Archiv | Mai 2009

Jeune Tarentine

Paris 053

“Mädchen aus Tarent” (1871), Marmorstatue des deutsch-französischen Bildhauers Alexandre Schoenewerk, Musée d’Orsay, Paris (Photo Copyright: Cem Basman). Inspiriert nach einem Gedicht (mit einer Hommage an de Sade) von André Chénier (* 29. Oktober 1762 in Galata bei Konstantinopel; † 25. Juli 1794 in Paris durch die Guillotine). Die Inschrift der Statue zitiert einige Zeilen aus diesem Gedicht:

Un vaisseau la portait au bord de Camarine
Là l’hymen, les chansons, les flûtes lentement
devaient la reconduire au seuil de son amant

Die Figur stellt die gebrochene junge Frau dar, die ihren Geliebten für immer verloren hat. Die Werke des Dichters Chénier wurden erst lange nach seinem Tod entdeckt und veröffentlicht. In der Zeit der französischen Romantik, Anfang des 19. Jahrhunderts. Wikipedia beschreibt das Lebensgefühl in der Kunst dieser Zeit recht treffend:

Die Grundthemen der Romantik sind Gefühl, Leidenschaft, Individualität und individuelles Erleben sowie Seele, vor allem die gequälte Seele. Romantik entstand als Reaktion auf das Monopol der vernunftgerichteten Philosophie der Aufklärung und auf die Strenge des durch die Antike inspirierten Klassizismus. Im Vordergrund stehen Empfindungen wie Sehnsucht, Mysterium und Geheimnis. Dem in die Zukunft gerichteten Rationalismus und Optimismus der Aufklärung wird ein Rückgriff auf das Individuelle und Numinose gegenüber gestellt. Diese Charakteristika sind bezeichnend für die romantische Kunst und für die entsprechende Lebenseinstellung.

Obwohl ich in einer rationalen Zeit lebe und in einem vordergründig sehr rationalen Beruf arbeite, fühle ich mich dem Lebensgefühl der Romantik innerlich doch sehr verbunden.  La Jeune Tarentine hat mich beim ersten Anblick sofort gefangen genommen, ohne dass ich ihren Hintergrund ahnte oder gar kannte. Ich habe es gespürt.

Carls in der Hafencity: Geisterstadt für Singles

Spätnachittags an einem Freitag war ich zum Abschluss eines Bummels durch die Hafencity im Bistroteil von „CARLS an der Elbphilharmonie”. Es hat mich leider nicht überzeugt.

Das Positive vorweg: Der Service war aufmerksam und sehr freundlich. Da merkt man deren Abstammung vom Edelhotel- und Restaurants Louis C. Jacob an der Elbchaussee. Der kleine Bruder “Carls” in der Hafencity allerdings wird seinem Anspruch nicht ganz gerecht, finde ich.

Das liegt teilweise auch an der Lage. Ich war jetzt Ende Mai gegen 18 Uhr das erste Mal zu dieser Stunde dort. Das Lokal liegt im gigantischen Schatten der Elbphilarmonie im Bau, das erst 2011 fertig werden soll. Die ganze Hafencity macht in den Nachmittags sogar bei klarem Wetter einen schattigen, düsteren und kalten Eindruck. Es kommt keine Atmosphäre rüber, es sei denn man ist ganz vorne am Kaiserkai und hat einen halbwegs freien Blick auf den Hafen. Die überdimensionale Legostadt in Glas, Stahl und Stein im Rücken.

Zurück zum “Carls”: Gut gemeint, aber völlig überdesignt, Bistrokarte zu gewöhnlich. Ich hatte eine Tartine mit Tunfisch, die nach Dose schmeckte. Die “hausgemachte” Majonäse konnte ich nicht entdecken. Der Elsässer Flammkuchen war OK, zwar bischen trocken, da ziemlich wenig Schmand drauf war.

Die Karte des Brasserieteils, dem Restaurant also, bestand aus deutschen Klassikern mit italienischen Pasta-Akzenten. Nicht originell, aber wohl dem erwarteten bürgerlichen Philharmonie-Publikum in zwei Jahren angemessen. Also: Keine Experimente. Durchschnitt im Angebot. Schade eigentlich.

Bemerkenswert allerdings die grosse und gute Gewürzauswahl, die man dort kaufen kann. Eine Hommage an die grosse Gewürzhandelstradition des Hamburger Hafens. Das finde ich gut. Die Preise dafür allerdings jenseits von Gut und Böse.

Ich weiss nicht, ob und wie sich die Hafencity entwickeln und beleben wird. Heute habe ich noch meine Zweifel. Bei Mietpreisen für Wohnungen bei etwa Euro 30/qm (Mai 2009) sieht es mir mehr nach Abschreibungsobjekten und gelangweilter Nachbarschaft in einem toten Viertel aus. Eine Geisterstadt für Singles mit hohem Einkommen und ohne Kinder. Schaunmermal.

Update: Lightartist twittert mir daraufhin zu: “Auf die Elbphilharmonie gehört zu 100% ein Städtelaser von mir: http://www.youtube.com/watch?v=PxrrzxRfyHg #Lichtwahrzeichen”Meine Antwort postwendend: “Gute Idee. Und ein paar Scheinwerfer gegen die Schatten in der laserfreien Zeit :-)”.

Update 2: bosch hat ähnliche Erfahrungen gemacht in der Hafencity und belegt es mit (zu) schönen Photos.

comicstars.de: Mangas digital publizieren und vermarkten

winnerEigentlich eine sehr naheliegende Idee, die schon längst im deutschsprachigen Raum überfällig ist. Ich hatte vor Kurzem gerade darüber mit Dirk Baranek auf dem PolitCamp09 in Berlin gesprochen. Dirk, selber mal Comicbuch-Verleger, meinte dazu, der Markt für (digitale) bunte Bilder sei in Deutschland nicht so gross und beliebt wie beispielsweise in Frankreich, Japan oder Amerika. Es gäbe nicht genügend Fans und die Tradition sei nicht so ausgeprägt wie in den genannten Ländern. Wahrscheinlich hat er nicht ganz unrecht.

Ich bin und war immer ein Fan von guten gezeichneten Geschichten für Erwachsene. Bei comicstars.de kann nun der Aficonado eigene Mangas und andere Comics digital publizieren und vermarkten. Deutsche-startups.de meinte dazu, es sei erste Plattform dieser Art auf europäischem Boden und in Japan sei es ein Milliardengeschäft. Sei’s drum.

Ich habe aber einen grossen grundsätzlichen Kritikpunkt dazu. Nicht an comicstars.de, sondern an den Künstlern:

Hefte aus Papier sind meistens im Hochformat wegen der besseren Handhabung. Aber digitale Comics werden auf einem Bildschirm im Querformat betrachtet. Warum alle(?) veröffentlichten Geschichten im Hochformat sind, entgeht mir völlig. Für mich heisst das, dass die Zeichner das Medium “digital” und die Lesegewohnheiten nicht verstanden haben. Es sind bisher digitalisierte Papiergeschichten. Hochkantige Panels zu scrollen ist doof. Auch die Mimik, Doppelseiten durchzublättern. Die Handhabung am Bildschirm ist anders als mit bedrucktem Papier. Irgendwie ist es wie Pils aus Schnapsgläsern zu trinken so.

799px-Aspect_Ratios_and_Resolutions_svgHier sind Bildschirmformate und -auflösungen. Die meisten nutzen Querformat 1024×768 und höher. Liebe Talente im deutschsprachigen Raum, bitte entdeckt doch das neue Medium für euch, spielt damit rum und optimiert eure Geschichten an das Publikum an den Monitoren! Digitalisiert nicht eure “Kritzeleien auf Karton”, sondern… Macht gleich echte digitale Mangas und Comics!

REMIX09: Mehr Klassiker bitte!

Onliner sind genug da. Der Werbeblogger Roland Kühl-v.Puttkamer ruft daher die etablierten Werbeagenturen, die Klassiker, noch einmal verstärkt zur aktiven Teilnahme an der REMIX09 in Hamburg auf:

Also, liebe Kolleginnen und Kollegen von kempertrautmann, Kolle Rebbe, Nordpol, Ogilvy, BBDO, Springer & Jacoby, Grabarz, Heye und Co., bereichert die remix09 mit eurer Anwesenheit, euren Meinungen und Überzeugungen. Nehmt live und aktiv an den Diskussionspanels teil, bei denen wir klassische Branchenvertreter wie Prof. Peter Wippermann, Volker Nickel, Bernd M. Michael oder Wolfgang Hünnekens wiedersehen werden. Oder schlagt ad hoc ein Diskussionsthema bei den Session Pitches vor, welches euch unter den Nägeln brennt. Die remix09 lebt vom Mitmachen und der Vielfalt der Meinungen und Ansichten.

Dem kann ich mich nur anschliessen. Onliner sind schon viele an Bord. Die Klassiker sind zu wenig vertreten, um ein ausgewogeneres Verhältnis zu den Web-Avantgardisten zu bilden.

Letzter Stand der Anmeldungen: 114 Teilnehmer, darunter Angestellte und Agenturvertreter von u.a. Jung von Matt, Scholz & Friends, Grey, Publicis, (Tribal) DDB, Philipp & Keuntje, fischerappelt, oder elephantseven. Knapp 40 Tickets sind noch verfügbar.

Tag. Und Nacht.

jouretnuitKönnte der Titel eines Gedichts sein. Hingekritzelt auf die Papierserviette eines Cafés. Oder ein Roman über eine amour fou. Ein Nouvelle Vague Film der sechziger Jahre vielleicht. Mit ungewissem Ausgang. Jour et Nuit.

Oder einfach nur ein Halteverbotschild.

2000 Tage Rebellmarkt.

Rainer Meyer bin ich leider bisher persönlich nie begegnet. Don Alphonso, sein alter ego, die Kunstfigur, lese ich fast jeden Tag. Rebellmarkt, sein Blog ist heute 2000 Tage alt geworden. Eine stolze Zahl. Er schreibt dort seit Mittwoch, 3. Dezember 2003. Beharrlich. Über fünf Jahre. Respekt. Ich mag Don Alphonso.

Er legt den Finger in die wunden Stellen der New Economy, bei deren Protagonisten er nicht gerade besonders beliebt ist. Verständlich. Er hat aber oft recht. Manchmal liegt er aber auch krass daneben. Eine Hassliebe zwischen beiden Seiten. Gegnern, meint man. Don nennt die Dinge beim Namen. Im Ton vergreift er sich allerdings auch provokativ gerne. Er übertreibt, um auf den Punkt zu kommen. Das ist gefährlich. Das schafft Feinde.

Er erfüllt aber im digitalen Zirkus der Republik eine wichtige Rolle. Die des weissen Clowns. Er hält dem Dummen August und seinen Torheiten den Spiegel vor. Ja, er ist ein Spielverderber. Das ist keine beliebte Spielfigur. Aber eine notwendige. Der Don hat die Abgründe des Web 2.0, das AAL-Prinzip und die Zockereien der Grossmannssüchtigen aus den etablierten Unternehmen wie auch einigen Parvenues der jungen Unternehmen thematisiert und aufgedeckt. Dabei ist er oft genug auch über das Ziel hinweggeschossen. Immer gut geschützt durch seine treue Prätorianergarde, seinen Fans und Stammkommentatoren. Gelegentlich war ich mir auch nie sicher, ob er nicht selber auch gerne Teil des “grossen Spiels” gewesen wäre. Manchmal hört man auch seine Bitterness durch. Er kennt seinen Gonzo-Journalismus des Hunter S. Thompson.

Don Alphonso schafft es wie kein zweiter, zu polarisieren und zu politisieren. Verpackt ín letzter Zeit in kulturgeschichtliche und grossbürgerliche Kontexte. Seine Texte strotzen vor vegetarischem Foodporn, klassischen Fahrzeugen, Bürgerstil-Einrichtungen und winterlichen Schlittenfahrten, um jedesmal elegant oder unvermittelt in ein und demselben Artikel die Kurve zu den aktuellen Ereignissen in der Wirtschaft des 21sten Jahrhunderts zu kratzen. Das muss man können. Da werden jetzt alle aufschreien, denen er auf die Füsse getreten ist. Auch Menschen, die ich persönlich gut kenne, ausserordentlich schätze und sehr mag.

Ich habe mit Don Alphonso gelegentlich sehr inspirierende und freundschaftliche Mails ausgetauscht und auch mal das eine oder andere Telefonat geführt. Ich habe ihn als sehr gebildeten, belesenen und sehr freundlichen und sehr höflichen Menschen erlebt. Ich teile nicht immer seine Ansichten. Vor allem häufig nicht die Wortwahl in seinen Artikeln. Das stimmt. Ich bin eine andere Generation. Aber ich empfinde ihn als eine wichtige und interessante Bereicherung.

Ausser im Rebellmarkt kann man Don Alphonso an der Blogbar und in den FAZ Blogs lesen, dessen unerreicht meist kommentierter und gelesener Blogautor er ist. Herzlichen Glückwunsch zu zweitausend Tagen Kampf gegen die Windmühlen, Don. One of the last  independents. wie auf dem Rückenschriftzug des weissen Overall von Charley Varrick, dem crop duster, in der Schlussszene des gleichnamigen Films.

Wieviel Social Network braucht der Mensch?

Boogie hat zu dieser Diskussion in Facebook, die ursprünglich durch einen Tweet in Twitter ausgelöst wurde, einige kluge Gedanken in audioboo.fm mit seiner wunderbaren mitternächtlichen Radiostimme gesprochen (04:48 Minuten). Bitte alle mal reinhören.

In diesem Wirrwarr der Plattformen und virtuellen Vernetzungen, ist es manchmal wohl doch effizienter sich morgens zum Kaffee zu treffen und sich die Zeit für die Zwischentöne in einem persönlichen Gespräch zu nehmen. Manchmal vergessen wir Webbies das. Der allergrösste Teil der Menschheit und unserer Lieben telefonieren lieber oder schreiben mal höchstens eine Mail, anstatt sich zuzutwittern und vollzubloggen. Ist einfach nun mal so.

PS: Boogie, du solltest Mitternachtssprecher “for the lonely” im Radio werden. Frag doch mal bei Byte.FM nach. Ruben, hörst du mich?

Jeff Jarvis braucht einen Titel für sein neues Buch

Der bekannteste Medienblogger der Welt, Jeff Jarvis, Blogger und Autor von What Would Google Do? schreibt ein neues Buch und ruft alle seine Leser auf, ihm bei der Suche nach einem guten Titel zu helfen. Ich habe einige Vorschläge gemacht und bin schon auf der ersten Shortlist. Das freut mich. Es können in den Kommentaren zum Artikel weitere Vorschläge gemacht werden. Gute Idee.

Meine Favoriten: “Shift happens” (nicht ganz unbekannt hierzulande), “Buzz to Business” oder auch “Buzz to Bizz”.

Don’t Panic. It’s Intern’l Towel Day.

Never ever ever forget your towel. Guard it with your life. So long, and thanks for all the fish, Douglas!

Massive Spam- & Phishing-Attacken in Twitter & Facebook

In den letzten Tagen häufen sich wieder Spam- und gerade Phishing-Attacken in zwei sehr grossen und wachstumsstarken Kanälen: Twitter und Facebook.

Beispielsweise empfangen momentan viele Facebook-Nutzer Mails mit der Betreffzeile “Look at this” und einem Verweis auf eine Webseitenadresse, die wie eine belgische Domain aussieht, mit der Endung “.be”, die aber natürlich gefälscht ist. Klickt man drauf, wird man nach seinem Facebook-Passwort gefragt, die dann für weitere Mails an seine Facebook-Freunde verwendet wird. So entstehen lawinenartige Spammails. Vermehrt wird in Facebook und Twitter vermutet, dass die Drahtzieher dieser Aktionen in China sitzen sollen. Bei solchen Mails sofort die Nachricht ungelesen löschen und auf gar keinen Fall auf irgendwelche Links klicken. Der Grundmechanismus dabei ist immer, das vorgegaukelt wird, dass diese Mails vertrauensvoll von den eigenen Freunden aus dem Netzwerk kommen.

Ähnliches geht schon seit längerem bei Twitter vor. Die New York Times berichtete ebenfalls darüber am Wochenende. Erschwerend für die Nutzer kommt in diesen Medien noch hinzu, dass die verseuchten Links oft hinter Links stecken, die abgekürzt sind durch diverse Services wie tinyURL odere bit.ly oder ähnliches und damit der eigentliche Link unsichtbar bleibt zunächst.

Das eigentliche Problem besteht darin, dass diese relativ jungen und unausgereiften aber enorm wachstumsstarken Plattformen, noch keine Schutz- und Abwehrmechanismen besitzen wie Mailanbieter. Virenschutzsoftware wie für Clients und Server handelsüblicher Systeme greifen hier so gut wie gar nicht. Die Attacken sind ja momentan auch keine technischen Viren, sondern gehen eher “semantisch” vor. Sie erschleichen sich das Vertrauen der Nutzer und betrügen. Da die neuen Social Media Plattformen webbasiert durch ihre Anbieter betrieben werden, haben Nutzer und Konsumenten auch keine Chance, eigene proaktive technische Massnahmen zum Schutz zu ergreifen. Alles passiert unsichtbar und ohne Einfluss der Nutzer hinter den Kulissen von Twitter, Facebook & Co ab.

Ich halte die Bedrohung der neuen Medien durch Spam- und Phishingattacken für sehr ernsthaft. Sie gefährden das Vertrauen der Nutzer und somit ihr Vertrauen in diese neuen Plattformen und damit auch die Existenzberechtigung dieser Dienste. Ich denke, die Anbieter werden sich hier sehr schnell etwas einfallen lassen müssen. Sie haben dafür die volle Verantwortung. Das scheint mir die zentrale Aufgabe in diesem Jahr zu sein. Die Stunde der Experten naht, denn alleine scheinen sie diese Probleme offensichtlich nicht in Griff zu bekommen… Social Media Security Experts? Alles ist denkbar.

Allererste Massnahme der Betroffenen: Sofort Passwort wechseln. Sollte erstmal postaktiv reichen. Informiere und warne deine Follower und Freunde darüber. Denke ich. Gute Besserung.

Update: New York Times [May 26, 2009, 7:08 am] Phishers Now Hitting Twitter. Facebook is no longer alone in its troubles.

Binnurs türkisches Online-Kochbuch

Das was wir in Deutschland und Mitteleuropa als türkische Küche kennen, ist in der Türkei grösstenteils unbekannt. Die echte türkische Küche, die zuhause zubereitet wird, ist anders. Anders als auch das, was wir im Urlaub in den Restaurants am Bosporus, an den Ufern der Ägäis oder am Mittelmeer in den Touristenghettos kennen lernen. Dort begegnen wir fast ausschliesslich hastig Gegrilltem, den Kebabs, etwas was in der normalen türkischen Hausmannskost recht selten vorkommt. Höchstens im Hochsommer an der häuslichen Holzkohlengrillschale, dem Mangal aus Messing oder aus Bronze, auf der Terrasse. Denn Fleisch - Lamm, Kalb oder Rind - ist auch in der Türkei teuer.

Die original türkische Küche besteht hauptsächlich aus viel Gemüse, Reis, Hülsenfrüchten und relativ wenig Fleisch und je nach geografischer Lage auch Fisch. Viel Eintöpfe. Wie bekannt, kommt Schweinefleisch nicht vor. Ihre historischen Ursprünge sind im wesentlichen einerseits die einfache ländliche Küche mit Anklängen an die Nomadenzeit der Turkvölker und andererseits aus der osmanischen Hof- und Hochküche. Erstaunlicherweise erfüllt die türkische Küche eine Reihe Anforderungen aus der Nouvelle Cuisine, frische Produkte, lokale Produkte, viel Gemüse, eher leichte Kost, wenn auch aus völlig anderen (historischen) Gründen als die französische Küche.

Beispiele und Leibgerichte aus meiner Kindheit und bei Muttern: Babyspinat (einschliesslich den Spinatwurzeln) mit Beef-Hack, Rote Linsensuppe, Bohnen in Öl, alles mit Kichererbsen,  Muhallebi als rein zufällige Auswahl aus der langen Liste und viele viele weitere.

Ich verfolge Binnurs türkisches Online-Kochbuch, in englisch und türkisch, seit Jahren. Es ist eine grossartige Sammlung aus Original-Rezepten, die ich fast alle auch von zuhause kenne. Alles Rezepte, die ausserhalb der Türkei wenig bekannt sind und die so gut wie nie in einem “türkischen Restaurant” zu finden sind. Die Zutaten gibt es aber bei fast jedem türkischen Kaufmannsladen, dem Bakkal, auch in unseren Breiten. Die Gerichte sind deshalb nicht in Restaurants zu finden, da sie für sie zu aufwendig sind und der deutsche Gast sie nicht kennt.

Binnur Tomay ist eine türkischstämmige Hausfrau in Kanada. Ihre Rezepte gibt es auch mittlerweile gedruckt als Broschüre. Binnur’s Turkish Cookbook ist ein sehr schönes Beispiel, wie jemand aus seinem Interesse, seiner Leidenschaft und seiner Erfahrung etwas im Web machen kann. Da kann ich nur noch sagen: “Afiyet olsun!” – Guten Appetit!

PS: Ihr Vorname “Binnur”, “bin nur”, heisst übersetzt auf deutsch: “Tausend Lichter” oder auch im übertragenen Sinn “Tausend Freuden”. Wie wahr. Wie schön.

Roses dans la Rue Lepic, Montmartre

Paris 139

Ainsi, beaucoup des couleurs rouge et rosé. Photographie par Thérèse.

Alle Ratschläge meiner Mutter widerlegt.

fragebogen2Habe bei den Aufnahmen viel gelacht. Man sieht’s.

Stevan Paul: “Monsieur, der Hummer und ich”

So hatte ich den Küchenchef noch nie gesehen. Seltsam verändert. Blass sah er aus. Um Jahre gealtert. Er musste Schreckliches erlebt haben. Da draußen. Hinter der Schwingtür.

Koch, Foodstylist, DJ, Kaffeesatzleser, Blogger, Literat, Kosmopolit und angenehmster Zeitgenosse Stevan Paul in seinem neuen Buch, das im September 2009 im mairisch Verlag erscheint. Eben bei amazon vorbestellt. Dringende Kauf- und Leseempfehlung! PS: Seine Kultur-, Musik- und Videoposts sind immer exquisit und sehr ausgesucht. Einer meiner liebsten Autoren im Web.

Nachtrag vom 14. August 2009: Herrn Paulsen (@nutriculinary) sein Buch ist gerade druckfrisch angekommen. Wunderschön! http://twitgoo.com/28c3p Freue mich sehr darüber. Ob er es noch signiert für mich?

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 62 other followers