Privatsphäre & Kunstfiguren

Es existiert keine Privatsphäre mehr. Wer immer etwas wissen will, weiss es schon längst. Deshalb sind ‘alter egos’ und Kunstfiguren keine Notwendigkeit mehr. Höchstens als Stilelement.

Meine Kunstfigur war zu Anfang meines Bloggerlebens „jimmiz“ – lautmalerisch aus „Jimmy’s“ und „Jim“ wiederum lautmaterisch aus meinem Vornamen „Cem“. Ziemlich schnell habe ich dann in das reale Ego gewechselt, weil die Kunstfigur praktisch identisch mit mir selber war. Schleife ich nun meinen Namen durch Web wie es mancher ausdrückt. Wahrscheinlich. So what?

Gestern hatte ich an anderer Stelle darüber noch etwas raisoniert:

Besteht nicht die Gefahr, dass die Figur den Menschen immer mehr übernimmt? Werden wir denn je eines Tages den Menschen hinter der Figur offiziell und öffentlich erleben? Mich erinnert das immer an die japanischen Bunraku-Spieler: Die Figur steht im Licht, der Puppenspieler ist während der Aufführung auf der Bühne die ganze Zeit zu sehen und ist selbst mit schwarzen Kimonos und Kapuzen kostümiert, spricht jedoch kein Wort. Nur zum Schluss nimmt er die schwarze Maske ab. Manche ganz Grosse spielen aber ohne.

Es ist die Entscheidung jedes Einzelnen sich eine Kunstfigur zu schaffen oder nicht. Hat der Webmensch eine geschaffen, so gilt es diese zu respektieren. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.