Viele Blogs unter einem redaktionellen Dach und einem Brand?

Vor einiger Zeit hatten Valentin und ich über Anwendungsmodelle für WordPress MU (multi-user) nachgedacht. Heute lese ich bei Robert Basic einen Artikel, der mich wieder entfernt an unsere damaligen Gedankengänge erinnert: The Issue: die Blogzeitung.

Wäre es nicht interessant, eine Online-Publikation herauszugeben, die aus vielen Blogs besteht, die unter einem gemeinsamen redaktionellen Dach und unter einem Brand stehen? Ähnlich wie die Kolumnen, Ressorts und Fachredaktionen einer Zeitung oder Zeitschrift?

Mit einer Frontpage ähnlich wie Rivva, aber dichter gesetzt wie bei einer Zeitung oder einem Magazin. Ähnlich wie eben „The Issue“.

Die Artikel der Frontpage würden auf Blogs auf der gleichen Plattform verlinken. Die Frontpage wäre ähnlich wie Rivva. ein gewichteter Schlagzeilenüberblick. Mehr aktuelle Links oder Klicks liessen einen Artikel prominenter erscheinen.

Die Blogs wiederum wären im Gegenzug nach dem gleichen oder ähnlichen Design gestaltet. Sie hätten jeweils unterschiedliche thematische Schwerpunkte. Alle Blogs zusammen ergäben die Gesamtredaktion der Publikation. Insgesamt hätte man den Eindruck einer interessanten vielschichtigen und dynamischen Online-Publikation unter einem Brand.

Es gibt ja in Ansätzen Beispiele dafür: The Huffington Post, das aber noch ziemlich konventionell und statisch wirkt.
 
Was haltet ihr grundsätzlich von so einer Idee? Blogger nicht als Einzelkämpfer, sondern in einem (Redaktions-)Team? Es wäre interessant, das Experiment zu sehen und zu erleben.

Disclosure: Valentin und ich sind gemeinsam mit Vladimir Simovic Moderatoren der WordPress Gruppe in Xing. Diesen Artikel habe ich dort auch gepostet.

33 Kommentare zu „Viele Blogs unter einem redaktionellen Dach und einem Brand?

  1. Mindestens zwei doofe, ein Gedanke ;)
    Mit „blogfrei“ war so was mal angedacht.
    Mehr als Nachdenken drüber und drei eigenständige Blogs sind nicht draus geworden. Vielleicht, weil es eben sehr schwer ist Blogger redaktionell unter einen Hut zu bringen.

    Klappen kann das entweder
    – bei Bloggern, die wenig thematische Berührungspunkte haben – aber was ist dann die „redaktionelle“ Klammer?
    – bei Blogger zu einem Thema, bspw. Fliegenfischerblogs, oder regional
    … ej – schöne Idee: lass uns Blogger zu einem Hamburg-Magazin zusammentrommeln. Dann Berlin und dann Bielefeld. ;)

  2. Fände ich auch interessant. Die Gemeinschaftsblogs die ich momentan verfolge sind mit ie interessantesten. Eure Idee würde ja noch einen Schritt weitergehen.

  3. Ich denke, einen Versuch wäre die Sache wert, aber ich frage mich, ob dabei die Individualität der Blogs nicht zu sehr in den Hintergrund tritt.

    Das nette an Blogs ist für mich vor allem, dass die einzelnen Blogs eine sehr individuelle Note haben, die bei diesem Ansatz ja gerade wieder heruntergespielt wird.

    (Ich gebe aber zu, dass ich da voreingenommen bin, weil ich mit Rivva aus irgendeinem Grund wenig anfangen kann. Die Idee ist sicher gut, aber die Themen, die dort hochkommen, sprechen mich eher nicht an.)

  4. Michael, die individuelle Meinung würde natürlich bleiben. Jeder hätte aber Ressorts. So wie Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport,… oder Hamburg, Berlin, Frankfurt,… oder Rathaus, Wandsbek, Barmbek, Veddel (das sind hamburger Stadteile)… und das Layout wäre gleich.

  5. @Cem: Also dass die individuelle Meinung bleiben würde, hatte ich vorausgesetzt. Nein, ich meinte eher wieweit man z.B. Schreibstil zusammenführt. Das ist nicht notwendigerweise schlecht, aber wie viel ist dann noch Blog und wieviel ist einfach nur Zeitung?

    P.S. die Hamburger Stadteile hatte ich schon erkannt, auch wenn mein „Resort“ eher im ausserirdischen Bereich liegen würde :-)

  6. Spannende Idee, über die ich auch schon mal locker mit einem Kollegen im Sommer Brainstorming betrieben habe. Bin gleich auf einer Weihnachtsfeier, wo ich ihn wiedertreff. Ich werd‘ ihn mal auf deinen Beitrag hinweisen.

  7. Michael, die Schreibstile können durchaus individuell bleiben. Sollen sie auch. Wir wollen kein Spiegel Online o.ä. – Nur Look & feel sollte gleich sein. Man soll aber die Schreiber erkennen.

  8. Hab noch die Domain politikgebloggt.de die ich im kommenden Jahr mal wieder ausgraben würde. Also damit würde ich mich schon gerne beteiligen. :-)

  9. Klingt, wie Technorati in klein. :)
    Nein, im Ernst. Das ist eine sehr gute Idee und ich bin sicher, das solche Protale immer wichtiger werden, denn am Ende entsteht ja aus der Startseite auch wieder ein RSS-Feed, den ich abonnieren kann. Und da ist nichts anderes drin, als eine Auswahl von Beiträgen die jemand für mich getroffen hat, dem ich vertraue. DAS ist das Web of Trust und das wir eine zentrale Funktion von Nachrichten (auch wenn der Begriff sehr weit ist) in der Zukunft sein.

    Wenn ihr aber sowas plant, tut euch einen gefallen und nehmt nicht WordPress MU. Die Architektur ist zum Scheitern verurteilt. Und es ist dafür ja völlig unnötig, weil jedes gute Blog ja schon RSS ausliefert und daraus eine Startseite zu basteln ist mehr als einfach.

    Noch ein bischen evangelisieren: Drupal bietet EXAKT dieses Funktionalität out of the box. In den USA ist Drupal bei Lokalzeitungen genau wegen dieses Settings extrem beliebt. Dort verschwimmt gerade im Lokalen die Grenze zwischen Zeitungen und Bloggern. Z.B. hier: http://savannahnow.com/

    Bei Interesse predige ich gerne mehr…

  10. Diese Idee gefällt mir sehr gut – sie ist aber auch eine riesige Herausforderung, denn man muss die Balance zwischen Individualismus und Verbundenheit zum Gemeinsamen am Projekt pflegen.
    Nun, wenn irgendwelche Seitengucker Richtung Schweiz oder Seelensuche ganz allgemein anstehen, einfach melden!

  11. @Cem,

    so wie du das beschreibst (jeder ein eigenen Wissensbereich und Individualität beim Schreiben), ist es ein sehr guter Ansatz und ich bin sicher, dass so etwas Erfolg haben wird.

  12. WordPress MU wäre eine Möglichkeit für sowas, denn man könnte problemlos neben den offiziellen Redaktionsblogs, auch Leserblogs einrichten. Außerdem könnte man mit WordPress MU plus bbPress eine nette Seite zusammenbasteln.

    Gruß Dennis
    WordPress MU Deutschland rockts! ;)

  13. Also wenn es ums System geht kommt momentan nichts an ExpressionEngine vorbei … kostet aber.

    Vorteil bei WordPress ist aber eindeutig, das die meisten es schon kennen.

    Viele Grüße
    Daniel

  14. Ich habe noch weiter über die Idee nachgedacht. Ich glaube mit „normalen“ Nachrichtenjournalismus wird das sehr schwer, weil man nie so aktuell sein kann wie „Die Großen“.

    Was abr gehet ist ein dezidierter Magazin Charakter. Das entspricht auch eher der Art wie Blogger arbeiten. Und: alle gute Printmagazine haben Webseiten die weit weit weit hinter den inhaltlichen und formalen Ansprüchen ihrer Mutterprodukte herlaufen. Hier besteht reichlich Möglichkeit etwas richtig richtig zu machen.

    By the way: Was bei The Issue grandios ist, ist die Einheit „Ein Tag = Ein Thema = Ein Bild = Eine URL“. Das ist brillant.

  15. @ ben_, es gibt ja die etwas unselige Diskussion: „Sind Journalisten blogger? Sind Blogger Journalisten?“. davon müssen wir uns lösen. Dieses diskussion bringt nicht sehr viel und mir kommt sie immer etwas theoretisch vor.

    Einige Blogger kommen einfach zusammen und machen gemeinsam etwas. Nicht mehr und nicht weniger. Das Ganze sieht bischen aus wie ein Online-Magazin. Ist dynamisch. Jeder bringt das ein, was er am besten kann. Ein mehr oder weniger loser Verbund von Schreibern. Hauptsache, es macht den Lesern und Schreibern Spass und ist irgendwie nützlich. ja, ein Statut kann man sich auch geben.

    So’n Ding macht keinem gestandenen Journalisten Konkurrenz oder einem Magazin. Hat es auch gar nicht vor. Mir ist es ziemlich egal. Die können von mir aus machen was sie wollen.

  16. Prima Idee. Über solche Dinge habe ich ja schon mehrfach geschrieben und ich würde das auch gern begleiten.

    Wo Cem schon das Stichwort „Statut“ in den Raum warf: Bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Sollte die Seite auch etwas einbringen, müsstet Ihr vorher klären, nach welchem Schlüssel das Geld aufgeteilt wird. Oder Ihr spart Euch den Stress und lasst Werbung und andere Einnahmequellen erst einmal weg. Oder Ihr einigt Euch, alle Einnahmen einem guten Zweck zu spenden. Oder jeder regelt das auf seinem Blog individuell und die Startseite bleibt werbefrei…

    Ein Problem bei solchen Teamgeschichten tritt auch immer dann auf, wenn einige Beteiligte sehr viel machen, während andere nicht (mehr) mitziehen. Das sollte man einfach bedenken, wenn man über die Inhalte nachdenkt. Das „Gesamtkonstrukt“ sollte auch dann noch interessant sein, wenn einige der Blogs mal eine Weile nicht mehr gepflegt werden.

    Nachrichtlich würde ich es auch nicht machen, das können andere besser. Aber die individuelle Sichtweise kann einem niemand streitig machen.

    Ansonsten würde ich nicht zu viel nachdenken, sondern einfach mal loslegen. Erfahrungswerte gibt es sowieso kaum, also kann man auch nichts falsch machen ;-)

  17. *schmunzel* Ja, Cem, Du hast Recht. Es tut mir leid, die Dichotomie „Journalismus/Bloggen“ ist bei mir inzwischen zur chronischen Berufskrankheit geworden. Du hast völlig Recht. Ich kann mich noch erinnern, wie wir (also Freunde von mir und ich) angefangen haben zu bloggen. Uns wäre es im Leben nicht in den Sinn gekommen, das für Journalismus zu halten. Und ganz genau das war auch gut so.

    Vorsatz für mich 2008: weniger über Journalismus nachdenken!

    Danke, Cem.

  18. Der Victory Castle Conspirer sollte ja ursprünglich so was in der Art werden. Wir sind dem Ziel auch schon deutlich näher gekommen. Ist aber doch eine ziemlich aufwendige Geschichte.

  19. ich würde mitmachen. das ist eine tolle idee!

    dass meiste was im blog landet ist mehr privates, aber ein, zwei, drei mal im jahr setzt man dann doch einträge ab, die es wert währen, einem breiteren publikum zugänglich gemacht zu werden.

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