Anwälte sind wie Atombomben

Martin Oetting raisoniert über Callactive und die Bedeutung von Blogs und über Robert Basics Ausführungen darüber. Meine Interpretation ist generell schlicht folgende:

Natürlich ist ein Unternehmen verärgert oder irritiert, wenn es „schlechte Publicity im Internet“ hat. Dass das „Blogs“ sind und dass Blogs möglicherweise eine zusätzliche eigene Dynamik haben im Internet, ist denen aber ziemlich egal. In diesem Land zumindestens. Ich glaube nicht, dass Unternehmen hier gross differenzieren. Die Reaktion der Unternehmen (in Deutschland) ist wie mit jeder schlechten Öffentlichkeit, dass „der Sturm möglichst schnell wieder vorbei sein möge“. Die Reaktion wäre also eher „ignorieren“ bzw. „still halten“. Der Grund, weshalb das so ist – Unternehmen sind ja rein pragmatische Gebilde – ist dass Öffentlichkeit und ihre Meinung im Internet in Deutschland eine eher geringe Rolle spielen. Andere Dinge bestimmen die Unternehmensführungen in Deutschland viel eher. Papierpresse und Fernsehen, Berlin, das eigene Old Boys Network, die Ehefrau. Das ist das, was als Öffentlichkeit und Meinungsbildend angesesehen wird. Eben das, was die alten Jungs eben so kennen. Ihre Welt. Blogs gehören mit absoluter Sicherheit nicht dazu. Auch nicht in naher und nächster Zukunft.

Callactives Verhalten passt nicht in das generelle Bild, dass sich Unternehmen hierzulande vom Internet machen. Die Old Economy schüttelt da nur den Kopf. Aber auch die Internetökonomie kann mit diesem Verhalten nichts anfangen, denn spätestens seit Vietnam hat, glaube ich, (fast) jeder verstanden, dass man Guerilla Methoden nicht konvetionell angehen kann. da verliert der Konventionelle (fast) immer. Abmahnungen sind konventionelle Waffen, die man in solchen Fällen in der Schublade lassen sollte. Ungewolltes Virales Marketing lässt sich so nicht bekämpfen.

Danny de Vito hat seine Rolle in der US Komödie Other Peoples Money sagen lassen. „Anwälte sind wie Atombomben: Man droht mit Ihnen, setzt sie aber nicht ein.“ Ich würde heutzutage nicht einmal mit ihnen im Internet drohen. Zumindestens nicht so.

4 Kommentare zu „Anwälte sind wie Atombomben

  1. In der Tat wird die Eigen-Dynamik im Internet unterschätzt. Impulse, die hier möglicherweise gezielt gesetzt werden, sind kaum steuerbar.
    Auch für mich gewöhnungsbedürftig.
    Viele Grüße aus Bielefeld
    M.E.

  2. absolut, das netz ist schnell. hier sind eine menge menschen unterwegs, die kaum etwas anderes tun als hier zu sein und informationen zu verarbeiten. wir sind ein dynamischer think-tank. und ein anwalt ist in dem sinne keine atombombe, sondern eher ne sniper – er erwischt niemals die masse, sondern einzelne individuen, die allerdings auch zentral wichtig sein können.. aber btw.. im knast kommt man auch ans internet ;)

  3. Anwälte sind keine Atombomben sondern in der Regel nur Böller solange wir in Deutschland kein Erfolgs Honorar vereinbaren dürfen. Mein eigener Anwalt hat mir in dem Fall http://metzingen.wordpress.com doch tatsächlich Vorwürfe gemacht nachdem sich jemand von der Staatsanwaltschaft beschwert hat, dass ich in dem Vorgängerblog zu dem Fall so viel geschrieben habe. Sein Rat war immer nur „haben sie Geduld“ oder „haben sie doch Vertrauen“. Seitdem ich das neue Blog gestartet habe ist er megaschlecht auf mich zu sprechen obwohl er es nie gelesen hat und die Staatsanwaltschaft in einem Schreiben welches ich am 17.08. erhalten habe Fehler zugab. Es war mit Sicherheit zumindest in Teilen der Wirkung des Blogs zuzuschreiben, dass die Behörden sich irgend wann doch bequemten der Sache nachzugehen.

    Resümee:

    Ein Blog kann mehr bewirken als ein Anwalt

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