Was können Barcamps von Poetry Slams lernen?

Der Don hängt an der Blogbar ab und sinniert darüber nach, warum er Barcamps meidet. Eine Passage liess mich dann dabei doch aufhorchen:

In der Folge wird ein Barcamp Schwierigkeiten haben, die Qualität einer Konferenz zu erreichen. Zudem fehlt eine Komponente des Poetry Slam: Es gibt keinen Wettbewerb um Qualität, und keine Jury, die entsprechend Druck macht. Die dafür sorgt, dass die theoretischen Vorteile der Offenheit eines Barcamps nicht durch ihre praktischen Nachteile überwogen werden.

Ich bin ja immer für Cross-Culture. Ich liebe ja solche Out-of-the-Box-Denke. Was können Barcamps von Poetry Slams lernen? Ernsthaft. Interessante Frage. Ein Qualitätswettbewerb auf Barcamps? Tja, warum eigentlich nicht? Wenn’s die Qualität erhöht, die Beliebigkeit, das Schwadronieren reduziert. Warum nicht? Bis jetzt waren die Barcamps allerdings nicht schlecht, auf denen ich war. Aber immer vielleicht etwas chaotisch im Ablauf… Aber OK. Mein nächstes Barcamp ist der WordCamp’08. Ansonsten auf dem StartupWeekend, das barcamp-ähnliche Züge hatte, haben wir auf Qualiät gesetzt und auf ein Endresultat – gewissermassen ein Wettbewerb gegen die Zeit.

Auf dem WordCamp’08 wollen wir der Beliebigkeit etwas entgehen, indem wir beispielsweise zu Schwerpunkthemen lokale Gatsgeber zuordnen, die zu bestimmten Themen animieren. Oder eine Bloglesung auf dem WordCamp’08 organisieren. Oder ein kleines Rockkonzert. Ja, warum nicht gute freie Beiträge auf dem Camp prämieren? Ich bin offen.

Wettbewerb auf dem Barcamp. Gut. Aber wie?? Wo ist der Wettbewerb? Was kann man machen?

Update: Wie kann ein Wettbewerb auf dem WordCamp’08 in Hamburg aussehen? (Frage in Brainr.de)

20 Kommentare zu „Was können Barcamps von Poetry Slams lernen?

  1. Frage ist: Will man das überhaupt oder verändert das die Veranstaltung? Beim iPhoneDevCamp in San Francisco gab es so etwas. Da wurden die Teilnehmer ausgezeichnet, die die beste Unterstützung für die Programmierteams leisteten.

    Ich sehe einen Wettbewerb eher bei themenspezifischen Camps, für BarCamps, die ja thematisch breit angelegt sind, halte ich eine Art von Wettbewerb nicht für sinnvoll.

    Auf der Blogar wird einfach zu 95% mit falschen Tatsachen hantiert – Teleanalyse eben.

  2. Die Idee mit einem Wettbewerb finde ich im Grunde genommen nicht so schlecht, aber auch da sollte es denke ich ähnlich „auf den Kopf gestellt ablaufen“ wie es das Grundkonzept der BarCamps im Vergleich zur klassischen Tagung eben auch ist. Also: Wir könnte ein „alternativer“ Wettberwerb aussehen? Inspiration bei den Poetry Slams ist eine Möglichkeit. Wir planen gerade das erste EduCamp, das 2008 in Ilmenau stattfinden wird. Es geht um die Zukunft des Lehrens und Lernens im Hochschulsektor und in Unternehmen. Hier könnte ich mir einen kleinen „Perfoming Science“ Wettbewerb vorstellen, also wer kann einen Saal so richtig durch seinen Vortrag zum Toben bringen… vgl. Video von Sir Ken Robinson…

  3. 95% an der Blogbar besteht gar nicht aus hantierenden Tatsachen. Und Franz Patzig wird zu 95% mit falschen Frank Patzig argumentiert. Franz Patzig ist zu 95% der King of Barcamp, aber 95% aller Beleidigungen wie die in Franz Patzigs Blog schaden dem Ansehen von Frank Patzig. 95% aller fehlenden Argumente werden mit 95% kaschiert. 95% ist zu 95% unklug. Im Ernst, ich denke, dass eines der Probleme der Barcamps in etwa so aussieht wie die Argumentation und Person von Franz Patzig, zu 95%. Selbsternannte Vorreiter, die bei jeder Meinung sofort eine Verschwörung gegen sich und ihren Hofstaat (t)wittern.

    Und das ist das Elende an den Dingern: Mit einem Haufen Extremisten in einem Raum hocken, Lenins redikale Minderheit, die keine andere Reaktion kennen als „das machen wir aber immer so“. Da bildet sich eben was heraus, was von den Barcamp-Grand-Tourern vorgegeben wird, die dann jede Debatte zum Thema Qualität fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Weil sie dann ihrem Hofstaat unbequeme Wahrheiten zumuten müssten, weil ihnen die 50% No Shows am zweiten Tag lieber sind, als mal zu überlegen, ob die Leute nicht bleiben würden, wenn sie bessere Angebote bekommen. Ich mein, es ist ja nicht so, dass ich nicht mit den Leuten über das Thema rede, bevor ich sowas schreibe.

    Eines noch. Bei Konferenzen habe ich in aller Regel zwei Wochen vorher ein komplettes Programm und kann mir als Vortragender überlegen, wie ich auf den Gesamtkomplex eingehe. Gute Konferenzen briefen einen vorher dezidiert, damit es sowas wie einen roten Faden gibt.

    Das alles muss natürlich nicht sein. Man kann es auch mal eben nicht organisieren, und sich darauf verlassen, dass der Bericht von Nicole Simon trotzdem euphorisch ist. Geht alles. Zu 95%.

  4. Als Musiker sagt mir die Idee eines Barcamps zu. Das musikalische Gegenstück ist die Improvisation, die Jam Session. Natürlich bringen qualitativ hochwertige Session sowohl den beteiligten Musikern, als auch dem Zuhörer mehr Spass als akustische Umweltverschmutzung. Die Frage ist jedoch immer, wie man dieses ominöse Qualitätsdingens definiert. Ich habe Sessions mit absolute beginnern gespielt, die großartig waren und Jams mit Profis, die langweilig und vorhersehbar waren. Die schönsten Sessionerfahrungen hatte ich, wenn unterschiedlichste Level gegenseitig beim spielen inspiriert haben. Die langweiligsten Sessions waren die, wo Publikum und Musiker aus 95% „Muckerpolizei“ bestehen. Ein Phänomen, das seltsamerweise nur in deutschen Clubs so ausgeprägt zu finden ist.

  5. Der Drupal-Con in Barcelona dies Jahr hatte in der Tat große Ähnlichkeit mit einem Barcamp, insofern, als dass die Organisatoren sehr viele Beiträge angenommen haben, was zu einer ausgesprochen heterogenen Qualität geführt hat. Das alleine wäre ja nicht schlecht gewesen, aber man konnte vorher nicht abschätzen, welcher Vortrag welches Niveau hat, was bei jeweils drei parallel laufenden Vorträgen zumindest bei mir regelmäßig dazu führte, dass ich mich geärgert habe, nicht in einen der jeweils anderen Vorträge gegangen zu sein.

    Lange Rede kurzer Sinn: ich war ja mein Lebtach auch nich auf keinem Barcamp, aber ich glaube, es geht nicht viel über eine Konferenzleitung, die Qualitätssicherung macht. Photocase für Konferenzen, quasie.

  6. Ich setzt mich ja mit dem Thema derzeit auch intensiv auseinander, weil ich die ersten Überlegungen und Schritte für das BarCamp in Leipzig mache.

    Ich muss Don durchaus Recht geben, bei seiner Auffassung. Zumindest von der Warte her, dass ich das letzte BarCamp in Berlin mit extrem unterschiedlichen Qualitätsunterschieden erlebt habe … Für mich ist daher die Frage, wie man ein BarCamp attraktiver machen kann, und da ist natürlich so ein „Wettbewerbsgedanke“ nicht schlecht. In einem allgemeinen BarCamp aber denke ich schlecht realisierbar, weil die Themen zu weit sind. Bei einem spezialisierten BarCamp könnte man am Schluß fragen welche Sessions am „hilfreichsten“ waren oder dergleichen.

    Ich denke in Leipzig werden wir mit einem gewissen „Rahmenprogramm“ aufwarten, welches durch vorher definierte, offene Vorträge aufgebaut wird und durch die freien Session-Slots dann ergänzt wird. Aber wir sind derzeit was das anbelangt noch in einer „Findungsphase“.

    Siehe auch hier:
    http://gigold.de/archiv/2007/12/05/barcamp-von-qualitaet-und-freiheit/

  7. Was können Barcamps von Poetry-Slams lernen? M. E. wenig. Wer sich mal, ich spreche jetzt von den mir bekannten Hamburger Veranstaltungen, auf diesen sogenannten Lesewettbewerben umgehört hat, der wird schnell festgestellt haben, dass sich dort nicht die Beiträge durchsetzen, die einen gewissen literarischen Wert haben, sondern die Beiträge mit den billigsten Zoten. Ein Poetry-Slam ist ein Wettbewerb, in dem Atze Schröder gegen Heino Jaeger gewönne. Warum das noch auf’s barcamp bringen?

  8. @Thomas, ich denke auch, das ein gutes Barcamp (oder wie immer man es nennen will) ein gewisses Gerüst braucht. Zumindestens fühle ich mich wohler damit. Deshalb wollen wir ja einige vorgeplante Sessions in Hmaburg anbieten. Daher auch die Motivation im Rahmenprogramm Bloglesung und Rockkonzert zu machen… Bist du in Hamburg beim WordCamp dabei?

  9. @bosch, ich finde einen Wettbewerbscharakter ja doch schon reizvoll, nur darf es die veranstaltung nicht erschlagen oder bestimmen. Es ist eben nur ein zusätzliches Spiel. Aber was Slams anbelangt sprichst du ja aus Erfahrung…

  10. Cem, leider wohl nicht; Ende Januar sieht eher schlecht aus. Aber der Termin ist zumindest so notiert, dass ich vielleicht an einem Tag mal vorbei schaue …

    Aber ja, eben genau die Gedanken der „vorgeplanten Sessions“ hatte ich auch hier für Leipzig.

  11. Die Auffassung, dass BarCamps ein Gerüst breauchen oder dass vordefinierte Sessions laufen sollen, existiert meines Wissens nur hier. Wenn man sich damit auseinandersetzt, was diejenigen, die die Bewegung ins Leben gerufen haben, damit wollten (und es ist die offene Version des O’Reilly Foo Camps), besteht die Absicht gerade darin, größtmöglichen zu lassen, abseits von jeder Formalisierung.

    Auf dem Wiki von BarCamp.org, findet man die Rules of BarCamp (barcamp.org/TheRulesOfBarCamp). Tantek Çelik, den ich persönlcih sehr schätze, hat diese Regeln ursprünglich als Parodie auf die Regeln des Films „Fight Club“ geschrieben, Das ist bewusst kurz gehalten, bildet eben aber das Gerüst von dem, was ein echtes BarCamp sein soll. Und es hat sich bewährt.

    Das es in den Vorträgen Qualitätsunterschiede gibt, ist vollkommen klar. Dazu sagt aber Robert etwas in seinem Blog und beschreibt Lösungswege. Wenn Du, Thomas, einige Vorträge lieber nicht sehen möchtest, dann geh einfach nicht hin oder verlasse den Raum. Die Offenheit sollte, meiner Meinung nach, weiter gegeben sein, die Teilnehmer müssen selbst entscheiden können, was ihnen liegt und was gegebenenfalls nicht. Wenn einer wirklich die BarCamp Bühne zur Verkaufsschau benutzen will, dann muss gegebenenfalls mit den Füssen abgestimmt werden – oder dem Vortragenden kontra gegeben werden.

    Das verdammt viel Konsens herrscht, liegt an den Teilnehmern – wenn es rund geht ebenfalls. Ich habe schon lebhafte Diskussionen erlebt. Dieser Screenshot ist das Samstagsprogramm vom letzten BarCamp in Köln (http://img248.imageshack.us/img248/1117/bild1ld0.jpg). An den beiden Tagen gab es bei ca. 250 Teilnehmern 80 Sessions, die sich über alle Schnittstellen für das, was sich Web 2.0 nennt, sehr gut die Waage hält.

    Es gab politische Themen mit Markus Beckedahl von Netzpolitik und Arne Klempert von Wikimedia, Sessions über Softwarepatente, Software, Programmierung, Accesibility, Blogging usw. usw. Natürlich haben auch Start-ups ihr Unternehmen vorgestellt oder irgendjemand die unvermeidliche SEO Session abgehalten. WTF!

    Insgesamt war die Geschichte rund und es waren nur ganz wenige, denen es nicht gefallen hat.

    BarCamps können sich nur von innen heraus ändern, indem man eben die Teilnehmer ermutigt, zu patizipieren. An zwei Tagen ist genug Raum für ALLE.

    Ansonsten lasse ich mir von Don Alphonso keinen Schuh anziehen. Was ich gemacht habe, ist dafür zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen gegeben sind. Ich habe mich sehr engagiert, neben mir gab es aber auch noch unzählige andere, die das getan haben. Meine Intention war einzig, dass Format zu verbreiten und, war in einer der Form, wie es ursprünglich gedacht war. Einaml habe ich mit jemandem angelegt, weil er das Format verbiegen wollte.

    Nachdem BarCamps, und es gibt sie in Deutschland erst etwas länger als 12 Monate, nun eine gewisse Verbreitung gefunden haben, ist der zweite und logische Schritt jetzt, dass es mehr themenspezifische Camps gibt – und sie schiessen allerorten aus dem Boden.

    Leute tun sich zusammen und tun etwas, es haben sich Netzwerke gebildet, die es vorher nicht gab und auch die eine oder andere Geschäftsbeziehung hat sich für verschieden teilnehmer daraus ergeben. Das finde ich klasse und ich bin froh, dass ich Teil dieser spanneden Entwickung war.

    Jegliche Unterstellung von Entourage und Gefolge, Gemauschel und was weiss ich noch alles, kann ich glücklicherweise besten Gewissens von mir weisen.

    Ich hoffe, dass ihr so cool seid und den Teilnehmern, den Raum gibt, den sie brauchen, wobei gegen ein Rahmenprogramm natürlich gar nichts einzuwenden ist.

    PS: Schön war zu Beispiel in LA eine Yoga-Session :)

  12. PS: Den Beitrag von Boogie finde ich in diesem Zusammenhang sehr gut und
    PS2: nächstes mal schreib ich den Beitrag vor, dann klappst es auch mit der Rechtschreibung (Textfeld zu klein.

  13. Danke, Cem :-)

    Franz, natürlich kann ich eine Session immer auch verlassen, ich sehe auch kein Problem in den Qualitätsunterschieden. Wo ich ein Problem sehe für das BarCamp im Allgemeinen ist wenn *da draussen* dann vielleicht einfach zu viele Stimmen sagen „ist blöd da“.
    Es geht auch nicht wirklich darum ein BarCamp in ein Korsett zu pressen, sondern darum einfach weitere Anreize zu schaffen um Leute einfach neugierig zu machen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s