Die Lifestyle-Wahlkampagne in Hamburg

Ole

Hamburg wählt am 24. Februar 2008 eine neue Bürgerschaft. Ich habe selten einen so inhaltsleeren, schwachen und farblosen Wahlkampf erlebt wie den der Hamburger CDU momentan. Weder jemals von irgendeiner Partei in Hamburg oder noch sonst wo auf der Welt zu irgendeiner Zeit. „Ole von Beust. Dein Bürgermeister“ (Wie lange noch?), „Hamburg boomt“ (Meinst Du?), „Wissen, wo der Schuh drückt“ (Ja, wo denn bitte?), „In guten Händen“, „Hamburg denkt weiter“ (In welche Richtung?),… leere Slogans für eine Lifestyle-Werbung mit einem überdimensionalen Ole als Testimonial. Nicht eine einzige konkrete Aussage. Das ist rekordverdächtig. Mir soll’s ja nur recht sein.

Update: Hanno Zulla weist in seinem Blog auf einen schönen Rohrkrepierer hin. Deswegen. Danke für den Hinweis. Peinlich.

28 Kommentare zu „Die Lifestyle-Wahlkampagne in Hamburg

  1. Interessant ist auch die un(ter)irdische Qualität so gut wie aller Plakat-Fotos die man von Ole ausgesucht hat, da wirkt die CDU Werbung als sei sie von der Opposition geschaltet, so fertig, alt, abgehärmt und unglücklich abgelichtet (bis hin zu komischen Belagschatten auf den Zähnen) sieht der Herr von Beust da aus.

  2. @Foodfreak: Wie schlimm muss Ole in Wirklichkeit aussehen, wenn man bedenkt, dass diese Bilder bereits mit Photoshop nachbearbeitet wruden?

    Das Amt eines Stadtpräsidenten zehrt eben doch an den Kräften.

  3. In Niedersachsen nennt man das präsidial und hier glaubt die CDU ihrer eigenen PR, dass das in Niedersachsen ein Wahlsieg war. Na dann …

  4. Ist das echt? So schlecht kann es doch nur ein Fake sein. Ist das von beust nach nach der Blatt-Kritik bei Brigitte. Ist die mit dem Slogan gemeint. ist das links der Bild-Chefe oder ein Look-alike? Mustert er ein Hundehäuflein in der Fußgängerzone?Oder richtet sich der Blick auf ein Häuflein Elend – bei der Präsentation der Kampagne? So beerdigt man Politwerbung.

  5. Das ist eben staatsmännisch. So demokratisch, argumentativ braucht’s der Hamburger nicht, wenn er gut repräsentiert wird.

    Und zumindest „Hamburg boomt.“ ist eine Aussage, die mit Fakten geprüft werden kann.

  6. Sorry, finde ich überhaupt nicht. Ist die SPD-Kampagne argumentativer mit dem Versprechen die Studiengebühren wieder abzuschaffen? In jedem Fall ist die Beust-Kampagne anders, mir gefällt sie persönlich gut, ob sie erfolgreich ist bleibt abzuwarten. Mein Favorit natürlich „Die Partei“ (Hamburg, Stadt im Norden), heute gesehen: „Jugendgewalt – ohne uns!“ (Besuch auf „http://www.die-partei-hamburg.de/postkarte/“ lohnt sich!)

  7. Also die Idee mit den S/w-Fotos finde ich nicht nur gut, sie ist auch ein Notnagel. In Farbe sieht OvB nie gut aus. Aus meiner Sicht ist die Kampagne richtig gut, die Bilder wirken staatsmännisch, eine echte Image-Kampagne eben. Eine richtige Entscheidung, da in HH nicht über Inhalte gewählt wird, sondern die Person. Und da man den SPD-Kandidaten kaum kennt…

    Ich wähle übrigens nicht CDU, nicht, dass hier ein falsches Bild entsteht ;-)

  8. Etwa drei weitere Ebenen bringt eine Variante des Plakats, das Du auch eingebunden hast in Eimsbüttel (Heußweg): „Wir machen es uns nicht leicht …. CDU“. Und handschriftlich dahinter: „Wir auch nicht… Das Volk“.
    Grandios.

  9. Für mich eine grandiose Wahlkampagne. Eine Kampagne der leisen Töne, die ohne marktschreierische Parolen und schrille Farben auskommt ohne auch nur das Geringste an Ausdruckstärke und Wirkung einzubüßen. Hanseatisches Understatement eben. Sehr ästhetisch. Subtil und deutlich zugleich wird der Lokalpatriotismus und das Integritätsgefühl der Hamburger angesprochen. Für sehr viele die erste Kampagne, die überhaupt bewusst wahrgenommen wird.

  10. Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Die Frage, ob die anderen Parteien in ihren Aussagen übermäßig realistisch sind ist ja eine andere als die, warum Fotos von Ole von Beust mich dazu bringen sollen, die CDU zu wählen. Ich finde es ein wenig bedrückend, dass eine Wahlkampagne ohne Aussagen zum politischen Programm der Partei zudem auch noch so positiv aufgenommen wird.

  11. a) CDU
    Ich finde die CDU-Kampagne nicht schlecht. Sie ist selbstbewusst, verweist auf Erfolge, und setzt auf die Popularität des Ersten Bürgermeisters. Ob sie erfolgreich ist – im Zusammenspiel mit allem, was noch bis zum 24. Februar kommt – werden wir sehen.
    @Cem: ja, Hamburg boomt. Davon profitierst auch Du.

    b) SPD
    Bis vor kurzem war von dem Kandidaten nur ein Schwarzweiß-Foto zu sehen, auf dem er eine rote Hamburg-Tasse hielt. Seit dem heißt er nur noch für mich: der alte Mann mit der Tasse. Sah aus, wie eine Merchandising-Aktion für die Hamburger Sparkasse. Das nenne ich peinlich.
    Jetzt ist die Kampagne bunter geworden, sieht frischer aus. Ich finde die Fotos sogar besser als die der CDU-Kampagne. Allein, die Texte (Inhalte?) sind schlimm. Beispiel: „Der neue Bürgermeister hört wieder auf die Bürger. Michael Naumann“ Das soll selbstbewusst sein, weil der neue Bürgermeister natürlich Michael Naumann heißen soll. Warum schreibt die SPD nicht einfach: „Ich höre auf die Bürger. Michael Naumann“. Weil die SPD offenbar selbst nicht daran glaubt, den Ersten Bürgermeister zu stellen.
    Aber hier gilt natürlich wie oben: wir werden sehen, ob die Kampagne erfolgreich ist.

    c) FDP
    Der ‚virale‘ Spot ist wirklich schlimm. Oh, oh – wer hat sich das bloß ausgedacht?

    d) GAL
    Hier lese ich nur was von „Grüne Ideen für Hamburg“. Und sehe Fotos von der sympathischsten Spitzenkandidatin.

    e) Nichtwähler, Linke und Kusch & Co.
    (beachte ich nicht)

    ###
    Hauptsache, möglichst alle Hamburger Wahlberechtigten gehen wählen: http://mmbf.de/523/klare-wahlempfehlung-fuer-hamburg.html

  12. Gestern im Rahmen der Wahlberichterstattung habe ich zwei Mal die Bezeichnung ‚Wellness-Bürgermeister‘ für Ole von Beust gehört: das passt ganz gut, meine ich.
    Passt jedenfalls besser zur CDU als der Begriff ‚Lifestyle-Kampagne‘.

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