Netzwerk-Journalismus: „Do what you do best, and link to the rest“

Christiane Schulzki-Haddouti schreibt in KoopTech wie sich der Online-Journalismus zum Netzwerk-Journalismus weiterentwickeln kann einen intelligenten Text

Wie können Links die Medien revolutionieren? US-Medienblogger denken darüber bereits seit Monaten nach. Dabei geht es ihnen nicht darum, kommentierte Linklisten als eine Art Presse- oder Medienschau zu erstellen, sondern der Nachricht oder der Geschichte selbst mehr Gewicht zu verleihen, in dem sie über die Links in einen diskursiven Kontext eingebettet wird. Der Journalist zeigt damit

Mit Jeff Jarvis etwas einfacher formuliert, sollte es in Redaktionen darum gehen: “Do what you do best, and link to the rest”. Das bedeutet, dass sich ein Newsroom in seinem Selbstverständnis fundamental wandelt: Er hat nicht mehr das Monopol über eine ganze Anzahl von Nachrichtenressourcen, sondern ist Teil eines Netzwerks, in dem es darum geht, sich auf das zu konzentrieren, was an einer Geschichte zu einem bestimmten Zeitpunkt für die eigenen Leser am Relevantesten ist, um dann auf weitere Original-Geschichten von anderen Redaktionen, Blogs oder Lesern (!) zu verweisen. [Unbedingt weiterlesen…]

Ihren Artikel allen Journalisten im Web ins Gebetbuch. Berichten und verlinken. Etwas, was übrigens gute Blogger bisher am besten gemacht haben.

Ich verlinke gerne auf andere Inhalte, wenn ich mir langatmige Erklärungen zu Hintergründen ersparen will. Einer meiner Favoriten ist dabei auch die Wikipedia, wenn es um „neutrale“ allgemeine Verständnis- und Wissenfragen geht. Meine Blogeinträge werden dadurch kürzer und lesbarer. Dichter und gehaltvoller mit eigenen Inhalten. Ausserdem langweilt man den informierten Leser nicht. Die Links lasse ich immer in einem neuen Fenster öffnen, damit mein eigener Kontext für den Leser nicht verloren geht.

Online-Journalisten können von Bloggern sehr viel lernen. Speziell, die Journalisten von den Papier-Verlagen, die sich im Online-Geschäft tummeln.


13 thoughts on “Netzwerk-Journalismus: „Do what you do best, and link to the rest“

  1. dann aber bitte nicht beschweren, wenn Redaktionen mit der Haelfte des redaktionellen Personals auskommen! Revolutionen, auch die in Medien, sind hungrige Bluthunde.

  2. Hungrige Bluthunde, soso. Ich denke, dass sich das Berufsbild der Journalisten entsprechend wandelt und das wieder Neugierde und Kompetenz zählen und nicht dass man möglichst fehlerfrei von DPA abschreiben kann. Allein, die Hoffnung wurde schon so häufig enttäuscht dass ich mit der Umsetzung zeitgleich mit dem erreichen der Klimaziele der EU rechne :)

    Für den „Journalisten neuen Typs“ ist die Redaktion wahrscheinlich dann nicht mehr Dreh- und Angelpunkt, eher im Gegenteil.

  3. Links in neuen Fenstern zu öffnen, halte ich hingegen für eine Unsitte. ;-) Wann ich einen Link im neuen Fenster öffnen möchte, will ich doch selbst entscheiden. Aber ich habe meinen Safari eh so eingestellt, dass er solche Dinge ignoriert. Zum Glück geht das inzwischen, denn ich habe immer ein ausgeklügeltes System von offenen Fenstern mit Tabs und nichts nervt mehr, als wenn eine Seite mir das durcheinanderbringt… Und wozu gibt es den „Zurück“-Button? Es gibt übrigens nicht wenige Nutzer, die über diesen Button navigieren und die sind wiederum nicht selten irritiert, wenn man ihnen diese Möglichkeit nimmt, weil man ein neues Fenster öffnen ließ. Das habe ich mir so jedenfalls aus diversen Usability-Tests angelesen. Aber Diskussionen darüber enden immer in Glaubensfragen ;-)

    Ob Journalisten künftig mehr unterwegs sind, möchte ich übrigens bezweifeln, denn dafür gibt es keinen praktischen Grund. Oder übersehe ich da etwas? Ich denke, dass sich das Berufsbild in Wirklichkeit weniger stark verändert, als manche Kollegen heute befürchten. Ja, die Leser können die Quellen selbst nutzen. Ja, die Leser können auch selbst Publizisten werden. Ja, die Leser können (häufig) direkt mit dem Verbreiter einer Information diskutieren. Aber auch: Ja, das wird wie immer nur ein verschwindend geringer Teil der Nutzer überhaupt machen. Der Rest wartet darauf, dass die interessanten Inhalte zu ihm geflogen kommen. Und dafür braucht’s Journalisten, Blogger und andere engagierte Nutzer des Internets.

    Die Veränderungen der Medienlandschaft sind zum Teil grundlegend. Vertriebswege verändern sich beispielsweise. Die Zahl und Art der Informationsquellen wandelt sich. Eigentlich sollte es aber gar nicht so schwer sein, sich darauf einzustellen – gerade als Journalist. Das ist es übrigens auch, was mich vor allem an der Einstellung mancher Kollegen nervt: Sie sind einfach nicht bereit, sich umzustellen. Sie versuchen, durch Ignorieren oder Jammern die Veränderungen zu verhindern, anstatt sie als Chance zu begreifen. Und das führt wiederum dazu, dass es doch große Veränderungen geben wird, weil sich weite Teile dieses Berufsstands nicht umstellen mögen oder es tatsächlich nicht können und dadurch Freiräume entstehen.

  4. @Jan:

    zu „Links in neuen Fenstern“: Ich weiss, für viele ist es eine Unsitte. Nimm es als Marotte von mir hin :-)

    zu „Journalisten künftig mehr unterwegs“: Gemeint war, man muss nicht übereinander in der Redaktion sitzen. Man kann von überall arbeiten. Man kann auch zu den Nachrichtenquellen hingehen. Auf jeden Fall ist man beweglicher. Wenn man es möchte.

    zu „Jammern“: Ja, den Eindruck habe ich auch in grossen Teilen. Die meisten deutschsprachigen Journalisten verpassen den Anschluss. Die klassischen Verleger sowieso.

  5. Danke für den Hinweis. Ich denke, das eigentlich, aus heutiger Sicht, Erstaunlichste wird sein, dass Journalisten sich wieder stärker der eigenen Recherche zuwenden werden (auch wenn das im Moment gar nicht danach aussieht). Originalität wird wichtig. Was mit den Nachrichtenagenturen passieren wird, da bin ich mir nicht so ganz sicher.

  6. ich muss bei links in neuem fenster immer denken „ach so, du hast also angst, dass ich nicht wiederkomme, hmm?“ und nehme das glatt als anregung.

    es gibt ausnahmen, wenn zum beispiel ajax-abläufe nicht durch einen neugierigen nurmalso-klick verworfen werden sollen. ja, klar, das kann man auch besser lösen. aber ein neues fenster halte ich da dann für einen vertretbaren kompromiss.

    .~.

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