Twitter-Interview (5): Mspro

mspro

mspro, twittert seit Mai 2007. Bio: hier liegt mspro – lebenskünstler. er konnte sein werk nicht vollenden. er ruhe in frieden. Location: geht dich n dings an, Web: Tief, Following 132, Followers 380, Updates 4,156

CemB: Was ist eigentlich der Spass an Twitter für dich?

Twitter besteht für mich nicht aus Spaß, sondern aus vielen Späßen:

1. Das tolle Gefühl eine Echtzeitaudience jederzeit um sich herum zu haben. Fragen stellen, lästern, Albernheiten raushauen. Und darauf direktes Feedback bekommen.
2. Der durchgängige Lebensstream setzt mir die Leute direkt auf den Schoß. Ihre Erlebnisse, ihre Probleme, ihre Geschmäcker, ihr Denken, ihren Humor. Das alles ist mir nicht mehr fremd, wenn sie mir irgendwann leibhaftig gegenüberstehen. Und das passiert genau deshalb sehr häufig.
3. @frank93
4. Die soziale Geräuschkulisse, die man genauso gut ignorieren, wie genießen kann. Man ist nie allein, es sei denn man will es so.
5. 140 Zeichen halten mich ab, ausufernd rumzulabern. So wie ich es z.B. in diesem Interview getan haben werde.

CemB: Worüber twitterst du? Was twitterst du? Zu welchen Zeiten twitterst du?

Ich destilliere tweetbare Dinge aus meinem Leben. D.h. ich klopfe Gedanken, Erlebnisse und Ideen und Thesen in einer in meinem Hirn eigens installierten Formulierungsmaschine auf ihren Tweetgehalt ab und haue sie gegebenenfalls raus. Die Grundfrage: “ Lässt sich das, was ich sagen will, in 140 Zeichen so sagen, dass in ihnen alle Informationen und gegebenenfalls die Pointe zur Geltung komm“ (blöder Twitterwitz) Etwas in zwei Tweets sagen zu müssen, ist ein unentschuldbarer Gesichtsverlust.

Inhaltlich ist das aber sehr divers: gerne steile Thesen, Ausgehgeschichten und Flames gegen @Katti.

Ach ja: Ich twitter eigentlich zu keinen festen Zeiten. Klar, es gibt so was wie den Morgentweet, der mir noch im Bett einfällt. Aber dann kommt es eher so, wie es kommt.

CemB: Hat Twitter deine Kommunikationsgewohnheiten verändert? Dein Leben bereichert?

Ja, ich kommuniziere sehr viel per Twitter. Das hat sicher alle anderen Kommunikationsarten weiter in den Hintergrund gestellt. Besonders Instantmessanger leidet darunter. (Telefonieren hat schon lange seinen Reiz verloren.) Es ist eben so, dass die Leute im Twitter einfach präsenter, sichtbarer sind. Nach und nach rutschen aber wiederum viele Twitterbekanntschaften in mein Skype hinein.

CemB: Nutzt du es für dein Networking? Wie drückt sich das für dich aus?

Nein. Ich interessiere mich nicht für solche Sachen. Ich finde viele Leute per Twitter sympathisch und will sie kennenlernen. Aber dann steht allein die Person im Vordergrund. Obwohl diese Konnektivität natürlich praktische Vorteile generiert. (Ich schreibe diese Zeilen aus Berlin, genauer in der Wohnung von @tobetop den ich per Twitter kenne und der mich freundlicherweise bei sich aufgenommen hat)

CemB: Hast du durch Twitter neue Themen und Leute kennengelernt? Neue Impulse und Anregungen bekommen?

Eine tolle Sache sind natürlich die eintrudelnden Links. Man ist immer über viele Dinge sofort informiert. Und mit anderen Personen in seinem kommunikativen Umfeld kommt man natürlich auch mit anderen Themen in Berührung. Beispiel: dem @plomlompom sein Futurismus. Ansonsten: Ja, ich habe verdammt viele nette Leute kennengelernt durch Twitter. Der absolute Sozialisationsreaktor.

CemB: Nutzt du Twitter auch beruflich?

Nein.

CemB: Wie gehst du mit Followern um?

Ich versuche mir jeden anzuschauen. Aber ich follow derzeit sehr selten zurück, weil ich bereits jetzt mit meinen 130 Friends nicht mehr wirklich zurande komme. Ich habe aber auch eine recht hohe Fluktuation in meiner Friendslist. Ich probiere manchmal Twitterer einfach aus.

CemB: Welche Twitter-Clients nutzt du? Twitterst du auch mobil?

Auf dem Mac nutze ich Twitterriffic und Mobil meist die Website (m.twitter.com). Ich finde beim Mobiltwittern fängt der Spass erst so richtig an. Die spannensten Sachen passieren ja häufig außerhalb der eignen vier Wände. Vor allem in Kombination mit Twitpic ist mobiles twittern das ganz neue große Kino. Allerdings komm ich mobil meist kaum zum lesen, sondern „sende“ fast nur.

Ein toller Mobiltwitterer ist übrigens @svensonsan. Sogar ohne Twitpic.

CemB: Siehst du Wechselwirkungen zwischen Blogs und Twitter? Oder mit anderen Plattformen?

Mein Blog wird seit Twitter leider seltener bestückt, was ich schade finde. Aber es setzt sich langsam eine Arbeitsteilung durch. Im Blog werden eigentlich nur noch komplexere Sachverhalte abgebildet. Gedanken, ausformulierte steile Thesen. Und Twitter ist für alles andere da. Blog und Twitter ist bei mir eigentlich aber sehr unterschiedlich. Denn die beiden Personen mymspro und mspro haben wenig miteinander gemein. Meine Blogleser erkennen mich im Twitter nicht wieder und meine Follower lesen kaum meinen Blog. Ich lass die gegenseitige Verlinkung eigentlich nur aus Promotionzwecken bestehen. ;)

Tatsächlich ist es interessant wie die Bloggeria ihre Reputation aus dem Bloguniversum so unbeschadet in die Twitterwelt importieren kann. @niggi und @mrsbunz haben noch so gut wie gar nix getwittert aber haben trotzdem beachtlich viele Follower. Auch ich followte am Anfang vor allem Leuten, deren Blogs ich schon vorher mochte. Klar, woran soll man sich auch sonst orientieren? Tatsächlich lassen sich anscheinend aber weder die Faszination noch das Können eins zu eins vom Bloggen ins Twittern transferieren. Meistens sind zwar gute Blogger auch gute Twitterer, manche sind aber auch erbärmlich. Und viele behalten erstmal Abstand.

Allerdings glaube ich aber an einen Zusammenhang des Erfolges von Twitter und des von Blogs im allgemeinen. Beide sind durch ihre Einfachheit und gleichzeitige Universalität die Killerapplikationen des Webs geworden. (Ich würde sagen, die einzigen Killerapplikationen. Meiner Meinung nach, kann man den ganzen Rest des Web2.0 auch einfach als höchstens „ganz nett“ etikettieren)

CemB: Was kommt nach Twitter?

Ich glaube, das Twitterprinzip ist dermaßen universell, dass wir noch lange nicht das Ende der Fahnenstange dessen erleben durften, was noch alles allein mit Twitter gehen kann. Twitter hat derzeit eine Echtzeitaudience geschaffen, die so Dinge wie Qik oder Mogulus erst wirklich attraktiv machen. Hashtags, Bots und andere Aggregatoren werden aus Twitter noch sehr viel mehr herausholen, als wir heute glauben.

Als Zukunft kann ich mir nur eine Opensourcevariante vorstellen, die sich dezentral über standardisierten Schnittstellen austauscht. So ne Art WordPress für Twitter.

Zugefügt: Was stört dich an Twitter?

Dass öffentlich einsehbar ist, wem ich followe. Da gibt es schon ab und an Eifersüchteleien und einen Rechtfertigungsdruck, den ich nicht sehr schön finde. Viele nehmen das persönlich wenn man sie entfolllowt, was ich auch verstehen kann. Geht mir auch so, wenn ich entfollowt werde, von Leuten, die ich mag. Aber im Grunde ist das Schwachsinn, denn es hat viel weniger mit Sympathien zu tun, als der reinen Aufmerksamkeitsgrenze. Ich twittere halt gerne und viel, manchen eben zu viel. Da muss ich mit leben, dass das sich das einige nicht antun wollen. Andere scheinen aber größere Probleme damit zu haben und können damit nicht umgehen. Deswegen bin ich dafür, nicht mehr anzuzeigen, wer wem followt.

(Überhaupt geht mir das ganze Followergewichse mittlerweile ziemlich auf Nerven. vielleicht sollte man die Zahl auch nicht anzeigen)

Aus der Reihe: Interviews mit Twitterern. Geführt von CemB (Cem Basman). Das fünfte von sieben geplanten Interviews höchst unterschiedlicher Twitterer.


7 thoughts on “Twitter-Interview (5): Mspro

  1. Stellvertretend für alle, die es sich nicht zu sagen trauen:

    der @mspro ist die Wildsau unter den Twitterern.
    Deswegen followe ich ihm auch . Er schämt sich für manche seiner Fans, das ist bekannt, wird aber -gottlob- von Twitter noch ignoriert.
    Ich hoffe, daß @Katti ihm weiter erfolgreich Kontra gibt.

    Sein blog lese ich, wenn ich mal wieder kurz davor bin, an seinem Restverstand zu zweifeln. Hilft jedesmal.
    Ach so, ja: die live-strömungen von @mspro sind, obwohl von der Vereinigung nordelbischer Frisöre gesponsort, immer recht kurzweilig.

  2. Ich bedanke mich sehr für dieses tolle Interview :-) ! Vieles kann ich voll unterschreiben. Durch das Interview neugierig geworden habe ich gerade tatsächlich zum ersten Mal @mspro ’s Blog besucht. Und, was soll ich sagen: ein erstes Lesen erzeugt einen geradezu andersartigen Eindruck, den ich vom Autor gewinne. Prima Sache, das. Es wird schnell spürbar, dass sich das Twittern tatsächlich in vielen Fällen vollkommen selbstständig gemacht hat. Man lernt jemanden via Blog kennen oder via Twitter und man bleibt dann oft auch in seiner Blase drin. Die (Kommunikations)Kanäle bleiben (oft) getrennt. Hmm, seltsam *grübel* *amkopfkratz* ..

    Nochmals vielen Dank für dieses sehr informative und einfach interessante Interview und schöne Grüsse nach Hamburg :).

  3. @Cara, hä? Also das mit der Wildsau würd ich ja unterschreiben, aber für welche Fans schäme ich mich? Überhaupt: mache ich nicht eher den Eindruck, als würde ich mich für nichts schämen?

  4. Lieber mspro,

    wenn Du nicht bald lernst, den Sarkasmus, den Zynismus und die Niedertracht hinter den Worten von Deiner Dich höchst verehrenden Cara zu erkennen ( auf Anhieb!) , dann kann es passieren, daß ich Dich entfollowe. Kurzfristig.

    Rock on, Boar!
    ;)

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