Chancen von Magazinformaten im Web

Alexander Becker hat bei meedia einige Webunternehmer befragt, ob sie Basic Thinking kaufen würden. Ihre Antworten waren im unterschiedlichen Grad zurückhaltend bis ablehnend. Die Verkaufsabsichten dürften nicht unproblematisch sein.

Ich sehe das so: Das Problem mit „Basic Thinking“ beim Verkauf ist, dass es von Anfang an weitgehend als ein sehr persönlich gefärbtes Blog aufgezogen wurde. Das ist in diesem Einzelfall natürlich durch Robert historisch bedingt. Wäre es ein Magazin mit Fakten, Nachrichten und Meinungen zum Webgeschehen und hätte es wie beispielsweise TechCrunch oder die Calacanis Publikationen einen professionelleren Charakter, würde die Verkaufsidee und ihre Chance dafür komplett anders aussehen. Der Inhalt und die Präsentation sind entscheidend, nicht nur die Reichweite. Ich halte auch ein Autorenteam für wichtig, nicht nur einen Einzelnen. Damit ist die Bindung und Idfentifikation mit einem einzelnen Blogger etwas schwächer. Eine der wenigen Ausnahmen mag stylespion von Kai Müller als Einzelkämpfer sein.

Grundsätzlich gebe ich professionellen und journalistischen Magazinformaten im Web sehr gute Chancen. Ich halte sie sogar für die Zukunft.


12 thoughts on “Chancen von Magazinformaten im Web

  1. Ich kenne Robert nicht, also habe ich mich bisher ein bisschen damit zurueck gehalten, diesen „Verkauf“ (warten wir noch ab, ob es ein Stunt ist?) zu kommentieren. Aber mal ehrlich: In dem Blog gibt es eine solche Haeufung von Eintraegen aller Art, dass fuer jeden etwas dabei ist. Das ist alles. Wenn ich die Eintraege so lese, dann gibt es eine 9/1 Teilung von vergeudeter Zeit zu Nutzen. Damit erreicht er neunmal soviele Leute hat aber keinen soliden Themenbereich. Als Second Life in den „Medien“ gepusht wurde, kannte er sich dort ploetzlich aus. Wird mal jemand abgemahnt, hat er sicherlich eine Meinung dazu. Das alles sind „Merkmale“ eines privaten Blogs. Das laesst sich nicht verkaufen.

    Dann gibts da diesen geradezu laecherlichen Zwang, deutsche Blogs mit amerikanischen zu vergleichen. Sorry, aber wuerdest du dein Blog mit dem Blog eines japanischen Schulmaedchens vergleichen wollen? Aepfel und Birnen. (Nicht mal japanische und europaeische Aepfel koennen verglichen werden.) Egal. Ich habe da irgendwo gelesen „manch einer nennt das Blog das deutsche Techcrunch“. Ich habe lange laut und auf dem Boden gekruemmt gelacht. Nichts fuer ungut, aber Techcrunch hat bestimmt eine Rechtschreibpruefung, bringt keine Eintraege, die meine Mutter verfassen koennte (schoen waere es, man stelle sich einfach vor Robert kuckt sich „American Beauty“ an und beschwert sich, dass da staendig rote Rosen sind. „Das zieht sich wohl als Motto durch den ganzen Film?“) und mixt seine Eintraege nicht so durcheinander.

    Was die meedia-Befragten alle relativ gleich sagen ist, dass das Blog eigentlich nicht nutzbar ist ohne Robert. Ich finde auch, er wird das Ding nicht an jemanden los kriegen koennen, der in einem Jahr unter dem Blogtitel noch unterwegs ist. Nicht zum gewuenschten Preis, nicht mit dem gewuenschten Ergebnis.

    Aber Traffic hats gebracht.

  2. Die persönliche Note und die „Credibility“ von Robert Basic war ja zum großen Teil das, was den Blog ausgemacht hat, die kann Robert Basic nicht mit verkaufen. Bem „privaten“ Blogs transportiert die persönliche Note Authentizität und somit auch Vertrauen. Die persönliche Note kann Robert Basic aber nicht verkaufen, die wandert ab.
    Für mich stellt sich die Frage, ob es interessant ist, die Links und die „Bürde“ eines der erfolgreichsten Blogs Deutschlands (und damit die entsprechenden Erwartungen“ zu kaufen. Das Vertrauen muss man sich erst wieder erarbeiten.

    Außerderm läuft die aktuelle Diskussion in eine Richtung, dass man schon sehr mutig sein muss, um jetzt noch zuzuschlagen – „Alle sind dagegen!“. Den Blog kann nach dem Meedia-Artikel doch nur noch jemand kaufen, der ein großes Risiko nach dem Motto „Totgesagte leben länger“ eingehen möchte. Diese Vorraussetzung bringen in der Regel aber nur wenig Geld.

  3. @Patrick, ich wollte nicht deutsche TechBlogs mit TechCrunch vergleichen. Ich finde aber, dass man sich international einiges abgucken kann und von erfolgreichen Blogformaten etwas lernen kann. Zu denen zählt sicher auch TechCrunch. In Deutschland haben wir keine wirklich erfolgreichen und sehr gut gemachten Blogformate. Auch keine Magazinformate. Ich finde das ist ein Feld, wo es sich lohnt mal darüber nachzudenken und einiges auszuprobieren. Ganz im Sinne auch u.a. von Don Dahlmann.

  4. „In Deutschland haben wir keine wirklich erfolgreichen und sehr gut gemachten Blogformate. Auch keine Magazinformate. Ich finde das ist ein Feld, wo es sich lohnt mal darüber nachzudenken und einiges auszuprobieren.“

    Richtig, bleibt die Frage warum?

  5. Gute Frage, Kai. Machen und ausprobieren! Ach, du machst es ja schon :-) …Gefällt mir übrigens immer besser.

    Aber mal im Ernst, ich habe den Eindruck, dass sich dieses Jahr etwas in eine erfreuliche Richtung bewegen wird.

  6. ich lass jetzt mal mein Blog außen vor, bei der Frage, warum es in D angeblich keine guten Blogformate gäbe. Entweder lese ich eine andere Blogosphäre als ihr oder ihr eine andere als ich:) Schaue ich mir die Art und Qualität von Exciting Commerce, EEE PC News, Gastgewerbe Gedankensplitter und Turi2, wird mir einer nicht so schnell ein Blog aus dem „Traumblogland“ USA zeigen können, das auch nur annähernd profund berichten kann. Und mit profund meine ich profund, nicht einfach nur Tatsachen beschrieben, sondern durchdacht. Warum versteckelt ihr das Licht der deutschen Fachblogszene? Da muss sich keiner verstecken. Nur weil US Blogs originäre Messages als an der Quelle sitzende Medien posten, sind sie nicht besser. Nur schneller, nicht mehr. Ich amüsiere mich sehr über den Blick ins Wunderland, wo es nicht sonderlich glänzt (Umsatz ist zero Indikator btw).

  7. @Robert, erstmal herzlichen Glückwunsch zum Auktionsstart! Das marschiert wohl in Richtung 50K am Ende der Aktion. Drücke dir die Daumen dafür!

    Ich sprach im Artikel von journalistischen Online-Magazinen, weniger vom typischen Blogformat. Anlass war Don Dahlmanns Artikel. Natürlich spielte deine Versteigerung mit eine Rolle.

    Ich würde sehr gerne mehr Ansätze für professionelle und journalistische Online-Magazine sehen. Wie auch im gleichen Sinn mehr Online-(Bewegt-)Bildjournalismus. Technisch gerne auf Blogplattformen. Da ist noch viel zu tun und zu entdecken.

  8. Ich bin mir nicht sicher, ob hier tatsächlich noch das Blog verkauft wird. Nachdem sogar die Washington Post darüber berichtet hat, dürfte die Marke „Basic Thinking“ weit mehr als die angepeilten 100k Euro wert sein.
    Das beste, was der zukünftige Besitzer nun machen kann, ist, den Blog von Robert Vergangenheit sein zu lassen und tatsächlich eine Art deutsches TechCrunch hochzuziehen.

    Man, Man. Einfacher (und vermutlich billiger) kommt man nicht an eine international bekannte Marke. Wenn man nur das nötige Kleingeld hätte… :)

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