Gewalt in den Schulen

Gewalt in den Schulen gehört zum Alltag. Gewalt gibt es an allen Schulen. In allen Klassen. In jeder Alterstufe. Von der ersten bis zur letzten. Gewalt ist nicht vom Stadtteil abhängig. Sie kommt nicht nur in den bildungsarmen Ecken vor, sondern genauso auch in den sogenannten besseren. Keiner ist davon verschont. Keiner kann dem entkommen. Die Frage ist nur, wie gehen wir damit um.

Die Ursachen für diese Gewalt können nicht pauschalisiert werden. Die Anlässe sind aber immer banal. Ein falscher Blick. Ein Ton, der einem nicht gefällt. Eine ungerechte schlechte Zensur. Alles, jedes und jeder kann einen Anlass bieten, die Lunte bei einer Zeitbombe anzuzünden.

Alle Kinder erfahren Gewalt. Die meisten sind auch gewaltbereit. Wie bereiten wir unsere Kinder darauf vor? Wie bringen wir ihnen bei, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie Gewalt erfahren oder bereit sind, Gewalt auszuüben. Gewalt in Worten. In Taten.

Die meisten Eltern wären erstaunt zu erfahren, wie sich ihre Kinder tatsächlich verhalten in der Schule. Es sind nicht immer die Kinder, die morgens aus dem Haus gehen, wenn sie in der Schule ankommen. Ihre Sprache  ändert sich. Ihre Haltung. Auch ihre Gewaltbereitschaft. Die meisten Eltern haben ein falsches Bild von ihren Kleinen. Jungs wie Mädchen ohne Unterschied.

War das früher anders? Nein. Jeder kann sich an seine eigene Kindheit und Schulzeit erinnern. Nein, Gewalt gab es zu allen Zeiten. Sie ist nicht mehr geworden. Aber auch nicht weniger. Nur die Mittel haben sich verändert, mit denen Gewalt ausgeübt wird. Besser gesagt, die Verfügbarkeit der Mittel. Die Waffen. Sie sind effizienter geworden. Was sich auch geändert hat ist, wir erfahren mehr Nachrichten über Gewalt. Nicht nur in den Medien, sondern auch in den Gesprächen der Kinder untereinander. Das erzeugt einen fatalen viralen Effekt und Formen der Gewalt sprechen sich schneller rum und erreichen schneller die Zündschnüre. Wie erkennen wir rechtzeitig die Zeitbomben unter ihnen? Und was tun wir dann?

Machen wir uns nicht vor. Ich bin Vater von drei Kindern. Ich kenne das.


11 thoughts on “Gewalt in den Schulen

  1. Volle Zustimmung – mit einer Ausnahme: nein, nicht alle üben Gewalt. Und es gibt Unterschiede. Aber ja, es ist, wie du schreibst (und als Vater von drei Jungs, die zur Schule gehen, muss ich noch hinzufügen, dass mich vor allem die Eltern dabei stören, die bei jeder Pupsrangelei, die sie sehen, zum Telefon greifen, und das sind nicht nur Meedchenmütter).

    Dennoch ist es nicht einfach für uns (tschuldige, wenn ich dich vereinnahme) Eltern, damit umzugehen, denn es wäre ja so schön, friedliche Kinder zu haben, oder?

    Lesetipp: Frau DüneSieben schreibt (schon im Februar, also vor der Hysterie) sehr schön und wahr: http://dunesieben.wordpress.com/2009/02/11/die-jungs-von-heute/

  2. @der haltungsturner, danke für den guten Link. Und nein, du vereinahmst mich nicht :-) …zu „nicht alle üben Gewalt“. Stimmt. Aber alle erfahren sie. Am eigenen Leib.

  3. ich lese bei gewalt immer nur die äusserliche gewalt. schläge, waffen ect.

    viel häufiger und noch alltäglicher ist die verbale und soziale gewalt. mobbing, gerüchte streuen, lügen verbreiten. das macht die jugendlichen wirklich fertig. gabs früher schon, hat heute viel effektivere mittel. denken wir an die fake-accounts bei den vz´s oder facebook und konsorten. die beschimpfungen und beleidigungen, das online-stellen von peinlichen fotos. und danach die wehrlosigkeit der opfer. das wirkt tiefer und kommt 1000x mehr vor als die äusserliche gewalt, die wir mit augen beobachten können.

    was bin ich als landkind aus den 70iger jahren froh über meine beschauliche welt damals.

  4. sowas von wahr…
    Wenn ich an diverse Prügeleien und so aus meiner Kindheit zurückdenke, könnte ich immer wieder staunen dass ich das so heil überstanden hab.

    Auch stellt sich für mich die Frage: wenn einer einem der Jahrelang gehänselten Kinder damals auf dem Höhepunkt solcher Sticheleien eine Waffe in die Hand gedrückt hätte… wäre das sonderlich anders ausgegangen?

    Ich glaube nicht.. wenn die Kinder gerade in Rage sind und von einer Gruppe anderer getreten werden, dann würden sie sicher zu einem solchem Mittel greifen wenn sie es gerade zur Verfügung hätten. Ich glaube nicht dass sie mit 10sec Zeit zum Nachdenken genauso handeln würden oder dass jeder das tun würde… aber wenn im falschen Moment das falsche Werkzeug in der Hand liegt, wird es eingesetzt.

    In dem Zusammenhang bin ich mir nichtmal sicher ob ich da komplett anders gehandelt hätte, wenn ich in einer Prügelei plötzlich eine Waffe in der Hand gehalten hätte. Bedeutet dass das ich sonderlich Gewaltbereit wäre? Ich glaube eher weniger. Ich bin mir auch ziemlich sicher dass ich auch dann nie eine Waffe eingesteckt hätte, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte.. von daher war es unmöglich in eine solche Situation zu kommen. Auch kann ich mit reinem Gewissen behaupten nie eine Schlägerei provoziert oder gar angefangen zu haben.
    Ich möchte halt nur anmerken dass nicht alles nur Schwarz und Weiß ist und sicherlich viele solche Amokläufe auch nicht über Monate hinweg geplant waren. Vlt. beginnt es ja wirklich oft mit einer Waffe die jemand nur einsteckt um bei einer Schlägerei die anderen wegjagen zu können.

  5. Gut zusammen gefasst, als Vater zweier Jungs erleben ich das ähnlich. Oft werden dann schnell pauschale Meinungen geäußert und, ja auch ich habe (hatte) ein falsches Bild davon wie sich meine Kidds in der Schule verhalten. Da wird man schon mal vor den Kopf gestoßen.
    Meine Beobachtung dabei ist, dass viele Eltern dieses von ihren Kindern nicht wahr haben wollen (‚er/sie ist immer brav…‘) und das ist das fatale. Damit greifen diese Eltern dann auch nicht ein wenn es mehr als eine Pupsrangelei wird.
    Die Verfügbarkeit von Waffen entsetzt einfach nur.

  6. Meine Beobachtung dabei ist, dass viele Eltern dieses von ihren Kindern nicht wahr haben wollen (’er/sie ist immer brav…’)

    Ich kann deine Beobachtung voll und ganz bestätigen, Norbert.

  7. @Norbert – ja, volle Zustimmung. Aber noch mal zur Pupsrangelei: Was ich erlebe, ist, dass es immer wieder zu diesen Kämpfen kommt, mal der eine in eine Hecke geschubst wird, mal der andere dumm angemacht wird. Das finde ich auch sehr doof und nicht ok (nur um das klar zu haben). Was ich aber völlig inakzeptabel finde, ist, wenn dann Eltern sagen wir mal erleben, dass ihr Kind geschubst wird – und im festen „Wissen“, dass es selbst das ja nie täte, empört bei anderen Eltern anrufen.
    Ich hab mir jedenfalls abgewöhnt, mit (manchen) anderen Eltern über so etwas auch nur zu reden. Denn fast immer stellt sich raus, dass sie eben gerade ein falsches Bild von ihren Kinden haben.

    Vielleicht bin ich auch nur in der glücklichen Situation, dass meine Kinder alle so verschieden sind und unter Stress reagieren, dass ich nicht (mehr) auf die Idee käme, sie wären friedliche Engel. :)

  8. Hallo Cem,

    in den meisten Punkten stimme ich Dir zu. Was aber aus meiner Sicht früher (ich bin Jahrgang 67) anders war, ist die einfache Tatsache, dass man wußte wann Schluß war. Wir hatten damals alle Fahrtenmesser und ähnliche Waffen. Ich kann mich da nicht an solche Exzesse wie heute erinnern.

    Prügeln: ja. Auf den anderen Eintreten, wenn er auf dem Boden liegt: Nein. Nach meiner Erfahrung gab es eine Art „Beißhemmung“. Die scheint mir heute verloren gegangen zu sein.

    Auch habe ich den Eindruck, dass uns die damaligen Aufsichtspersonen (Lehrer, Eltern, …) bei kleineren Auseinandersetzungen uns einfach in Ruhe gelassen haben, bei größeren Prügeleien dann aber konsequent eingeschritten sind.

  9. @der haltungsturner, absolut. Eltern sollten sich weitgehend aus den Streitigkeiten der Kinder untereinander raushalten und nicht den Anwalt für sie spielen. Sonst lernen Kinder nie, sich vernüftig durchzusetzen. Eine gute Streitkultur will auch gelernt sein. Aber Eltern sollten immer einen Blick auf ihre eigenen Kinder haben und erkennen, wenn Dinge nicht in Ordnung sind, wenn systematisch Mobbing betrieben wird. Das ist für Eltern nicht leicht, diese Balance in Einmischung und Distanz zu wahren. Die Signale ihrer Kinder auch immer richtig zu deuten. Deshalb ist das Gespräch der Eltern mit den eigenen Kindern sehr wichtig.

  10. @der haltungsturner Ganz Deiner Meinung bei den Rangeleien, ähnliches haben wir auch schon erlebt.
    @cem Klasse formuliert, mit den Kindern reden ist ein muss für Eltern- wie sonst können sie auch nur in irgendeiner Form etwas aus deren (Schul)Leben mitbekommen?!
    Und immer wieder spannend für mich, die Version für mich unterscheidet sich immer von der Version die der Mutter erzählt wurde ;-)
    Kinder sind schlau und lernen schnell…
    Manchmal auch die falschen Werte und Einstellungen, leider.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s