Das Jahrhundert des globalen Dialogs?

Das 19. und 20. Jahrhundert waren dunkle Jahrhunderte in der Weltgeschichte. So ziemlich alles, was die Welt in einen permanenten Krisenzustand getrieben hat, stammt aus dieser Zeit. Und alles ausnahmslos ursprünglich aus Europa. Imperialismus, Kolonialismus, Massenvernichtungswaffen, Umweltverschmutzung, menschenverursachte Klimaveränderungen und Naturkatastrophen, Weltkriege, Nationalismus, Rassenhass und Völkerverhetzung, industrielle Völkervernichtung, die grösste Völkerwanderung aller Zeiten aus Armut, aus Verfolgung, aus Terror… Alles ausnahmslos Erfindungen aus Europa. Und das trotz (oder gerade wegen?) dem Zeitalter der Aufklärung und der modernen Demokratie.

Aber im Übergang zum 21. Jahrhundert scheint es auch Hoffnung zu geben. Ebenfalls aus Europa. Die politische und wirtschaftliche Vereinigung der Völker in Europa. Völkerverständigung und Fall der Grenzen. Vielleicht wiederum ein Modell für die zerstörte und zerstrittene Welt. Vielleicht ist das der globale politische Auftrag Europas im 21. Jahrhundert. Die klassischen politisch-militärischen Weltmächte Amerika, Russland und China und ihre kleinen Nachahmer bekommen es ja nicht hin.

Das 21. Jahrhundert könnte das Jahrhundert des Dialogs werden. Und Europa sein Moderator.

10 Kommentare zu „Das Jahrhundert des globalen Dialogs?

  1. Deinen Optimismus in Ehren, aber von einer politischen Einheit ist Europa so weit entfernt wie schon lange nicht mehr.

    Und wenn ich mir den Balkan so ansehe, dann ist in Europa auch in Sachen Völkerverständigung noch einiges im argen. Und mit der EU-Aufnahme der Türkei und … könnte man lange fortsetzen, diese Aufzählung.

  2. Ja, aber der Prozess der Verständigung hatr in Europa schon eingesetzt und er ist schon sehr weit fortgeschritten. Ich kenne Europa noch aus eigener Erfahrung schon auch mehrere Jahrzehnte. Das Europa der 60er, 70er, 80er Jahre hat nicht viel mit dem Europa von heute zu tun. Im grossen und ganzen im positiven Sinne. Der Krieg im ehemaligen Jugoslavien waren noch die Nachwehen des Kalten Krieges und der ungelösten Nationalitätenkonflikte dort. nach vielen fehlern und Irrungen hat Europa dort auch angefangen diese jungen selbständigen Länder in die Gemeinschaft einzugliedern.

  3. Jürgen, ich glaub dass du Europa hier nicht wirklich im historischen Vergleich betrachtest – wann waren sie denn je näher an einer politischen Einheit? Btw. die Türkei gehört nicht zu Europa – Russland schon eher und da seh ich immernoch schwarz … öhm … rot.

  4. Martin, „Zentrum des Fortschritts“ im Sinne, dass so ziemlich alles, was uns weltweit in Verderben gestürzt hat ursprünglich aus Europa kommt. verbunden mit der neuen Hoffnung, dass das Modell Europa in Zukunft möglicherweise einen positiven Beitrag liefern kann.

    Übrigens, die Türkei gehört politisch zu Europa. Sie ist Gründungsmitglied des Europarats. Sie ist sogar Gründungsmitglied der UNO, der NATO und vielen weiteren wichtigen Organisationen. Vor Deutschland übrigens.

  5. @ Martin

    Tatsächlich interessiert mich mehr das hier und jetzt. Man muss sich nur das würdelose Geschachere beim letzten Eu-Gipfel ansehen, Stichwort EU-Verfassung, um eine Ahnung zu bekommen, wie weit der Weg bis zu einem politisch geeint handelnden Europa noch ist. Sarkozy und Libyen? Sehr europäisch gedacht und gehandelt. Europäischer Aussenminister? Europäische Armee?

    Die Hoffnung oder wenn man will der Fortschritt besteht letzten Endes doch darin, mittlerweile mehr als 60 Jahre (und das ist historisch betrachtet tatsächlich eine lange Zeit) in Frieden zu leben und die unmittelbaren Nachbarn nicht mehr als Gegner oder Feinde wahrzunehmen.

    Ob die Türkei in die EU gehört oder nicht, darüber kann man tatsächlich trefflich streiten. Die Art und Weise wie mit dem Wunsch der Türkei nach einer Aufnahme umgegangen wird, spricht aber sehr gegen ein politisch vereint denkendes Europa.

  6. Das 21. Jahrhundert könnte auch ein Jahrhundert des Krieges um existenzielle Ressourcen wie Trinkwasser, Energie, Nahrung (und bebaubaren fruchtbaren Boden) werden… um mal advocatus diaboli zu spielen.

  7. Am Samtag war ich ja auf eine Hochzeit und an meinem Tisch, saßen u.a. ein Belgier, der jetzt in Berlin lebt, ein Ire, der jetzt in Leipzig lebt, ein Detmolder (Ostwestfale wie ich), der jetzt in Dublin lebt sowie ein Haufen Deutsche, die sich schon an den unterschiedlichsten europäischen Ländern herumgetrieben haben. Das war sehr schön und ich glaube, dass Europa gerade für unsere Genration eine völlig neue Qualität erreicht hat.

    Aaaber: der Krieg kommt stets schneller und grausamer als man denk, und ich habe derzeit mein Zweifel, wie mächtig die EU dann wirklich ist. Die Kriege auf dem Balkan sind der erschreckendste Beweis dafür und angesichts der Tatsache, dass der Irak eine Grenze mit der Türkei hat ist auch dieser weltpolitsch derzeit wohl schlimmste Konflikt alles andere als weit weg.

    Der wichtigste Grund aus dem ich Dir recht geben würde ist der: territoriale Kontrolle spielt kaum noch eine Rolle in der westlichen Welt und auch in anderen Ländern zunehmend weniger. Die Wirtschaft ist an die Stelle getreten und sie nimmt sich, was sie braucht und unterdrückt, was ihr missfällt. Das macht Krieg zum einen irrelevant, weil es kaum etwas zu gewinnen gibt nicht zu letzte weil sie Geld, Arbeitrsplätze und Profit kosten.

  8. @ben, ich glaube, Europas Rolle ist nicht „Macht“-basiert. Das wäre ja das klassische Modell der vergangenen Jahrhunderte. Ich glaube aber auch wie du stark daran, dass Territorien und Grenzen eine immer weniger bedeutende Rolle spielen in der „zivilisierten Welt“. Genauso Herkunft und Nationalität. Zumindestens in der Jugend. Und das ist wunderbar so.

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