Alexa & Co: Die Sprechblase und die deutschsprachige Blogosphäre

Mein Blog, die Sprechblase, ist ein rein privates Blog, das aus Spass betrieben wird. Es ist weder blogtechnisch besonders raffiniert aufgebaut noch überhaupt für Suchmaschinen optimiert. Die Wahrheit ist sogar, ich habe kaum nennenswerte Anfragen von Google & Company. Zudem läuft es nicht mal unter einer eigenen Domäne. Es wird gehostet von WordPress. Mit Mühe und Not hält es sich gerade mal unter den Top 50 der deutsche blogcharts, die deutschsprachige Blogs nach Zahl der Verlinkungen eines Blogs innerhalb der Blogosphäre auflistet. Werbefrei ist es auch noch. Es ist ein Blog wie tausend andere auch. Es erfreut sich einer freundschaftlichen Leserschaft und versucht eine angenehme und entspannte Gesprächskultur zu schaffen und zu erhalten. Das war’s.

Dachte ich.

Umso erstaunter war ich, als ich neulich einen Blick in das Neugiertool Alexa warf. Zunächst sah ich eine wildgezackte Kurve zur Entwicklung der Reichweite des Blogs. Eine nach Angaben von Alexa hochgerechnete Zahl von Zugriffen durch tägliche identifizierbare Leser und Nutzer des Blogs. Eine tendenziell erfreulich stetige und positive leichte Aufwärtsbewegung. Ach fein, dachte ich. Dann aber ritt mich der Teufel und trotz aller Schwüre und Betörungen wollte ich doch mal wissen, wie ich denn im Vergleich zu den anderen stehe. Etwas, das mir normalerweise schnurzegal ist. Dann zwei Überraschungen.

Die erste Überraschung: Bei stichprobenartigen Vergleichen mit den üblichen Verdächtigen aus den Top-Blogs bei den deutsche blogcharts stellte sich heraus, dass fast alle im Laufe des Frühjahrs und Sommers einen deutlichen Knick nach unten in der Reichweite der Leserschaft gemacht haben. Ein wichtiger Grund kann natürlich die Umstellung der Alexa Methodik im April 2008 gewesen sein. Doch das allein erklärt nicht alles, denn der Abwärtstrend dieser Blogs ging danach signifikant weiter.

Dann die zweite Überraschung: Die Sprechblase hatte die meisten der Top 50-100 in der Reichweite überholt oder eingeholt. Die Wahrheit ist, die meisten sind ziemlich dicht gedrängt eng zusammen, was eben die Reichweite angeht. Ganz grosse Ausreisser sind sehr selten. Und sie sind nicht die Blogs, von denen man es annehmen würde. Sehr erstaunlich. Es gibt eine deutliche Umwälzung in der deutsprachigen Blogosphäre. Etablierte Blogs leben teilweise nur noch von ihrem Nimbus und müssten sich mal neu erfinden und orientieren (Relaunch?). Junge und frische Blogs haben deutlich an Boden gewonnen. Gut so.

Meine naive Schlussfolgerung daraus: Verlinkungsgrad und Reichweite eines Blogs hängen nicht unmittelbar zusammen. Die deutschsprachige Blogosphäre hat an Reichweite deutlich abgenommen. Blogs sind weniger relevant in Deutschland. Es gibt mehr Wettbewerb auf einem kleineren Markt. Falls das Alexa-Zahlengemenge zuverlässig sein sollte. Schwanzvergleiche machen weniger denn je Sinn und gehören auf die Schultoilette. Und die Sprechblase steht nicht ganz so doof da.

Otto und Ottilie Normalblogger können aufatmen. Die Kaiser haben keine Kleider. Jeder mag nun mit Alexa rumspielen und sein Blog testen. Hier.

Und jetzt aus dem Fegefeuer der Eitelkeiten zurück zu den wichtigeren Dingen. Zum Content.

Update: Chris//Das3Zehn hat in den Kommentaren hier freundlicherweise meine Annahmen etwas gerade gerückt. Danke für den Hinweis!


8 thoughts on “Alexa & Co: Die Sprechblase und die deutschsprachige Blogosphäre

  1. Die kennen mich da gar nicht ;-)

    Zumindest bekomme ich da keinen Graph weil mein Blog nicht gross genug waere. Da bin ich ja jetzt beruhigt ueber meine Unbedeutendheit und freue mich dass soweit ich das mitbekomme komischerweise doch Leser habe. Und darueber dass diese sich ueber das freuen was ich so schreibe (glaube ich jedenfalls).

  2. Ein geschätzter Freund von mir schrieb einmal in seiner (inzwischen gelöschten) kleinen Bloghütte: „Ich erreiche hier mehr Leute, als wenn ich mich tagsüber auf eine Orangenkiste im Hauptbahnhof stelle und dort die Leute vollquatsche“. Recht hat er.

  3. Das liegt weniger daran, das Subdomains berücksichtigt werden, sondern eher daran, das die von dir überprüften Blogs auf 2 unterschiedlichen Servern liegen:
    Non-authoritative answer:
    sprechblase.wordpress.com canonical name = lb.wordpress.com.
    Name: lb.wordpress.com
    Address: 72.233.2.56

    und:
    Non-authoritative answer:
    usaerklaert.wordpress.com canonical name = lb.wordpress.com.
    Name: lb.wordpress.com
    Address: 74.200.243.253

    Daher auch die unterschiedlichen Ergebnisse – einzelne Subdomains werden dennoch nicht berücksichtigt, da wordpress.com natürlich nicht einzelne Server pro Blog verwendet.

  4. Alexa mal außen vor. Mich interessieren da mehr die Anregungen und Schlussfolgerungen. Neu erfinden ist, so glaube ich, nicht wirklich nötig. Neu entdecken. Das wäre es. Und zwar die eigenen Stärken, Kernkompetenzen und neben all den Blog- und Alexa-Charts die eigene Wahrnehmung.

    Wir, fast alle, haben es versäumt den großartigen Vorteil der Blogtechnologie zu nutzen und unser Angebot fest in der Medienlandschaft zu etablieren.

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