Das Netzwerk der Abhängigkeiten

Der Fall Flickr zeigt die massiven Wechselwirkungen zwischen einer an sich banalen Webanwendung und dem darin entstandenen und eingebetteten Sozialen Netzwerk. Es zeigt eben auch, dass es kommerziellen Anbietern eigentlich um dieses Netzwerk geht und gar nicht mehr um die Anwendung. Till Westermayer schreibt heute morgen treffend in Telepolis:

Das Beispiel Flickr hat deutlich gemacht, dass soziale Netzwerke kein Unternehmenskapital wie jedes anderes darstellen. Die Geschäftsgrundlage von Web-2.0-Angeboten weist einige Besonderheiten auf. Die üblichen Marktgesetze kommen hier nur bedingt zum Zuge. Die Stärke wie die Schwäche dieser Angebote ist die hohe Bedeutung von zwischenmenschlichen Kontakten, Beziehungen und sozialen Netzwerken verbunden, die – was erfolgreiche Anbieter freuen und deren Konkurrenten ärgern dürfte – nicht einfach transportiert werden können. Aus Verbrauchersicht erweist sich diese Kopplung an soziale Netzwerke dann als Ärgernis, wenn das Angebot nicht mehr zufrieden stellt, und sehr hohe Hürden bestehen, zu einem Konkurrenzangebot zu wechseln.

Kann man die Komponenten Webanwendung und die Community mit dem Sozialen Netzwerk überhaupt voneinander trennen? Bedingt nicht das erstere das zweite? Würden sich Plattformen wie Xing oder LinkedIn als neutrale oder offene Soziale Netzwerke für Webanwendungen eignen? Durchaus, wenn sie einfache Schnittstellen für diese Webanwendungen schaffen und sich selber deutlich aus dem Anwendungsgeschäft heraushalten. Wie würden darauf die Webanwendungen reagieren? Sie würden einen grossen Teil der Kundenbindung an die (kommerziellen) Social Network Plattformen abgeben und damit potentielle Kundenwechsel vereinfachen bzw. für sich die Gefahr der Wechsel und des Verlusts erhöhen. Der Kunde wäre König.

Offene Frage: Hat beispielsweise Xing strategisch u.a. auch die Absicht Webangeboten von Dritten als neutrale (oder offene) Social Network Plattform zu dienen? Über offene Schnittstellen (API’s)?

Ich denke, dass neue und hungrige Guerilla-Anwendungen sich auf dieses Spiel einlassen werden, aber 350-Kilo-Gorillas wie die Marktführer nicht. Langfristig glaube ich, dass die Guerilla siegen wird. Das hat die bisherige Geschichte immer gezeigt.

Nachtrag: Interessante alternative Sichtweise auf den gleichen telepolis-Artikel von Oliver Wagner in agenturblog.de, der die gleiche Problematik im Lichte von Open ID sieht: „Die Souveränität der Beziehungen“.

6 Kommentare zu „Das Netzwerk der Abhängigkeiten

  1. Wenn Xing eine Schnittstelle nach aussen bietet, würden sie dann nicht ihr wichtigstes Asset — nämlich die gesammelten Daten über die Benutzer — preisgeben?

    Obwohl, am liebsten wäre es mir, wenn die Daten auf *meinem* Server liegen würden und Xing oder wer auch immer die nur von dort importiert. FOAF war mal ein Ansatz, der das konnte, aber wird das noch groß verwendet?

  2. Michael, diese Xing-Schnittstelle gibt es ja schon grundsätzlich (als Testversion). Sie funktioniert von Xing nach draussen. Beispielsweise als Namens und Adressserver. Siehe hier. Xing hat damit offensichtlich aber auch Probleme.

  3. Ich denke, wir würden uns alle wohler fühlen, lägen diese Daten auf „neutralem“ Boden, also in Form eines offenen Standards der durch dir Open Source Bewegung technisch abgebildet wird. Ob nun Open ID oder andere spielt dabei keine große Rolle. Auch die Mozilla Foundation sucht derzeit eine neue Vision: Das könnte eine sein.

  4. Die Flickr Zensur Affäre zeigt, wie wichtig es ist, dass sich alle Netzaktivisten mal wieder in den Hintern getreten fühlen, um diese geforderte neue persönliche Meta-Netzwerk-Informationsschicht nicht den kommerziellen Datenverwaltern zu überlassen.

    Wir schicken den ganzen Tag Daten, Referrer, Trackbacks, Kommentare und sonstigen Kram raus, aber gespeichert wird das Zeug außerhalb der persönlichen Kontrolle.

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