Apropos Demonstrationsfreiheit und Zivilcourage in 2007: Heute vor 40 Jahren wurde während einer Demonstration gegen das persische Schah-Regime vor der West-Berliner Oper der Student Benno Ohnesorg erschossen – ein Ereignis, das nachhaltige Auswirkungen auf die Entwicklung der westdeutschen Gesellschaft hatte. Dieses führte zu einer folgenreichen Politisierung der damaligen westdeutschen Studentenbewegung und mittelbar zu der Radikalisierung des Protestes im Frühling und Sommer 1968 und schliesslich zum Ende der Grossen Koalition 1969 unter dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) und Willy Brandt (SPD) als Vizekanzler und Aussenminister. Benno Ohnesorgs Tod am 2. Juni 1967 war ein Schlüsselereignis für die Studentenrevolution im damaligen Westdeutschland, vielleicht ähnlich dem Sturm auf die Bastille für die Französische Revolution am 14. Juli 1789.
40 Jahre später: Heute haben wir ebenfalls eine Grosse Koalition mit CDU und SPD an der Regierung. Die zweite nach der damaligen. Die Proteste wachsen. Die Radikalisierung ist allerdings nicht mit der damaligen vergleichbar. Die politischen Rahmenbedingungen sind etwas anders natürlich. Die Politisierung in der Gesellschaft fehlt. Es herrscht eher Eskapismus und Fatalismus wie ich finde. Die Proteste um Heiligendamm, auch wenn es mehr als 100.000 Teilnehmer vor Ort sein sollten, werden die Gesellschaft diesmal nicht verändern können. Der Staat hat in 40 Jahren dazu gelernt. Er hat den Machtapparat perfektioniert. Die deutsche Bourgeoisie ist wieder auferstanden.
Beim Titel dachte ich „Ach“. Bei solchen News denke ich mir ich bin einfach zu spät geboren. Ich bin mit Joschka F. als Umweltminister in Hessen grossgeworden… und was damals Linksradikal war ist heute Bourgeoisie, wie könnte man es extremer illustrieren als mit Leuten wie Otto Schily…
Und ja, es herrscht Eskapismus und Fatalismus, und das aus gutem Grund, wie ich denke. Ich bin was D angeht Pessimistin – hier geht eigentlich nur noch Abstimmung mit den Füßen. Wenn ich eine Chance sehe, bin ich weg, so sehr ich Hamburg liebe. Da stehe ich zu. Deutschland suckt, was Politik angeht. Ändern lässt sich daran imho recht wenig… ausser das zu tun, was früher mal „dann mach doch rüber“ hiess. Hier heisst das Motto Abbruch statt Aufbruch, das kann es irgendwo nicht sein, und Neoliberalismus ging schon in der Weimarer Republik nur für eine Elite gut. Für mich ist die Neue Berliner Republik der Weimarer nicht fern… ja ich bin Pessimistin, wie heisst das so schön… ein Pessimist ist ein Optiimist der nachgedacht hat…
Du bist nicht zu spät geboren, Foodfreak. Du lebst jetzt.