Geben Sie Ihre Waffen am Eingang ab!

Werbeblogger Patrick hat einige bemerkenswerte Beobachtungen zur Gesprächskultur auf der re:publica gemacht, die ich aus eigenen Erfahrungen in der Szene nur bestätigen kann. Das ständige Rumhantieren mit Notebooks, Handys und anderen Geräten während eines Gesprächs oder eines Panels.

Das ist der Grund, weshalb ich bei Barcamps und ähnlichen, aber auch in Meetings, nie einen Notebook mitnehme. Ich empfinde es ebenso wie Patrick als eine ziemliche Ignoranz den Gesprächsteilnehmern gegenüber. Und ein schlechtes Signal. Mein Gesprächspartner sollte meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit haben.

Noch dreister ist es, während eines Gesprächs nebenbei dauernd seine Mails zu lesen und zu beantworten, zu twittern oder in der Nase zu bohren. Sowie ständig sein Handy zu checken.

Ja, eine „devicefreie“ Zone wäre schön. Einfach face-to-face. Oder wie im Wilden Westen ein Schild an den Schwingtüren zum Saloon: „Bitte geben Sie Ihre Waffen am Eingang ab!“


16 thoughts on “Geben Sie Ihre Waffen am Eingang ab!

  1. Ich kam mir gestern auch sehr old-school vor, ohne ein ladegerät-benötigendes-device auf der re:publica. Fand es aber sehr entspannend, weil es den Blick auf das wesentliche erhalten hat.

  2. Diese Aufforderung zur Abgabe der Waffen erinnert mich an die Szene in „Some like it hot“ , als sich die die Mafia zum Treffen der „Friends of the Italian Opera“ versammelt.

    Natürlich kennt jeder von uns diese Unsitten. Und wir alle wissen, daß es eigentlich mehr ist, als nur eine schlechte Angewohnheit.
    Nein, ich spreche das Wort „Abhängigkeit“ nicht aus.
    Wir sind alle alt genug.
    Immerhin kann ich mich noch erinnern, wie das früher war, ohne die ganzen devices.
    Früher, als alles noch besser war, weil es kein internet gab. Und kein Handy. Die alte Leier eben.

    Wer kümmert sich eigentlich darum, daß die Kinder nicht verkommen?

  3. Das Mobiltelefon war der Anfang von allem Übel, überall in jeder Situation zu jeder Zeit unterbrechend unterbrechungsfrei stör- und erreichbar zu bleiben. Nase bohren gehört jedoch nur zur Unhöflichkeit, nicht zu misplaced devices;-).

  4. Set und Setting sind für Diskussionsrunden wichtig. Man könnte ja behaupten, alle starren vor Langeweile in ihre Bildschirme, aber umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Die Diskutanten ohne Bildschirme werden niemals so gut drauf sein, weil sie das Desinteresse der Bildschirmstarrenden wahrnehmen bzw. interpretieren. Lösung: Alle starren nur noch in die Displays oder dann doch Cems Saloon-Vorschlag! :-)

  5. Es wäre sicher mal ein interessantes Experiment ein „offline-camp“ mit genau diesen Menschen zu veranstalten – keine Handys,kein Internet, keine Notebooks, nur Menschen, Diskussionen, Gespräche, Spaß.
    Mal sehen wann der erste rückfällig wird – wie damals mit dem heimlichen rauchen auf dem Schulhof.

  6. Die Kultur der Technik war ja schon immer so sehr viel langsamer, als die Technik selbst. Vor allem, wenn man, wie wir schon zum alten Eisen, Adel oder Sack sich zählt ;)

  7. Also ich so als Frau habe ja die Möglichkeit des Multitaskings *hust*
    Nee, also, ich war ganz froh, dass ich beim Wordcamp rumtippen konnte. Damit bin ich nämlich schneller als mit Stift und Zettel. Und ich als Neuling hatte ganz schön viel, was ich mir lieber aufschreiben als merken wollte…

  8. Ich gebe Frauke eindeutig recht.

    Ich mache mir auch häufig gerne Notizen, weil man sich halt nicht alles merken kann (ich glaube, daran besteht kein Zweifel ;) ) und da sind MindMaps ideal. Die wiederum kann man richtig gut nur am Laptop mit entsprechender Software machen, Papier ist halt einfach unterlegen. (Spätestens wenn man sich Microsofts Surface anschaut, merkt man das… :) )

    Man muss einfach mit der Technik umgehen können. Ich nutze sie halt und fummle nicht ständig dran rum, sondern höre dem anderen zu, notiere dann kurz (!) was und dann hör ich wieder zu. Man muss halt wissen, wies geht, wie immer im Leben.

    „Devicefreie“ Zone wäre so wie ein messerfreies Deutschland: Wie soll man dann Essen zubereiten?

  9. Also, wenn jemand mittippt, notiert, ist mir ziemlich egal, ob das auf Papier, Tastatur oder einer Brottüte passiert.

    Wenn ich auf der re:peublica aber auf die Bildschrime meiner Nachbarn schaue, wird da zu 90 Prozent nix notiert, sondern: getwittert, gesurft, gemailt, gebloggt, genonsened und virtuell sonstwas getan.

    Und Leute, dass spürt man. Diese Unaufmerksamtkeit, Zerfahrenheit, Abgelenktheit etc. quillt förmlich aus den Podien, dem Publikum, es hält die Diskussion flach, verunsachlicht und verhindert Qualität.

    Hauptsache beschäftigt aussehen. Schade. Ehrlich.

  10. Klar könnte man Treffen ohne jegliche Technik organisieren, aber würde dann noch jemand von uns Elektrosmog-Junkies kommen? Ganz ehrlich? (gut, ich persönlich geh eh nahezu nie zu sowas)
    Aber schon das Handy lässt man ja generell nichtmehr gerne irgendwo liegen und dann könnte man ja auch Notizen auf dem Notebook schreiben wollen (hey, ich hab das in der Hochschule wirklich öfters gemacht… zumindest um einige Größenordnungen häufiger als mit nem Stifft.)
    und dann gibts ja auch noch den Fall mit Rednern, die einen dann doch nicht so sehr interessieren wie man dachte.
    Es gibt einfach viel zu viele gute Ausreden dafür. *G*

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s