Links des Rheins, rechts der Elbe

Deutschland wird im Web international nicht wirklich wahrgenommen. Liegt es an der Sprachbarriere? An der Unternehmens- und Webkultur? Die Websprache des Zwonull ist englisch. Amis folgen in Twitter Deutschsprachigen nicht. Von Deutschland ausgehende Impulse verpuffen weltweit im Nirvana. Liegt es an der Haltung der Deutschen, alles komplexer zu sehen als andere? Alles in Frage zu stellen? Zumindestens in den Augen der Anglikaner? Sind wir langweiliger? Zu wenig originell, so der ständige Plagiatsvorwurf von Techcrunchs Michael Arrington gegenüber deutschen Innovationen und Webservices? Sind wir tatsächlich nur Copycats? Zu deutsch? Links des Rheins existiert Deutschland nicht. Nicht wirklich. Es gibt sehr wenig Lokalisationen von Services für Deutschsprachige. Wenig gezielte PR und Marketing für Webservices aus dem US-orientierten Markt. Und umgekehrt: Virales aus Teutonien greift nicht jenseits der eigenen Sprache. Die Vernetzungen hierzulande scheinen nicht besonders gut über die Grenzen zu gehen. Komischerweise habe ich den Eindruck, ähnliches gilt auch für Innovationen östlich der Elbe. Entweder sind deren Services und Produkte gleich für die USA oder für Asien. Deutschland ist auch für die kein Markt. Deutschland bietet zu wenig Potential für die scheinbar.

Deutsche Webbies sind dagegen sehr viel besser informiert über das Webweltgeschehen als ihre Gegenstücke in den USA und UK. Und auch über das östliche Europa und Asien. Zwischen links des Rheins und rechts der Elbe, scheint dagegen Niemandsland zu sein für unsere Nachbarn. Was machen wir falsch? Was müssen wir anders machen? Oder sind das einfach nur deren Vorurteile? Oder gar unsere? Ich weiss es nicht.

Nachtrag: Ist das die Formel? Schreibe mehr originäre und international relevante Inhalte, berichte mehr echte Nachrichten aus der deutschen Webszene und Scoops, Insider-Stories? Investigations-Bloggismus? Und vorallem: Schreibe in englisch damit die Spacken in Übersee es lesen und verfolgen können? Ist denn die deutschsprachige Webszene so sichtbarer für die anderen? Haben wir genug Stories dafür? Und Autoren? Themen? Vorhaben? Unternehmen? Interessante Leute, über die es sich lohnt zu berichten? Ich denke, ja. Vielleicht sollte man eine Initiative dafür starten? Germany 2.0? GermanWeb? Oder ganz einfach praktisch und professionell ein superinformatives und englischsprachiges Blog über das neue deutsche Web.

Nachtrag 2: Nimm am internationalen Gespräch aktiv teil und trage etwas eigenes zu deinen Themen bei.


17 thoughts on “Links des Rheins, rechts der Elbe

  1. Natuerlich liegt es teilweise an der Sprache, obwohl es mehr Leute gibt die wenigstens ein paar Worte Deutsch sprechen/verstehen als viele denken.

    Aber von meiner Warte liegt es teilweise auch an der Deutschen Blog- und Webszene. Was ist denn dort wirklich innovativ und neu? Ich halte nicht viel von Blogcharts, aber eine Art von Indikator sind sie ja doch. Und wenn ich mir die Deutschen Blogcharts so ansehe wundere ich mich ehrlich gesagt nicht dass da wenig im Ausland wahrgenommen wird.

    Noch immer die #1 ist das olle Basic Thinking. Tagline: To Boldly Blog What No Man Has Blogged Before. Huh? Ja, wo sind sie denn, die scoops und Neuigkeiten? Schon unter Robert’s Zeiten stand unter fast jedem Eintrag „via“, heute liest sich das auch nur wie eine grosse Pressemitteilungssammlung.

    #2 ist Spreeblick, hat durchaus Potential auch mal international wahrgenommen zu werden da es zumindest ab und zu wirklich eigene Texte und Gedanken hat. In den letzten Wochen durch die re:publica leider eher eine Nerdcore II Linksammlung. Warum nicht die Potentiale und Kontakte nutzen die z.B Johnny und Nico zu haben scheinen? Oder Frederic’s Ideen?

    #3 ist Nerdcore. Ja, ist nett. Aber auch dort steht unter mindestens jedem zweiten Eintrag das „via“, die meisten Sachen duerften in der Englischsprachigen Szene teilweise bereits seit Tagen bekannt sein. Die obsession mit „f*ck“ ist fuer einen Muttersprachler einfach nur langweilig, das Thema hat Billy Connolly schon vor 10 Jahren abgehakt.

    #4 lese ich eher selten, aber Netzpolitik wird soweit ich das mitbekomme teilweise wirklich auch international wahrgenommen, zumindest in den Kreisen die sich fuer das Thema interessieren. Koennte vermutlich durch kurze Englischsprachige „executive summaries“ einiges zur internationalen Verlinkung und Vernetzung beitragen.

    Und so koennte ich weitermachen. Die Potentiale sind teilweise da, nur habe ich das Gefuehl sie werden nicht genutzt.

  2. Mal abgesehen von Deutschland – werden den von den Amerikanern andere Länder wirklich wahrgenommen? Ich denke nicht, denn für viele Amerikaner sind die anderen Länder einfach „viel zu klein“ und fliegen unter dem Radar. Sicherlich gibt es hier und da bestimmt ein paar Ausnahmen, und selbst dann auch nur auf der Ebene von Einzelpersonen oder sehr grossen Unternehmen (aber nicht im Web).

    Was denkt ein Amerikaner, wenn er an Deutschland denkt?

    – Mercedes, BMW, Audi, Volkswagen = Automobile, Qualität und Innovation auf der Ecke
    – Eigenschaften wie Ordnung, Pünktlichkeit, Hohe Qualität im Handwerk und den dt. Produkten
    – Bratwurst, Sauerkraut, Oktoberfest = Klischeedenken

    Geschichtlich wird Deutschland wohl auch noch bei vielen Amerikanern einen faden Beigeschmack haben – behauptet man nicht immer, dass die meisten Amerikaner denken, dass noch immer das Dritte Reich in Deutschland an der Macht ist?

  3. wenn ich an deutschland und internet denke, denke ich entweder flash for cash oder graswurzel-geschwurbel. dazwischen ein paar ausnahmen, an die ich mich stark gebunden fühle und ein paar größere copycats.

    interessante frage.

    .~.

  4. Armin hat recht. Warum sollten sich internationale Blogsurfer die Mühe machen und deutsche Blogs lesen, wenn es für jedes Angebot ein (weitaus) besseres und vor allem englisches Vorbild gibt? Die deutsche Blogszene produziert den Content nicht sondern aggregiert ihn nur.

    @Cem Basman,
    Ihr Beitrag ist übriges sehr deutsch und erinnert mich interessanterweise an das Thomas-Gottschalk-Sofa, auf dem die internationalen Stargäste grundsätzlich kundtun müssen, wie toll und spannend sie Deutschland doch finden. Wir Deutschen gieren nach dieser internationalen Anerkennung. Sie ist wie ein dringend benötigter Balsam der Image-Absolution. Wir haben, ungleich wie bspw. die Briten, ein Selbstbewusstseinsproblem. Wir sind ständig darauf erpicht, eine positive Außenwahrnehmung zu garantieren.

    Journalismus spielt in dieser Außenwahrnehmung aber leider keine Rolle. Wenn man die Blogger-Szene grob dem Journalismus zuordnet, wird eines klar. Wir sind nicht für international relevanten Journalismus bekannt. Wir haben keinen Economist, keine NY Times, WSJ, Newsweek, CNN und vor allem keine Huffington Post.

    Man unterstellt britischen oder amerikanischen Journalisten die grundsätzliche Fähigkeit, internationale Zusammenhänge besser zu verstehen als wir Deutschen

    Hier entscheidet schlicht der internationale Wahrnehmungs- oder Image-Frame der Blogleser.

    Deutschland relevanter Journalismus und damit relevante Blogs ….is‘ nich!

  5. Eine wichtige und richtige Beobachtung. Interessant ist vor allem, dass Deutschland für „realwirtschaftliche“ Unternehmen zu den wichtigsten Märkten weltweit zählt. Im Netz (und gerade auch im „Web 2.0“) dagegen gelten immer noch die bloßen Nutzerzahlen als entscheidendes Kriterium. Da bietet Deutschland eben nur ein Potential von 40-60 Millionen Usern – Peanuts in internationalen Dimensionen. Mit den zunehmenden Monetarisierungsbemühungen werden m.E. qualitative Kriterien in den Vordergrund rücken.

  6. Habe für den Artikel einen Nachtrag gepostet:

    „Nachtrag: Ist das die Formel? Schreibe mehr originäre und international relevante Inhalte, berichte mehr echte Nachrichten aus der deutschen Webszene und Scoops, Insider-Stories? Investigations-Bloggismus? Und vorallem: Schreibe in englisch damit die Spacken in Übersee es lesen und verfolgen können? Ist denn die deutschsprachioge Webszene so sichtbarer für die anderen? Haben wir genug Stories dafür? Und Autoren? Themen? Vorhaben? Unternehmen? Interessante Leute, über die es sich lohnt zu berichten? Ich denke, ja. Vielleicht sollte man eine Initiative dafür starten? Germany 2.0? GermanWeb? Oder ganz einfach praktisch und professionell ein superinformatives und englischsprachiges Blog über das neue deutsche Web.“

  7. Zuerst einmal: Ein Patentrezept gibt es nicht. Und es wird Geduld und Zeit brauchen. Das geht nicht ueber Nacht und mal eben so ganz fix.

    Ich bin mir ziemlich sicher dass bei Amerikanern und Briten genug Interesse und auch guter Wille gegenueber Deutschland vorhanden ist:

    Es gibt immerhin Millionen von Amerikanern mit Deutscher Abstammung. Grosse Teile der schottischen Tourismusindustrie drehen sich um Ahnenforschung, Clans und „back to the roots“-Reisen. Da gibt’s Websites zu, verschiedene Blogs und mehr. Aus Deutschland ist mir da wenig bis nichts bekannt.

    Die Briten sind ziemlich interessiert an Deutschland, merke ich immer wieder wenn ich zu Deutschland was gefragt werde (und immer seltener Antwort geben kann weil ich es selber nicht weiss, aber das ist ein anderes Thema).

    Sicher, es gibt eine Sprachbarriere, aber ich glaube die ist geringer als viele denken. Das grobe bekommt man mit Google Translate und Babelfish schon hin, mehr braucht es gar nicht mal unbedingt. Fuer viel wichtiger halte ich echte Teilnahme an Diskussionen, wirkliche Beitraege die das Thema weiterbringen. Nicht nur ein Wiederkaeuen, oh, sieh mal Techcrunch hat geschrieben.

    Um mal zum positiven zu kommen, insbesondere in den Fachblogs ist die internationale Welt durchaus bekannt. Teilweise sogar bekannter als die Amis. Zugestanden, die Blogs sind praktisch alle in English, aber sie haben Gewicht. Teilweise sehr viel Gewicht. Ich habe ein bisschen einen Einblick in die Whisky-Szene, die ist sehr sehr international. Einige der Blogger dort sind Belgier, Skandinavier, Japaner, Spanier, alles moegliche. Und warum? Meines Erachtens weil sie entweder echte Neuigkeiten bringen oder weil sie es schaffen eigene Gedanken und Sichtweisen zu bringen. Vor allem aber weil sie sich in eine internationale Diskussion einbringen. Ach ja, und was meinst Du was ich dort auch sehe: Deutsche die sich an der Diskussion beteiligen und sehr wohl fuer Ernst genommen werden.

    Was ich mir vor allem wuenschen wuerde waere echter originaerer „Content“, etwas zu man auch mal linken kann um Leuten Deutschland zu zeigen. Es gibt sie sicher irgendwo, die Deutschen Landschafts- und Geschichtsblogs, die Blogs die nicht ueber 1000mal gehoerten Techkrams schreiben sondern ueber das Leben in Deutschland. Nur sehe ich leider recht wenig davon.

    Hier im UK gibt es eine recht lebhafte und fantastisch vernetzte „Education-community“, wo von Lehrern und anderen im Bildungswesen diskutiert wird wie man dieses verbessern kann. Die tauschen sich mit Leuten aus den USA aus, bauen Bruecken nach Australien und lassen ihre Schueler miteinander Wikis schreiben. Es muss doch auch in Deutschland Lehrer geben die daran Interesse haben?

    Und schliesslich: Hoert auf zu meckern und diskutiert einfach. Neulich hat Thomas Knuewer mal einen Versuch gestartet und einen Englischen Eintrag geschrieben. Zugestanden, waren ein paar Fehler drin, aber verstaendlich war er. Und was waren die ersten drei Kommentare? Brauche ich glaube ich nicht zu erwaehnen. Damit war die Diskussion abgewuergt (mal davon abgesehen dass der Spamfilter wohl Englische Kommentare schluckte, also passt da bei den Einstellungen auf!)

  8. @Armin, du hast glaube ich den entscheidenden Punkt gebracht: Sich in die „Diskussion“ bringen. Am internationalen Gespräch aktiv teilnehmen und etwas eigenes zu den Themen beitragen. Das finde ich sehr gut und eigentlich den interessantesten Aspekt. Das sollte neben dem bisher gesagten das Ziel sein. Danke für diesen Input und die Beispiele!

  9. Wo darf ich zum Nachtrag 2 unterschreiben? Klar, es funktioniert nur, wenn man sich am Gespräch beteiligt. In meinem Fall ist es Kommunikation mit Musikern kreuz und quer über diesen blauen Planeten (meist in USA oder UK, darum englischsprachige Tweets). Im übrigen stelle ich in letzter Zeit sowohl bei US als auch bei UK Musikern fest, das Deutschland durchaus positiv wahrgenommen wird. Anhand meiner relativ grossen Zahl an englischsprachigen Followern, gehe ich mal davon aus, das es durchaus akzeptabel ist, auch auf deutsch zu twittern. Entfollowed hat mich bisher noch niemand deswegen. Im Gegenteil, ich bekam letztens erst wieder eine DM eines US Musikers, der mir schrieb, das er seine Deutschkenntnisse mittels verfolgen von deutschsprachigen Twitterern aufbessert.

    Eine kleine Anekdote am Rande: Mein geschriebenes Englisch ist alles andere als perfekt. Das stört die wenigstens Amis, die ja ihre Sprache oftmals auch nicht so wirklich beherrschen. Letztens habe ich aber, aus Unkenntnis was die Formulierung „late and great“ wirklich bedeuted, Kenny den Buddy Holly Sideman Tommy Allsup „getötet“. Einer der US Musiker, mit denen ich auf Twitter kommuniziere, war gerade mit eben diesem Tommy Allsup auf Tour und dem hab‘ ich natürlich einen heftigen Schrecken eingejagt. Tommy Allsup ist übrigens der Buddy Holly Begleiter, der durch einen Münzwurf seinen Platz im Flugzeug gegen einen Busplatz tauschen musste.

  10. When I search for news and blogs, I search mostly in English, sometimes in dutch, rarely in french and German. That means that not all relevant results will pop up, even if German sources could probably have very good articles on issues that are of interest to me. You really have to force yourself to look for those sources, which most people won’t do when searching online.

    If anyone has a better way of searching online, I would love to learn.

  11. @coloredopinions, good point. Anybody know a reliable search simultanously in different languages?

    How did you read this blogpost? Via Google translator? I know that I’m on your reader. So finding it was not a problem for you.

  12. Müssen wir international wahrgenommen werden? Nicht unbedingt.

    Ist es nicht erstrebenswerter eine eigene kulturelle Sphäre zu schaffen, in der unsere Eigenheiten zum Tragen kommen, als in einem Wischi-Waschi-Mainstream dahinzuplätschern?

  13. @Claudia, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, finde ich.

    Natürlich haben wir eine eigene kulturelle Sphäre. Und die soll auch erhalten bleiben. Deshalb ist es auch wichtig, sie als eigenen Input in die Diskussion und in die Wahrnehmung der „grossen Gemeinschaft“ zu bringen. Es geht überhaupt nicht darum, mit dem „Mainstream“ zu dümpeln.

  14. WEB2 hin oder her. Deutsch ist halt keine Weltsprache. Na und? Soll ich deswegen mehr Posts auf Englisch verfassen, nur damit’s auch genügend Leute zu lesen kriegen? Nein danke. (Nur, wenn mir danach ist – mein Blog ist 3sprachig).
    Apropos „Mikrokosmos“, wär mal interessant zu wissen, was französische oder von mir aus russische Blogger von der Diskussion halten. Kann mir vorstellen, dass viele von denen auch lieber als native speaker posten.

  15. Kann mich auch Nachtrag 2 nur anschliessen. Wenn ich mich z.B. in der DataPortability-Gruppe usw. umschaue, dann fühlt man sich als Deutscher da doch recht alleine. Die einzigen Deutschen dort sind vielleicht am ehesten noch die in die USA ausgewanderten ;-)

    Und sicherlich hilft es auch, Ergebnisse, zu denen man hier kommt, auch mal auf englisch aufzuschreiben.

    Wie immer im Social Web geht es aber darum, Konversationen zu führen. Will man international irgendwie wahrgenommen werden, muss dies halt auf englisch sein.

    Dass das nicht unbedingt einfach ist, weiss ich auch. Ich mach ja auch alles zweisprachig, bin mir aber auch nie sicher, ob nun 1 oder 2 Blogs oder alles in eines, ob ich noch alles nach Themen aufteilen sollte usw.. Es macht halt doch mehr Arbeit. Aber es lohnt sich :-)

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