Twitter-Phänomene (Teil I)

Dieses morgendliche einsilbige „Moin“ in der Twittergemeinde erinnert mich an eine WG. Eine Wohngemeinschaft, liebe Spätgeborene. Eine virtuelle Wohngemeinschaft. Man kennt sich, verliert kein überflüssiges Wort. „Moin“.  Man zählt die Moins durch, die Kaffees ab. Sind alle da? Fehlt jemand? Man bekommt langsam ein Gespür für den Lebensrythmus der anderen. Die Twittergemeinde erwacht zusammen, geht Kaffee trinken, einkaufen, isst zu mittag, langweilt sich am abend, guggt Fernsehen, geht auf Parties, hängt ab, besäuft sich, wandert ziellos durch die Gegend, ist nachts einsam,… Jeder an seinem Ort. Und doch zusammen.

Nur eine Stimme flötet morgens regelmässig immer „Good Morning Tweethearts, you Princes of Twitter, you Kings of the Web!!!“.  Da weiss man, dass der Tag jetzt nun wirklich anfängt. Grosses Kino. Kleine WG. 

Twitter ist eine WG. Moin.

[Aus der Reihe: ViW – Völkerkunde im Web, Lese auch Twitter ist Crowdfeeling. Piep. und Twitter ist lakonisch. Cool.]


21 thoughts on “Twitter-Phänomene (Teil I)

  1. Auch „Spätgeborene“ kennen noch WGs, keine Sorge. :)

    Und für mich ist es eher eine Jugendherberge oder ein Hostel – viele Stimmen aus vieler Herren Länder, mal kommen neue hinzu, mal gehen welche. Immer eine relativ ungezwungene Atmosphäre. Man kennt sich – einige gut, einige nur „vom Sehen“ Es gibt Gruppen, die zusammen frühstücken und einzelne, die eher so zufällig dazustoßen.

  2. Die WG-Idee hat meines Wissens @_Lu auch schon mal aufgebracht (Finde den richtigen Link nicht). Ich finde das sehr treffend. Eben soziale Hintergrundgräusche. Das Klackern beim Abwaschen, das aus der Küche kommt, drüben telefoniert einer und ein anderer raschelt mit seiner Chipstüte. Plötzlich ruft der nächste rüber: „Was gibts denn heute im Fernsehen?“

    Ja. Wahrlich eine echte WG. Und jeder hat andere Mitbewohner.

  3. @mspro, gerade eben habe ich Teil II gepostet. Genau das! Witzig. Twitter hat tatsächlich eine eigene Qualität, die nicht formal im Inhalt oder an der Struktur festzumachen ist, sondern im Verhalten ihrer Teilnehmer. das ist etwas besonderes, finde ich.

  4. Das Schöne dabei ja auch : es fühlt sich so vertraut an.
    Für mich ein echtes Phänomen, weil ich niemanden aus der WG im wirklich wahren Leben kenne.

    Und schon vermisst man (ich), Leute, wenn sie mal nicht da sind, und sorgt sich mit, wenn einer jault.

  5. Ich hab mich ja tatsächlich auch von der Twitter-Welle überrollen lassen. Doch wird der Dienst in zwei Jahren nocht genutzt? Da bin ich mir nicht so sicher…

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