Political Networks – Politik 2.0?

Konsequent wäre ja, dass sich alle Parteien auflösen und die politischen Mandatsträger sich jedesmal von Fall zu Fall neu vernetzen. Sich zu liquiden, flexiblen Political Networks zusammenfinden. Ähnlich wie es der Wirtschaft und der Gesellschaft auch ergeht. Eben wie auch bei der Entstehung von Social oder Business Networks. Klingt etwas wie eine kleine Utopie. Ist es ja auch. Aber vorstellbar und damit machbar.

Weg von starren Programmatiken, Fraktionszwängen, Hierarchien, Parteiapparaten. Nur noch frei und unabhängig nach Wissen und Gewissen und nach Bedarf entscheiden. So wie es das Grundgesetz es ja auch ursprünglich vorschreibt. Warum eigentlich nicht?

Sowas ähnliches schwebte uns damals auch vor. Wir hatten ja nichts.


7 thoughts on “Political Networks – Politik 2.0?

  1. Ich halte das Prinzip Partei auch für überholt. Ich befürchte allerdings, das der Schaden, den die Parteien in den letzten 3 Jahrzehnten angerichtet haben, irreperable ist. Der grösste Schaden ist die Politikverdrossenheit der Gesellschaft. Ich befürchte, in diesem Zustand, ist die Gesellschaft mit einem Netzwerkpolitik-Model vollends überfordert. Leider.

  2. Die Wirtschaft findet sich zu liquiden Netzwerken zusammen? Das geht doch höchstens in der winzig kleinen Web 2.0 Blase. Die großen Fische, sagen wir mal in Hamburg, Beiersdorf, Airbus, Lufthansa, Still, Norddeutsche Affinerie, Tchibo und wie sie alle heißen sind alte Traditionsunternehmen. Viele Menschen schätzen die relative Sicherheit für solche Firmen tätig zu sein.
    Mir macht die Politik- und Parteienverdrossenheit in Deutschland Angst. Denn wenn wir Bürger unseren Staat nicht mehr organisieren, oder wenn es uns egal wird, wer ihn organisiert, dann wird es jemand tun, den wir es besser nicht machen lassen sollten.
    Statt vor dem PC zu sitzen und zu nölen, sollte man sich lieber einsetzen.
    So sehe ich das eben.

  3. Ich nöle nicht, Klaus. Ganz im Gegenteil. Ich versuche neue Wege ausserhalb der Trampelpfade anzudenken bzw in die Runde zuwerfen. Ich beschuldige auch keinen. Ebenfalls im Gegenteil. Es geht überhaupt nicht um Schuld. Sondern um Lösungen.

    Bisher haben sich die etablierten Parteien vehement sich gegen Änderungen verwehrt. Aus verständllichem Grund. Als ziemlich politischer und aber auch kreativer Mensch bin ich an politischen Lösungen interessiert. Ich bin nicht politikverdrossen sondern parteiverdrossen.

    Und so sehe ich das eben.

  4. Ach ja, das gute alte Grundgesetz. Ich zitiere: „Die Abgeordneten […] sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“ Ja, genau. So sollte es also eigentlich sein, laut unserem Grundgesetz, das nach den Erfahrungen der Weimarer Republik und der Nazi-Herrschaft geschaffen wurde. Warum hat man davor nicht mehr Achtung? Warum versucht man nicht einfach mal wieder, dem Grundgesetz Geltung zu verschaffen? Fände ich eine gute Idee.

    Über Parteien heißt es da: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ Sie wirken mit. Nicht mehr.

    Insofern wäre Deine Idee vor allem eine Wieder-Inkraftsetzung dessen, was die Mütter und Väter des Grundgesetzes eigentlich wollten.

  5. Jan, danke für deine ermutigenden Worte. Die Idee ist nicht von mir, sondern sie liegt überall in der Luft.

    Wenn sich so viele Menschen nicht mehr identifizieren können, mit dem was sich in der Politik, im Bund, in den Ländern und auf kommunaler Ebene tut, dann liegt das nicht an den Menschen. Die Parteimüdigkeit ist ein Phänomen, dass sich heute nicht mehr wegdiskutieren lässt.

    Vielleicht muss man tatsächlich auch mal in die Basics schauen und sich vergegenwärtigen, worum es eigentlich bei Politik geht. Ohne Grundlagendiskussionen. Die bringen nichts.

    Zudem haben sich die Lebensumstände und die Haltung der Menschen verändert in dieser Generation. Es betrifft ja nicht nur die Politik, sondern alle Lebensbereiche, das wollte ich im Post ausdrücken.

    Es geht nicht um eine bestimmte Partei, sondern um alle Parteien und politischen Organisationen über das gesamte Spektrum.

    Die Politik hat die Veränderungen der Menschen nicht mitgemacht und verharrt auf ihren alten Positionen.

    Die Zeiten der Apparate sind vorbei. Sie laufen nur noch leer.

  6. Das Problem sind nicht die Parteien, das Problem ist das momentan vorhandene Demokratiemodell generell. Siehe hierzu auch die „Postdemokratietheorie“ des britischen Soziologien Colin Crouch.
    Parteien per se halte ich für nicht schlecht, die Menschen wollen sich bestimmten Gruppen zuordnen, die einer bestimmten Strömung zugeordnet sind. Der Mensch braucht Feindbilder und wer weiß, ob viel produktive Ideen entstünden, wenn es keine Parteien mehr gäbe.
    Und es gibt meiner Meinung nach keine Parteienmüdigkeit, sondern eine Politikmüdigkeit. Die hängt aber damit zusammen, dass Politik im Kapitalismus medial nicht verständlich genug wieder gegeben wird (zumindest für Leser von BILD und Co) und dass, die die an der Macht sind, keine wirkliche Partizipation des Volkes wollen.

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