Meine ersten Erfahrungen mit identi.ca

Mein erster allgemeiner Eindruck von identi.ca ist positiv. Ein frisches Microbloggingtool, dass erst vor sechs Wochen gelauncht worden ist und dass sich schon jetzt einer kleinen, aber sehr agilen, deutschsprachigen Community erfreuen kann.

identi.ca sieht gut aus, ist übersichtlich und sehr schnell. Der Charme des Produkts liegt aber eigentlich woanders:

  1. identi.ca ist ein Microblogging-Service, der auf der Open Source Software Laconica aus dem gleichen Haus basiert. Mit Laconica kann jeder seinen eigenen Microblogging-Service nach dem Vorbild von identi.ca betreiben.
  2. Alle User auf den weltweiten Laconica Servern können, falls gewünscht, unabhängig von den Servern auf denen sie registriert sind, miteinander kommunizieren. Damit entsteht ein echtes, verteiltes, intelligentes, offenes, serverübergreifendes Microblogging. Das ist ein sehr modernes Konzept. Damit wird auch klar, dass identi.ca kein weiterer Twitter-Clone ist, sondern etwas sehr eigenständiges. Dieses offene Konzept soll in der nahen Zukunft auch auf andere Microblogging-Plattformen ausgeweitet werden, sodass ein grosser plattformübergreifender Microblogging-Raum entsteht. Grossartig.

Und ausserdem gefällt mir, dass die „#hashtags“ integriert sind. Dabei aber immer auf Kleinschreibung achten. So wie auch die „@usernamen“. Umlaute gehen in beiden Fällen noch nicht.

identi.ca ist so frisch und jung, dass die wesentliche Entwicklung noch andauert. Wobei das weitere interessante ist, dass diese Entwicklung vollkommen öffentlich und transparent abläuft. Keine Geheimlabors mit grossen versteckten Teams oder Megabudgets. Die Entwickler führen im Gegenteil einen recht lebendigen Dialog mit den Usern. Das macht die Sache mir sehr sympatisch.

Was fehlt noch bei identi.ca?

  1. Direkte Benachrichtigungen (Absolut unabdingbar! Nicht alles muss öffentlich sein.)
  2. Bookmarking von Nachrichten (Ja! Unbedingt. Wichtig.)
  3. Updates und Benachrichtigungen via SMS (Ist das nicht 20. Jahrhundert? Aber viele können ohne SMS anscheinend nicht leben. Naja.)
  4. Reichhaltigeres AJAX-y Interface (Ich finde es momentan nicht schlecht. Es sieht eh moderner aus als bei Twitter.)
  5. Kartenfunktionen (Maps), Anzeige von Usern im Umkreis (sehr cool!)
  6. Automatischer Cross-post Push nach Twitter, Pownce, Jaiku, etc. via identi.ca (Manche scheinen darauf zu stehen. Für mich ist sowas nur Spam und alle Kanäle vollmüllen. Aber wer’s nicht lassen kann – Damit geht’s jetzt schon: http://ping.fm/ )
  7. Automatischer Pull von Mitteilungen aus Twitter, Pownce, Jaiku, etc. (Sehr wichtig für Migranten wie mich. Ich würde gerne meine Tweets nach identi.ca immer bringen lassen.)
  8. Facebook Integration (Mir Wurscht, aber vielen anderen nicht.)
  9. Image, Video, Audio in Mitteilungen (nice to have.)
  10. Automatische URL-Kürzung (wichtig!)
  11. Mehrsprachigkeit (identi.ca ist nur auf Englisch – Laconica hat aber ein reichhaltiges Repertoire an Sprachversionen, die demnächst nach und nach freigegeben werden, demnächst auch in Deutsch)

identi.ca wird entwickelt vom kreativen Kopf Evan Prodromou (@evan), unterstützt durch Ken Sheppardson (@kshep). Ein extrem produktives Team, dessen interne Kommunikation öffentlich in identi.ca abläuft.

Dass Evan und Ken alle weiteren offenen Punkte und Aufgaben systematisch anpacken, lässt sich sehr schön in den Meilensteinen und Aufgaben der Entwicklung erkennen, die sie für alle ebenfalls öffentlich nachvollziehbar vom Start des Projekts vor zwei Monaten im Projekt-Managementwerkzeug Trac verwalten. Die Softwareentwicklung läuft in einem atemberaubenden Tempo. Deshalb glaube ich, dass identi.ca binnen kurzer Zeit alle anderen Microblogging-Tools an Funktionalität übertreffen wird. Die Skalierbarkeit bei grösseren Nutzerzahlen allerdings, wird sich im Laufe der Zeit zeigen. Das ist die wahre Nagelprobe der Software-Architektur. Ein Problem mit dem Twitter seit einiger Zeit massiv kämpft.

Deswegen habe ich mich für identi.ca als meine Microblogging-Plattform entschieden. Ich bin @cemb.

PS: Das ist auch einer der spannenden Themen für den MBC09 – Microblogging Congress 2009. Evan hat zugesagt, zu kommen übrigens.

Update: Podcast über Microblogging und das MBC09 bei Kanal14. Danke Sebastian!


20 thoughts on “Meine ersten Erfahrungen mit identi.ca

  1. super Artikel!
    Ich kann mich voll und ganz anschließen, nur würde ich an erste Stelle ein Webinterface stellen, das auf Mobilgeräten gut nutzbar ist. identi.ca selbst funktioniert zwar, ist aber etwas zu sperrig, und moconica.com ist halt auch nur was für’s iPhone.

    Aber sonst: es macht fast noch mehr Spaß als Twitter, auch wenn ich die Leutchen von dort doch ein wenig vermisse ;)

  2. Mir fällt gerade noch ein trackback für dents ein. Das kann ja verborgen mit einem AJAX Pluszeichen unterhalb eines dents sein.

  3. Ich bin ja immer etwas überfordert mit dem ganzen Technodingenssprech, aber so ganz klar ist mir noch nicht, warum plattformübergreifendes kreuzposten bähbäh ist und Pull gut?

  4. @Cem: Die OpenID-Lösung muss ich mir mal anschauen. Das hört sich spannend an. Sagen wir mal, das Identi.ca, wo man sich im Normalfall rumtreibt, ist down. Man zieht „gastweise“ zu einem anderen Server – und man kann trotzdem kommunizieren.

  5. Pingback: Aufgelesen: 61

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