Das Prinzip „Registrierung nur auf Einladung“

Es gibt Webangebote und Soziale Netzwerke, bei denen Nutzer sich nur mit einer Einladung registrieren lassen können. Gründe für den Betreiber können sein:

  • nur eine begrenzte Anzahl von Nutzern soll aufgenommen werden, beispielsweise aus Kapazitäts- und Performancegründen zum Launch und zur anfänglichen Erprobung einer Website
  • nur eine bestimmten Zielgruppe von Nutzern mit einem definierten Profil ist erwünscht, wie beispielsweise bei geschlossenen Netzwerken für eine Berufs- oder Interessengruppe
  • durch künstliche Verknappung soll gezielt ein Hype auf die „begehrten exklusiven Plätze“ erzeugt werden

Der mit Abstand wichtigste Grund für jemanden, sich in einem Sozialen Netzwerk registrieren lassen zu wollen, sind Nutzer, die er schon kennt und schätzt und die schon drin sind. Dazu muss er von aussen erkennen können, wer schon registriert ist, auch wenn er selber noch nicht drin ist. Der Mensch ist ein soziales Wesen und die meisten wollen zur richtigen Gruppe oder zum Netzwerk dazugehören. „Zugehörigkeit“ ist ein Statement. So funktionieren beispielsweise Websites für BarCamps. Daher auch die deutlich höhere Registrierungsquote als die Anzahl der Leute, die dann tatsächlich auf einem Barcamp erscheinen.

Nur, wie erhalten Interessenten nun eine Einladung?

Ich habe mich in jüngster Zeit damit beschäftigt. Folgende Möglichkeiten und Varianten sehe ich:

  1. Der Betreiber des Webangebots verschickt unaufgefordert Einladungen an potentielle Nutzer. Einfachste Methode. Kein viraler Effekt. Kann von den Adressaten als Spam aufgefasst werden, wenn es Massenmails sind. Wenn aber diese Einladungen sehr gezielt an einen kleinen Kreis gehen und persönlich begründet sind, kann die Einladung beim Empfänger auch als eine Auszeichnung verstanden werden. Letzteres sollte gut durch rechtzeitige geeignete Vorinformationen und Öffentlichkeitsarbeit vorbereitet sein. Auch eine gute Möglichkeit, um erst eine Kerngruppe von Nutzern zu etablieren, bevor andere Massnahmen angewendet werden. Weitere Untervariante im Konsumgütersektor: Bei jedem Kauf eines Produkts wird ein Token/Zugangscode mit dem Produkt (Verpackung) für eine Website vergeben.
  2. Interessenten bewerben sich ihrerseits um eine Einladung. Der Betreiber kann daraufhin allen Bewerbern automatisch eine Einladung schicken oder aus den Bewerbungen geeignete Kandidaten auswählen. Geringer viraler Effekt. Dieser Effekt kann etwas erhöht werden, indem die Bewerber öffentlich sichtbar in einer Warteschlange eingereiht werden. Interessante Möglichkeit gerade vor dem offiziellen öffentlichen Launch etwas Hype zu erzeugen. Funktioniert aber nur, wenn vorab geeignete PR, Marketing oder Werbung für die Website gemacht wurde. Untervariante: Interessent fragt nicht den Betreiber um eine Einladung, sondern via dem System einen schon registrierten Nutzer! Dazu muss er aber, die ihm bekannten Nutzer sehen und erreichen können.
  3. Registrierte Nutzer verschicken Einladungen an ihre Freunde und Bekannten. Der Klassiker des Web 2.0. Guter viraler Effekt. Die Nutzergruppe kann organisch wachsen. Die Anzahl der Einladungen, die ein Nutzer verschickt, kann unbegrenzt sein oder auch nicht. Ist sie begrenzt und sind alle Einladungsoptionen aufgebraucht, können unter bestimmten Voraussetzungen (Zeitraum, Reputation oder Status des Nutzers) der Vorrat an Optionen erneuert oder aufgestockt werden. Einladungsoptionen können ab einem bestimmten Zeitraum der Mitgliedschaft aktiviert werden oder sind von Anfang an gültig. Hier sind eine Vielzahl von Varianten denkbar. Das ganze ist auch noch mit Belohnungen (Incentives) für den Einlader für jede erfolgreiche Einladung verknüpfbar.
  4. Address Scraping (White Hat Version): Mit Erlaubnis des registrierten Nutzers, startet der Betreiber automatisch einen Bot, der in die Mail-Adressbücher des Nutzers schaut und alle Adressen darin ausliest und prüft, wer von ihnen noch nicht in der Website registriert ist. Hat zwei Effekte: Erstens, dem Nutzer werden alle ihm bekannten anderen Nutzer angezeigt, die schon im System registriert sind, damit er sie gleich kontakten kann. Zweitens, das eigentliche Ziel, zeigt dem Betreiber und dem Nutzer an, wen man denn noch dazu einladen könnte. Die White Hat Version: Der Nutzer wählt nur diejenigen aus, die er einladen will, startet eine automatische Einladungsprozedur. Sehr guter viraler Effekt, da die Eingeladenen eine persönliche Einladung von jemandem erhalten, den sie kennen. Masse statt Klasse.
  5. Address Scraping (Black Hat Version): Das gleiche wie die White Hat Version, nur dass der Benutzer nicht gefragt wird und alle gefundenen Adressen eingeladen werden. Reiner Spam und damit die schlechteste aller Varianten. Das geht gar nicht.
  6. Der Golf Club: Wenn ein Nutzer jemanden einlädt, wird vom Betreiber geprüft, ob der Eingeladene rein darf oder nicht. Zudem verbürgt sich der Einlader für den Eingeladenen durch seine Reputation. Super exklusiv. Klasse statt Masse. Eine Variante die auf dem Barcamp Berlin von Oliver Ueberholz vorgestellt wurde und die in China von einer Website gemacht werden soll, wo Gesichtsverlust eine sehr hohe Rolle spielt. Ausserhalb des asiatischen Raums wohl nicht praktizierbar. Ausserdem ist mir nicht klar, wie man denn ein Fehlverhalten des Eingeladenen bewerten bzw. den Bürgen bestrafen will.

Jede weitere Kombination aus den genannten Methoden ist natürlich ebenfalls gut denkbar. Jeder Betreiber muss für sich dabei entscheiden, ob er „Masse statt Klasse“ will oder „Klasse statt Masse“ in der Community seiner Nutzer. Ob er schnell wachsen will oder nicht.

Fallen jemandem noch andere Varianten ein?


3 thoughts on “Das Prinzip „Registrierung nur auf Einladung“

  1. Hallo Cem,
    schöner Artikel. Bei cityfinger praktizieren wir 3 mit ein wenig 6. 6 insofern, dass man sieht von wem jemand eingeladen wurde. Nur ein Gimmick, wichtiger ist bei uns, dass sich eingelöste Einladungen im Punktestand wiederspiegeln. Ein Aspekt, der hier noch fehlt ist der des Images des SNS selbst. Wir setzen auf enge, intime Grüppchen namens Familien, in der die Benutzer mit ihren strong Ties kommunizieren. Jeder Teilnehmer sieht auschließlich die User und den Content, zu denen er per Familienmitgliedschaft verbunden ist. Ergebnis ist eine völlig andere Ebene der Kommunikation durch die ubiquitäre und kontrollierbare Reichweite und Privatsphäre. Das schließt einige deiner Optionen per se aus. Bsp.: welchen Inhalt sollte ich per Option 1 einem neuen Mitglied zeigen? Eine allgemeine Auffangfamilie verwässert unseren USP.
    Abschließend noch ein Einwand: für mich sind 4 und 5 absolute Nogos, solange der Anbieter das Passwort verlangt. Genau das hat man jahrelang dem Surfer abgewöhnt. Diese Abart ist meiner Meinung nach ein zeitweiliger Zustand solange das Open Web noch nicht da ist: wenn ID Provider u.a. den Social Graph bzw. das Adressbuch hosten, kann das SNS via OAuth darauf zugreifen ohne das Passwort verlangen zu müssen. Chit chat dazu mehr auf dem von Pixelsebi und mir veranstalteten 1. Berliner Open Web Meetup am 6.11. (s. openweb.mixxt.de).
    LG,
    Alex

  2. @Alex, bei der “Registrierung nur auf Einladung” geht es ja darum, dass der Betreiber nicht jeden Interessenten in die Community hereinlassen will. Deshalb wird ihm ein OAuth oder OpenID dabei nicht viel nützen.

  3. Das stimmt so nicht ganz. Das beste Beispiel hierfür dürfte Wer-kennt-wen.de zur Zeit sein. Eigentlich sollte dieses Netzwerk nur auf Einladung zu betreten sein. Andererseits können angemeldete Benutzer Anmeldewillige jederzeit direkt über einen Klick aus der Warteschleife einladen. Dadurch wird 1. eine künstliche Vernetzung geschaffen und 2. ein weiterer Anreiz für schon regestrierte Benutzer. Mittlerweile ist dieser zusätzliche Anreiz, daß die Anmeldewilligen schon über Bots direkt gefarmt werden und eine zusätzliche Vernetzung dadurch eigentlich ausgeschlossen wird.

    Ansonsten ein sehr schöner Artikel

    Gruß

    AMUNO

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