Eine der wichtigsten Entscheidungen eines Unternehmers: Loslassen. (Update)

Eine Geschäftsidee in die Tat umzusetzen und zum Erfolg zu führen, ist eine sehr schwere Aufgabe, die viel Energie und Aufmerksamkeit kostet. Physisch wie mental. Der Erfolg kommt fast nie nicht übernacht, sondern ist das Ergebnis sehr harter Arbeit. Das richtige Team zusammenstellen, es ausrichten, fortlaufend Chancen und Risken im Geschäft zu erkennen, stellen hohe Anforderungen. Das kann, will und darf man nicht ewig machen. Der Unternehmer muss selber zum richtigen Zeitpunkt erkennen, wann der Moment für ihn gekommen ist, loszulassen. Wann er aus der ersten Reihe zurücktreten muss. Einmal, um selbst neue Kräfte zu sammeln und aber auch um frischere Leute ans Ruder zu lassen.

Ferner braucht jedes Unternehmen in jeder seiner grossen Phasen eine andere Unternehmerpersönlichkeit. Gründer sind häufig genug nicht die diejenigen, die in der Reifephase immer die richtigen sind. Gründerväter und -mütter aus der Nachkriegszeit wie Neckermann, Schickedanz, Bauknecht sind traurige Beispiele für das Gegenteil. Übrigens, man sollte nachdem man sich etwas aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, nicht sofort etwas neues anfangen. Das geht meist nicht so gut aus. Man braucht etwas Zeit, um sich auf neue Sachen zu orientieren. Meist ein oder zwei Jahre Pause für neue grosse Aufgaben sind gut.

Das ist kein Rat, sondern meine Erfahrung.

Update: Eben erklärt Lars Hinrichs seinen Rücktritt als CEO von Xing und rückt in den Aufsichtsrat auf. Seinen Platz als CEO nimmt Dr. Stefan Groß-Selbeck, noch Geschäftsführer bei ebay Deutschland, ein. Gratuliere Lars zur richtigen Entscheidung zur richtigen Zeit!


14 thoughts on “Eine der wichtigsten Entscheidungen eines Unternehmers: Loslassen. (Update)

  1. Interessanter Artikel. Auch den Zeitpunkt, den Du gewählst hat.

    Meine Frage stellt sich: Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt, wie erkennt man das ? Tritt der Gründer zu früh zurück, verliert möglicherweise das neue Unternehmen an Drive und verliert dann auf ganzer Linie !?

    Zur Zeit ein Gerücht: Lars Hinrichs von XING soll/will zurücktreten. Das zum Thema Zeitpunkt ;-)

  2. Wie Lars es kommentiert hat in Twitter, es ist ein Gerücht. Mehr nicht. Dieser Post steht nicht damit in Zusammenhang. reiner Zufall bzw eine Assoziatioskette in meine eigene Geschichte und die von anderen Unternehmern.

  3. Ich bin selber Jungunternehmerin und wenn ich mich fragen würde wie lange ich das noch machen will oder ob ich noch die Richtige bin, wüßte ich das etwas nicht mehr rund läuft.

    Ich denke der richtige Zeitpunkt zum Loslassen ist gekommen wenn man anfängt darüber nachzudenken.

  4. Zum Thema „loslassen“ habe ich Pressemeldung, die ich vor knapp 2 Jahren abgespeichert habe (weil ich sie so unglaublich fand):

    Führungswechsel bei Steurer

    Beim Seilbahnhersteller Steurer in Doren wurde der seit längerem erwartete Kommandowechsel durchgeführt. Eigentümer Johann Steurer übergibt
    die Firmenleitung an einen langjährigen Mitarbeiter.

    Übergabe an 36-jährigen Fritz Eigentümer Johann Steurer hat die
    Geschäftsführung im Alter von 93 Jahren niedergelegt, er bleibt aber Alleininhaber des
    Unternehmens. Sein Nachfolger ist der 36-jährige Roland Fritz.

    (Quelle: vorarlberg.orf.at)

    Ein Klassiker…

  5. lieber cem,

    hab dank für den wunderbaren artikel, der einen von zwei möglichen wegen aufzeigt. den schweren, den verstandsorientierten, den, der in der wirtschaftswelt so oft als der eine und einzige weg angesehen wird. der – wenn man die strukturen und intentionen dahinter durchschaut – einem auch sehr klar aufzeigt, warum das so ist.

    doch es gibt andere wege und andere unternehmen, die von leichtigkeit getragen sind, weil jene, die hier agieren, aus ihrer passion heraus leben und sich selbst und das ganze tragen. dort ist jede/r am individuell richtigen platz, kann die eigene kompetenz voll durch.aus.zu.er.leben, hirarchien sind flach bis gar nicht vorhanden. niemand braucht motiviert oder kontrolliert werden, weil es „um die sache selbst“ geht und so ist alle energie frei und wird nicht verschwenderisch in abläufe und prozesse gebunden, die künstlich konstruiert und aufrecht erhalten sind und werden, „um zu“ zu handeln. ich weiß, das ist für all jene schwer bis gar nicht vorstellbar, die diese art von unternehmen und miteinander, von vertrauenskommunikation, passion & spirit und transparenz selbst (noch) nicht erlebt haben. dennoch gibt es sie ganz real und erfolgreich.

    „loslassen“ … auch dies ist eine sichtweise, die inzidiert, dass es noch etwas gibt, an dem man festhält, denn so lange, wie man loslassen will, ist loslassen ja noch nicht erfolgt. daher arbeite ich lieber mit dem bild des „eintauchens“ in etwas neues, denn dies bedeutet auch, dass das neue schon präsent ist, „da“ ist. es schaut ins jetzt und nach vorne, statt zurück. der unterschied mag marginal erscheinen und ist – wie alles andere auch – nur eine entscheidung. eine entscheidung der sichtweise, der perspektive, des blick.wechsels – und der gedanken und gefühle, die mit diesem oder jenen verbunden sind, die es zu einem „giant leap“ in den damit verbundenen auswirkungen für das individuum und durch seine beziehungen immer auch für das kollektiv machen.

    nosce te ipsum: we are faster than we think ! :)

    und dies wird immer bedeutender in einer gesellschaft, die im jetzt unseres gegenwärtigen momentes immer mehr und mehr informationen und entdeckungen mach und in umlauf bringt. nur in unserer persönlichen integrität sind wir darin geborgen und überhaupt erst in der lage, mit diesen zu dealen.

    meine herzliche einladung zu dir und allen interessierten :)

    alles liebe und von herzen alle erfüllung für das, was in dir nur darauf wartet, verwirkLICHT zu werden,

    amaij

  6. Ich stimme dem ganzen Thema weitgehend zu. Gerade auch die traditionell geführte Unternehmen befinden sich ja momentan in Changeprozessen wieder und da heisst es dann ganz besondern „los lassen“. Das ist sehr sehr schwer, sowohl für die Führung, als auch für die Mitarbeiter, aber leider notwendig!

  7. Pingback: Marketing Welten
  8. @lunani
    Als Jungunternehmerin denken Sie – logisch – noch nicht so. Das wäre tasächlich schlecht.
    Aber glauben Sie mir: Jeder Patron, dem niemand zu sagen wagt, was gut für ihn oder für das Unternehmen wäre, hat jenen persönlichen Moment längst hinter sich, in dem er sich genau diese Fragen stellte – und sie dann zur Seite schob.

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