WordPress.com sperrte Sprechblase heute morgen

Die gehostete Variante von WordPress hatte mein Blog Sprechblase für das Posten von neuen Artikeln gesperrt. Ich hatte es heute morgen kurz nach 10 Uhr bemerkt, als ich diesen Artikel veröffentlichen wollte.

Im gelben Balken oberhalb der Texteingabebox erschien folgende Mitteilung vom Hoster:

Warning: We have a concern about some of the content on your blog. Please click here to contact us as soon as possible to resolve the issue and re-enable posting.

Ferner war der Button „Veröffentlichen“ ersetzt durch „Zur Durchsicht einreichen“. Ebenfalls die entsprechende Dropdown-Box. Siehe Screenshot hier im Artikel (Klicken zum Vergrössern). Ich wurde aufgefordert den Support per Formular zu kontaktieren, was ich auch sofort gemacht habe.

Zunächst dachte ich, es hätte eben mit dem aktuellen Artikel zu tun. Doch die Ursache war anders. Ich erhielt diese Mail eben vom Support bei WordPress.com:

[WordPress #BWX-486974]: 493@sprechblase.wordpress.com

Alex – WordPress.com an cbasman
Details anzeigen 10:59

Hi,

Thanks for contacting us.  We’ve noticed a number of blogs posting many similar links to Qype.com from similar IP addresses.  We’re not quite sure why and we’re hoping you can tell us something about it.

I’ve removed the warning from your blog so you can post again.  Sorry for the inconvenience.
Kind regards,
Alex

Offensichtlich hat WordPress.com die Artikel, die ich von Qype per Knopfdruck in Sprechblase veröffentlicht hatte als Spam gewertet. Hier ist ein Beispiel für so einen Artikel. Wie ich während des heutigen Vorfalls auch diskret mitbekommen habe, hat Qype wohl auch bei WordPress.com interveniert. Ich war wohl auch nicht der einzige, der von dieser Massnahme betroffen war. Was folgt nun daraus?

  1. Artikel werden offensichtlich seitens WordPress.com moderiert. Das kann technische Ursachen haben, inhaltliche oder auch eine Mischung aus beiden wie im vorliegenden Fall. Dazu bedarf es nicht einer Meldung durch einen Nutzer, sondern passiert auch auf Betreiben des Hosters. Eigentlich keine grosse Überraschung.
  2. Ich werde zunächst hier bei WordPress.com mich nicht dem Risiko aussetzen, auf ähnliche Art und Weise zu posten, dh konkret im Einzellfall: Es werden keine Qype-Besprechungen mehr direkt aus Qype in der Sprechblase veröffentlicht. Das war aber auch schon länger nicht mehr der Fall. Ähnliches gilt auch für andere Websites. Die Funktion bei Qype.com finde ich aber grundsätzlich nicht verwerflich. Es ist ja schliesslich mein eigener Content.
  3. Mir zeigt es, dass WordPress durchaus in der Lage und Willens wäre, Zensur auch aus anderen Gründen auszuüben. Das beunruhigt mich. Mir zeigt es ebenfalls, dass sie dieses Recht ausüben werden, wenn sie aus welchen Gründen auch immer dazu aufgefordert werden würden.
  4. Ich werde kurz- bis mittelfristig mir eine neue Heimat suchen. Ich werde mein Blog selber hosten. Nach sieben Jahren gehostetem Geblogge ein grosser Schritt für mich. Doof. Aber notwendig. Ohne jede Diskussion. Beim Produkt WordPress möchte ich aber schon bleiben. WordPress.org natürlich dann.

Das war der Schreck in der Morgenstunde. Und eine Lehre. Ich mag nicht auf diese Art gegängelt werden.


37 thoughts on “WordPress.com sperrte Sprechblase heute morgen

  1. Das WordPress Spam vorbeugen will, finde ich gut. Allerdings wäre es sinnvoller gewesen – gerade bei deiner Post-Historie – erst den Kontakt zu dir zu suchen (kaum jemand wird nach so langer Zeit zum Spammer). Zum Umzug kann ich nur sagen, das war für mich als Nicht-Tekkie einfacher als gedacht, die Erklärung bei WordPress.org recht plausibel.
    Cheers

  2. Deine Entscheidung, kurz- oder mittelfristig, selbst gehosted zu bloggen finde ich gut. Ohne das ich von solchen Massnahmen betroffen war, habe ich, nach kurzem fremdgehosteten bloggen, aus Bedenken vor Zensurmassnahmen, meine Bloghütte selbst in die Hand genommen.

  3. mmmhh, sehr ärgerlich und beunruhigend. Mein Blog läuft auch auf WordPress.com, da macht mich Dein Blogpost nicht wirklich froh. Dein Beispiel zeigt, dass man da sehr schnell in des Teufels Küche kommen kann, ohne etwas davon zu ahnen. Und gerade das ist wirklich besorgniserregend. Danke für die ausführliche Darstellung.

  4. Einerseits ja lobenswert, dass WordPress auf Duplicate Content achtet, andererseits zeigt es doch, wie schnell die einem den Saft abdrehen können.

    Da scheint die selbstgehostete Variante die sicherere zu sein, trotz der zahlreichen Nachteile (insb. ständige Updates).

  5. @Cem Basman: Ich habe heute Morgen dieselbe Nachricht erhalten wie du, im Gegensatz zu dir schon zum zweiten Mal. In beiden Fällen hat WordPress sehr schnell reagiert und das Blog wieder freigeschaltet.

    Der AGB-Passus, auf den sich WordPress bei solchen Aktionen bezieht, dürfte dieser sein:

    >> By making Content available, you represent and warrant that: (…)
    the Content is not spam, is not machine- or randomly-generated, and does not contain unethical or unwanted commercial content designed to drive traffic to third party sites or boost the search engine rankings of third party sites, or to further unlawful acts (such as phishing) or mislead recipients as to the source of the material (such as spoofing); (…) <<

    So sehr mich das persönlich auch nervt, kann ich verstehen, dass bei der Auslegung dieser Regel auch mal Fehler passieren. Wenn sie so schnell ausgebügelt werden, wie das bei WordPress geschieht, halte ich sie für verzeihlich.

    Die AGB (Terms of Service) „unterschreibt“ man als WordPress-Nutzer bei der Registrierung. Wenn man mit ihnen nicht einverstanden ist, sollte man halt einen anderen Blog-Provider nutzen.

    Zu guter Letzt: Zensur ist der zitierte Passus natürlich nicht, die können nur staatliche Stellen praktizieren.

  6. Ich habe mir fast schon gedacht, dass du einer der anderen Betroffenen warst, PJebsen.

    Zensur ist der zitierte Passus natürlich nicht, die können nur staatliche Stellen praktizieren.

    Formal hast du zwar recht, aber die Grenzen sind fliessend in der Realität. Schon gar in diesen Zeiten in den USA.

  7. Danke für den Artikel. Ich denke das Missverständnis rührt daher, dass WordPress der Ansicht ist, der Content sei automatisch generiert, und zwar nicht vom Autor. Dabei ist es ja doch der Content des Blog-Autoren. Ich hoffe dass wir das schnell mit WordPress regeln können.

  8. Schön, das ist also erstmal geklärt, aber krass wie WordPress gleich reagiert hat. Wobei die Postings alle älteren Datums sind. Automatisiertes Vorgehen?

    Klare Entscheidung doch selbst hosten! Ich denke Deine Erfahrung bringt manchen dazu auch darüber nachzudenken.

  9. the Content is (…) not machine- (…)-generated

    Heißt, jegliche Form von automatischen Posts, wie z.B. tägliche delicious-Links, sind verboten?
    Eine selbstgehostete Lösung ist wirklich das Optimalste. Webspace und Domains sind nicht mehr teuer. Und WordPress soll ja wirklich einfach zu installieren sein ;)

  10. Danke für deine Intervention, Stephan Mosel (Qype)! Das war sehr schnell von dir reagiert. Deine Begründung hinsichtlich des Contents begrüsse ich und bin der gleichen Ansicht. WordPress.com hat ebenfalls sehr schnell reagiert. Meine Konsequenzen bezüglich WordPress.com bleiben aber davon unberührt.

    Die Diskussion um User Generated Content hat einen neuen Präzedenzfall. Die Diskussion ist nicht abgeschlöossen. Sie geht möglicherweise in die nächste Runde.

  11. Ich denke, die Kriterien, die WordPress.com da nennt, dürften sehr typisch für Spamblogs sein, also hat irgendein Automatismus festgestellt, dass Du über einer bestimmten Schwelle liegst und zugeschlagen. Bei der Masse der Blogs auf WordPress.com (und wenn man sich die Menge der Spamblogs anderswo ansieht) kann man wohl auch kaum anders reagieren.

    Sicher hätte man auch per Mail anfragen oder Dir erst einmal eine Warnung geben können. Ich denke aber, dann würde WordPress.com ein potentiell erkanntes Spamblog noch eine Weile offen lassen, und das wäre wahrscheinlich nicht im Sinne der Erfinder.

    Blog selber hosten? Auch eine Option, aber ich garantiere Dir, dass Du dich über kurz oder lang über die leider notwendigen Upgrades von WordPress ärgern wirst :(

  12. Ic bin ja Blogger.com und hatte noch nie Probleme wegen irgendwas. (Außer mit den wenigen Features) und werde auch weiterhin dort posten. Und zwar weil ich die Abmahnwahneinschüchterungsmaschinerie in Deutschland für für weit aus zensuriger halte, als es ein US-Unternehmen je sein könnte.

  13. @Cem Basman: In welcher Beziehung sind die Grenzen in Sachen Zensur fließend? Eine Insitution ist entweder staatlich (und handelt aufgrund ihrer Auslegung gültiger Gesetze), oder sie ist nicht staatlich.

  14. Was übrigens auch ziemlich nervt, ist das grosse «P», sobald man auf einem bei WordPress gehosteten Blog das Wort «Wordpress» schreibt. Ja bin ich denn die PR-Abteilung von diesem Laden? Oder ist das bei allen WordPress-Blogs so?

  15. Tja, da bleibt ein zwiespältiges Gefühl. Positiv ist auf jeden Fall die schnelle Reaktion von WordPress und auch Qype. Das eigentliche Problem liegt wohl in der Abgrenzung, was spam ist und was nicht. Das kann natürlich jeder Hoster anders auslegen.

  16. ein eigenes Hosting … hat einfach nur Vorteile

    Stimme ich nicht ganz zu. Da nimmt man eine gewisse Aufwand auf sich zu, auch auf Dauer für Sicherheit und Backups. WordPress und PHP sind unsichere Systeme, und müssen ständig auf den neusten Stand gehalten werden.

    Das „Zensur“ Problem ist auch nicht dadurch endgültig gelöst. Jeder Hoster und Provider hat ToS, die beachtet werden müssen.

    Letztendlich aus demokratische Hinsicht würde ich es sehr schade finden, wenn die technisiche Hürden für Blogger zu hoch sind. Jeder soll bloggen können, egal ob man WordPress installierien und pflegen kann oder nicht. Einen Bloglandschaft wo nur Systemverwalter bloggen können wäre sehr uninteressant… und sehr irrelevant.

  17. Ich mutiere langsam zum WordPress-Fan, nachdem in letzter Zeit soviele neue Features eingeführt wurden, aber insgesamt halte ich Blogger für flexibler (um bei den Freebies zu bleiben).

    Wie pjebsen denke ich auch nicht, dass WordPress da Zensur ausübt, schon gar nicht, weil da sicher kein Fritze sitzt und Deine Blogeinträger liest, also nix von wegen Inhalte zensieren. Und potentiellen Spam aufgrund bestimmter Kriteriern abzugreifen, sowas erwarte ich von einem Administrator. Wird übrigens in allen möglichen Firmen ebenso gehandhabt, und nicht nur in Amiland.

    Trotzdem prima, dass Du Dich nun zukünftig selber hosten wirst. Dafür wünsche ich Dir, dass Du vom Upgradeteufel verschont bleiben mögest. Zumindest meinem Mann hats schon mal den ganzen Blog weggeblasen danach… und das wäre jetzt echt dramatisch!!

  18. @Stefani, diese Sache zeigt mir, dass es ziemlich einfach ist für einen Hoister, den Schalter umzulegen. Aus welchem Grund auch immer. Und eine Menge Blogs mundtot zu machen. Warum auch immer. Times are changing maybe.

  19. @Cem Basman: Ich glaube nicht, dass das aktuelle WordPress-Problem irgendetwas mit sich ändernden Zeiten zu tun hat. Fehler sind schon immer vorgekommen.

    Und mit solchen Maßnahmen (ob sie bewusst oder versehentlich geschehen) wird auch niemand mundtot gemacht, der sich entsprechend schützt: das heißt, der sich eine eigene Blog-URL besorgt, die er beim Ausfall eines Hosters jederzeit woandershin umleiten kann; und der von seinem Blog möglichst regelmäßig Backups anfertigt. Letzteres sollte man ohnehin oft tun; egal, was für eine Site man betreibt.

  20. Hallo Cem, ich lese schon eine Weile Dein Blog, kommentiere aber zum ersten Mal.

    Du spricht m.E eine Grundfrage an das sog. Web2.0 an, nämlich wie weit man sich durch die Nutzung solcher Angebote in ungute Abhängigkeiten begibt.
    Es geht – so verstehe ich dich – nicht darum, dass WordPress jetzt tatsächlich Zensur ausgeübt hat, sondern dass man jederzeit mit der Möglichkeit rechnen muß. Das hinterläßt ein ungutes Gefühl.

    Aber – da hat Scott recht – auch ein Hoster kann Deine Inhalte offline nehmen.

    Mir selbst ist auch wohler dabei, mein Blog selbst zu hosten aber so richtig ist mir selbst nicht klar, wo den jetzt der Unterschied liegt und warum das selber hosten hinsichtlich der Möglichkeit, zensiert zu werden, weniger beunruhigend ist.

    Gruß
    Michael

  21. Natürlich gibt es auch Nachteile, wenn man den Blog selbst hostet. Meines Erachtens überwiegen aber die Vorteile ggü. WordPress.com, Blogger, etc.

    Hmmm… Sprechblase.de ist übrigens schon vergeben.

  22. @Michael Baumeister: Noch mal: Man muss nicht mal mit der Möglichkeit rechnen, dass WordPress oder irgendein anderer Hoster Zensur ausübt. Zensieren können nur staatliche Organe.

    @all: Sind euch irgendwelche konkreten Beispiele bekannt, in denen strafrechtlich unbedenkliche Inhalte dauerhaft aus dem Web verbannt wurden? Das klappt ja noch nicht mal bei strafrechtlich bedenklichen Inhalten wie z. B. Nazi-Propaganda …

  23. Ich verfolge diese unselige Diskussion über „Zensur“ und habe bisher versucht, mich zurückzuhalten.

    In der Diskussion wird der Eindruck erweckt, nein, sogar steif und fest behauptet eine „Zensur“ sei nur durch staatliche Stellen möglich. Das ist blanker Unsinn. Ein weitverbreiteter Irrtum.

    Jede Informationskontrolle ist eine „Zensur“. Sei es durch eine staatliche Stelle oder aber auch durch einflussreiche Organsationen. WP.com ist mit über 3 Millionen Blogs, denen sie jeden Moment den Saft abdrehen können, durchaus sehr einflussreich.

    Die perfideste „Zensur“ ist allerdings die Selbstzensur. Die Schere im Kopf. Wenn jemand sich die Informationskontrolle der anderen zueigen gemacht hat. Inhaliert hat.

    Ob jemand eine „Zensur“ im Einzellfall als „berechtigt“ oder nicht empfindet, ist möglicherweise eine politische, eine moralische und eine persönliche Entscheidung. Die will ich hier im Kommentar nicht werten. Dazu ist die Materie zu vielfältig.

  24. @Cem Basman: Du magst das „blanken Unsinn“ oder einen „weitverbreiteten Irrtum“ nennen. Es ändert aber nichts an der allgemeingültigen Bedeutung des Wortes „Zensur“.

    Für mich ist dies deshalb ein wichtiger Punkt, weil meiner Meinung nach bei solchen Diskussionen allzu leichtfertig die verbale „Zensur“-Keule geschwungen wird, auch wenn der Begriff dort gar nicht passt.

    Für mich haben staatliche Zensur und die Einflussnahme von privaten Institutionen eine unterschiedliche Qualität.

    Sofern es sich bei letzteren nicht um Monopolisten handelt, kann man ihrer Einflussnahme dadurch entgehen, dass man nicht ihr Kunde wird und ihre AGB/Terms of Service nicht unterschreibt. So einfach ist das.

    Wenn man hingegen freiwillig Knebel-AGB unterschreibt (ich rede hier nicht von WordPress, sondern meine das allgemein) und die betreffende Firma die AGB anwendet, kann man doch nicht sämtliche Schuld auf den angeblichen „Zensor“ abwälzen.

    Zum Thema WordPress: Sofern wir hier von ihrem kostenlosen Service sprechen, kann man davon so viel erwarten, wie es einem wert ist. Bei einem Vertragspartner, den man bezahlt, hat man meist sehr viel weitreichendere Rechte.

    Das Selbstzensur perfide ist, sehen wir beide sicherlich ähnlich. Wobei ich beim Lesen vieler Internet-Ergüsse nicht den Eindruck habe, dass Selbstzensur hier ein großes Problem ist. Eher das Gegenteil! ;-)

  25. @pjebsen Ohne jetzt Quellen zur Hand zu haben, sind mir einige Fälle in Erinnerung, wo Webspaceprovider auf betreiben großer Firmen Content ihrer Kunden erst einmal offline nahmen, weil diese Firmen behaupteten, sie verstoßen gegen geltendes Recht.
    Das mag ja vom Wortsinn her nicht Zensur sein, (das habe ich jetzt gelernt), das macht es aber nicht besser.

    btw. Selbstzensur kann es doch dann eigentlich auch nicht geben, oder?

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