Eine Unternehmerehe…

Meine Eltern waren beide selbständige Kaufleute. Jeder mit seiner eigenen Firma in jeweils unterschiedlichen Branchen. Sie haben aber immer in einem gemeinsamen Büro gearbeitet, in unterschiedlichen Arbeitszimmern zwar, aber wiederum mit einer geteilter Sekretärin, so hiess das noch damals. Zeitlebens haben meine Eltern sich gegenseitig ins Geschäft reingeredet und reingepfuscht. Nicht nur gelegentlich haben sie sich auch gegenseitig ziemlich irre gemacht damit. Berufsleben und Privatleben waren nie wirklich getrennt. Sie hatte keine anderen Freunde ausser ihren Geschäftsfreunden. Und wir sind nie wirklich in Urlaub gefahren, sondern haben mal zusammen Geschäftsreisen gemacht und dabei sicher auch mal das eine oder andere schöne erlebt. Als einziges Kind kannte ich nie ein Leben ohne Geschäft. Nach der Schule war ich mehr als oft im Büro meiner Eltern. In den höheren Klassen täglich nachmittags. Und in den Sommerferien. So habe ich natürlich nebenbei alles über Import und Export, über die ehrbare hamburger Kaufmannschaft gelernt. Ich kannte als Kind viele hamburger Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben. Eine Zeit, die es schon ganz lange nicht mehr gibt. Morgens, mittags, abends drehte sich bei uns in der Familie alles um das Geschäft. Die Verbundenheit, ja Besessenheit meiner Eltern mit ihren Unternehmen ging sogar soweit, dass sie ihre Geschäftspartner wie eine Art Angehörige behandelt haben. Das ging mir dann entschieden zu weit. Ich habe dieses Leben mehr als gehasst. Das ist mir erst viel später nachträglich bewusst geworden.

Ich habe es als Kind zunächst als normal empfunden, später jedoch habe ich die Flucht ergriffen. Mit achtzehn habe ich beiden offiziell mitgeteilt, dass ich nicht in deren Fussstapfen einzutreten gedenke und nicht irgendwie deren Firmen übernehmen wolle. Ganz bewusst habe ich mich für einen radikal entgegengesetzten Weg entschieden. Ich bin Informatiker geworden. Zeitlebens ein Selbständiger natürlich. Die Gene haben dann doch sich wieder etwas durchgesetzt bei mir. In meiner Ehe versuche ich jedoch strikt Beruf und Privatleben gut zu trennen. Ich könnte mir nicht vorstellen, wirklich gemeinsam mit meiner Frau zu arbeiten.

Meine Eltern waren über fünfzig Jahre miteinander verheiratet und haben ihr Leben auf diese Weise geführt. Es war sicher ein ungewöhnliches Leben. Waren sie beide glücklich damit? Martina Pickhardt fragt sich, Gründen und Lieben – geht das? [via] Was für eine Frage. Ihre Antwort ist ein interessantes lesenswertes Panoptikum von 30 Tipps. Ich wünschte meine Eltern hätten das vorher gelesen… Ob es geholfen hätte, weiss ich allerdings nicht.

6 Kommentare zu „Eine Unternehmerehe…

  1. Es klingt jetzt vielleicht ein bisschen zu reduziert und sachlich, aber die Magie liegt im Satz selbst

    „Unternehmer wird man nicht, man ist es“.

    Demnach haben deine Eltern das gemacht, was sie wollen und sich damit selbst verwirklicht. Hättest du dir beiden in einem Büro oder Lager vorstellen können – als Angestellte?!

    Und klar, dass es keinen Urlaub gab…gibt´s bei Unternehmern auch nicht wirklich, sondern sie reisen ;-))

    Martinas Punkte teile ich nicht zu 100%. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es einfacher geht wenn man ehrlicher zu sich selbst ist, wenn man weiß was einen Unternehmer treibt…und dass man ersteres, aber nie letzteres jemals ändern kann.

    Es gibt einfache Mechanismen, die man kennen und befolgen muss, um erfolgreich a). mit einem Unternehmer zusammen zu leben b). mit seinem Partner zusammen zu arbeiten oder c). beides :-))

  2. Eine Unternehmerfamilie lebt sicher anders als andere Familien. Das Familienleben ist sicher nicht so planbar wie die bei Festangestellten oder Beamten. Das ist richtig. Aber meine Lehre daraus ist, dass das Privatleben und die Ehe vom Berufsleben nicht aufgefressen werden darf. das ist sehr schwierig. Ich weiss das. ich bin ja selber Selbständiger. Und man tut sich natürlich leichter, wenn der Ehepartner ähnlich ist. Also auch Selbständig, Freiberuflich oder Unternehmerisch. Das Verständnis ist egegenseitig viel grösser. Aber eben auch die Gefahr wie geschildert. In einer Unternehmerehe braucht man viel Disziplin für Freiräume und echtes Privatleben. Vorallem auch für die Kinder.

    Nachtrag: Was waren deine Eltern, Daniela?

  3. Die Prioritäten müssen vorher klar sein. Auch, wie lange man sich auf das eine bewusst mehr und auf das andere bewusst weniger konzentriert. Man kann es auch schaffen, einen Partner in seine Unternehmung mit zu integrieren, auch wenn dieser kein Unternehmer „by heart“ ist. Z.B., dass man ihn am Unternehmen ein wenig mit beteiligt.

    Disziplin ist wichtig. Aber noch viel wichtiger ist der gegenseitige Respekt für einander: als Lebens- und Geschäftspartner gleichermaßen.

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