Copycats der deutschen Venture Capital Szene

Es fällt schon deutlich auf, dass auf dem überschaubaren deutschen Risikokapitalmarkt die (privatgeführten) grösseren Verlagshäuser den Ton angeben. Allen voran Burda gefolgt von Holtzbrinck, Springer, aber auch Bauer und nun auch DuMont haben sogenannte Venture Unternehmen gegründet und sind mit denen auf Suche nach dem nächsten grossen Ding. Copycats der Venture Capital Szene. Goldrausch lässt grüssen. Die Kerngeschäfte der Verlage laufen schlecht. Bedrucktes Papier ist nicht gefragt.

Ergeben sich da überhaupt erkennbare Muster und Trends in den Invests dieser Verlage? Hat das thematisch irgendetwas mit dem Verlagsgeschäft noch zu tun? Oder mehr mit den Verlegern? Risikokapital, ein teures Hobby für privatisierende Vermögende? Verlagshäuser und einige wenige kleinere Privatunternehmer. Business Angels. Das ist der momentane Risikokapitalmarkt in Deutschland. Mehr nicht. Das ist armselig.

Aber warum tun sich dagegen gerade deutsche Banken, Versicherungen, institutionelle Anleger und insbesondere andere Financials so unglaublich schwer, irgendwo vergleichsweise geringe Summen in interessante Startups zu stecken? Banken sind so ziemlich das unternehmerisch Unkreativste, was man sich in Deutschland vorstellen kann. Risikoscheu. Fast paranoid. Der Tod jeden ideenreichen jungen Unternehmers oder geschweige denn eines Selbstständigen oder Freiberuflers. Basel II hat den Kapitalmarkt vollständig abgetötet. Das ist für mich das eigentlich beschämende am deutschen Ventures Markt.

Viele offene Fragen für mich. Ich habe keine Antworten. Sonst einer?

5 Kommentare zu „Copycats der deutschen Venture Capital Szene

  1. Du hast doch die Antwort selbst gegeben: Banken und Versicherungen sind das Gegenteil von Unternehmern, zuviel Risikobewusstsein und Controlling tötet nunmal Eigeninitiative und Gründergeist. Ich finde das aber nicht weiter schlimm. In den USA sind die Geldgeber auch keine Banker, sondern meist ehemalige Gründer. Eine Startup-Kultur kann man nun mal nicht aus dem Boden stampfen, die ist auch in den Staaten über Jahrzehnte gewachsen.
    Warum aber jetzt ausgerechnet Verlage sich zu Risikokapitalgebern aufschwingen, weiss ich auch nicht zu sagen. Vielleicht ein reiner Zufall, ein visionärer Holtzbrinck Angestellter am richtigen Fleck – und jetzt machen es die anderen eben nach.

  2. Siehe auch mal bei Geoffrey Moore das Beispiel mit Tiger Woods zum Konzept von Core und Context. Sicher ist das Golfspielen bei Tiger Woods Core, die Kohle kommt aber aus dem Context-Bereich: Werbung, Merchandise, Mode usw.

    Und damit wird für mich ziemlich deutlich, warum die Verlage darauf inbesondere im Internet/Web2.0-Markt anspringenund als VC agieren: Wenn die Leute keine Zeitungen/Zeitschriften mit Anzeigen ansehen, dann sollen sie halt Webseiten mit Anzeigen anschauen.

    Die Haupteinnahmen bei Verlagen (ausser Buchverlage) kommen m.E. doch sehr stark aus dem Advertising (Context), weniger aus den Einnahmen aus dem Verkaufspreis des einzelnen Druckerzeugnisses (weil die Leser primär ein Druckerzeugnis wegen der redaktionellen Inhalte kaufen, damit Core). Wenn dazu noch etwas aus einem Abonnenten-Geschäft dazukommt, umso besser. Und das will man auch im Web erreichen. Aber das hat ja bei anderen im Web (z.B. NYT) auch nicht funktioniert.

    Und die anderen Spieler – vielleicht haben diese nichts vom Advertising-Business oder glauben, dass ein Venture sich aus dem Core tragen muss. Aber das ist als Copycat kaum drin.

  3. Ich hab von der ganzen Materie wenig bis keine Ahnung, aber sind Versicherungen im Kern nicht ersteimal Wettunternehmen (was im Fall von Lebensversicherungen einen ziemlich makaberen Geschmack hat)? Warum sollten Versicherungen auf Blase 2.0 wetten, wenn die Erinnerung an NewBlase 1.0 noch nicht verblasst ist? Und, als unwissender Advocat Diaboli gefragt: würdest du auf (typisch deutsche Kopiekatzen) StartUps wetten?

  4. Viele Gründe:

    Die Geschäftsmodelle der Verlagshäuser sind vom Transformationsprozess am stärksten betroffen. Die Investitionskosten sind niedrig, warum nicht selbst einsteigen?

    Kapitalgeber in Deutschland bauen lieber Maschinenbaufabriken oder spekulieren mit Solar- oder Windenergiefirmen. Da wird a) echtes Geld verdient und man kann b) einen IPO machen und die Leute kaufen sogar die Aktien. Das passt doch viel besser zur deutschen Industrieseele.

    Fehlende High-Tech-Player in Deutschland, die fette Kohle für Akquisitionen hinblättern. SAP scheinen die Peanuts in der Web 2.0-Branche nicht zu interessieren. Jedenfalls hört man nichts beeindruckendes über die VC-Aktivitäten von Hasso Plattner.

    Don’t expect StudiVZ to become a German Google! Jetzt wird noch ein wenig Kohle mit Adresshandel verdient, dann kommt Facebook.

    Which leads to: Problematische Gründerkultur in Deutschland. WHU-MBAler, die Kopien aus dem Portfolio von Samwer und Gadowszki exekutieren auf der einen; Jobs, Wozniak, Gates, Andreesen, Schmidt, Bryn und Page auf der anderen Seite.

    Ach so, die Banken: Die Sparkasse (Stichwort: StartUp-Wettbewerb!) versteht nicht einmal das Geschäftsmodell einer Currywurstbude (die mehr Umsatz macht als viele Web 2.0 StartUps), was soll’n die ins Computergeschäft einsteigen? Aber: Mit dem entsprechenden ideologischen Hintergrund gibt es sicherlich den ein oder anderen Topf der öffentlichen Hand, den man anzapfen kann, um mit Internet ein wenig Staatsknete auf’n Kopp zu hauen (wie wär’s damit: Social Network für erwerbslose Hausmänner im Prenzlauer Berg, Safari-User only). Dabei würde die Sparkasse schon helfen.

    Cherio.

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