Studie über das Elend der Online-Journalisten

Der Online-Journalist, leitender Redakteur bei der Computerwoche und Blogger Wolfgang Sommergut nimmt Stellung zum Elend in seinem Berufsstand und zitiert aus einer aktuellen Studie:

Die wenigsten Klicks der verlegerischen Sites gehen auf redaktionelle Inhalte zurück. Die meisten Portale und wohl auch Zeitungen generieren nicht einmal ein Fünftel ihrer Zugriffe aus originären redaktionellen Texten. Das Gros der Klicks ist dem Einsatz von Bildergalerien, dem Zugriff auf Wertpapierdepots, Partnerbörsen, Aktienkurs-Abfragen, Job-Datenbanken geschuldet, die allesamt in die Klickstatistik einfließen.

Stil, Inhalt und Form des Journalismus seien dabei im Online-Geschäft auch noch verödet, so die Studie weiter. Und Weblogs würden immer noch nicht als lohnenswerte Plattform verstanden. Die Studie, auf die er sich bezieht, ist bezeichnenderweise im PDF Format!

Mich würde mal interessieren, wie so unterschiedliche Journalisten wie Knüwer, Niggemeier oder der Don zu solchen Aussagen, wie sie in dieser empirischen Studie gemacht werden, stehen. Oder auch Technik-Journalisten wie Volker Weber. Ist der reale Online-Journalismus wirklich auf den Hund gekommen? Stirbt der Berufstand langfristig? Sind Journalisten nur noch Content-Hoflieferanten der Online-Verlage?

Für das Gros der Professionellen könnte es sogar vielleicht so sein. Für die Lohnschreiber, die am Fliessband sitzen und jeden Tag Zeilen schreiben müssen. Und Premiumjournalisten hat es früher auch gegeben. Was ich als Leser (oder heisst es schon Nutzer?) sehe ist, dass das Geschriebene im Web quantitativ exponentiell wächst. Mit allen inhaltlichen Wiederkäuungen, die so üblich sind.

4 Kommentare zu „Studie über das Elend der Online-Journalisten

  1. Ich hab schon Ende der 90er mal als Redakteur eines Print-Magazins die zugehörige Website mit-befüllt. Die ganze Szene hat damals voneinander abgeschmiert und allein aus den damaligen (nicht vorhandenen) Erlösmodellen war ersichtlich, dass kein Verleger für Online-only einen guten Journalisten für ordentliche Arbeit bezahlen kann.
    Nun existieren mittlerweile zwar einige profitable Online-Publikationen, aber es hat sich schon so eine degenerierte Abart des Journalismus etabliert. Da klopfen dann beispielsweise manche Kollegen auf IT-Konferenzen schon während der Keynote ihren Beitrag ins Redaktionssystem und das ganze geht dann Minuten später möglicherweise als brandaktueller, „recherchierter“ Agenturbericht über alle Kanäle.

    Ich glaube nicht, dass der gute Journalismus aussterben wird, aber er ist derzeit gerade dabei, sich neue Kanäle und Einkommensmodelle jensets der kriselnden Verlage zu suchen. Unter den von Dir angesprochenen Kollegen sind ja auch freie Journalisten, die bekanntlich flexibel und offen für alle Medien sind. Mit solchen Voraussetzungen muss man sich am wenigsten Sorgen um die weitere Entwicklung machen.

  2. Ich kann schon die Sorge von Wolfgang Sommergut teilweise verstehen. Ich hatte zufällig vor einigen tagen über Schreiben mit Tastatur und Rücklöschtaste geschrieben und dort raisoniert, dass mir online schreiben schon ein anderer Vorgang zu sein scheint als konventionelles Schreiben. Im professionellen Bereich wohl auch umso mehr. Hinzu kommt, das auch das professionelle Schreiben mehrheitlich in diesem Zusammenhang auch ein industrieller Vorgang geworden ist. Ich bin kein Journalsit, noch schreibe ich für meinen Broterwerb, doch leuchtet mir ein, dass wenn in immer kürzerer Zeit immer mehr Text gefüllt werden soll, dass das keine gesunde Entwicklung ist. Masse verdrängt immer mehr Klasse.

  3. Was hast du gegen quantitatives Wachstum. Das funktioniert nur, wenn es auch Inhalte gibt. Ich kenne das noch aus der Hochzeit der Zeitungen. Da habe ich drei – vier und zwei Wochenmagazine gelesen.

    Heute lese ich keine einzige mehr konplett, aber dreißig – vierzig auch ausländische im Newsfeed. Ich selektiere. Sagt mir der Titel nichts, Chance verpasst. Bringt der Header nichts, Chance verpasst. Aber im Schnitt suche ich meinen Newsfeed auch dreimal am Tage nach bestimmten Stichworten durch.

    Ich habe keine Statistik wieviel Seiten ich wirklich lese, wieviele ich kommentiere. Aber die Quantität ist nicht das Problem.

    Es gibt auch Qualität. Selten. So wie sie schon immer selten war. Vor allem aber gibt es oft Spitzenleistungen in der Qualität.

    Was mir aber das wichtigste ist. Es gibt Mut. Sehr viel Mut.

    Mutige Qualität und mutige Spitzenleistungen, wie lange haben wir das schon nicht mehr in unseren öffentlichen Medien gesehen.

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