Manchmal geschehen doch Wunder

Heute hatte ich ein kurzes Gespräch via Twitter anlässlich der jüngsten Ereignisse im Gazastreifen. Der jahrzehnte anhaltende kriegerische Konflikt zwischen Israelis und Arabern, zwischen Juden und Moslems. Jemand meinte, diese ganze Sache sei sehr viel komplexer, als dass ein magisches Gespräch es „fixen“ könnte. Schuld sei der radikale Islam. Eine andere Stimme meinte im Gegenteil, Israel sei die Ursache. Dritte meinen, Krieg ist keine Lösung. nur das Gespräch wird Israel und die Hamas erlösen. Etliche Staatsoberhäupter der Welt haben sich schon in dieser Angelegenheit vergeblich nicht ganz ohne Eigennutz als Vermittler versucht und sind kläglich daran gescheitert. Man kann in dieser Situation eigentlich nur noch auf Wunder hoffen.

Das erinnert mich an den über 500 Jahre alten Konflikt zwischen Griechen und Türken. Eine alte blutgetränkte, bittere und geschichtsträchtige Feindschaft. Von der Besetzung Griechenlands durch das Osmanische Reich bis zu den EU-Verhandlungen. Hoffnungslos, diesen Konflikt zu lösen. So schien es. Bis vor kurzem.

Manchmal geschehen dann doch Wunder. Und machmal braucht man Wunder, um unüberbrückbare Gegensätze und Konflikte zu lösen. Manchmal helfen Gespräche und Verstand nicht mehr weiter. Keine Appelle an die Vernunft der Gegner. Manchmal brechen aber auch ganz einfache Taten hoffungslos verhärtete Fronten auf. Ganz ohne Worte.

So ein Wunder geschah im August 1999 beim verheerenden Erdbeben in der Türkei, östlich von Istanbul, bei dem damals fast 18.000 Menschen starben und rund 44.000 verletzt wurden. Viele Nationen schickten sofort ohne zu zögern Hilfstruppen, schweres Räumungsgerät und portable Lazarette in das Katastrophengebiet. So auch Griechenland. Die Bilder der griechischen Hilfskräfte gingen durch die türkischen Medien. Ohne grosse Worte und Kommentare. Die Bilder beeindruckten. Wenige Wochen danach gab es ein mittleres Beben bei Athen, worauf die Türkei augenblicklich Hilfe vor Ort sandte. Diese beiden Ereignisse veränderten das Verhältnis zwischen den verfeindeten Nationen vollkommen. Die Veränderung ging nicht von den Politikern aus, sondern von der Bevölkerung, auch wenn die Regierenden die gegenseitigen Hilfsmassnahmen angeordnet hatten. Die Bevölkerung verstand diese Geste und die Bilder sprachen für sich.

Unmittelbar danach wurden offizielle Gespäche aufgenommen. Ziemlich schnell normalisierte sich das Verhältnis zwischen den Türken und den Griechen. Heute gibt es einen sehr regen Tourismus und einen intensiven Warenaustausch zwischen beiden. Viele Griechen, die in den zwanziger Jahren aus der Türkei vertrieben worden waren, sind sogar wieder in ihre ehemaligen Wohnorte umgesiedelt. Ich selber war als Türke im Jahr darauf zum ersten Mal in Griechenland und war sehr angetan von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft dort. Ich bin sehr glücklich, dass sich das Verhältnis zwischen beiden Nationen so gut entwickelt hat und diese Feindschaft begraben worden ist.

Ich habe keine Rezepte für einen Frieden im Nahen Osten. Aber man darf die Hoffnung auf eine Lösung nicht verlieren. Manchmal ist es ein Wunder oder eine einfache menschliche Geste, über die man nicht viel sprechen muss. Wenn Türken und Griechen eine 500 Jahre alte tiefverwurzelte Feindschaft praktisch über nacht überwinden können, wird es Israelis und Arabern nach gerade mal 60 Jahren auch gelingen können.

Es gibt sicher viele Gründe, gegen eine Verständigung zu sein, aber nur einen einzigen dafür. Den wahren.


23 thoughts on “Manchmal geschehen doch Wunder

  1. While I’d like to believe that the previous situation between Greece and Turkey would have been a viable benchmark point, unfortunately reality, from my perspective, is somewhat different.

    The earthquake was indeed a catastrophe, and Greece’s willingness to extend a hand in aid was admirable. Set to scale, Palestinians and Israelis alike will mention that life in the Gaza Strip is catastrophic from a day-to-day perspective, however the international media has largely chosen to ignore the little-known fact that Israel has provided and continues to provide the Gaza Strip with electricity infrastructure, water, communications systems and medical aid. When the situation between the Hamas and the Fatah escalated, injured parties from both sides sought refuge inside Israel and were treated at Israeli hospitals. Israeli organizations routinely operate inside of the Gaza Strip in order to distribute food and supplies.

    Inside Israel, pictures of Israeli/Palestinian cooperation are routinely shown in the Israeli media. Palestinian media professionals are routinely interviewed and the stories of life inside the Gaza Strip are aired. The same, unfortunately, cannot be said of reporting by the Gazan media specifically and Arab media reporting in general. If the Turkish media would have chosen to ignore the Greek aid and not report on it, the situation today between Turks and Greeks may have very well been different.

    For any type of „miracle“ to happen in the future, Israel needs to uproot it’s settlements outside the borders and the Palestinians need to stop indoctrinating their children to murder. The situation will not get any better before the Palestinian people have something to live for, and no longer feel like they have nothing to lose. I believe Israel needs to take a harsh stand against the Hamas, an organization which is bittering the lives of both the Israeli and Palestinian people in the Gaza Strip. Under Hamas, international aid money (and Israeli money, including the taxes I continue to pay) has been directed towards trafficking and deployment of weapons. Since the Hamas took power in the Gaza Strip, what existed of the Palestinian economy and the quality of life in the region has plummeted. Israel needs to go into the Gaza Strip (despite the controversy) uproot the Hamas (for the sake of both peoples) and start controlling and distributing aid directly (instead of just funneling money globally, like they do now), while investing finance into Palestinian businesses and promoting Palestinian grassroots organizations to build up the Palestinian economy towards self-sustainability. The moment this happens, international businesses will take notice, and the Palestinian economy will boom – leading towards a new era of cooperation and security.

    This is why I am not entirely shocked or horrified by the situation in the Gaza Strip in the past few days. Olmert himself (who I am not normally a fan of) had a moment of honesty and clarity when he declared to the Israeli media: „It is going to get worse before it gets better, for both sides of this conflict“. I can only hope that the decisions made from this point forth will be beneficial towards both peoples. It’s going to be rough, but we’ll get there eventually.

  2. Waere ich ein Optimist, wuerde ich nach deinem Blogbeitrag, Cem, sagen: Ein gutes Beispiel, warum man Hoffnung nie aufgeben kann.

    Waere ich ein Pessimist, so wuerde ich sagen, dass ich keine 440 Jahre warten moechte bis es in dieser Region wieder friedlicher zugeht.

    Ich bin nicht dafuer, die Hoffnung aufzugeben. Die muss weiter existieren und sie ist auch da, sonst wuerde es nicht zu zyklischen Kaempfen kommen – es gaebe einfach Krieg ums ueberleben. Davon bin ich ueberzeugt.

    Die politische Realitaet laesst allerdings wenig Platz fuer eine rationale Auseinandersetzung mit dem Thema zu und das es nach 500 Jahren zwischen Griechen und Tuerken die ersten Fortschritte gab ist fuer die Menschen heute ein geringer Trost. Vor allem fuer die im Gaza Streifen, die unter den schlimmsten Bedingungen leben muessen und als erste die Konsequenzen eines politischen Spiels sind.

    Eins ist klar: Israel, wenn es handelt, tut es immer hart und es kommen dabei unzaehlige Menschen ums Leben. Fuer mich ist aber eine weitere Sache klar: Die Hammas will genau das erzielen. Sie lassen Israel immer wieder in eine PR-Falle, die sie sehr gut konstruiert haben, so das Israel gar keine andere Wahl hat als in diese Falle rein zu laufen.

    Die Situation ist tragisch, traurig und sehr zermuerbt durch Emotionen. Doch ich bin davon ueberzeugt, dass die Hoffnung noch nicht gestorben ist, sonst sehe es alles schon anders aus.

  3. Thank you for your detailed comment, Liron.

    Btw, Israeli save and rescue were one of the very first forces on the scene to help after the earthquake. Turkey has traditionaly good relations to Israel. Turkey was the first and only muslim country which had recognised Israel as a state at their day of independence in 1948.

    Saying this, the earthquake incident 1999 is only a metaphor to show how radical things can change within a few days from a hopeless and trapped situation. The pictures of the earthquake in Istanbul were an emotional tipping point for the people. In that situation Greece didn’t do it for political reasons I believe. It was an altruistic human reaction. They know earthquakes as well as the Turks. Both Greeks and Turks share the same natural dangers and catastrophes. They understood they are in the same situation and showed solidarity in a very natural way. I think, that was the key to that moment.

    It has not be a catastrophe like the earthquake. It could have been anything else. I know the political situation is extremely complicated down there. But war is not the answer to it on the long run.

  4. @Igor

    You said: „Israel, wenn es handelt, tut es immer hart und es kommen dabei unzaehlige Menschen ums Leben.“

    This was the point. Israel is intent on destroying the Hamas as a defensive measure, Palestinian sources have confirmed that the overwhelming majority of the nearly 300 killed were members of the Hamas. As it stands, less than 20 Palestinian civilians have been confirmed killed. While this isn’t a low number, considering the density of Gaza City and the location of Hamas buildings inside residential areas, it is quite miraculous.

  5. @igor die situation ist tatsächlich traurig und verfahren. traurig,

    aber von einer „PR-Falle“ zu sprechen, wenn Israel mit Vergeltungsschlägen massiv Menschen tötet, Vergeltungsschläge für eine Situation, die durch die Unterdrückung der Palästinenser seit Jahrzehnten geschürt wird, finde ich nicht angemessen.

    und die situation ist ja auch anders verfahren, als sie es im konflikt türken/griechen war. Hier ist die UNO gefordert, einen Fehler, den sie damals gemacht hat irgendwie wieder gut zu machen. Ich denke, es ist ein Fehler, die Situation durch Gespräche Hamas/Israel gelöst haben zu wollen.

    Da muss ein „neutraler“ dritter her, wie auch immer das aussehen könnte. Und dieser dritte braucht breite unterstützung, von den Britten, von USA, von Deutschland – und von den Ländern in der Region. Aber solange alle nur zuschauen, wie die Gewaltspirale eskaliert und Israels Armee als militaristischer Staat völlig überzogen reagiert, ohne Rücksicht auf Menschenleben – solange wird sich da nix zum positiven wenden befürchte ich.

  6. @Liron Israel didn’t succeed in destroying Hammas ability to attack Israel. It never really have and it probably isn’t going to with this attack either. Bottom line is, that Israel is showing everybody – again and again – that’s not going to wait for any talks, if it’s being attacked. And that’s obvious and probably the only choice they actually do have, but it’s not going to be effective.

    And concerning the body count: Right now, I’m not really sure, that anybody can actually get the numbers straight, so I’m waiting for past-conflict reporting to confirm the actual body count.

    @seb Ich spreche von den Absichten der Hammas und ich bin sehr davon ueberzeugt, dass sie das machen, weil sie wissen, dass es einen Gegenangriff von Israel geben wird und das dieser, dank der emotional aufgeladenen Berichterstatung, nicht immer vorteilhaft fuer Israel ausgehen wird. Außerdem ist Israel der de facto staerkere Gegner in diesem Konflikt, weil das Land ein maechtiges Militaer besitzt und sich nicht scheut sich zu verteidigen (warum sollte es auch).

    Was die Hammas weiss ist aber eigentlich auch das was du ansprichst: Die Weltoeffentlichkeit mischt sich in diesen Konflikt ein und jeder, der zwischen den Parteien als Schlichter fungieren wird, kann und wird beeinflusst durch die Berichterstattung, durch die eigene Motivation und durch die Meinung seiner Buerger (wenn wir hier von Staatsoberhaeupten sprechen).

    Wenn es also nach den aktuellen Angriffen wieder zu Gespraechen kommen wird, kann es, fuer Israel, nicht die optimale Ausgangslage sein um zu verhandeln. Das wissen beiden Parteien. Israel ist das sehr wohl bewusst, doch es bleibt ihnen nichts anderes uebrig als den kommunikativen Nachteil in Kauf zu nehmen, weil sie sonst als schwach darstehen wuerde und Schwaeche ist, wenn man mit dem Ruecken zum Meer steht und drum herum nur Nachbarn hat, die im besten Fall eine negativ gefaerbte Neutralitaet vorspielen, eine Schwaeche die sich Israel einfach nicht leisten kann.

    Das ist definitiv keine Rechtfertigung fuer die Handlungen von Israel. Ich finde die Einsaetze sehr hart und nicht immer angemessen. Es wurden auch schon mehr als genug Fehler auf israelischer Seite getan aber letzlich ist es eine ausweglose Situation fuer das Land, welches nur gegen Terroristen kaempft, die sich unter der leidenden Bevoelkerung verschanzen um moeglichst viele Opfer zu provozieren.

  7. Liron, you seem to try looking at this in a kind of neutral way, however the picture of Israel as a victim just re-acting is of course not completely true. For Palestinians they are still a occupying force oppressing them – and that of course is also not completely false.
    The problems are the forces in both parties that won’t accept the others as equal with the same human rights. As long as there’s no independent Palestine that recognizes Israel and the other way round there won’t be peace.

  8. @Martin

    I wouldn’t say I’m being neutral. After serving two years in the IDF as part of the Spokesperson’s unit, being a big sister to a former IDF navy commando (who served off the coast of Beirut during the war in Lebanon) and another who is currently deployed in the IAF (Israel Air Force) and especially after having acquaintances and former school mates killed by Palestinian militants, it’s very difficult for me to be sensitive towards the plight of the palestinian people. But I’m trying.

    The State of Israel has been advocating a two-state solution for a very long time. The Palestinian authority has officially rejected a proposed plan twice.

  9. Wie ich schon in meinem eigenen Blog schrieb: Die Situation wie sie jetzt ist, wurde von den Extremisten geradezu herbeigesehnt. Es braucht nicht einmal ein Wunder, um einen Status zu erreichen, der dem Frieden schon sehr nahe kommt. Eine Zwei-Staaten-Lösung gäbe es schon längst und es gäbe keine Alternative zu ihr, würden die Extremisten nicht immer wieder jeden Schritt zur Verständigung buchstäblich bombardieren. Die Hamas braucht die Extrem- und Ausnahmesituation als „Nährstoff“. So wurde ja auch ein Versorgungsengpass inszeniert und jede Hilfslieferung blockiert um dann auf die ausweglose Situation hinzuweisen. Im Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland gab es keine Regierungspartei, die ihrem Volk schaden wollte, um ihren Machterhalt zu sichern.
    Frieden kann es geben, wenn da nicht noch jemand ein zusätzliches Süppchen auf Kosten der Bevölkerung kochen würde und das scheint mir einer der wichtigsten Punkte zu sein. Und weil das wichtig ist, bemüht man sich ja auch, den Antisemitismus schön am köcheln zu halten. Ich würde deshalb nicht von einer „Gewaltspirale“ sprechen, sondern vielleicht eher von einem Motor…
    Es ist ja nicht so, als gäbe es in Israel keine Empathie für die „andere Seite“ – die großen Zeitungen berichten ja über die Situation. Es braucht also kein Wunder (vielleicht allerhöchstens, dass die Bevölkerung ein Einsehen hat und die Hamas fortjagt); sondern nur die Möglichkeit einige der Befriedungspläne auch mal ungestört umzusetzen…

  10. @Chajm, die Situation 1999 zwischen der Türkei und Griechenland war insofern anders als in Palästina heute, dass es an der Ägeis zwei souveräne anerkannte Staaten gab und das Zeitfenster für eine Annäherung gerade sehr günstig war. In Ankara herrschte eine gemässigte grosse Koalition aus Sozialdemokraten und den religösen MHP.

    Trotzdem war damals die Entwicklung sehr überraschend und in der Folge sehr schnell. Solche kurzen Zeitfenster haben beispielsweise auch die Deutsche Wiedervereinigung möglich gemacht oder auch auch den Fall des Eisernen Vorhangs. Ich bin sicher, das auch Nord- und Südkorea zum geeigneten zeitpunkt ein Fenster für eine grosse Annäherung finden werden.

    Positive Überraschungen brauchen auch Rahmenbedingungen. Aber den Mut zur Initiative muss man dann auch finden. Genauso überzeugt bin ich davon, dass auch im Nahen Osten solche Zeitfenster existieren (werden).

    Die vernüftigste Lösung dort erscheint mir als Aussenstehender, eine Zwei-Staatenlösung zu sein. Jede mit einem geografisch geschlossenen Territorium ohne Enklaven. Dabei gibt es sicher eine grosse Diskusion um das Stadtgebiet von Jerusalem.

    Im bin weiterhin davon überzeugt, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen keinen Krieg und keine gewältätige Lösung wünscht. Der Streit, wer die Kriege in Palästina angefangen hat und wer Schuld an was ist, ist für mich mittlerweile akademisch und ich würde es gerne den Historikern überlassen. Für eine Lösung bringt es nichts. Genausowenig wie gegenseitig Leute wegbomben zu wollen.

    Auch die beste und erfahrendste Armee der Welt kann gegen eine Guerilla nichts ausrichten, wie auch umgekehrt selbst eine hervorragend motivierte und ausgebildete Guerilla gegen eine höchstaufgerüstete Armee auf engstem Raum nicht wirklich militärisch gewinnen kann. Es ist ein wackeliges Patt. Bei diesem „Spiel“ kann keiner grundsätzlich gewinnen. Wie Clausewitz es schon gesagt hatte, die Strategie der Kriegsführung ist der Frieden, alles andere ist Taktik und Operation.

  11. @Igor, am interessantesten finde ich den Schlussabsatz:

    „There is palpable satisfaction at the moment in the Israeli government and the military because the operation so far is seen as a success. Few have focused on the fact that at this stage in the 2006 Lebanon war, there was the same satisfaction — before things turned disastrous.“

    Genau das befürchte ich. Mit Macht- und Militärpolitik kann man auf Dauer keinen Frieden finden. Das gilt allerdings für beide Seiten.

  12. Selbstverstaendlich. Er hat ja auch sehr gut dargelegt, welche unterschiedlichen Interessen im Moment dahinter sind. Wahlkampf als (Teil)Motivation fuer einen Krieg ist schon sehr grenzwertig. Das ist ja auch das Problem: Es gibt nicht eine Motivation und nicht eine Antwort auf dieses Problem. Es spielen unterschiedliche, egoistische, fatalistische Motivationen eine Rolle und das zu loesen ist, im besten Fall, fast unmoeglich.

  13. Vollkommen richtig, es ist unerheblich herumzustreiten, wer als erster irgendeine Aktion in der Vergangenheit ausgeführt hat. Das ist wohl auch das Geheimnis der Blitzbefriedungen… Die Situation ist verfahren. Ich sehe die Lösung in der Überwindung der Hamas – was andere wiederum anders sehen.
    Militärisch allein kann das allerdings nicht passieren. Man muss auch Alternativen aufzeigen. Ich hoffe immer noch auf den großen „Klick“ in den Köpfen der Menschen.

  14. Igor Schwarzmann schrieb:
    > Es wurden auch schon mehr als genug Fehler auf israelischer Seite getan aber letzlich
    > ist es eine ausweglose Situation fuer das Land, welches nur gegen Terroristen
    > kaempft, die sich unter der leidenden Bevoelkerung verschanzen um moeglichst viele
    > Opfer zu provozieren.

    Das ist etwas, was im Westen nie verstanden wurde. Die Hamas ist die Bevölkerung und die Bevölkerung ist die Hamas. So wie: die Taliban sind die Afghanen und die Afghanen sind die Taliban (gilt für: den Süden und den Osten des Landes).
    Zur Hamas: Es gibt kein verstecken, sondern sie sind Teil der Bevölkerung und eine demokratisch gewählte Regierung.
    In Deutschland wird sowohl in der Schule als auch in den Medien nur eine Seite des Konflikts gelehrt und gezeigt, und zwar die der stets-leidenden Israelis und die der „terroristischen“ Hamas. Wieso Palästinenser für ein von Deutschen verursachtes Problem leiden müssen ist dort niemandem ersichtlich – sie sind ein ihnen von außen aufoktruiertes Problem und als solches zu bekämpfen.
    Vergessen sind die Irgun (ihr Führer Menachem Begin wurde später israelischer Ministerpräsident), Stern und andere israelischen Terrororganisationen die mit Gewalt, Mord und Bomben die britischen Besatzer bezwungen haben, was letztlich zur gewaltsamen Gründung eines Staates namens Israel geführt hat. Nun wundert man sich, daß man als Besatzungsmacht (ja, der Gaza-Streifen ist dank Israel nicht lebensfähig) nun selbst bekämpft wird. Die Hamas wurde einst von Israel als Gegenpol zur PLO unterstützt, nun sät Israel was es geerntet hat und das ist sicherlich auch gut so, denn langfristig werden auch die Israelis ihre Strategie gegenüber Palästina überdenken müssen.

    Die Hamas wird aus dem aktuellen Konflikt nicht als militärischer Sieger hervorgehen, aber für die muslimische Welt als moralischer Sieger – und das war Sinn und Zweck der Aktion.

    Chajm schrieb:
    > Eine Zwei-Staaten-Lösung gäbe es schon längst und es gäbe keine Alternative zu ihr,

    Die Zwei-Staaten-Lösungen sahen bisher kleine palästinensische Inselgebiete vor die keinen lebensfähigen Staat hervorgebracht hätten – umgeben von israelischen Soldaten die nach eigenem Gutdünken kontrollieren, wer wann von Insel A nach Insel B reisen darf. Schaut man sich an, wie klein dieses Gebiet geworden ist – seit 1967 – dann verzichtet man als Palästinenser gleich darauf und legt es auf den gewaltsamen Kampf an.

    > würden die Extremisten nicht immer wieder jeden Schritt zur Verständigung
    > buchstäblich bombardieren.

    Ja, diese israelischen Extremisten, genannt „Politiker“, töten, verhaften und foltern die palästinensische politische Schicht – und wer soll die Friedensverträge dann unterschreiben? Schon vergessen, was bei den letzten Wahlen los war, wieviele palästinensische Politiker plötzlich verschwunden sind und nicht freigelassen wurden?

    > Die Hamas braucht die Extrem- und Ausnahmesituation
    > als “Nährstoff”. So wurde ja auch ein Versorgungsengpass inszeniert und jede
    > Hilfslieferung blockiert um dann auf die ausweglose Situation hinzuweisen.

    Israelische Propaganda – ist mittlerweile ein running gag in der arabischen Welt. Wer Raketen in das dichtbesiedeltste Gebiet der Erde (Gaza) feuert über den wundert man sich auch nicht, wenn er Kinder im Gazastreifen aushungert.

    Gaza wurde mit dem Beginn des islamischen Neujahrs 1430 (seit gestern Nacht) mit Raketen beglückt, die Hamas und andere Organisationen werden sich bis zum nächsten Rosh Haschana sicherlich bedanken.
    So langsam entsteht der Eindruck Israel legt es nicht wirklich auf Frieden an.

  15. @Rias

    „Die Hamas wird aus dem aktuellen Konflikt nicht als militärischer Sieger hervorgehen, aber für die muslimische Welt als moralischer Sieger – und das war Sinn und Zweck der Aktion.“

    Bei diesem Konflikt haben bisher alle verloren. Es gibt keine Sieger und Besiegten hier. Wird es voraussichtlich auch nicht geben. Weder moralische noch militärische oder politische. Auge um Auge, Zahn um Zahn erzeugt einen fatalen Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. Ich kann in diesem Konflikt keinerlei Strategie mehr erkennen. Von keiner Seite.

    Der grösste moralische Sieg, den beide hier erreichen können, wäre sich gegenseitig zu respektieren und sich gegenseitig die volle, uneingeschränkte und absolute Souveränität zuzugestehen. Das wäre ein sehr grosser historischer Moment mit Vorbildcharakter für alle Konfliktherde dieser Welt. Ein Moment von Grösse und höchster Ehre für beide Völker und ihre Führer. Es wäre ein Jahrtausendereignis von grösster Tragweite.

    Dieser Moment ist machbar. Ich bin davon überzeugt. Das Wunder liegt allein in der Hand der Handelnden beider Seiten.

  16. @Cem

    Verloren haben bisher die Palästinenser, denn in den letzten Jahren betrug das Verhältnis ca. 1:14 (1 toter Israeli auf 14 tote Palästinenser).

    Was getan werden _sollte_, was ehrhaft _wäre_ und was ein Zeichen großer Tragweite setzen _würde_ ist eine andere Sache. Bis allerdings dieser Zustand erreicht ist, wo die Führer beider Seiten eine gerechte Lösung finden, geht es nun einmal um Auge um Auge und Zahn um Zahn und darum, wer für den Moment (!) militärisch, politisch oder moralisch siegt.

    Ein Résumé über Gewinner und Verlierer kann gezogen werden wenn Frieden herrscht und eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden wurde – und dann wird man vielleicht zu dem von Dir genannten Ergebnis kommen.

  17. The fact that the number of Israeli casualties is lower on the Israeli side is nothing more than a strong sign that Israel’s military is making an effort to protect it’s citizens. If the state of Israel had a weaker military, not only would the number of Israeli casualties be higher, but the state of Israel would probably not exist. Israel should not (!) have to apologize for having the military power and the determination to protect it’s own citizens who are being constantly attacked from most of it’s borders. If Israel is being attacked from it’s borders in the south and it’s borders in the north, is it has been constantly and consistently in the past decades, it is obligated to protect it’s citizens who are living close to the border inside of the country. Two summers ago it was Haifa and the Krayot, today it is Ashkelon and Sderot. People are dying in these cities, their houses are being rocketed. The fact that they have a strong military sworn to protect them, does not make their deaths any „less worthy“ on any scale. These are also people – with families, homes, and children.

    This is, contrary to popular belief, very well „hidden“ by the western media. Today, the following Spiegel report had me very much surprised in that this issue was at all raised: http://www.spiegel.de/video/video-44637.html

  18. I will close this comment thread now. I think all arguments have been said and I don’t like the body count approach which I believe leads to nowhere. Thank you all for commenting.

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