Olympiaboykott 2008

Die Volksrepublik China ist ein autoritärer und stark repressiver Polizeistaat unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas. Die VR China ist zweifelsohne eine Diktatur. Politische Opposition ist strafbar, die Gründung von Gewerkschaften verboten, Presse- und Meinungsfreiheit sind nicht existent. Millionen Dissidenten sind in Arbeitslagern oder Psychiatrischen Kliniken inhaftiert. Streng zensiert wird das Internet, dort stattfindende Diskussionen werden kontrolliert, unliebsame Personen oder Regimekritiker festgenommen. Die Völker Chinas, wie jüngst die Tibeter, werden massiv unterdrückt und ihr Freiheitsdrang blutig niedergeschlagen.

Das alles ist mit dem olympischen Gedanken unvereinbar und dem diametral entgegengesetzt. Die Europäer müssen sich mit der Bevölkerung in China solidarisch erklären und dürfen an den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking und an den folgenden Paralympics aus Protest nicht teilnehmen. Eine Teilnahme an der Olympiade würde die herrschende Situation anerkennen und die unhaltbaren Zustände weiter festigen. Es wäre eine demonstrative Legitimation des Regimes in der VR China.

Ich sehe zum Olympiaboykott keine politisch akzeptable Alternative. Auch wenn es für die einzelnen Sportler bitter sein wird.


19 thoughts on “Olympiaboykott 2008

  1. Ich sag nur „Wandel durch Annäherung“ – wenn sie jeden Dialog – wie dekadent und politikfern er auch sein möge abrechen… naja – Sie wissen schon.

    Wenn die Spiele so wie der Fakellauf verlaufen ist doch alles super! Wieso diesen Aufmerksamkeitsfokus abbrechen???

  2. Die Entscheidung für China hätte viel früher in Frage gestellt, Proteste und Einwände gegen China viel früher erhoben werden müssen. Mich wundert, dass erst die aktuellen Ereignisse in Tibet die breite Aufmerksamkeit in diese Richtung lenkten.
    Ich glaube es zu spät. Ein Boykott zum jetzigen Zeitpunkt würde in der desinformierten chinesischen Bevölkerung für größtes Unverständnis sorgen und wirkte indirekt unterstützend für weitere Staatspropaganda. Der Boykott hätte erfolgen müssen, als die Weltgemeinschaft noch eine Wahl hatte, als Istanbul, Paris, Osaka und Toronto noch zur Wahl standen. Das war 2001.

  3. Sehe ich genauso. Aber es wird von allen Seiten beschworen dass ja niemandem damit gedient sei Olympia zu boykottieren (vor allem nicht deutschen Airlines, deutschen Unternehmen…) Früher war das alles ganz einfach da war der Ostblock qua definitionem Gegner, heute dagegen regiert nur noch Geld die Interessen.

    Ich glaube schon lange dass niemand der sich ernsthaft mit der Lage befasst Olympia nicht boykottieren kann. Aber wird das passieren? Ich bin da Pessimistin,

  4. @amazeman, was hat „Wandel durch Annäherung“ 1936 in Berlin gebracht, wenn es das als politisches Mittel damals gegeben hätte? Alle waren damals dabei. An der damaligen Einstellung des Regimes hat es nichts geändert. Im Gegenteil, sie sahen sich bestätigt und haben das nach innen als „Triumpf des Willens“ gefeiert.

    @Herr Paulsen, spät aber nie zu spät für ein Zeichen.

    @Foodfreak, die Öffnung Chinas nach Westen täuscht keinen mehr heute. Aber ich bin in dieser Sache auch kein Optimist.

  5. Es wäre nicht unsmart, wenn die „Befreit Tibet” Aktivisten einsehen, dass sie da ein Regime gegen ein anderes austauschen wollen. Das Vorgehen Chinas ist zu verurteilen, eine einseitige Sichtweise aber auch. Es lohnt sich, diese Geschichte aus vielen Blickwinkeln zu betrachten…

  6. Ich meine damit, dass die Regierungsform wie sie Tibet hatte und wie sie die Exilregierung handhabt, nicht besonders demokratisch sind. Die Exilregierung befragt regelmäßig ein Orakel und lässt kritische Äußerungen verbieten. Vor der Besatzung durch China war Tibet ein theokratisch geführter Staat… womit ich aber nicht sagen will, dass die Verhältnisse nun besser wären.

  7. Das alles hat man doch schon gewusst, als man die Spiele nach China vergeben hat. Die Kritik gab es schon damals, nur die Begründungen für die Vergabe waren etwas euphorischer als heute.

    Hier geht es doch schon lange nicht mehr um Sport oder gar Ethik, hier geht es einfach nur ums Geschäft und schöne Reisen für die Funktionäre. Wenn es noch um Ethik im Sport ginge, dann hätte man auch die Winterspiele nicht nach Russland vergeben dürfen, dann hätten die Medien denn Afrika-Cup boykottieren müssen, es dürfte keine Fußball-WM in Südafrika geben, keine internationalen Sportveranstaltungen in den USA, denen Völker- und Menschenrechte ausserhalb der eigenen Interessenslage ziemlich egal sind und und und ….

    Es ist Kommerz und aus. Boykottieren kann es jeder einzelne, in dem er das TV-Gerät auslässt. Niedrige Einschaltquoten treffen die Sponsoren und die treffen die Verbände, vielleicht, irgendwann einmal.

    Auch einzelne Sportler hätten ja die Gelegenheit zu sagen: Nein, da fahre ich nicht hin. Aber da wollen die meisten ja den „olympischen Geist der olympischen Familie“ fühlen.

    Vom Thema Doping mal ganz abgesehen.

  8. Einfach die Glotze auslassen finde ich sehr gut, das kann jeder machen, das wäre ein Zeichen wenn es auch viele täten.

    Der Stern Chefredakteur Thomas Osterkorn dachte im Editorial vergangene Woche über Alternativen zum Boykott nach: „Es gibt genug andere Möglichkeiten, Druck auf China auszuüben: Wenn Staatschefs wie Horst Köhler oder Nicolas Sarkozy der pompösen Eröffnungsfeier am 8. August fernbleiben, ist das ein klares Signal und bedeutet für die kommunistischen Machthaber großen Gesichtsverlust. Und noch mehr fürchten sie, dass Tausende Journalisten einreisen und dann weniger über Olympia berichten werden als über Unterdrückung, Todesstrafen, Zensur und Umweltverschmutzung.“

    Quelle: http://www.stern.de/magazin/heft/615842.html?

  9. @ Herr Paulsen, wie Jürgen (o.a.) auch sagte, für mich haben Veranstaltungen wie die Tour de France oder auch Olympia im Laufe der Jahre und Skandale beträchtlich an Wert und Ansehen verloren. Ihr Rat, den Fernseher auszulassen, wird mir deshalb nicht schwerfallen.

    Wir können es nicht hinnehmen, Machthaber feiern zu lassen, während sie ihr eigenens Volk knechten.

  10. Die mächtigste aber auch friedlichste Waffe im Kampf gegen jedwede Regierung ist ziviler Ungehorsam des Volkes insgesamt. Ich halte das gleichzeitig für die höchste Form der Demokratie. Ein Volk hat immer die Wahl für oder gegen sich zu entscheiden. Diese Entscheidung muss das Volk aber mehrheitlich treffen. „Entscheidungshielfen“ von außen, und dazu zählen in meinen Augen nicht nur Boykotte, empfinde ich als undemokratrisch. Ich halte den Sport nicht für ein geeignetes Mittel zur politischen oder ideologischen Auseinandersetzung.

  11. Ein Boykott der Spiele im Sinne von „wir schicken da weder Sportler noch Funktionäre hin“ bringt gar nichts, das hatten wir doch schon zweimal in den 80ern. Das ändert kein Mü an der Lage in China oder Tibet oder welches Land auch immer gerade unterdrückt wird. Ob Angie den Dalai Lama empfängt oder in Alaska ein Lachs rülpst, das interessiert niemanden dort.

    Das einzig nützliche wäre ein wirtschaftlicher Boykott: wir verzichten alle auf die schöne, billige Geiz ist geil Warenwelt und importieren nichts mehr von dort, lassen dort nicht mehr fertigen und als Kirsche auf dem Kuchen noch den Fernseher aus. Das wiederum wird nicht hinhauen, weil sich hierzulande weder Unternehmer noch Verbraucher mehr leisten können, dort nicht billig fertigen zu lassen, bzw. dort billig gefertigte Waren zu kaufen.

    Und weil wir alle gerade für ein paar Hunnis den tollen HD-Plasma „made in Hong Kong“ zu Weihnachten gekauf haben, gucken wir auch mit Begeisterung, wie die ganzen Gespritzten ihre Muskelberge zeitgleich über die Linie hieven. Das wiederum freut Nike und Co., die direkt gleich mal den nächsten Fantrikot-Auftrag nach China vergeben.

  12. Die Wirtschaftmacht China ist in Hamburg ganz deutlich zu spüren und zu sehen, stimmt Kiki. Man braucht nur an den Containerterminals vorbei zu fahren. Jeden Tag löschen zeitgleich sehr grosse chinesischer Frachter ihre Ladung. Jeden Tag andere. Ein Grossteil der Container im Terminal sind chinesischen Ursprungs wie man an den Firmennamen auf den Büchsen sehen kann.

    Ohne China kein Media Markt, kein H&M, kein Spielzeug bei MacDonalds. Man kann fast sagen, alles was unter 5-10 Euro liegt kommt über das chinesische Meer.

    Deswegen bin ich auch nicht optimistisch wegen eines Olympiaboykotts seitens der Europäer.

  13. Ich frage mich, wo denn all die Kommentatoren waren, als im vergangenen Jahr die deutschen Fußballerinnen Weltmeister in China geworden sind.
    Die aktuelle Aufmerksamkeit die die Tibet-Frage erhält, wäre ohne Olympia niemals so groß. Menschenrechte, Umweltschutz, Doping, Tibet das alles hat bei der Vergabe der Spiele keine Rolle gespielt. Auch für den deutschen Sport nicht. Er hätte vor sieben Jahren Einspruch gegen Peking einlegen können. Das tat er nicht.
    Ich hoffe, dass es genügend Sportler gibt, die während der Spiele Zeichen setzen. Ziel sollte es sein, keine bunten Propagandaspiele zuzulassen, die der Welt suggerieren, als sei in China alles in Ordnung. Dafür können die Teilnehmer sorgen. Aber wahrscheinlich sind auch sie alle in einem engen „Sponsorenkorsett“ eingezwungen, welches kaum Platz für Individualität lässt.

  14. Sportler können Zeichen setzten Das gewaltigste, an das ich mich sogar noch erinnern kann, war 1968 in Mexiko während der Siegerehrung für den 200m Lauf dieses Bild. Es war wie eine Bombe damals. Nur dieses Bild mit den beiden schwarzen US-Athleten Tommie Smith and John Carlos und der sagenhafte 8,90m Weitsprung von Bob Beamon haben sich noch von dieser Olympiade ins Gedächtnis eingebrannt.

  15. Die Sportler diskutieren und organisieren bereits, auf welche Weise sie Zeichen setzen können (ohne gleich eingesperrt zu werden).
    Ich denke auch, dass es ein großes Zeichen wäre, wenn die Spiele boykottiert werden würden, sehe da aber wenig Chancen. Wandel durch Annäherung hört sich gut an, aber wirkt es denn auch? Auch da sehe ich wenig Chancen auf eine schnelle Besserung.
    Himmel noch mal, wieso ist China nur so wichtig auf dem Weltmarkt geworden? Scheinbar tut sich so ein dickes Kind schwer, noch in einen Brunnen zu fallen. :-!

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