Überzeugend.

ibotweet20081126Ibrahim Evsan, Gründer der deutschen Video Community sevenload, spürt auch die massive Zurückhaltung aller Banker und Finanzdienstleister. Wobei sein Unternehmen vergleichsweise noch gut ausgestattet sein dürfte.

Keine Zeiten für Unternehmer, Selbständige und Freiberufler, die am Markt Geld aufnehmen wollen oder müssen. Keine Zeiten für alle, die keinen langjährigen Anstellungsvertrag bei einem staatlichen oder „krisenfesten“ Unternehmen haben. Die Banken lecken ihre Wunden und haben Angst. Neudeutsch: Rigidestes Risikomanagement. Die demnächst zu erwartenden weiteren europäischen und nationalen Regularien für die Geldwirtschaft, werden das Geschäft mit Geld noch weiter drosseln. Trotz horrender hoher öffentlicher Mittel und Summen, die Risiken der Banken von ihnen abzukaufen. Nicht auszudenken, wenn diese Rosskuren nicht geifen sollten. dann wäre wirklich jeder dran.

Der Schock sitzt sehr tief in den Knochen. Der Übermut der Banker ist ins komplette Gegenteil umgeschlagen. Ganze Volkswirtschaften schmieren langsam ab. Die Politik und die Experten erscheinen orientierungs- und machtlos gegenüber der Situation. Die Angst regiert. Die Finanzdienstleister haben kein Zutrauen in die Zukunft mehr.

Das gesamte gegenwärtige Bild erscheint mir wie ein unentwirrbarer Gordischer Knoten. Sämtliche Patenrezepte funktionieren hier nicht mehr. Die Frage, die sich mir dabei stellt, muss der Knoten mit einem schweren Hieb zerschlagen werden oder ist er doch durch aussergewöhnliche Schläue und Geduld zu lösen? Und haben wir die Zeit, diese Geduld zu haben?

Ich wäre für Zerschlagen, glaube ich. Das geht schneller. Der grösste Teil des globalen Finanzwesens ist in meinen Augen sowieso ein reines Luftgebilde, dem keine echten materiellen Werte mehr gegenüber stehen. Die meisten grossen Institutionen der Finanzwelt kommen mir schon lange vor wie Autokratien. Aber sie haben auch gerade in der New Economy eben ihre Pendants.

Der grosse Sturm hat erst angefangen. Lycos Europe gibt aufTechnorati kürzt Gehälter und Belegschaft, bei HP fällt Weihanachten aus,…


6 thoughts on “Überzeugend.

  1. Ich find’s immer nett, wenn Fremdwörter und bildungsbürgerliches Randwissen wie etwa das vom Gordischen Knoten via Wikipedia-Link erklärt werden.

    Da fühlt man sich als Leser gleich nicht mehr ganz so ungebildet.

    Ansonsten ist der Ansatz, eine globale Finanzkrise via Bauchgefühl zu lösen, natürlich von einer überzeugenden Direktheit. Sollen die Betroffenen der Realwirtschaft halt hungern. „Kollateralschaden“ wäre der passende Begriff (den Wikipedia-Artikel dazu bitte selbst aufsuchen)

  2. Wir backen kleinere Brötchen, aber die Bankgespräche für unsere Expansion laufen zufreidenstellend. Vielleicht gerade weil wir kleinere Brötchen backen.

    Die Zinsen sind sogar 0,5% gesunken seit den Erstgespräch. :-)

  3. Bei solchen Aussagen kann ich es mir nicht verkneifen, von sich selbst erfüllender Prophezeihung zu reden. Wenn man sich dieses Ding namens Finanzkrise anschaut, muss man wohl oder übel zugeben, dass wir Menschen doch wirklich gut darin sind Konstrukte aufzubauen, die dann dafür gut sind, Scheinwelten zu kreieren und wieder zu zerstören. Ich meine damit, dass die Finanzkrise hauptsächlich Schein ist – nicht reales Geld wurde verzockt und drückt uns real auf den Magen. Bei so viel konstruierter, irrealer De-Motivation, wo bleibt da eigentlich die reale Motivation – natürlich nur, um den Schein zu wahren…

  4. Ja. Zerschlagen ist hier und da sicher die sinnigste Variante. Zum Beispiel US-Auto-Konzerne, die Jahre am Markt und am Trend in lobbyistischer Abhängigkeit vorbeiproduziert haben, sollten nicht aufgrund dessen staatlich abgefedert werden, nur weil Sie per Learjet vorfliegend mit Arbeitslätzen und „Volkswirtschaftlichem Schaden“ wuchern/drohen.

    Schade, nur, dass solch ein Kolateralschaden und der Parole „mal wieder brav zurück auf den Boden der Tatsachen“ (Finanzmarktplatz) eine Masse Unschuldige mit reinzieht und ganze Volkswirtschaften in Schieflage versetzt. Diejenigen dieser Spezies, die nach ihrem vorsätzlichen oder zumidest mehr als grob fahrlässig komplett moralfreiem Handeln lediglich Verantwortung per Abfindung übernehmen, sollten vielleicht einmal über eine Art harakiri (Seppuku) als aufrichtig konsequents Handeln nachdenken.

    Das klingt zwar sicher auf den ersten Blick ein wenig heftig, jedoch stellen diese „Kompetenzen“ dann zumindest mit Ihrer Einstellung in Zukunft in anderen Unternehmen keinen Schaden mehr an, liegen ihrer bisherigen Firma nicht mehr auf der Tasche und bringen keine Existenzen mehr in den persönlichen und wirtschaftlichen Ruin.

    Ich meine damit nicht die, die bisher „mir das meiste“ gearbeitet haben. Denn das tun wir im Gro und Ganzen ja ziemlich allesamt. ich meine die, die bei sich selbst umsichtig, vorausschauend und hoch veranwortungsvoll profitabel wirtschaften – wenn es aber um andere geht, komplett rücksichts- und Verantwortungslos los in die ganz andere Richtung denken.

    Häufig war das ja im Finanzanlagegeschäft erkennbar. Niemand kann da einem erzählen, dass man das ja nicht hätte ahnen können. Dafür sind sie allesamt ja für die eigene Tasche selbst zu klug gewesen.

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