PolitCamp10: Kurzer Blick zurück und ein langer nach vorne

Die Sessions beim PolitCamp10 in Berlin haben mich diesmal seltsam unberührt gelassen. Zu langweilig, zu mutlos, zu wenig kämpferisch und manchmal auch zu orientierungslos die Panels, Podiendiskussionen und Vorträge. Zu oft hatte ich das Gefühl, die Kombatanten schwebten 30.000 Fuss über dem Erdboden und waren nicht konkret genug in ihren Aussagen. Es wurde viel über Politik „gesprochen“ und wenig Politik „gemacht“.

Ich frage mich, was hat sich in Deutschland seit den vergangenen 10 Monaten des letzten PolitCamps im Mai 2009 verändert? Hat das erste Treffen von damals Spuren hinterlassen? Hm. Die Parteien und Kandidaten haben jetzt fast alle Twitter und verbreiten ihre Presseerklärungen nun auch über Blogs. Tolle Wurst. In diesem Zeitraum fand aber auch die erfolgreiche Petition gegen Internetsperren statt – mit dem Ergebnis, dass das entsprechende Gesetz einen Tag vor Inkrafttreten ausser Kraft gesetzt wurde. Mehr als 130.000 Menschen hatten sie unterzeichnet. Und die Piraten haben sich zwischenzeitlich gegründet. Zu Internetthemen sind die Webbies also durchaus zu aktivieren und zu mobilisieren. Aber was ist mit all den anderen Themen? Kommunale Themen? Bildung? Arbeit? Kultur? Wirtschaft? Verkehr? Und vieles vieles mehr… Hat sich seitdem etwas entscheidend in der politischen Arbeit in Deutschland geändert?

Vorab: Das PolitCamp ist wichtig. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten in Deutschland auf relativ breiter Basis und parteiübergreifend Engagierte zu treffen, miteinander zu diskutieren und neue Formen der politischen Arbeit kennenzulernen. Das PolitCamp ist in der politischen Landschaft eine feste Institution geworden. Knapp 1.000 Teilnehmer (Fotos!) hatten sich registriert, querbeet aus allen demokratischen Gruppierungen. Valentin Tomaschek und sein Team haben dabei einen grossartigen Job gemacht. Organisation, Technik und Ablauf haben sehr gut funktioniert.

Grossen Dank an das engagierte PolitCamp Team!

Wie schaut es heute aus? Die etablierten Parteien sind für viele nicht mehr attraktiv genug. Viele empfinden sie als hierarchisch und bürokratisch und eher als „macht“getrieben. Für das, was in Deutschland und der Welt passiert, scheinen sie nicht offen genug zu sein für neue Ideen, neues Engagement und neue Strömungen. Es bilden sich immer mehr interesssante und wertvolle politische und soziale Gruppierungen ausserhalb der herkömmlichen Parteiorganisationen. Die politische Landschaft diversifiziert immer mehr, wie auch alle anderen Bereiche des Lebens und der Gesellschaft. Diese Veränderungen ziehen immer stärker an. Vernetzung, und Offenheit wird in solchen dynamischen Landschaften immer wichtiger. Das konnte man auf den PolitCamps deutlich spüren.

Social Networks, BarCamps und andere Unkonferenzen sind wichtig für die basisdemokratische Arbeit. Sie sind das Fundament. Jetzt gilt es aber darauf ein Gebäude zu errichten. Das auf den Camps gelernte umzusetzen in praktische politische Arbeit. Es bilden sich gerade Arbeitskreise hier und dort. Meine Befürchtung ist, dass dort wieder nur geredet und zerredet wird und wenig getan. Ich habe den Eindruck, dass wir nach den BarCamps ein weiteres Format finden müssen für die praktische Arbeit. Kein Camp, sondern vielleicht so etwas wie „Unarbeit“ als nächste Stufe zu „Unkonferenz“. Das Kennengelernte, das Lernen nun auch umzusetzen.

Es geht darum, gemeinsam von den Basislagern der BarCamps in die reale Welt zu ziehen und sie mit demokratischen Mitteln zu verändern und besser zu machen. In praktischen und konkreten Mikroprojekten anfangs. Mit allgemein bürgerverständlichen konkreten Missionen. Ich nenne es mal … SocialAction. Oder SocialMission. Oder BarWork. WorkLabs. Gerne weitere Vorschläge dazu.

Mehr Gedanken dazu demnächst.

Update: Drei Fragen interessieren mich dabei:

1. Was können etablierte Parteien nun tun?
2. Wie können alle (auch die etablierten) den neuen Herausforderungen gerecht werden?
3. Wie setze ich konkrete Mikrovorhaben und Aktionen in die Tat um?

Wo warst du am 9. November 1989?

Ich war spät abends gegen zehn Uhr aus dem Büro nach Hause gekommen. Müde und abgespannt hatte ich noch vor, ein Angebot für einen Kunden zu schreiben. Ein kleines lokales Netz für die Hamburger Filmförderung. Die Zeit drängte und ich musste es am nächsten Morgen, Freitag früh, abgeben.

Um meinen Kopf etwas frei zu machen, schaltete ich den Fernseher ein. Das erste Bild, was ich sah, war ein schlecht ausgeleuchtetes Studio mit einigen aufgeregten berliner Journalisten, die konfus über etwas redeten. Offenbar eine improviserte Sendung. Zwischendurch hektische Schaltungen zum SFB-Reporter Robin Lautenbach, der draussen in der kalten Nacht vor einer Handkamera stand, und immer wieder den Satz wiederholte: „Also hier ist nichts los“. Ich verstand gar nichts. Auch einige andere Sender der dritten Programme zeigten die gleiche Sendung. Ich hatte die Sache mit Schabowski und der legendären Pressekonferenz einige Stunden vorher gar nicht mitbekommen.

Ich blieb fasziniert und gespannt an der Sendung kleben. Irgend etwas war passiert. Das verstand ich. Ich hatte aber immer noch keine Vorstellung, was es sein könnte. Es gärte in der damaligen DDR. Montagsdemonstrationen, Sprechchöre mit „Wir sind das Volk!“, schwarz-rot-goldene Fahnen aus denen Hammer und Sichel ausgeschnitten waren, sogar die bundesdeutsche Nationalhymne wurde dabei gesungen. Das Undenkbare war eingetreten. Die Stimmung in diesen Tagen schwankte zwischen Euphorie – und Angst vor einer Eskalation und einem militärischen Eingreifen der Sicherheitskräfte der DDR.

Plötzlich während einer Aussenschalte auf den frierenden und völlig einsam vor der Mauer stehenden Lautenbach huschte ein junger Mann hinten durchs Bild, um wieder zurückzukommen. Lautenbach griff sich den Mann und fragte ihn, woher er komme. Von drüben? Nee, grinsend, er sei aus Westen. Minuten später jedoch kamen immer mehr Menschen ins Bild. Aus Berlin Mitte. Aus Treptow. Aus Pankow, Lichtenberg, Marzahn. Heftig in die Kamera winkend, lachend, singend und schreiend. Der Rest ist Geschichte. Lautenbachs Kamerateam rückte immer näher an den Grenzübergang, drang in die Sperrzone ein, filmte live die glücklichen Gesichter und verdutzten Grenzer, die sichtbar bemüht waren, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten.

Tagelang danach hing auch über Hamburg noch der Geruch der Zweitakter aus Schwerin, Zarrentin und den anderen grenznahen Orten, die am nächsten Morgen in die Hansestadt strömten. Es war der bisher grösste Moment der deutschen Geschichte.

Ein winziger historischer persönlicher Nachtrag noch: In dieser Nacht habe ich mein Angebot fertiggeschrieben. Noch vor dem Mauerfall kurz vor Mitternacht. Und ich habe den Auftrag am Folgetag erhalten.

Hier die Ereignisse der Nacht in der journalistischen Sicht und chronologischen Reihenfolge.

ThisIsLike.Com – Irgendwie so ähnlich wie…

Schön. Mit ThisIsLike.com kann man Personen, Orte und Ereignisse finden, die irgendwie ähnlich sind. Jeder kann sein Profil, interessante Dinge und Links hinzufügen und somit das kollektive assoziative Gedächtnis aller erweitern. Gründer und Kopf des internationalen Entwicklerteams ist Dmitry Paranyushkin, Künstler und Musiker in Berlin. Einen frischen Twitter-Account gibt es auch dazu: @ThisIsLikeCom. Wunderschöne Idee. Ich mag es.

Dmitry und ThisIsLike.Com zeigen mir wieder einmal, dass wir alle viel zu webzentrisch und technologisch denken und entwickeln, wo hingegen wenn „Branchenfremde“ unbefangen mit dem Medium frei spielen, wunderschöne originelle Erfindungen entstehen. Ich würde mir mehr Dmitrys wünschen, Bergsteiger, Opernsängerinnen, Kinder, Hausfrauen, Schildermaler, Schlachter… Ja, und Journalisten auch. Ach nee, den gibt’s schon: Adrian Holovaty, Musiker, Webentwickler und Journalist, mit EveryBlock.com, Ehrengast beim scoopcamp in Hamburg (mit Videointerview) neulich.

2 Bars und 1 Kino in Berlin

rivabar

Eine sehr schöne Bar unter einem der halbrunden Gewölbe unter der S-Bahn. Zwischen den Haltestellen Hackescher Markt und Alex. In der Mitte ein grosser, weiter, ovaler Bartresen. Alles hell und cool. Mit einem Loungebereich draussen mit Garten, wo man in dem vorderen Bereich auch im Regen gut sitzen kann. Drinks anständig gemixt. Cocktails mit und ohne Alkoholgehalt liessen sich gut unterscheiden. Gäste lässig. Barkeeper nett. Preise normal. Gute Barkultur. Hat mir gefallen.

Viktoria Bar

Vielleicht war es nicht mein Tag. Vielleicht war es nicht der Tag der Barkeeper. Oder es lag am Wochenende. Mir hat es nicht gefallen. Die Drinks waren schlecht gemixt. Mir schmeckten sie “billig” und lieblos. Es war überfüllt. Service und Tresen empfand ich als hektisch und unaufmerksam. Ein enger Schlauch mit einem langen Tresen und einigen winzigen Tischen an der Seitenwand, im Eingangsbereich und in der lauen Sommernacht auch draussen davor. Das Schiffchen auf dem Kopf des Service fand ich albern in dem Moment. Vielleicht habe ich zuviel erwartet von der vermeintlich populärsten Bar Berlins. Vielleicht lag es auch nur daran, dass ich vorher in der rivabar war. Vielleicht gebe ich der Viktoria Bar eine zweite Chance. Vielleicht auch nicht.

Central Kino

Das schönste am Central Kino ist der kleine Hof davor. Schöne Biergartenatmosphäre mit bunten Vögeln. Besonders abends im Sommer. Ich mochte es sehr. Direkt in der Einflugschneise der Touristenströme am Hackeschen Markt geht ein schmaler Gang zwischen den Häusern an der Strasse in die versteckten und verwinkelten Innenhöfe. Fantasievoll gestaltet mit beweglichen Figuren, die dampfen und zischen. Den Kinoeingang musste ich erst suchen. Im Kino dann alles was das Herz begehrt: Popcorn, Getränke, Vitrine mit DVDs,… und ein tolles Kino-Programm in zwei gemütlichen Kinosälen. Aber den kleinen Hof mochte ich ganz besonders. Er ist jetzt einer meiner Lieblingsplätze in Berlin.

In der Tat, von der Barszene in Berlin habe ich weit mehr erwartet.

Ich ahne es, irgendwo da mitten in Berlin lauert auf mich die perfekte Bar mit den präzise dosierten erstklassigen Zutaten und perfekt gemixten Cocktails in entspannter und angenehmer Atmosphäre. Mit interessanten Gästen. Wo ich mich mit meiner Begleitung wohlfühle und immer wieder gerne komme. Eine Oase für die nächtliche Seele. Irgendwo. Aber wo? Wo sie Hamburg zu finden ist, weiss ich ja schon längst.

@Twittwoch für Profis

Stefan Wolpers von Susuh ruft auf zum @Twittwoch! Es ist ein nichtkommerzielles Tweetup im Stile eines Webmontags. Alle, die sich beruflich mit dem Microbloggen/Twitter auseinandersetzen, können sich austauschen über Geschäftsmodelle, Best Practices, Do’s & Don’ts, neue Tools, interessante Kampagnen bzw. Nutzungen von Twitter. Und das Networking & Spaß haben soll dabei nicht zu kurz kommen.

Das erste Treffen findet am 13. Mai 2009 um 19 Uhr im Karma Café, Sonntagstraße 31 in Berlin-Friedrichshain statt. Wer teilnehmen möchte, möge @Twittwoch folgen. Stefan fragt dann unmittelbar vorher noch einmal nach.

Last but not least: Das Folgetreffen ist dann für den 1. Mittwoch im Juni geplant. Dann hoffentlich mit einige kurzen Vorträgen & Diskussionen. Vielleicht auch schon mit einen Video-Mitschnitt, der dann später veröffentlicht werden kann. Wenn das erste Berliner Treffen erfolgreich verläuft, sollen dann weitere Treffen in anderen Städten folgen.

@Twittwoch ist Affiliate von MBC09. Tickets zur Microblogging Conference in Köln können demnächst auch über @Twittwoch erworben werden.

Nachtrag: Mittlerweile gibt es auch im Susuh Blog einen Artikel dazu.

PolitCamp09: Warm-up und Tag 1

Das PolitCamp09 ist bisher ein voller Erfolg! Über 600 Teilnehmer aus ganz Deutschland hatten sich angemeldet und in Berlin im Radialsystem V eingefunden. Ein wunderschöner Veranstaltungsort, direkt an der Spree gelegen.

Am Vorabend des Events trafen sich dann zum Warm-up mehr als 100 PolitCamp09-Teilnehmer bei lauen sommerlichen Temperaturen beim leckeren Barbeque auf der Spreeterrasse am Kai. Während angeregt diskutiert wurde und die Spreeschiffe vorbeizogen, bot sich auf dem gegenüberliegenden Ufer in Kreuzberg ein weiteres Mai-Schauspiel unter massivem Blaulichtgewitter und Hubschraubergedöns. Zur spätfrühen Stunde versammelten sich danach einige wackere noch in der nebenanliegenden Hotelbar des Ibis Hotels, um die magere Getränkekarte zu testen. Die Rotweinauswahl wurde dabei etwas bemängelt, während im Minutentakt die Krankenwagen mit lautem Tatütata an den grossen Panoramascheiben vorbeiflogen.

Gegen 9 Uhr am Samstag setzte dann der grosse Strom der Teilnehmer ein. Problemloses Check-in am Welcome-Desk. Frühstückskaffee in Latte und Schwarz draussen. Neben den üblichen BarCamp-Verdächtigen und Touris, doch unglaublich viele neue Gesichter. Teilnehmer aus allen Regionen Deutschlands. Die Basis und sehr viele Aktive und politische Mandatsträger aus kommunaler und Landesebene, aus Bund und europäischer Ebene. Alle wesentlichen Parteien waren vertreten: SPD, CDU, Grüne, Liberale und sogar auch die Piratenpartei. Das hohe Engagement und Interesse war schon von Beginn an zu spüren. Sehr viele Online- und BarCamp-Newbies auch darunter. Das zahlenmässige Frauen/Männer-Verhältnis war angenehm ausgewogen. Unüblich für BarCamps, die eher männlich dominiert sind.

Das PolitCamp hatte stark motiviert und mobilisiert. Ein grosser Verdienst der Initiatoren, Organisatoren und Unterstützer des PolitCamps. Ein grosser Dank an das OrgaTeam an dieser Stelle: @tomaschek, @hschmidt, @ralphmakolla, @pottblog, @bunnyflavour, @gibro, @themroc, @hirnrinde, @compuccino. Die gute Vorbereitung zahlte sich aus. Fast alles klappte auf Anhieb. Bis auf das etwas dünne WLAN wie fast immer auf solchen Veranstaltungen. Ich wünschte mir eine professionelle BarCamp-WLAN-Truppe, die bundesweit im Einsatz ist… Wir in Hamburg haben bisher gute Erfahrungen damit, nebenbei gesagt. Dafür funktionierte der WebTV-Lifestream von Make.tv und internetrepublik recht gut. Das Catering und den Lunch hätte ich mir etwas reichhaltiger gewünscht. Free Coffee und Drinks waren beim schmalen Budget des PolitCamps leider auch nicht mehr drin.

Nach wenigen Stunden Schlaf durfte ich mit einer kurzen, etwas unvorbereiteten launigen Rede (sorry, folks!) das PolitCamp09 eröffnen, das OrgaTeam vorstellen und anschliessend mich dann in die Menge begeben und an einigen Sessions teilnehmen. Die schönste Session-Atmosphäre am ersten Tag fand ich bei „Online-Dialogkultur vs. politische Kommunikationskultur“ von @iMo auf dem Sonnendeck im dritten Stock. Wie bei den alten Griechen auf der Agora! Sehr cool.

Konnte leider beim Tag 2 des PC09 nicht mehr dabei sein. Grosses Lob an die sehr engagierten Teilnehmer, die guten Sessions und Diskussionen! Bin weiterhin gespannt via Lifestream. Fotos werden auch schon hochgeladen auf flickr, übrigens.

Ein inhaltliches Resumee liefere ich später nach. Ich warte erstmal die Diskussionen des zweiten Tages dafür ab.

Twitter-Session auf dem PolitCamp09

pc09logoTwitter hält Einzug in die deutsche Politik. Alle Parteien und viele in der Politprominenz twittern schon mehr oder weniger erfolgreich. Microblogging gehört mittlerweile zum Repertoire des deutschen Wahlkampfs im Superwahljahr 2009. Obamas erfolgreicher Wahlkampf in Amerika, der Siegeszug von Twitter und sicher auch die Impulse in der Vorbereitung des PolitCamp09 haben dazu beigetragen.

Deshalb gibt es eine Twitter-Session im Programm des PolitCamp09 am Samstag um 11 Uhr mit Volker Beck (MdB, Grüne), Matthias Groote (MdEP, SPD), Frank Schäffler (MdB, FDP), Sascha Lobo (saschalobo.com). Moderation: Don Dahlmann. Ich werde dort sein und bin sehr gespannt.

Das PolitCamp09 ist natürlich ebenfalls via Twitter erreichbar über http://twitter.com/pc09. Nachrichten mit entsprechendem Inhalt können gut mit dem Schlagwort (Hashtag) #pc09 via dem Twittersuchdienst gefunden werden. Die letzten Tickets zu Veranstaltung gibt hier. Es werden in Berlin rund 500 Teilnehmer erwartet.

Was macht einen guten Kellner aus?

Manchmal findet man im Netz auch kleine skurrile Perlen: Zwei Kellner unterhalten sich vor laufender Kamera über ihren Beruf und ihre Gäste. Und das über mehrere Folgen. Eine kleine Video-Serie „gerührt & geschüttelt“ vom Lokalreporter aus Berlin, Gerald Angerer, ehemaliger Werbetexter, Barkeeper, so u.a. auch im Edelrestaurant Lutter u. Wegner am Gendarmenmarkt. Wortgewaltig, manchmal fast surreal dadaistisch schreibt er in seinem Blog und auch anderswo als kundiger Beobachter über Alltag, Gastronomie und Leben in der Hauptstadt.

Ich kenne Gerald seit den Anfangstagen von Qype, wo er dort nicht nur mir schon durch seine Texte auffiel. Auf der re:publica’09 sind wir uns dann zum erstenmal persönlich begegnet. Ich habe mich darüber sehr gefreut.

Beide „Kellner“ sind nicht ganz unbekannt. Gerald schreibt mir per Mail auf meine Nachfrage: „peer martiny, der rechts im bild, ist schauspieler, kommt vom theater, ehemaliger regie-assistent von dieter dorn an den münchner kammerpielen. gastronom, bibliothekar, spielt gerne oberkellner & SEK-typen. michael egger, links im bild, ehemaliger restaurantleiter des lutter & wegner am gendarmenmarkt, tibetologe mit hochschulabschluss, enzyklopädist, naturheilkundler, musiker, wiener.“In der ersten Folge stellen sich beide selber vor.

re:publica’09: Kurzer Besuch am ersten Tag

Wie angekündigt habe ich mit Marco und Max auf der re:publica’09 am späten Nachmittag unsere Session zum mobilen Microblogging gehalten. Der Saal des Friedrichstadtpalastes war sehr gross, Europa’s grösste Bühne laut Wikipedia. Er war gut gefüllt. Schätzungsweise rund 1.000 Besucher während unserer Session. Erfahren in Twitter und viele auch in mobilem Microblogging. Die halbe Stunde ging sehr schnell rum und viele Themen konnten wir dabei nur streifen. Ich hätte es mir etwas intensiver gewünscht natürlich. Für die einen war es zu techniklastig, für die anderen kam der Kern des Themas Mobilität und Microblogging zu kurz. Aber wir hatten ja auch nicht vor, konkrete Geräte zu empfehlen. Sondern eher einen Überblick zu geben, persönliche Erfahrungen zu berichten und eine gewisse Orientierung zu liefern.

Schade, dass zu dem Zeitpunkt WLAN nicht stabil und Livestream gar nicht zur Verfügung stand. Dafür funktionierte aber die Twitter-SMS-Wall gut und wir haben öfter einen Blick darauf geworfen, um Anmerkungen oder Fragen daraus heruaszugreifen und in unser Gepräch auf dem Panel einfliessen zu lassen. Das Publikum war doch schon sehr community-erfahren. Ich hätte mir mehr Fragen von ihnen erhofft. Die Betreuung der Speaker war sehr gut und freundlich. Professionell. Dank an das re:publica’09 Team vor Ort im Friedrichstadtpalast.

Fotos wurden von den Besuchern auch gemacht und hochgeladen. Die Fotostrecke des diesjährigen offiziellen re:publica-Fotografen Daniel Seiffert und der Crew sind hier zu finden.

Was bleibt mir vom ersten (und für mich einzigen) Tag der re:publica’09? Ich habe sehr viele Bekannte wiedergetroffen und konnte am Rande in der Lobby und auch draussen bei Sonnenschein viele interessante Gespräche führen. Habe einige Verabredungen vor Ort wahrnehmen können. In neue Gesichter geblickt. Manche, die ich virtuell schon kannte. Und dafür bin ich eigentlich auf solchen Veranstaltungen.

Die re:publica’09 war sehr gross dieses Jahr. Etwa 1.400 Teilnehmer sollen es diesmal insgesamt gewesen sein. Vielleicht zu gross. Die Panels am ersten Tag hatten für mich nicht soviel Neues gebracht. Ich hätte sie mir etwas innovativer in den Themen gewünscht. Auch etwas provokativer und visionärer. Intensiv habe ich die Debatte im Panel über den neuen Journalismus verfolgt. Moderiert von Johnny Haeussler und u.a. mit Jakob AugsteinHelmut Lehnert und Peter Hogenkamp und habe mich doch gelegentlich über die erheblichen Differenzen zwischen klassischem und Online-Journalismus gewundert.

Mein Dank gilt zunächst meinen Mitstreitern auf der Bühne. Und natürlich dem re:publica’09 Team. Es ist schon gewaltig, ein Event in dieser Grössenordnung auf die Beine zu stellen und zu stemmen. Auch wenn nicht alles immer geklappt hat. That’s life.

Doch noch eine kleine Anmerkung am Rande: Amüsant fand ich, dass die original Crew des Friedrichstadtpalastes ebenfalls vor Ort eingesetzt war. Frauen, die wie Tänzerinnen aussahen, in ihren schwarzen Uniformen mit Gehrock. Oder war es eine Jacke vom Cut? Nach den Omas und Opas als Stammkunden haben die mal eine neue Erfahrung mit Geeks und Nerds in ihrem Alter gemacht. Denen scheint es gefallen zu haben. Mir auch.

Grossstadtnomaden: Mobiles Microblogging auf der re:publica’09

rp09mm-screenshot1Am ersten Tag der re:publica’09 in Berlin, am Mittwoch den 1. April 2009, werden Marco Kaiser, Max Winde und ich eine Session mit dem Titel Grossstadtnomaden: Mobiles Microblogging halten. Die Session findet statt um 18:00 im Friedrichstadtpalast und dauert eine halbe Stunde.

Wir freuen uns über euer rechtzeitiges und zahlreiches Erscheinen. Während der Session können Fragen und Zwischenrufe per Tweets oder Dents gestellt werden. Natürlich auch von ausserhalb der Veranstaltung. Als zusätzlichen Hashtag neben #rp09 dabei bitte #mm (für Mobiles Microblogging) nutzen. Wir sind auf dem Podium bewaffnet mit je einem BlackBerry, iPhone und T-Mobile G1.

Wir glauben, zwei grosse Trends zeichnen sich immer stärker ab und setzen deutliche Akzente am Markt für digitale Services und Produkte: Mobilität und Microsharing. Gut zu erkennen dabei, Twittern von unterwegs vereint beide Trends zu “Mobiles Microblogging”, dem eigentlichen konzeptionellen Ursprung von Twitter.

In der Session wollen wir über die mobilen Einsatzmöglichkeiten und Optionen von Handys, Smartphones, Mini-Notebooks und Notebooks sprechen, über Software und Zugang für mobile Clients, über die unterschiedlichen privaten und beruflichen Nutzungsprofile für Dauernutzer und gelegentliche. Ferner sind Location Awareness und Zugang zu Services ein Thema. Sowie soweit Zeit und Interesse besteht noch vieles rundum generell über Microblogging, Geschichten aus den Kanälen und interessante Entwicklungs- und Markttrends.

PolitCamp09 in Berlin am 2./3. Mai 2009

pc09logoValentin Tomaschek veranstaltet am 2. und 3. Mai 2009 mit seinem Team das PolitCamp in Berlin. Ich halte das für eine sehr wichtige Veranstaltung vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl im September. Vielleicht die wichtigste BarCamp Veranstaltung dieses Jahr in Deutschland überhaupt. Erwartet werden eine sehr grosse Anzahl von Teilnehmern in der Hauptstadt. Das Interesse der Parteien und politischen Organisationen ebenfalls daran aktiv teilzunehmen und mitzuwirken ist sehr hoch. Viel Politprominenz hat sich schon angekündigt. Gut 100170 Tickets mit einer sehr geringen Teilnahmegebühr sind schon verkauft. Über einen Veranstaltungsort wird noch verhandelt. Es wird eine grosse Veranstaltung werden mit mehreren hundert Teilnehmern.

Valentin steckt das Ziel des PC09:

Das Politcamp 09 soll ein gegenseitiger, überparteilicher und konstruktiver Austausch zwischen Theorie und Praxis sein. Internetexperten, Wissenschaftler, Politiker und ganz normale Internetnutzer sollen sich dort treffen und diskutieren.

 Hansjörg Schmidt schreibt darüber:

Die Wähler sind heute politisch unabhängiger und besser informiert. “Engage, build, take action” – funktioniert dies auch in Deutschland oder brauchen wir ganz andere Antworten? Ist Deutschland überhaupt schon so weit oder sind es nur die Politiker, die immer noch nicht auf der Höhe der Zeit sind? Gerade im Superwahljahr 2009, ein Jahr mit insgesamt 16 Wahlen, gehören diese Fragen auf die Agenda. Jeder von uns wird dieses Jahr mindestens zweimal zur Wahl aufgefordert. Viele sogar dreimal. Deshalb wird es Zeit für ein Politcamp!

Politiker und Parteien in Deutschland sind zwar immer noch fasziniert vom Webwahlkampf eines Obama in den USA, ihnen fehlt aber noch der Mut, das Web als Chance zu verstehen, was sich nach der PC09 hoffentlich ändern wird. Die Bürger machen es ihnen ja schon längst vor wie das geht. Gerade die jüngeren.

Was erwarte ich von einem Politcamp09 in Berlin?

Ein sehr deutliches Zeichen für die politische Landschaft in Deutschland, das zu einer schnellen Weichenstellung in der Art und Weise in der politischen Diskussion und zu praktischen Ausführungen in den kommenden Wahlkämpfen führt. Nico Lumma hat das ja vor kurzem gut ausgedrückt: Die Zeit der Pressemitteilung ist vorbei! Die Politik sollte nun die Chance ergreifen. Mehr Praxis und weniger Theorie und Rumgelaber. Vor Bügern muss man sich nicht fürchten. Man kann von ihnen lernen. Auf dem PolitCamp09 in Berlin beispielsweise.

Was erwarte ich von der politischen Kommunikation im Internet?

Offenheit und Transparenz sind zwei Grundpfeiler der Demokratie. Offenheit und Transparenz sind auch zwei essentielle Elemente des neuen Web. Demokratie und die neuen Sozialen Medien ergänzen sich somit idealerweise. Ich erwarte, dass sowohl Bürger wie auch die Politik diese neuen Medien konstruktiv, im Dialog, bei offenem und ehrlichen Diskurs, nutzen und gestalten. Die neuen Medien sind ideal, um Ideen, Programme, Personen zu kommunuzieren und zu gestalten. Von allen Seiten und Interessenlagen. Ich erhoffe mir eine offenere und lebhaftere Demokratie durch die neue politische Kommunikation.

Ich freue mich sehr, dass Valentin Tomaschek den Anstoss zum PolitCamp09 gegeben hat und damit die Chance zu einer positiven Veränderung in der Politkultur in Deutschland möglich macht: Politik 2.0. Ich hatte gemeinsam mit Valentin schon das WordCamp08 in Hamburg initiiert und gestaltet. Ich freue mich, wenn ich ihn und sein Team beim PC09 unterstützen kann.

Wordle-Cloud: Barack Obama Berlin Speech

Erstellt von Tim Bonnemann per Wordle zu Obamas Berlin Rede. Cool. Whole lotta buzzwords…

Update: Exzellent: debategraph, eine weitere sehr interessante Sicht!

Obama in Berlin: Die Rede

200.000 hören am 24. Juli 2008 den US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama an der Siegessäule. Die komplette original Transskription seiner Rede ist hier nachzulesen.

Ein bischen viel Kennedy-Pathos und Ernst-Reuter-Inspiration [Danke Anke!].

Der Tod auf den Bahngleisen (Update 3)

Zwei Ereignisse haben mich in den letzten Tagen nachdenklich gemacht. Zwei Todesfälle auf den Bahngleisen. Eine schreckliche Vorstellung.

Das erste fand Sonntag vormittag auf den Gleisen der S-Bahn tief unten im Gewölbe des Berliner Hauptbahnhofs statt. Als ich ankam, war der Bahnsteig auf den letzten 15 Metern schon abgesperrt. Die S-Bahn stand im Scheinwerferlicht der Bergungstrupps hell erleuchtet an der Tunnelausfahrt. Jemand muss sich unmittelbar vor die einfahrende Bahn geworfen haben. Bahnbedienstete und Fahrgäste standen stumm an der Absperrung. Ein beklemmendes Bild.

Den zweiten Vorfall habe ich am nächsten Mittag unmittelbar auf der Heimfahrt von Berlin nach Hamburg direkt miterlebt. Auf der Höhe Boizenburg, an der Grenze von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen, 20 Minuten vor Hamburg, hat sich eine junge Frau auf offener Strecke vor den ICE geworfen. Ich hörte den Aufschlag und das Rumpeln des Zugs. Der ICE verlangsamte sich schlagartig und kam zum Stehen. Ich dachte sofort an das Bild vom Berliner Hauptbahnhof. Kurz danach die Durchsage im Zug, dass es einen „Personenschaden“ gegeben habe. Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei sowie Bahnfahrzeuge rückten kurze Zeit später über Feldwege an. Zwei Stunden später konnten wir in einen parallel abgestellten ICE umsteigen und weiter bis nach Hamburg fahren. Beim Vorbeifahren am vorderen Triebwagen konnte man an der Nase ein grosses Einschlagsloch sehen.

Beide Vorfälle sind nicht mal eine Kleinmeldung wert gewesen in der Presse (deswegen gestrichen). Alltag eben in der Öffentlichkeit. Die Gesichter der Bergungskräfte sprachen vor Ort eine andere Sprache.

Wie gross muss die seelische Not, die Einsamkeit, die Verzweifelung und die Hoffnungslosigkeit dieser Menschen gewesen sein, dass sie sich zu dieser letzten Tat entschlossen haben. Achtet in eurem Umfeld auf Menschen, die Hilfe benötigen. Wir können vielleicht ihre Probleme nicht lösen. Aber wir können mit ihnen zumindestens sprechen. Wir können ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind. Das sollten wir tun.

Update: Hier die bewegende Perspektive des ehemaligen Lokführers Roger in seinen eigenen Worten – Nachtschicht mit Freitod. Dank an caro für den Link.

Update 2: Roger hat hier einen umfassenden Kommentar geschrieben. Danke, Roger!

Update 3: Last year I killed a man - Linktipp via Twitter von misscaro. Danke.

Pailin Thai Küche in Berlin

Zufällig bin ich mitten in Kreuzberg in diesen Laden geraten. Am Anfang der Wienerstrasse, U-Bahn Görlitzer Bahnhof, gegenüber der Feuerwache, ein schlichtes Restaurant mit recht gutem Thai Essen. Preiswert dazu. Die Gerichte kosten um die 6-7 Euro. Ein guter Thai muss nicht teuer sein. Sehr freundlicher Chef, der hilfsbereit auch die Karte erklärt und Gerichte empfiehlt. Oder auch abrät! Viele Gerichte mit Kokosmilch, rotem oder grünem Curry. Achtung: „Scharf“ ist wirklich „scharf“. Ich hatte „76″, krosse Ente.

Hinter dem Tresen hängt ein grosses altes Bild in schwarz/weiss von einem jungen asiatischen Gentleman mit einer handschriftlichen Widmung. Ich fragte den Chef, ob das sein Grossvater sei. Daraufhin schmuzelte er und sagte, wenn das so wäre, würde er nicht hinter dem Tresen stehen müssen. Es war ein Jugendbild vom hochverehrten Thai-König Bhumibol…

Nettes Restaurant. Bei schönem Wetter kann man vor dem Laden an Biertischen sitzen. Nach dem Essen kann man im schräg gegenüberliegenden Görlitzer Park einen Verdauungsspaziergang nehmen. Empfehlenswertes sympathisches Restaurant. Und man ist gleich auf dem Kiez. Darauf kommt es ja auch an!

Mein Beitrag zu Pailin Thai Küche – Ich bin CemB – auf Qype

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