Blogs: Spreu vom Korn getrennt

New York Times über das weltweite Wegschmelzen der Blogs:

According to a 2008 survey by Technorati, which runs a search engine for blogs, only 7.4 million out of the 133 million blogs the company tracks had been updated in the past 120 days. That translates to 95 percent of blogs being essentially abandoned, left to lie fallow on the Web, where they become public remnants of a dream — or at least an ambition — unfulfilled.

Nun ist Technorati nicht das Mass der DingeBlogs, aber trotzdem… die Zeichen mehren sich. Der Hype um Blogs ist längst verflogen.  Alle, die auf schnellen Ruhm und Reichtum waren, oder einfach auch diejenigen, die nichts mehr zu sagen hatten, haben sich in Richtung Twitter bewegt. Übriggeblieben ist der harte Kern, diejenigen denen das alles egal war und ist, die Leidenschaftlichen. Ich nenne sie mal etwas mutig die „wahren Blogger“.  Ob sie nun als private Tagebuchschreiber unterwegs sind oder öffentlich eine Tagesschau betreiben. Bei den Blogs hat sich die Spreu vom Korn getrennt. Sie sind in der Reifephase. Schaunmermal, was so demnächst mit Twitter weiter passiert.

Nachtrag: Ja, im Sprichwort heisst es „die Spreu vom Weizen trennen“. Weiss ich.

Blogs in professionellen Medienlandschaften (I)

Blogs sind eine Auffrischung und Frischzellenkur für die klassischen Medien. Zumal in der weltweit schwersten Krise von Print, Radio und Fernsehen. Blogs sind für die etablierten Medientitel ein Zugang zur neuen Welt. Blogs sind oberflächlich gesehen, diesen Medien formal am ähnlichsten vor allen anderen neuen Medien. Sie haben journalistische Elemente und sind doch anders. Individueller, persönlicher, freier und in der Ganzheit aller Blogs auch reichhaltiger in ihren Inhalten.

Meinen ersten originären Artikel für „Espresso“ im Freitag weiterlesen…

Der Freitag: „Espresso“ mein Community-Blog (Update)

Ich habe einige Blogartikel aus der Sprechblase versuchsweise in meinem neuen Blog „Espresso“ in der Community von Der Freitag veröffentlicht. Stammleser kennen diese Artikel schon. Hier sind sie nun auch in der Freitags-Community zu lesen:

Es darf auch dort gelesen und kommentiert werden.

Später werde ich sicher einige originäre Artikel posten. Jetzt sammele ich erstmal etwas Erfahrung in dem Umfeld. Was mir jetzt schon auffällt, Registrierung in der Community und Bedienerführung für Autoren und Leser sind etwas gewöhnungsbedürftig und ziemlich unübersichtlich für mich. Die Leistung des darunterliegenden Plone CMS ist recht langsam. Chris ist hier schon sehr ausführlich mit diesen und anderen technischen, fachlichen, rechtlichen und inhaltlichen Schwächen der Freitags-Community ins Gericht gegangen. Dort hatte ich auch meinen allerersten Eindruck in einem Kommentar wiedergegeben.

In der Ausführung der Community gibt es sicher noch einen gehörigen Optimierungsbedarf, aber mein vorläufiges Fazit ist zunächst: „Der Zustand von ‘Der Freitag’ ist momentan kritisch, aber nicht hoffnungslos. Da geht noch was. Das kann man in einer konzentrierten und konzertierten Aktion hinbekommen. Das ist eine Entscheidung der Unternehmensführung.“ – Zumindestens der Community-Support vom Freitag hatte heute aber auf meine morgendliche Anfrage ziemlich prompt und gut reagiert.

Ob ich mich beim Freitag und seiner Community wohlfühle, ob ich die Inhalte dort mag, ob ich in der Lage bin gelegentlich ein weiteres Blog zeitlich zu führen und inhaltlich sinnvoll zu füllen, werden wir sehen. Was mich momentan interessiert ist, wer im Freitag schreibt und liest. Denn ich habe ja schon ein Blog, was eine Leserschaft hat.

Meine beiden Kernfragen sind diese:

  • Erreiche ich im „Freitag“ andere interessante Leute als in der „Sprechblase“?
  • Ergeben sich dadurch für mich weitere andere Themen, die mich interessieren und worüber ich gerne schreiben würde?

Erweitere ich also meine Reichweite und mein Netzwerk? Erhalte ich neue geistige Anregungen für mich? Schaunmermal.

Der Freitag ist eine überregionale Wochenzeitung auf bedrucktem Papier. Vision und Grundkonzept des Freitag ist es, Print und Online-Content miteinander zu verbinden. Seine Autoren sind einerseits ein Stamm aus festen professionellen Redakteuren sowie andererseits freiwillige Autoren und Leser aus seiner Online-Community. Der Inhalt der gedruckten Ausgabe speisst sich aus beiden Quellen. Ein spannendes Experiment, dessen eines der Vorbilder der britische Guardian ist, dessen Inhalte ebenfalls beim Freitag sowohl in der Online-Präsenz wie auch in der Print-Ausgabe in ausgewählten Teilen regelmässig syndikalisiert publiziert werden. Verleger des Freitag ist Jakob Augstein.

Bloxpert: Wo Journalisten Blogger kontakten können

Nicole Simon hat einen einfachen Vermittlungsdienst für Journalisten eingerichtet, wo Medienvertreter Blogger für Fragen und Interviews kontakten können: Bloxpert. Damit die Medien nicht immer die gleichen Alphatiere und Leithammel befragen. Inspiriert wurde das Projekt von Peter Shankmans “Help a reporter out”.

Und so funktioniert es: Journalisten können ihre Anfragen über ein Formular direkt an Bloxpert richten, die die Anfragen per Newsletter an alle abonnierten Blogger weiterversenden. Die Blogger wiederum können die Anfragen direkt an den Journalisten beantworten. Für das Newsletter-Abo müssen sich Blogger mit Namen, Mailadresse und Blog registrieren lassen. Der Dienst funktioniert ebenfalls für Anfragen von Bloggern an Blogger.

Eine Anmerkung noch: Gut wäre, wenn Blogger über sich auch einige Schlagworte („tags“) angeben könnten. Dann könnten Journalisten gezielter auch einzelne Blogger zu bestimmten Themen ansprechen und somit Bloxpert als Recherche-Datenbank nutzen.

Nicole Simon ist Web 2.0 Spezialistin und Autorin von “Twitter – in 140 Zeichen zum Web 2.0” sowie Gründerin Girl Geek Dinner Deutschland.

Blogmap für Deutschland (Update)

Andreas Roth hat auf Google Maps eine Karte entwickelt, mit der man alle Blogs in seiner Nachbarschaft entdecken kann. Blog-Deutschland rückt damit menschlich etwas näher zusammen.  Damit lassen sich beispielsweise regionale Bloggertreffen gut initiieren und organisieren. Die Karte ist natürlich interaktiv, jeder kann sein eigenes Blog dort selber eintragen und verwalten. Hübsche Idee.

Etwas ähnliches hat auch schon rivva. Dort sind allerdings nur Blogs verzeichnet, die bei rivva als aktive Quellen registriert sind. Andreas’ Karte bietet potentiell also dagegen eine grössere Bandbreite. Also, auf zum Blogs registrieren!

Update: Aufgrund der Diskussion hier bei mir in den Kommentaren und dort beim Don, habe ich meine Sichtweise in diesem speziellen Fall argumentiert. Zur freundlichen Lektüre. Und gerne auch zur weiteren Diskussion, wo auch immer.

Thesen: Warum Blogs scheinbar an Bedeutung verlieren

In den letzten vergangenen Monaten haben deutschsprachige Blogs scheinbar viel Kraft und Reputation verloren, wenn es nach Technorati und ähnlichen Neugiertools geht. Zudem hat bei vielen der Besucherstrom spürbar nachgelassen. Nimmt die Bedeutung von Blogs ab? Eine viel gestellte Frage in jüngster Zeit.

Ich beobachte folgendes:

  • Tatsache: Ende August hatte Technorati seine Indizierungsmethode verändert, um insbesondere Spamblogs und ähnlichen Unrat wie auch Dubletten aus ihren Auswertungen zu verbannen. Bei einer jüngsten Link-Reinigungsaktion, bei der weitere Spamblogs aus der Technorati-Datenbank gelöscht werden sollten, sind (versehentlich) auch Links anderer Blogs herausgefallen. Dadurch sackten die Rankings der meisten deutschsprachigen Blogs nochmals massiv herunter.
  • Gewagte These 1: Microbloggingaktivitäten in Twitter oder identi.ca stiegen im gleichen Zeitraum rapide an. Die meisten der Microblogger sind (ehemalige) Blogger. Vieles, das normalerweise gebloggt werden würde, wurde als kurze Statusmeldung via diesen neuen Medien gesendet. Inhalte wanderten von Blogs weg in die Tweets und Dents. Blogger steckten mehr Zeit und Aufwand in das Microblogging. Für das Schreiben wie für das Lesen. Da Zeit und Aufwand für einen Webizen endlich und begrenzt sind, fehlten genau dieses für das Bloggen.
  • Gewagte These 2: Die Anzahl an Veranstaltungen, auf der Blogger gerne sind, nahm ebenfalls im gleichen Zeitraum deutlich zu. Eine ganze Reihe von Barcamps und ähnlichen Events band die Zeit und die Aufmerksamkeit der Blogger, die viel lieber mobil und kurz vor Ort twitterten, anstatt aufwendiger zu bloggen. Von Angesicht zu Angesicht auf diesen Events zu sprechen und gemeinsam aktiv zu sein, machte Bloggen überflüssig. Blogger auf Barcamps bloggen weniger oder gar nicht. Sie twittern. Zudem konnte man sich ja direkt miteiander unterhalten und so seine Reputation im persönlichen Gespräch aufbauen. Old School. Die´Besucherrate auf den Blogs nahm dabei natürlich auch ab. Real Life ist spannender als Virtual Life.

Die „technisch gemessene Reputation via Verlinkungsgrad“ und die Besucherrate nahmen bei den meisten deutlich ab. Die Reputation und die Vernetzung des Bloggers (des Menschen hinter dem Blog) nahm nicht ab. Behaupte ich. Eher im Gegenteil. Behaupte ich. Man widerlege meine Thesen.

Alexa & Co: Die Sprechblase und die deutschsprachige Blogosphäre

Mein Blog, die Sprechblase, ist ein rein privates Blog, das aus Spass betrieben wird. Es ist weder blogtechnisch besonders raffiniert aufgebaut noch überhaupt für Suchmaschinen optimiert. Die Wahrheit ist sogar, ich habe kaum nennenswerte Anfragen von Google & Company. Zudem läuft es nicht mal unter einer eigenen Domäne. Es wird gehostet von WordPress. Mit Mühe und Not hält es sich gerade mal unter den Top 50 der deutsche blogcharts, die deutschsprachige Blogs nach Zahl der Verlinkungen eines Blogs innerhalb der Blogosphäre auflistet. Werbefrei ist es auch noch. Es ist ein Blog wie tausend andere auch. Es erfreut sich einer freundschaftlichen Leserschaft und versucht eine angenehme und entspannte Gesprächskultur zu schaffen und zu erhalten. Das war’s.

Dachte ich.

Umso erstaunter war ich, als ich neulich einen Blick in das Neugiertool Alexa warf. Zunächst sah ich eine wildgezackte Kurve zur Entwicklung der Reichweite des Blogs. Eine nach Angaben von Alexa hochgerechnete Zahl von Zugriffen durch tägliche identifizierbare Leser und Nutzer des Blogs. Eine tendenziell erfreulich stetige und positive leichte Aufwärtsbewegung. Ach fein, dachte ich. Dann aber ritt mich der Teufel und trotz aller Schwüre und Betörungen wollte ich doch mal wissen, wie ich denn im Vergleich zu den anderen stehe. Etwas, das mir normalerweise schnurzegal ist. Dann zwei Überraschungen.

Die erste Überraschung: Bei stichprobenartigen Vergleichen mit den üblichen Verdächtigen aus den Top-Blogs bei den deutsche blogcharts stellte sich heraus, dass fast alle im Laufe des Frühjahrs und Sommers einen deutlichen Knick nach unten in der Reichweite der Leserschaft gemacht haben. Ein wichtiger Grund kann natürlich die Umstellung der Alexa Methodik im April 2008 gewesen sein. Doch das allein erklärt nicht alles, denn der Abwärtstrend dieser Blogs ging danach signifikant weiter.

Dann die zweite Überraschung: Die Sprechblase hatte die meisten der Top 50-100 in der Reichweite überholt oder eingeholt. Die Wahrheit ist, die meisten sind ziemlich dicht gedrängt eng zusammen, was eben die Reichweite angeht. Ganz grosse Ausreisser sind sehr selten. Und sie sind nicht die Blogs, von denen man es annehmen würde. Sehr erstaunlich. Es gibt eine deutliche Umwälzung in der deutsprachigen Blogosphäre. Etablierte Blogs leben teilweise nur noch von ihrem Nimbus und müssten sich mal neu erfinden und orientieren (Relaunch?). Junge und frische Blogs haben deutlich an Boden gewonnen. Gut so.

Meine naive Schlussfolgerung daraus: Verlinkungsgrad und Reichweite eines Blogs hängen nicht unmittelbar zusammen. Die deutschsprachige Blogosphäre hat an Reichweite deutlich abgenommen. Blogs sind weniger relevant in Deutschland. Es gibt mehr Wettbewerb auf einem kleineren Markt. Falls das Alexa-Zahlengemenge zuverlässig sein sollte. Schwanzvergleiche machen weniger denn je Sinn und gehören auf die Schultoilette. Und die Sprechblase steht nicht ganz so doof da.

Otto und Ottilie Normalblogger können aufatmen. Die Kaiser haben keine Kleider. Jeder mag nun mit Alexa rumspielen und sein Blog testen. Hier.

Und jetzt aus dem Fegefeuer der Eitelkeiten zurück zu den wichtigeren Dingen. Zum Content.

Update: Chris//Das3Zehn hat in den Kommentaren hier freundlicherweise meine Annahmen etwas gerade gerückt. Danke für den Hinweis!

Das Leben ist vergänglich

Wer kennt noch die Namen seiner Ur-Grosseltern? Fast keiner hat sie noch erlebt. Die meisten werden ihren Namen nicht kennen. Manche werden vielleicht noch einige wenige Anekdoten im Familienkreis über sie gehört haben. Möglicherweise hier und da noch ein Erbstück, dessen Geschichte kaum jemand noch weiss. Das war’s. Dabei ist es selten länger als 100 Jahre her, dass sie gelebt haben.

Das Leben ist vergänglich wie unsere Erinnerungen daran. Flüchtig. Wie Asche im Wind. Wenn es niemanden mehr gibt, der sich erinnert und seine Erinnerungen weitererzählt, verschwinden die Menschen. Unweigerlich am Ende jeder von ihnen.

Selbst unser eigenes Leben verblasst in unserer eigenen Erinnerung. Manchmal verklärt es sich auch einfach für uns. Einige Begebenheiten, auch banale, werden zu bunten Episoden je häufiger man sie erzählt. Andere heroischer. Tragischer. Sie werden zu langweiligen Schwänken und Geschichten von anno dunnemals aus den Schützengräben der grossen Schlachten. Wir neigen dazu, in der Erinnerung uns aufzupimpen.

Es gibt kein Entrinnen aus der Vergänglichkeit. Mit uns sterben die Geschichten. Irgendwann auch diejenigen, die sie eine Weile weitererzählen könnten. Einige existieren noch als verklärter Mythos eine Zeit weiter. Doch auch dieser verflüchtigt sich später ebenfalls.

Einiges vom dem was ich hier schreibe, dient einfach dazu, mich selbst an mich selber zu erinnern. Es ist wirklich nur für mich. Der Akt des Schreibens hilft mir dabei und festig einige wenige Erinnerungen. Das Resultat, das Geschriebene, interessiert mich dann eher weniger. Es ist der Vorgang des Schreibens an sich, der mir wichtig ist. Deshalb tue ich mir leicht, von Zeít zu Zeit einen Blog ersatzlos und ohne Sicherung zu löschen.

Merkwürdigerweise gibt es jedoch einen einzigen Post, den ich schon seit drei Bloggenerationen mit mir rumschleppe. Diesen hier. Ich habe mich heute daran wieder erinnert. Valentin fragte mich heute per Mail, ob es mir nicht irgendwo weh tue, wenn man so viele alte Beiträge löscht? Meine Antwort war: Nein. Bis auf einen.

Aus den gleichen Gründen kann ich mir auch nicht vorstellen, ein Grab zu haben. Wir sind nur Gast auf der Erde. Und wenn sich einige Menschen an einen noch später erinnern, dann bitte nicht vor einem Haufen schrecklicher Steine. Dann lieber mit einem weiten Blick über das Meer, über den Strand. Oder über die Berge. Oder vor einem guten Glas Rotwein. Das ist mir lieber so. Ausserdem sehen wir uns alle sowieso im Rock’n Roll Himmel wieder, wie Boogie sagt.

Deshalb ist es wichtig, hier und jetzt zu leben.

Technorati Index Chaos: Neugier auf dem Prüfstand

In den vergangenen Wochen verhielt sich Technorati, das internationale Neugiertool der Blogger, ziemlich unvorhersehbar. Und damit alle Services, die direkt oder indirekt ihre Daten aus dieser Quelle bezogen. Wie beispielsweise die Deutschen Blogcharts.

Ende August hatte Technorati ihre Indizierungsmethode verändert, um insbesondere Spamblogs und ähnlichen Unrat wie auch Dubletten aus ihren Auswertungen zu verbannen. Eigentlich lobenswert. Das Ergebnis war dann allerdings reines Chaos und teilweiser Ausfall der Technorati-Indizes und damit -Authorities, die die Ranking-Bewertung der einzelnen Blogs beeinflusst.

Nun scheint Technorati wieder ihren Index systematisch neu aufzubauen. Blogs auf Blogspot und WordPress Plattformen sind allerdings zu einem grossen Teil noch nicht korrekt aktualisiert. Daher wird sich eine Weile in diversen Charts noch ein schiefes Bild zur Lage der Blognation ergeben. Das Ranking der vergangenen Wochen ist also fast nur reine Makulatur.

Nochmal der Hinweis bei dieser Gelegenheit: Der wahre Wert eines Blogs stellt sich nicht durch eine Technorati-Kennzahl, die die relative Verlinkungshäufigkeit repräsentiert, oder etwas ähnliches dar. Auch nicht durch die Zugriffshäufigkeit. Sondern allein durch den Inhalt des Blogs und die Diskussionskultur, die es ermöglicht. Für den Blogger wie auch für seine Leser und Kommentarautoren.

Ich benutze Technorati normalerweise, um zu sehen, wer auf mein Blog verlinkt hat und wo die Diskussion weitergeführt wird, falls ich das nicht schon durch Trackbacks merken sollte.

Permanentes Schielen auf Rankings und Charts ist vollkommen sinnlos. Es kann sogar völlig in die Irre führen. Wie das aktuelle Beispiel Technorati zeigt. Wahr ist leider aber auch, dass sich viele klassische (Print-)Medien an diesem Unfug orientieren, wenn sie über Blogs berichten, anstatt selber nach guten Blogs und Artikeln zu recherchieren.

Microblogging, Blogs, Wikis, Foren, Chats – Die Unterschiede (Updates)

Im Web haben sich in den vergangenen Jahren einige grundlegende Kommunikationsformen etabliert. Jede dieser Formen hat seinen eigenen Schwerpunkt. Nicht jedem sind diese Unterschiede auf den ersten Blick sofort deutlich. Die Grenzen zwischen diesen Formen sind fliessend, wobei jede seine eigene Berechtigung hat. Durch die unterschiedlichen Verhaltensmuster in der Kommunikation der Nutzer auf diesen verschiedenen Plattformtypen ergeben sich kontinuierlich auch eine Reihe von neuen Mischformen. Der Gebrauch diktiert den Nutzen für den einzelnen dabei. So entsteht ein einziger grosser, reichhaltiger und vernetzter Kommunikationsraum, der sich ständig erweitert, ändert, durchmischt und sich den Gewohnheiten der Nutzer anpasst. Ich nenne diesen Raum, der alle diese Strukturen in sich vereint und alle Nutzer im Web miteinander ins Gespräch bringt, einfach „die Sphäre“.

Gehen wir fünf Grundmuster der Sphäre einmal exemplarisch kurz durch:

  1. Chats verkörpern einen „privaten“ Kommunikationsfluss zwischen zwei oder mehr eingeladenen Gesprächsteilnehmern. Sie finden adhoc und in Echtzeit statt. Es gibt keinen öffentlichen Raum, wo andere den Chatverlauf verfolgen können. Chats sind private Unterhaltungen unter Ausschluss der allgemeinen grossen Öffentlichkeit. Einzelne Chatverläufe können individuell von den Nutzern gespeichert und gesichert werden.
  2. Foren dienen der öffentlichen thematischen „Diskussion“. Foren sind organisiert in Kategorien, unter die jedes Forenmitglied ein Thema posten kann. Alle Forenmitglieder können sich zu diesem Thema äussern. Alle zusammengehörigen Diskussionsbeiträge zu einem Thema stehen chronologisch untereinander. Dadurch lassen sich gut Diskurse zu komplexeren Themen von allen auch über einen langen Zeitraum verfolgen und vertiefen. Alle Forenteilnehmer sehen i.d.R. alle Beiträge. Der Diskussionsverlauf ist ständig allen präsent. Foren sind starr hierachisch organisiert: Kategorie, Thema, Diskussionsbeitrag. Foren werden von Dritten angeboten und betrieben. Nutzer sind Teilnehmer. 
  3. Wikis sind ein Mittel, um „gemeinschaftlich“ (gesichertes) Wissen auf einzelnen Webseiten zu aggregieren und der Öffentlichkeit einfach zugänglich zu machen. Eine sehr produktive und effiziente Methode, geordnet aber selbstorganisiert durch die Autoren, Wissen mit anderen zu teilen. Hier geht es nicht um das Gespräch oder die Diskussion in erster Linie, sondern um die systematische Darstellung von Knowhow. Die Diskussion um die möglicherweise strittigen Inhalte findet hier auf speziellen Seiten statt oder mit Hilfe der anderen Kommunikationsformen. Ein Wiki dient in erster Linie der Dokumentation.
  4. Blogs sind momentan die reichhaltigste Form im Web für ein „individuelle“ Person sich im Web sehr persönlich auszudrücken. Jedes Blog gehört dem Inhaber des Blogs und steht in seiner alleinigen Verantwortung. Gemeinschaftliche Blogs können natürlich auch vorkommen. Ein Blog erlaubt seinem Inhaber jede Freiheit. Es ist im Prinzip die Heimat eines Netizen. Durch die Kommentare der anderen zu den Blogbeiträgen entstehen Diskussionen. Durch Verlinkung und Backlinks zwischen Blogs und anderen Kommunikationsformen ensteht ein äusserst komplexer Raum. Blogs sind in meinen Augen die Schwergewichte, wichtigsten Fixpunkte und Ankerpunkte in der Sphäre. Das Geflecht der Blogs ist das Rückgrat der Sphäre. Ohne sie würde wahrscheinlich die Sphäre zu einem flüchtigen Gebilde.
  5. Microblogging ist ein „öffentlicher“ Kommunikationsfluss von kurzen Statusmeldungen an alle Abonnenten einer individuellen Person. Beim Microblogging sehe und lese ich nur die Messages von den Leuten die ich abonniert habe. Von den anderen nicht. Durch die wechselseitigen Abos entsteht ein Kreis von „Freunden“ der ständig in Kontakt und über den Status der anderen immer informiert ist. Die Messages sind dabei kurz und idealerweise prägnant. Beim Forum dagegen sehe ich alle Messages von allen zu allen Themen. Beim Microbloging ist der kontinuierliche persönliche Strom der Nachrichten rein zeitlich geordnet. Die thematische Ordnung kann beim Microblogging durch “#hashtags” hergestellt werden. Natürlich ergeben sich beim Microblogging auch chat-ähnliche Situationen. Diese sind aber öffentlich. Das Wort „Microblogging“ täuscht etwas: Es ist in Wahrheit ein Messagingmedium, das aber eine rudimentäre blog-ähnliche Oberfläche hat. Die komplette Technologie für die Realisierung dadrunter ist reinrassige Messaging-Technologie. “Micromessaging“ dazu zu sagen, wäre eigentlich angebrachter.

Das Ganze wird noch angereichert durch diverse sogenannte Social oder Business Netzwerke, den mehr oder weniger vernetzten elektronischen Visitenkarten, durch unzählige Foto-, Video- und Audi-Sites im Web, Social Bookmarkings sowie natürlich durch eine unüberschaubare Anzahl von klassischen Websites. Aber Motor und Triebkraft des Web sind für mich die obengenannten fünf Kommunikationsformen. Sie sind eigentlich das Web wie wir es heute empfinden, erleben, erfahren, gestalten und nutzen. Das Web erweitert unsere Fähigkeiten und die Reichweite zu kommunizieren. Über jeden Raum und jede Zeit. Das ist das gemeinsame aller dieser fünf Kommunikationsformen. Die richtige Mischung macht’s für jeden einzelnen.

Und wir sind erst am Anfang.

Nachträglicher Linktipp: Christian Henner-Fehr hat ebenfalls eine ähnliche Fragestellung untersucht in Der Unterschied zwischen Foren, Blogs und Social Networks. Mit der Bitte um die geschätzte Aufmerksamkeit. [Witzigerweise hat er das gleiche WordPress-Theme wie ich seit zwei Tagen...]

Update: Sean Carmody, Sydney, Australia, has translated and adapted my humble thoughts into English and posted them on his blog StubbornMule. Thank you for translating and mentioning, Sean! It’s an honour :-)

Kleines Bloggertreffen auf der Cap San Diego

Das Arbeiten und Leben in Hamburg ist schön. Spätnachmittags auf dem Oberdeck der Cap San Diego im Hamburger Hafen bei subtropischen Temperaturen. Von links nach rechts waren dabei Svensonsan, Beatrice Föhles, Jovelstefan, ich, Bosch (der übrigens auch fleissig fotografiert hat), Picki, Annika Schmidtsdorff, sowie eine mir noch unbekannte schöne Blonde ihre Kollegin Claudia Dittrich und Tobias Worzyk vom Open Coffee Club Hamburg. Der Fotograf dieser stimmungsvollen Aufnahme war freundlicherweise Markus Trapp. Anschliessend haben wir dann bei den Online-Kapitänen von Hamburg@work gefeiert. Ich hatte danach selbst an Land noch einen leicht wiegenden Gang.

Update: Und hier sind die Fotos von Bosch. Übrigens, so sieht der Fotograf Markus aus. Und endlich auch mal ein anständiges Bild von mir!

Kleine Design-Studie über „grosse Blogs“

Smashing Magazine kommt bei der Analyse von grossen Blogs zu folgendem Ergebnis:

  1. large blogs require a multi-column layout solution (usually 3 columns suffice) (58%);
  2. layouts are usually centered (94%),
  3. layouts usually have a fixed width (px-based) (92%),
  4. the width of the fixed layout varies between 951 and 1000px (56%),
  5. 58% of the overall site layout is used to display the main content,
  6. CSS-layouts are used (90%),
  7. the background is light, the body text is dark (98%),
  8. the most usual (not necessarily most user-friendly) line length lies between 80 and 100 characters,
  9. Verdana, Lucida Grande, Arial and Georgia are used for body text (90%),
  10. the font size of body text varies between 12 and 14px (78%),
  11. Arial and Georgia are used for headlines (52%),
  12. headlines have the font size between 17 and 25px.

Illustriert sind alle Aussagen mit prominenten (amerikanischen) Blogs. Das Ergebnis ist nicht ganz überraschend. Wer immer auch ein magazin-artiges Blog launchen will, sollte das lesen und damit experimentieren.

Warum Tageszeitungen nicht (mehr) funktionieren

Nicht Blogs haben ein Problem, sondern die Verlage, lieber SpON.

Anlässlich dieser überflüssigen Diskussion. Gleiches gilt auch für Magazine, Fernsehen, Flugblätter,… Lasst doch einfach die armen Bäume weiterleben, liebe Papierpresse.

[Grafik entliehen hier]

Tacheles

tagesschau-Chefredakteur fordert zum Bloggen auf!

Dr. Kai Gniffke, bloggender Chefredakteur bei der tagesschau macht seinen Chefredakteurs-Kollegen Mut und schreibt heute in blog.tagesschau.de:

Die Bloggerei ist meiner Meinung nach eine Grundsatzentscheidung für Transparenz. Das gilt für die spannenden Tage, an denen wir eine brauchbare Schneise durch’s Nachrichtendickicht geschlagen haben, aber auch für Phasen, in denen wir die Seuche haben. So eine Kultur der Offenheit ist nicht risikofrei, ein Schönwetter-blog geht nicht. Aber man stelle sich vor, andere Chefredakteure steigen mit ein, reden offen über Versäumnisse und kleine liebenswerte Pannen in ihren Medien. Jungs, habt Mut! Es gibt zwar gelegentlich auf die Schnauze, aber es ist die Sache wert.

Vielleicht ist ja doch nicht alles verloren

[via]

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