Anmerkungen zu Cloud Computing

Cloud Computing ist ein Konzept, das Betrieb, Bereitstellung, Support, Management, Sourcing, Architektur und Verwendung von IT grundsätzlich verändern kann und wahrscheinlich auch wird, laut deutschsprachigem Wikipedia-Eintrag. Das ist sicher richtig. Cloud Computing wird im Web 2.0 massiv vorangetrieben von Unternehmen wie Google und Amazon. Sie stellen ihre enormen IT Ressourcen für jeden Interessenten zu äusserst guten Preisen zur Verfügung. Das schafft Visonen und erweckt Erwartungen.

Cloud Computing via Web ist allerdings sehr langsam gemessen an den Leistungen einer eigenen lokalen IT bzw. eines Rechenzentrums. Für Kernanwendungen und für grosse bis mittlere Unternehmen kommt das deshalb aktuell kaum in Frage. Deren herrschende Software-Architektur ist dafür auch nicht besonders gut geeignet. Aber für sehr kleine Unternehmen oder auch Einzelunternehmer kann es eine preiswerte und hinreichende Alternative sein. Ganz besonders, wenn der geforderte Datendurchsatz nicht allzu hoch ist. Ferner, wenn das Budget höher priorisiert ist als der Datendurchsatz.

Ein weiter wichtiger Punkt ist die Datensicherheit. Personal und Finanzdaten oder auch Daten der Unternehmensplanung in die „öffentliche Wolke“ zu stellen, dürfte den meisten Unternehmen nicht behagen. Zumal in Deutschland. In einigen Fällen ist das hierzulande gesetzlich auch nicht zulässig. Das gilt insbesondere für Unternehmen und Organisationen, die besondere Auflagen bezüglich ihrer Datensicherheit und ihren Datenschutzverpflichtungen haben wie beispielsweise Versicherungen, Krankenkassen, Banken aber auch staatsnahe Organisationen, die viel mit personenbezogenen Daten zu tun haben.

Ich glaube vielmehr, dass Cloud Computing innerhalb von Konzernen, Konzerngruppen und anderen Unternehmenskonglomeraten und -verbunden eine grössere Rolle spielen wird: Private Cloud Computing nenne ich es mal. Ist ein Unternehmen hinreichend gross, kann es seine eigene Cloud hochziehen. Das wird teilweise sogar schon so gemacht bzw geplant. Beispiele dafür sind die Shared Services von grossen Rechenzentren von Banken-, Versicherungs- und Krankenkassenverbunden. Diese gilt es, auf den Stand des Cloud Computing zu bringen. Dabei gerne auch die Ressourcen des Public Cloud Computing zu nutzen. Die Riesenmaschine namens Internet.

Dabei wird das alte Konzept „EDV aus der Steckdose“ wiederbelebt. Die Nutzer, besser: Mitarbeiter, Abteilung oder Partner des Unternehmens, sollen sich nicht um die Details der IT Architektur kümmern müssen, sondern sollen sie einfach nutzen. So wie wir uns im Alltag auch keine Gedanken machen, woher der Strom aus der Steckdose kommt, mit der bei uns das Licht angeht. Was uns nebenbei natürlich nicht enthebt, von Zeit zu Zeit grundsätzlich uns darüber Gedanken zu machen.

Cloud Computing ist also kein Allheilmittel. Ich habe mal die Diskussion im Wikipedia-Eintrag neu angeregt. Den englischsprachigen Eintrag finde ich übrigens recht ansprechend, auch wenn die Punkte oben nicht direkt angesprochen werden.


10 thoughts on “Anmerkungen zu Cloud Computing

  1. Ich verstehe nicht ganz, was du unter einer Private Cloud verstehst. Wo ist da der Unterschied zu den bereits existierenden Rechenzentren von grossen Unternehmen (ausser dem Einsatz von mehr Virtualisierungssoftware)?
    Die Datensicherheitsaspekte könnte man auch mit einer Lösung innerhalb des Unternehmens adressieren (oder gar durch spezialisierte Drittanbieter): anstatt einem Cloud-Provider zu vertrauen, werden alle Daten verschlüsselt in der Cloud abgespeichert und es wird nur über verschlüsselte Kanale darauf zugegriffen. Auf diese Weise hätte ein Unternehmen seine kleine gesichterte Festung innerhalb der Cloud.
    Auch die Probleme der Verzögerung (wenn sie denn überhaupt eine Rolle spielen) sollten nicht unlösbar sein. Meiner Meinung nach sind die psychologischen Hürden bei diesem Thema grösser als die technischen…

  2. @Fragezeichner, die psychologischen Hürden sind sicher grösser als die technischen. Es geht bei den Shared Services und beim Cloud Computing zusätzlich um Macht und Einfluss der bestehenden IT Abteilungen in den einzelnen Häusern. Das ist nicht zu unterschätzen. technische Gründe werden oft nur vorgeschoben.

    Der Unterschied zu den meisten Rechenzentren heute ist die mangelnde Standardisierung der Technologie und der Lösungen. Jeder besteht auf seinen Besonderheiten. Ferner sind fast keine der Anwendungen wirklich technisch architektonisch auf Teilbarkeit ausgerichtet. Middleware wie Citrix-Farmen und ähnliches empfinde ich dabei als Krücken.

  3. bei amazons cloud computing und datastorage sehe ich auch eher den vorzug, massen an daten in einer skalierbaren umgebung verwerten zu können, als einen hohen datendurchsatz oder extrem gute leistung.

    dies kann durchaus auch für größere unternehmen interessant sein, die nicht jedes quartal kosten für immer neue hardware ausgeben wollen (outsourcing ist ja wohl ohnehin sehr beliebt).

    stichpunkt sicherheit (in D): da gebe ich dir soweit recht, aber ich vermute mal, dass könnte sich in zukunft auch mal ändern. ich entsinne mich an ein schweizer unternehmen, dass angeblich super sicheres datahosting anbot; mehrfache verschlüsselung und redundates speichern über min. drei verteilte datenzentren — also wie mensch es von schweizern gewohnt ist. :-)
    klingt im ersten moment vielleicht ein wenig abgehoben, aber könnte gerade für D durchaus ein anknüpfpunkt sein.

    was leistung betrifft: die meisten kleineren bis mittleren unternehmen haben gar nicht mal so gute lokale IT-infrastruktur, dass der unterschied zu cloud computing tatsächlich spürbar wäre. ist jedenfalls mein eindruck. und was staatliche institutionen betrifft: die hinken auch nur allzu gern hinterher in puncto moderne technik.

  4. @Linda, Twitter fällt ja öfter mal aus. Und ist gemessen an vielen betrieblichen Anwendungen in grossen Unternehmen ziemlich trivial. Wobei der Durchsatz per Transaktion bei Twitter auch noch sehr gering ist im Vergleich zu einer grossen Anwendung.

  5. Man sollte sich nicht in den Sog dieser Hype-Debatte ziehen lassen, sondern nüchtern die Vor- und Nachteile diskutieren. Dahinter stehen ja auch Geschäftsinteressen von Google & Co. Und wenn ein Buchautor wie Nicholas Carr die Cloud-Debatte dramatisiert, stehen auch persönliche Interessen dahinter. Er wird einfach mehr für öffentliche Auftritte gebucht. Siehe auch: http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/03/03/cebit-debatte-uber-cloud-computing-wundermittel-oder-alter-wein-in-neuen-schlauchen/

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