Archiv | März 2010

The Periodic Table of Typefaces

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PolitCamp10: Kurzer Blick zurück und ein langer nach vorne

Die Sessions beim PolitCamp10 in Berlin haben mich diesmal seltsam unberührt gelassen. Zu langweilig, zu mutlos, zu wenig kämpferisch und manchmal auch zu orientierungslos die Panels, Podiendiskussionen und Vorträge. Zu oft hatte ich das Gefühl, die Kombatanten schwebten 30.000 Fuss über dem Erdboden und waren nicht konkret genug in ihren Aussagen. Es wurde viel über Politik “gesprochen” und wenig Politik “gemacht”.

Ich frage mich, was hat sich in Deutschland seit den vergangenen 10 Monaten des letzten PolitCamps im Mai 2009 verändert? Hat das erste Treffen von damals Spuren hinterlassen? Hm. Die Parteien und Kandidaten haben jetzt fast alle Twitter und verbreiten ihre Presseerklärungen nun auch über Blogs. Tolle Wurst. In diesem Zeitraum fand aber auch die erfolgreiche Petition gegen Internetsperren statt – mit dem Ergebnis, dass das entsprechende Gesetz einen Tag vor Inkrafttreten ausser Kraft gesetzt wurde. Mehr als 130.000 Menschen hatten sie unterzeichnet. Und die Piraten haben sich zwischenzeitlich gegründet. Zu Internetthemen sind die Webbies also durchaus zu aktivieren und zu mobilisieren. Aber was ist mit all den anderen Themen? Kommunale Themen? Bildung? Arbeit? Kultur? Wirtschaft? Verkehr? Und vieles vieles mehr… Hat sich seitdem etwas entscheidend in der politischen Arbeit in Deutschland geändert?

Vorab: Das PolitCamp ist wichtig. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten in Deutschland auf relativ breiter Basis und parteiübergreifend Engagierte zu treffen, miteinander zu diskutieren und neue Formen der politischen Arbeit kennenzulernen. Das PolitCamp ist in der politischen Landschaft eine feste Institution geworden. Knapp 1.000 Teilnehmer (Fotos!) hatten sich registriert, querbeet aus allen demokratischen Gruppierungen. Valentin Tomaschek und sein Team haben dabei einen grossartigen Job gemacht. Organisation, Technik und Ablauf haben sehr gut funktioniert.

Grossen Dank an das engagierte PolitCamp Team!

Wie schaut es heute aus? Die etablierten Parteien sind für viele nicht mehr attraktiv genug. Viele empfinden sie als hierarchisch und bürokratisch und eher als “macht”getrieben. Für das, was in Deutschland und der Welt passiert, scheinen sie nicht offen genug zu sein für neue Ideen, neues Engagement und neue Strömungen. Es bilden sich immer mehr interesssante und wertvolle politische und soziale Gruppierungen ausserhalb der herkömmlichen Parteiorganisationen. Die politische Landschaft diversifiziert immer mehr, wie auch alle anderen Bereiche des Lebens und der Gesellschaft. Diese Veränderungen ziehen immer stärker an. Vernetzung, und Offenheit wird in solchen dynamischen Landschaften immer wichtiger. Das konnte man auf den PolitCamps deutlich spüren.

Social Networks, BarCamps und andere Unkonferenzen sind wichtig für die basisdemokratische Arbeit. Sie sind das Fundament. Jetzt gilt es aber darauf ein Gebäude zu errichten. Das auf den Camps gelernte umzusetzen in praktische politische Arbeit. Es bilden sich gerade Arbeitskreise hier und dort. Meine Befürchtung ist, dass dort wieder nur geredet und zerredet wird und wenig getan. Ich habe den Eindruck, dass wir nach den BarCamps ein weiteres Format finden müssen für die praktische Arbeit. Kein Camp, sondern vielleicht so etwas wie “Unarbeit” als nächste Stufe zu “Unkonferenz”. Das Kennengelernte, das Lernen nun auch umzusetzen.

Es geht darum, gemeinsam von den Basislagern der BarCamps in die reale Welt zu ziehen und sie mit demokratischen Mitteln zu verändern und besser zu machen. In praktischen und konkreten Mikroprojekten anfangs. Mit allgemein bürgerverständlichen konkreten Missionen. Ich nenne es mal … SocialAction. Oder SocialMission. Oder BarWork. WorkLabs. Gerne weitere Vorschläge dazu.

Mehr Gedanken dazu demnächst.

Update: Drei Fragen interessieren mich dabei:

1. Was können etablierte Parteien nun tun?
2. Wie können alle (auch die etablierten) den neuen Herausforderungen gerecht werden?
3. Wie setze ich konkrete Mikrovorhaben und Aktionen in die Tat um?

Das Web, das sind wir.

Die Pharaonen hätten Heissluft-Ballon fahren können. Sie hatten alles dafür: Die Handwerkskunst mit Feuer, Segel, Tüchern und Körben. Erstaunlich. Eigentlich vergleichsweise primitive Kenntnisse und Fertigkeiten. Um so erstaunlicher, dass sie es nicht gemacht haben, da sie ja wie bekannt immens erfinderisch und kreativ waren, sie beobachtet haben müssen, wie heisse Luft bei Bränden die Asche und leichtes Material hochgetragen hat und eine sehr detaillierte Vorstellung von den Göttern Sonnengott Ra & Co im Himmel und unter der Erde hatten, hervorragende Astronomen und Meteorologen gewesen sind. Aber vielleicht war es auch deshalb. Es passte nicht in ihr Weltbild. Vielleicht war es einfach tabu, darüber nachzudenken. Oder sie waren zu sehr mit ihren Kulten beschäftigt.

Aber warum hat es bis 1783 gedauert, bis zur ersten Fahrt der Gebrüder Montgolfière? Im Zeitalter der Aufklärung, der Tabubrüche. Die Vorstellung, dass es möglich ist, dass Menschen die Erdanziehung überwinden und in die Luft steigen können. Die Vision darüber war es wahrscheinlich, nicht die Verfügbarkeit der Mittel. Visionen sind die stärkste Triebfeder für Innovation und sprunghafte Entwicklungen. Die Mittel sind meist fast alle da.

Denktabus und Dogmas zu durchbrechen, um die Ecke und über den Tellerrand zu schauen, Grenzen zu überschreiten, sich das Undenkbare vorzustellen, Neuland zu entdecken, vorurteilsfrei auf das Gegebene zu blicken, neue Pfade darin zu entdecken, Möglichkeiten zu erfinden, kontinuierlich den Willen und die Energie für den eigenen Weg aufzubringen, Weggefährten zu finden und zu motivieren, sich nicht durch Zweifler und Pharisäer beirren und entmutigen zu lassen, das ist das, was mich interessiert. Die Barriere, die es zu überwinden gilt, ist nur im Kopf. In anderen Dingen bin ich nicht besonders gut. Glaube ich.

Das Web ist eines der wichtigsten Labore unserer Zeit für das freie Denken, Ausprobieren, Finden, Entdecken und Erfinden. Mit augenblicklicher Resonanz und Rückkopplung. Eine Erfahrungs- und Lernmaschine. Eine Erlebniswelt und eine Denkfabrik. Schneller und effizienter als alles, was wir vorher kannten.

Das Web muss deshalb frei und unabhängig bleiben. So wie das, was in meinem Kopf und in meiner Vorstellungswelt ist. Das Web ist natürlich anarchistisch und geordnet. National und international. Brilliant und mittelmässig. Stellenweise schmutzig und auch hochmoralisch. Das Web ist unser Spiegelbild. Das Web, das sind wir.

Update: Heute morgen zufällig in Facebook entdeckt: Was Manager von Damien Hirst lernen können. [via Thomas Menk]

Der Blick

Die Erotik eines Menschen ist in seinem Blick und seinem Lächeln. Der Blick ist die Seele. Sie ist immer wahr. Im Blick spiegeln sich die Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle des Menschen wieder. Nicht nur beim Blickenden, sondern auch bei dem, der dem anderen in die Augen schaut. Der direkte Blick die Augen des Anderen ist der intensivste und tiefste Kontakt. Ein Blick kann alles ausdrücken. Freude, Melancholie, Einsamkeit oder auch die Liebe. Der Blick ist unnachahmlich. Körper verändern sich. Der Blick nicht. Und das Lächeln. Im Blick erkennt man den Anderen. Im gegenseitigen Blick das Gemeinsame.

Schau mir in die Augen, Kleines.

Kitabi Hamdi Efendi (1862-1948)

Mein Grossvater (oben, im Mai 1946). Wir scheinen eine Vorliebe für ähnliche Brillenformen zu haben. Zufall? Der Stammladen (mittleres Bild, um 1900), Verlag, Fotoatelier und Fotobedarf, gegründet 1885 von meinem Grossvater in Trabzon am östlichen Ende des Schwarzen Meers. Der Laden steht heute leer (unten) und es gibt Bestrebungen, es in ein Museum umzuwandeln.

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