Ich schreibe seit jeher kein „ß„. Schon gar nicht im Blog. Ich stehe mit dem „ß“ schlicht auf Kriegsfuss. Mir ist in dieser Angelegenheit die deutsche Rechtschreibung völlig wurst. Wann ein Wort mit „ß“ und warum ein anderes mit „Doppel-s“ zu schreiben sei, ist mir egal. Dieses deutscheste aller Schriftzeichen, eine Ligatur mittelalterlichen Ursprungs aus langem ſ und kleinem z (genauer „z mit Unterschlinge“) aus dem Zeichensatz gebrochener Schriften, verschmolzen zum „ß“, kommt einfach bei mir nicht vor. Ich finde den Buchstaben einfach nicht schön und er stört meinen Lesefluss.
Wie andere Leute konsequent kleinschreiben, schreibe ich konsequent ohne „ß“. Höchstens als abschreckendes Beispiel wie heute in Anführungszeichen. Schliesslich schaffen es Schweizer und Liechtensteiner ja auch ohne „ß“ auszukommen.
Ein Wort wie „ßenekneipe“ liest sich irgendwie auch doof. Beim ABC-Aufsagen der Erstklässler kommt das „ß“ auch nicht vor. Des Deutschen Unkundige können damit sowieso wenig anfangen. Verwende mal in einem Adressen-Formular für jemandem im Ausland das Wort „Straße“. Das mutiert regelmässig zu „StraBe“ auf dem Briefumschlag. In einer Mail bei einem Empfänger ohne Unicode-Unterstützung wird es auf seiner Seite erst recht kryptisch. Bei mir heisst es schlicht „Strasse“. Es heisst auch das Mass und eine Mass und der Massstab.
Zu allen Überfluss gibt es seit Anfang 2008 nun auch ein „Grosses ß„. Arrrgh!
Abbildung, Quelle: Wikipedia, Ingo Preuß, Textbeispiel zum Versal-Eszett der »Neuen Steinschrift«
PS: Eigennamen wie „Preuß“ schreibe ich natürlich in korrekter Schreibweise.

Das ist doch mal ein Statement. Dieses ß ist für uns Schweizer (oder zumindest für mich) auch öfters ein Hemmnis, etwas für eine deutsche Zeitschrift oder eine deutsche Webseite schreiben zu dürfen. Schliesslich hab‘ ich keine Ahnung, wann dieses Ding nun dahin gehört und wann nicht.
No fear, @BloggingTom, bei den saisonal wechselnden deutschen Rechtschreiberegeln, weiss das keiner so genau mehr…
Eigentlich ist’s ganz einfach: In Deutschland nach der Rechtschreibreform schreibt man ’ss‘ nach kurzem Vokal (also wie in ’nass‘) und ‚ß‘ nach langem Vokal (also wie in ‚Straße‘). Nach einem Diphtong (‚ei‘, ‚aa‘, also Doppellauten) schreibt man immer ‚ß‘, ist aber auch logisch, da sowas immer lang ausgesprochen wird.
Irgendwelche Ausnahmen gibt’s AFAIK nicht mehr, vor der Rechtschreibreform gab es davon wohl welche, zumindest habe ich so eine Regel ähnlich wie oben in der Grundschule nicht gelernt. Konnte ich euch erhellen?
Gruß Julian (ein ‚ß‘ Liebhaber ;-))
P.S.: Viel interessanter finde ich: Wo packe ich das große ‚ß‘ auf der Tastatur hin?
Gute Frage. Nächste Frage.
Also ich persönlich habe mehr eine Art Hass-Liebe zum ß entwickelt, ergo ich kann mich nicht wirklich entscheiden was ich damit anfangen soll. Doch größ(ss)tenteils versuche ich es auch zu ignorieren ^^
btw: die wikipedia-links (zumindest glaube ich mal dass sie dorthin führen sollten..) sind ein wenig b0rken
Thx, Dr. Tod, schon korrigiert! :-)
@Julian, leider ist es nicht ganz so simpel: Gemäß den Rechtschreibregeln von 1996 und siehe insbesondere auch „Kritik an den neuen ß-Regeln“ (etwas weiter unten im Text).
Genau wegen der wichtigen Ausnahme, die Du, Cem, zugestehst – Namen, sollte man das ß mE weiterverwenden. Sonst wird jeder Träger eines ß diskriminiert. Denn wie sollte man in seinem deutschen Namen einen Buchstaben rechtfertigen, der in keinem Duden vorkommt?
Ich finda das E ja ganz grosse Schaissa.
Ich mag das ß als Buchstaben. Kommt auch daher, weil es Schriften gibt, in denen dieser Buchstabe schön aussieht. Wie das Kaufmanns-Und. Und die Regelung, wann ß und wann ss zu schreiben ist, ist echt nicht schwer.
Nur das große ß ist dann doch eine schwachsinnige Idee…
@Nils Ich finde das große ‚ß‘ eigentlich nicht schwachsinnig, sondern die (wenn auch verspätete) Einführung eher logisch. Auch wenn es keine Worte gibt, die mit ‚ß‘ beginnen, so kommt es doch häufiger mal vor, dass man in GROßBUCHSTABEN schreibt (Texte, Überschriften, Schilder etc.). Da sieht doch ein typografisch passendes großes ‚ß‘ schöner aus, als wenn auf einmal ein Kleinbuchstabe dazwischen erscheint. Die Variante mit ‚SS‘ finde ich auch eher unglücklich.
Aber: De gustibus non… Und: Ich denke man wird sich dran gewöhnen.
Argh, wie ist denn der Permalink ins Antwortformular geraten… *grrr*
Ich freue mich das ich meinen Nachnamen endlich komplett in Großbuchstaben schreiben kann und du schreibst so einen vernichtenden Blogeintrag. Bloß weil du nicht Baßman heist ;)
@Stefan:
Auch GROSS wenn’s erforderlich ist :-)
hallo cem.
da hast ja richtig einen abgelaßen.
ich verwende das scharfe eß (so haben wir es in den 70iger jahren des letzten jahrhunderts gelernt), also ich verwende es nach gefühl.
das ß ist also reine gefühlßache. darauf möcht ich nicht verzichten.
Ich habe eh immer wieder den Eindruck, als gehöre der richtige Einsatz des eigentümlichen Buchstaben zu schwierigsten Aufgaben der deutschen Rechtschreibung für zahlreiche Sprachanwender.
Habe daher vor kurzem nochmal die Regeln zum Eszett bei Fehlerleser.de verlinkt.
Schöne Grüße (mit ß),
Der Fehlerleser :-)
„Ich finde den Buchstaben einfach nicht schön“ ist mir aus der Seele gesprochen.
Der einzig aufrichtige Grund dieses Ding nicht zu benutzen.