in die benachbarten Metropolen wie Berlin fahre ich mit der Bahn. Es macht mir Spass und ist billiger. Ich komme ausgeruht und völlig entspannt an.

Ich esse seit einigen Jahren viel bewusster. Und weniger. Schaue kaum noch fern. Habe bis auf wenige Gelegenheiten die Kravatte abgelegt. Lese mehr Bücher. Mache mehr Dinge, die mich interessieren. Spreche mehr mit Freunden. Habe das Rauchen reduziert. Kurz davor, es wieder aufzugeben. Ich vereinfache mein Leben. Befreie meinen Kopf. Fange an, mich auf das zu konzentrieren, was mir wichtig ist. Was meine Aufgabe ist.

Seit vorgestern habe ich ein Rad. Eine Rixe.  Ein etwas älteres klassisches Modell, dass auch zu mir passt, wie ich finde. Man fährt es in aufrechter Haltung. Ich bin Jahrzehnte nicht mehr Rad gefahren. Heute habe ich damit eine Radtour gemacht. Es ging leicht und locker. So als ob ich nie etwas anderes je gemacht hätte. Es war ein sehr schönes Gefühl. Den Fahrtwind an diesem warmen, fast sommerlichen Frühlingstag ím Haar zu spüren. Das Hemd offen. Die Stadt und die Parks aus einer ganz anderen und neuen Perspektive zu entdecken. Es war toll. Ein ganz neues Lebensgefühl. Ich hätte das nie gedacht. Ich hatte es fast vergessen.

Mein Leben hat sich in den letzten drei bis vier Jahren sehr geändert. Ich lebe viel bewusster. Ich geniesse die kleinen Augenblicke. Den schönen Moment. Die gute Gesellschaft. Es ist, als ob ich zu mir zurück kehre. Alles fremdbestimmte fällt ab. Ich befreie mich zusehend. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Es gibt nur ein Leben.

PS: Das Bild vom Fahrrad liefere ich nach.

10 Gedanken zu „Ich fahre Rad.

  1. Pingback: Zitat des Tages: Es gibt nur ein Leben » F!XMBR

  2. Rixe ist fein, aber ich glaube ein Paper Boy würde noch besser zu dir passen.

    Ich war mal 3 Jahre motorlos in Hamburg unterwegs. Täglich ca. 20 km auf dem Fahrrad. Selten ging es mir besser als zu der Zeit. Fahrrad fahren, aus eigenem Antrieb heraus, hat etwas meditatives. Und für den Körper gibt’s eh kaum was besseres. Ich werde heute mal in den Keller und meinen Single-Gear Cruiser wieder fit machen.

  3. Wenn dir die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel schon wie eine Befreiung vorkam, warte mal ab, bis du dich an ein Fahrrad gewöhnt hast. Man ist relativ schnell unterwegs (innerhalb einer Stadt jedenfalls), ist aber auch punktgenau da, man hält vor dem Haus, wo man hin will. Das Kreuz bei den Öffentlichen ist ja immer zum einen die Taktung (zweimal hintereinander gerade die Bahn verpasst sind halt 2x10min unnützer Wartezeit) und zum anderen, dass nicht überall eine Haltestelle ist. Gerade wenn man auf dem Heimweg noch ein paar Anlaufstellen abklappert (noch zur Apotheke, nochmal zum Gemüsemann, ach ja und noch zur Post), dann ist man mit dem Rad sowas von unschlagbar effizient unterwegs …

    Ich fahre seit mehreren Jahren beinah täglich mit dem Rad, seit zwei oder drei Jahren auch bei jedem Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit. War dieses Jahr eine ziemliche Herausforderung, bei -20°C auf zum Teil ungeräumten, eisglatten Flächen, aber es geht und seitdem bin ich auch viel seltener krank. Keine Ahnung, ob das an einer gewissen Abhärtung liegt oder weil ich nicht mehr im Bazillenkonzentrator namens öffentlicher Nahverkehr unterwegs bin.

  4. @Cem, re: “Die Stadt und die Parks aus einer ganz anderen und neuen Perspektive zu entdecken.”

    Das geht mir genauso, seit ich selbst mit dem Fahrrad unterwegs bin. Als ich damit vor ca. vier Jahren wieder anfing (ich hatte seit der Schulzeit “pausiert”), gewann ich ein enormes Stück Lebensqualität hinzu.

    Viel Spaß mit der Rixe!

  5. So, wieder zurück. Es war herrlich und mir geht es gut. Auch nicht sonderlich müde oder verkrampft. War heute ganz im Norden von Hamburg aus der Stadtmitte. Dann zum Hafen und dort rumgefahren. Zum Schluss wieder zurück nach Hamburg-Eppendorf. Mir geht es gut. Dank allen für die guten Wünsche und Ratschläge. das rad ist jetzt eingeweiht und gehört zum festen Bestandteil meiner Fortbewegung.

  6. Pingback: inspiration/leader | ralf schwartz

  7. Das klingt wie eine wunderschöne Art, den Frühling zu begrüssen! Mein feines Rad staubt seit Jahren im Keller vor sich hin, noch nie benutzt. :( Manchmal wünsche ich, es wäre nicht so kompliziert, mit den Öffentlichen zur Arbeit zu kommen. Früher habe ich das Bahn- und Busfahren auch sehr genossen. Und viel mehr gelesen! :)

  8. Cem … kann Dir nur zustimmen …. Hab mir vor zwei Wochen ein neues Fahrrad gekauft und nun seit 6 Jahren wieder jeden Tag mit dem Rad unterwegs … cool … und der “kleine” Jack, 2,5 Jahre alt … findest es S U P E R jeden morgen und Abend mit dem Fahrrad zum Kindergarten… beim Auto gabs immer geheul … jetzt findet er es großartig …

    Fahrrad fahren rockt!

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