Ich bin ein „Best Ager“

Zumindest nach Ansicht der Marketing-Experten. Jeder Zielgruppe seine Schublade, ist ihre Devise. Best Ager sind die 50+ Generation. Rund 33 Millionen Deutsche oder 40 Prozent der Bevölkerung sind älter als 49. Und es werden mehr. Als „anspruchsvoll“ und „kaufkräftig“ haben sie die Werber schon eingestuft. Ideale Konsumenten mit viel Zeit und Geld. Altersteilzeit und andere gesetzliche Regelungen machen es möglich. Für krisensichere Angestellte. Selbstständige und Freiberufler sind aussen vor. Best Ager, die agile Truppe vor dem Rentenalter, pardon, „Senioren“. Bisher als „IT-Urgestein“ tituliert, weiss ich nicht so recht, ob ich mich mit dieser Bezeichnung wirklich anfreunden kann.

Das Hamburger Abendblatt machte das Thema „Best Ager“ dieses Wochenende in seinem Journal zur Titelgeschichte (1, 2). Mit einer langen Fotostrecke von gut aussehenden und intelligenten „Best Agern“ in der Papierausgabe: Klaus Wowereit, Nina Hagen, Jil Sander, Elke Heidenreich, Robert de Niro u.v.a.m.

„Best Ager“ zu jung für die Rente und voller Schaffensdrang. Die Deutsche Wirtschaft hat mittlerweile eine Stiftung gegründet und zapft das Wissen und die Erfahrung der Zielgruppe ehrenamtlich für nationale und internationale Einsätze ab. Kost ja nix. Die haben ja ihr Geld schon verdient, meinen sie. Was machen denn die, die lebenslang Geld verdienen müssen oder wollen?

Ab 50 wird es schwer, interessante und lukrative Aufgaben zu bekommen… Oder hat jemand ein schönes, grosses, anspruchsvolles Projekt für mich, wo ich meine ganze Erfahrung einbringen kann? Mal im Ernst.

Update [03.07.2008]: Diese Woche auch Titelthema im Stern: Männer um die 50.


3 thoughts on “Ich bin ein „Best Ager“

  1. Ich bin zwar erst 40+, aber mache selbst die Erfahrung, das man mit Überschreiten der magischen 3x plötzlich nahezu unvermittelbar ist.
    Ergo: GreenCard. Seit Jahren. Nur leider gewinne ich nie…

  2. Ich bin 50 und habe nach meiner Selbständigkeit vor genau einem Jahr eine Festanstellung gefunden. Ich hatte damals sogar die Wahl zwischen zwei Firmen. In beiden Firmen konnte und kann ich meine gesammelten Erfahrungen von 30 Jahren Handwerk (Radio- u. Fernsehtechnik) nicht wirklich nutzen. Ich bin 10 Jahre älter als die Geschäftsleitung und im Schnitt 20 Jahre älter als meine Kollegen. Und ich fühl mich ’sauwohl‘ in meiner jetztigen Position. Ich hatte halt Glück. Tatsache ist, dass man in der Regel ab 45 Jahren nur schwer eine Anstellung findet.

    Bei Begriffen wie „Best Ager“ und Silver Surfer“ bekomme ich immer so ein saures Aufstoßen. Diese Begriffe dann auch noch mit Prominenten zu verknüpfen finde ich total daneben. Und ob diese Promis mehr können als nur ‚klicken‘ und Emails abfragen sei dahin gestellt. In etwa 20 Jahren wird es 70 jährige geben, die manchen 20 jährigen in Sachen Computer und Internet noch einiges Vormachen könnten. Sofern die Älteren noch in der Lage sind, sich von der allzu schmalen Rente, einen Computer und Internetzugang leisten zu können.

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