Was macht eigentlich eine gute Bar aus? (Teil VIII)

Don Dahlmann, Barfly, Journalist, Autor, Blogger in Berlin

Ich bin kein Cocktail-Freund. Außer hier und da ein „Harvey Wallbanger“ oder einen „Whisky Sour“ interessieren mich die Dinger nicht. Ich mag keine Bars, in denen riesige, bunte Cocktails mit Schirmchen und drei Kilo Obstresten am Glasrand angeboten werden. Ich hasse Bars, in denen die Musik so laut ist, dass man sich anbrüllen muss. Ich mag also eher traditionelle Bars – also die Dinger, in die man reingeht, weil man trinken will oder muss und in der man Leute trifft, die trinken wollen oder müssen. Eine gute Bar muss ein paar Dinge haben, darunter: Eine sehr gute Whisky-, Brandy-, und Cognacsammlung. Wenn sie sehr gut sind, dann haben sie auch drei bis fünf Sorten Armagnac im Angebot. Dem Barkeeper sollte man ansehen, dass er das nicht nebenbei macht, sondern dass die Arbeit in einer Bar sein Lebensinhalt ist. In Bars müssen Geschichten passieren. Man geht rein, und hat das Gefühl, dass die Wände schon viel gesehen und noch mehr gehört haben. Wenn man Autor ist, dann geht man rein, weil man weiß, dass man im Laufe des Abends mindestens eine interessante Sache erleben wird. Eine Bar braucht spannende Menschen in die man sich ein wenig verlieben kann.

Die beste Bar, in der ich jemals gesessen habe, lag in Hamburg, im Eppendorfer Weg, nahe der Hohenluftchaussee. Der Betreiber, ein Herr Herrman, war ehemaliger Barkeeper des Atlantic Hotels in Hamburg. Er stand fast jeden Abend hinter der Theke, gekleidet in weißer Barjacke, Fliege und schwarzer Hose. Es war eine kleine Bar und weil Herr Herrmann ein passionierter Rum-Trinker war, gab es eben sehr viel und vor allem sehr teuren Rum. Wenn Herr Herrmann guter Stimmung war, packte 300 Euren teuren Rum raus und gab den Gäste an der Theke jeweils einen Fingerhut voll Rum. Er hatte in seinen 40 Jahren hinter der Theke alles gesehen und gehört und deswegen bekam man von ihm, wenn man mal rumjammerte, auch keine Ratschläge, sondern strenge Ermahnungen. Musikalisch gab es Jazz, wenn Herr Herrmann mal einen Rum zu viel getrunken hatte, dann auch mal Buddy Holly oder Elvis. Leider schon lange geschlossen und seitdem habe ich auch keine Bar mehr in meiner Nähe gefunden, die ich wirklich mochte.

Last orders! Kommt noch ein Gast? Herr Meyer? Herr Jebsen? Morgen gibt es in jedem Fall ein Resümee, was denn das Geheimnis einer guten Bar ist…


4 thoughts on “Was macht eigentlich eine gute Bar aus? (Teil VIII)

  1. Ach ja, die gute „Old Fashioned Bar“ am Eppendorfer Weg, Die ist schon länger Geschichte. Da war ich sehr oft. Ich könnte dir Sachen erzählen, lieber Don. Doch das vielleicht bei einem Glas beim nächsten Mal. Eigentlich das „erste Mal“. Würde mich freuen.

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