Eldorado 2.0 oder Die Eroberung der Neuen Welt

Die Eroberer der Neuen Welt, Marco Polo, Kolumbus, Cook, Pizarro, tauschten Glasperlen und billiges Geschmeide gegen die wertvollsten Erzeugnisse der neu entdeckten Nationen und Völkergemeinschaften gegen Gold, Kakao, Kautschuk, Sklaven. Die modernen Eroberer in der Welt 2.0 versuchen es mit Karmapunkten und Micropayments gegen Content, Kreativität und Arbeitskraft…

Die Eroberer der Neuen Welt waren und sind auf der Suche nach dem sagenumwobenen Eldorado, nach den Klunckern der Inkas und Mayas, nach den Clustern aus wertvollen Nutzern, den Communities voller aktiver User. Nach dem Gold 2.0.

Lasst uns das mal genauer betrachten. Immer wieder machen Schlagzeilen über grosse und teure Unternehmensverkäufe die Runde. Die Angaben gehen dabei häufig genug in die Milliarden. Was wird da eigentlich verkauft? Was ist den Käufern soviel Wert? Die Software aus denen die Plattformen bestehen mit Sicherheit nicht, auch nicht das Management oder die Teams der Macher. Das Branding und die aktiven User Communities sind es. Die eingebundene Nutzerbasis, die sich als Zielgruppe für Werbung eignet, als kritische Masse für Abonnements, als Baustein für Erweiterung von eigenen Angebotsportfolios etc. – Es geht um den Bestand und die Struktur von aktiven Nutzergemeinschaften. Und was haben nun diese Nutzergemeinschaften, das Gold 2.0, von solchen Unternehmensdeals? Wie wird ihre Mitwirkung, ohne die diese Deals kaum Sinn gemacht hätten, honoriert? Nada. Niente. Nil. Oder?

In welchem Verhältnis stehen nun die Anbieter zu den Nutzern hinsichtlich der Geschäftsmodelle? Das Fundament ist dabei in allen Modellen ausnahmslos immer die Mechanismen der Social Networks:

  • Nutzer als Kunden (Xing, flickr): Das klassische Modell. Einfach, klar und fair wie ich finde. Basisdienste sind kostenlos. Wer mehr will muss im Abonnement zahlen. Meistens überschaubare Monats- oder Jahresbeträge, die nach Ablauf nicht automatisch verlängert werden. Die Nutzer sind Kunden und werden auch so behandelt. Die Betreiber schaffen eine Community durch guten geldwerten Service.
  • Nutzer als Geschäftspartner (Shoppero, YouTube): Recht frisches Geschäftsmodell, dass noch in den Anfängen steckt. Die Nutzer sind mehr oder weniger am operativen Geschäftserfolg beteiligt, wie bespielsweise an den laufenden Werbeeinnahmen der Plattform. Ob dieses Modell angenommen wird, wird man in der Zukunft sehen. Resultiert in einer Reihe Microzahlungen an Nutzer mit „erfolgreichen“ Beiträgen. Das sind Beiträge, die gerne gelesen, angeschaut oder wahrgenommen werden. Manche sehen darin aber auch einen Anreiz zur Manipulation von Beiträgen. Und die Nutzer sind nicht am nachhaltigen Erfolg des Unternehmens oder der Gemeinschaft beteiligt. Bei Unternehmensverkäufen, den eigentlichen „Grossen Zahlen“ gingen sie leer aus.
  • Nutzer als Mitarbeiter (Qype u.v.a.m.): Wiederum ein klassisches Geschäftsmodell der WebZwoNullWirtschaft. Allerdings das auch aktuell am meisten diskutierte. Nutzer als Contentlieferanten, als Werber via Buttons, als PR’ler via Blogartikel einspannen bzw dazu motivieren. Als Schneeballwerfer und Kettenreaktionäre im viralen Marketing. Die Betreiber argumentieren mit dem kostenlosen Spass, den sie den Nutzern bieten und verweisen wiederum auf den kostspieligen Unterhalt dieser Plattformen und die unternehmerische, betriebswirtschaftliche, organisatorische Arbeit, die damit verbunden ist. Rechtlich scheint es mir in Deutschland in den AGBs der Betreiber eindeutig geregelt zu sein. Die Kritiker argumentieren mit den Stichwort AAL („Andere Arbeiten Lassen“). Zweifelsohne beiten diese Plattformen den User ihren Spass, sonst würden sie ja nicht mitmachen. Andererseits leben diese Plattformen aber auch massiv von den Beiträgen der User. Sie sind der einzige und eigentliche Content. Der Wert ist aber hier wiederum immer die aktive eingebundene User Community sowie die Reichweite der Plattformen und nicht die „journalistische Qualität“ des Content. Ein potentieller Käufer würde die Community kaufen, nicht den Content. Der Content ist nur der „Kleber“ für die Community.
  • Nutzer als Aktionäre (?): Bisher in der WebZwoWelt noch nicht markant in Erscheinung getreten. Warum nicht die User am Unternehmenswert beteiligen? Warum nicht User-Aktionäre schaffen?? Wie würde ein Commercial Commons ergänzend zum Creative Commons aussehen???

In der reinen Form kommen diese Modelle kaum vor. Mischformen sind die Regel.

Darüber würde ich gerne Samstag auf dem barcamp Hamburg 07 sprechen, offen und gerne kontrovers diskutieren. Vorangegangene Diskussion der Problematik findet sich hier, hier und hier.

Update: Das schwüle Wetter hat mich am Samstag geschafft. Heute am Sonntag versuche ich einen neuen Anlauf auf dem Barcamp Hamburg!

4 Kommentare zu „Eldorado 2.0 oder Die Eroberung der Neuen Welt

  1. Sehr schöne Klassifizierung der Geschäftsmodelle 2.0! Das genuine Modell des Web 2.0 ist vermutlich die Variante 3, aber es gilt abzuwarten, wie lange Crowdsourcing und anschließende millionenschwere Deals noch funktionieren.

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