Web-Events: Zwang zu mehr Professionalität

Anlässlich meines Appells zum Mitmachen bei Veranstaltungen „von unten“ durch die Nutzer berichtet Alexander Becker bei ethority:

Beim Gründungstreffen des Hamburger Social Media-Clubs sprach Mark Pohlmann bezeichnenderweise über das Thema: „Reden reicht nicht. Von der Liebe zu Social Media zum Zwang zu mehr Professionalität”.

Alexander fordert in seinem Artikel, wie ich gestern, zu mehr Engagement der Nutzer auf.

Ich komme, nachdem ich etwas darüber nachgedacht, die Kommentare hier und anderswo gelesen und einige anregende Mails erhalten habe, mittlerweile zu einer anderen Schlussfolgerung: Ich fordere zu mehr Professionalität der Veranstalter auf. Warum?

Das Mitmach-Web wird erwachsen. Es hat die Ufer des Mainstreams erreicht. Immer mehr Menschen und Unternehmen stossen mittlerweile zum Social Web hinzu. Sie haben andere Erwartungen daran als die ursprüngliche Kerngruppe um die Techies, Visionäre und frühen Nutzer. Sie sind Pragmatiker und nicht unbedingt an einer Metadiskussion über das Medium interessiert. Sie wollen nicht so sehr spielen und experimentieren. Sie wollen ganz einfach die neuen Kanäle für sich nutzen. Beruflich wie auch privat. Das schafft andere Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für Veranstaltungen zu diesen Themen. Professionellere.

Das höchsterfolgreiche Formate der Barcamps und von Open Space, der Selbstorganisation durch die Nutzer, funktionieren aber nicht mehr richtig im Mainstream und bei den Pragmatikern. Diese erwarten eher gut durchorganisierte Events mit einem festen und zielgruppenorientierten Programm und mit einem hohen Nutzwert. Die Forderung heisst also: Klasse statt Masse.

Zudem haben sich auch die „Jeder-kann-teilnehmen-und-soll-mitmachen-Events“ wohl auch etwas abgenutzt. Die Appelle an die Nutzer mitzumachen, verhallen bei den meisten ungehört. Oder stossen auf Unverständnis. Eine gewisse Müdigkeit hat sich breit gemacht in den Communities. Vieles wird in ihren Augen nur noch widergekäut. Vieles ist nur noch Nabelschau. Die Referenten- und Themenauswahl scheint gerade bei grossen Veranstaltungen häufig beliebig. Wo ist der Nutzwert, ausser dass sich die Kerngruppe gerne trifft und auf Partys geht, etwas überspitzt formuliert. Viele haben auch keine Lust mehr sich aktiv inhaltlich einzubringen.

Zeit umzudenken. Zeit, sich den verändernden Bedingungen anzupassen. Ich habe verstanden.

Dann muss man aber auch die Rahmenbedingungen für diese Events anders anlegen. Sie müssen professionalisiert werden. Angebot und Nachfrage regeln dann alles weitere. Events für lau oder für einen geringen Schutzbetrag bei vollem Programm wird es dann nicht mehr geben können. Sowohl für die Veranstalter wie auch für die Teilnehmer. Ein Ticket für 10, 20 oder 40 Euro für ein Zweitagesevent bei voller Verpflegung werden dann eher 300-400 Euro und mehr kosten müssen. Professionalisierung bringt auch Kommerzialisierung mit sich. Das kostensenkende AAL-Prinzip („Andere arbeiten lassen“) hat sich damit ebenfalls überholt. Gleichermassen steigen damit aber auch die Qualitätsanforderungen an Location, Technik, Teilnehmer, Vortragende, Team und an die Abwicklung. Durch das neue Preisgefüge müssen andere Zielgruppen angesprochen werden.

Mir macht es Spass, Events zu spannenden und frischen Themen zu initiieren. Die nächsten werden anders sein.


29 thoughts on “Web-Events: Zwang zu mehr Professionalität

  1. Wieso schliesst deiner Meinung nach ein Event mit 40 (oder weniger) Euro Teilnahmegebühr Professionalität aus?

    Und auch ein BarCamp kann gut durchstrukturiert sein. Bloss halt nicht von den Sessions, sondern von der Orga-Drumrum.

    Letztendlich kommt es doch (fast) nur auf das Orga-Team an. Ich bin froh für das PolitCamp09 ein sehr gutes und tatkräftiges Orga-Team gefunden zu haben. Denn auch so kann ein Low-Budget Event über zwei Tage gut laufen.

  2. Wer die Teilnahmekosten bei solchen Veranstaltungen um das Zehnfache erhöht, schließt notwendigerweise den größten Teil der am Thema Interessierten aus. Für sie bliebe dann bestenfalls noch ein Livestream (der dann natürlich auch professioneller funktionieren müßte). Da ja bisher kein Blogger wirklich von seinem Hobby leben kann, ist fraglich, wer dann eigentlich die Zielgruppe für einen Blogger- oder Social-Media-Event sein sollte? Wer soll das bezahlen? Wer hat soviel Geld? Die spannendsten Leute sind ganz bestimmt nicht identlsch mit den zahlungskräftigsten. Oder wollen/sollen die Visionäre da lieber unter sich bleiben? Das wird dann ja noch langweiliger werden als die letzte re:publika, bei der die „A-Blogger“ selbstreferentiell und selbstverliebt Nabelschau hielten. Mr. McKinsey, übernehmen Sie?

  3. Cem, danke für Deine Antwort. Was ich sagen möchte ist, daß eine „Professionalisierung“ in der Preisspanne, die Du genannt hattest, dazu führen würde, daß nur noch die bekannten Leute mit einem dementsprechenden privaten Budget sich die Teilnahme leisten könnten. Zum Beispiel Sascha Lobo könnte sicherlich weiterhin teilnehmen. Für einen bloggenden Hartz-IV-Empfänger wäre aber schon die Anreise ein finanzieller Kraftakt. Wie geht die Community und wie gehen also die Veranstalter unter diesen Vorzeichen mit der sozialen Frage „professionell“ um?

  4. deine/cems these ist also, dass veranstaltungen sich zukünftig entscheiden müssen, was sie sein wollen und welche der beiden zielgruppeln: undergroundige visionäre, futuristen, die avantgarde ;-) vs professionelle interessierte und industrie?

  5. ihdl, Cem, ich sehe diesen Gegensatz nicht. Alle müssen dabei sein können, so wie auch alle im Internet dabei sind. Es geht um gesellschaftliche Relevanz und um Qualität, dabei darf das Portemonnaie niemanden ausschließen.

  6. Jürgen, ich habe bei allen meinen Veranstaltungen, für sehr wenig Geld sehr viel geboten. Jeder konnte daran teilnehmen oder mitmachen. StartupWeekend (2x), WordCamp und MBC09 sind im Grossen und Ganzen recht gut gelaufen. Es war immens viel Arbeit und Zeit, sie zu planen und zu machen und alles Teams waren ehrenamtlich dabei. Meinen Beitrag zur Community habe ich mehr als geleifert. Das geht nicht mehr. Es wird ein richtiger Job mittlerweile. Und der Markt hat sich geändert. Die Kerngruppe hat immer noch ihre Barcamps & Co. Und das ist auch gut.

    An welchen Veranstaltungen hast du aktiv oder passiv teilgenommen? Welche hast du initiiert organisert? Einfache Neugier.

  7. Cem, wenn das so ist, wird das eben Deine Lösung sein, und ich wünsche Dir natürlich, daß Du damit weiterhin guten Erfolg hast. Ich glaube Dir gerne, daß die Arbeit, die Du leistest, im Laufe der Zeit zu umfangreich wird, um sie weiterhin ehrenamtlich erbringen zu können. Aber eine Kommerzialisierung rührt gleichzeitig an die Grundlagen des ganzen. Gerade daß kein Geld im Spiel ist, ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit der Blogger etc., weil dann keine Rücksicht auf Geldgeber genommen werden muß. Mein aktiver Beitrag zu den bisherigen Events war leider gleich null, und zwar vor allem, weil ich es mir gerade nicht leisten könnte, dafür mal eben so durch die halbe Republik zu reisen. Deshalb danke ich allen, die sich mit so viel persönlichem Einsatz bisher engagiert haben. Das ändert aber nichts daran, daß die Professionalisierung/ Kommerzialisierung nicht zu einer sozialen Spaltung in der Teilnehmerschaft führen darf. Und dieses Problem muß im Vorfeld angesprochen werden.

  8. Jürgen, führen Veranstaltungen wie LeWeb, DLD, Next etc zu einer sozialen Spaltung?? Ich will, das was ich mir wage vorstelle, nicht unbedingt in diese Reihe einreihen. Aber nochmal, führen Veranstaltungen wie LeWeb, DLD, Next etc zu einer sozialen Spaltung??

  9. Cem, wenn Du schreibst: „… diese Events … müssen professionalisiert werden. Angebot und Nachfrage regeln dann alles weitere. … Ein Ticket für 10, 20 oder 40 Euro für ein Zweitagesevent bei voller Verpflegung werden dann eher 300-400 Euro und mehr kosten müssen“, schließt Du Otto Normalblogger von der Teilnahme aus. Ich hätte nichts dagegen, das Catering extra laufen zu lassen. Aber wenn man laut über die Kommerzialisierung nachdenkt, muß man auch vorher sagen, wer dann überhaupt noch teilnehmen kann. „Markt“ und „Preise“ als Regulierungsmechanismus kennen keine soziale Dimension. Und dann geht Kaufkraft über Qualität beim Publikum. Das Ergebnis kennt man von anderen kulturellen Veranstaltungen. In der Oper sitzen ja beispielsweise auch nicht immer die größten Musikliebhaber in der ersten Reihe… Durchaus ein Problem, findest Du nicht auch?

  10. Jürgen, wir reden aneinander vorbei. Ich habe jahrelang „soziale“ Veranstaltungen gemacht. Mehr als viele andere. Ich habe immer darauf geachtet, dass jeder teilnehmen und mitmachen kann. Den Vorwurf lasse ich nicht auf mir sitzen.

    Übrigens, meine Fragen an dich waren nicht rhetorisch gemeint. Du hast keine eizige beantwortet. Wer jemals Veranstaltungen selber organisiert hat, weiss, was mit diesem Artikel gemeint ist.

  11. Cem, wir diskutieren nicht über die Vergangenheit, sondern über die Zukunft. Bei Teilnahmegebühren von mehreren hundert Euro kann man ganz sicherlich von einem interessanten Geschäftsmodell sprechen, und davon will ich Dich auch gar nicht abbringen, aber das schränkt dann eben den Teilnehmerkreis von vornherein ein. Ich mache Dir ja auch keinen persönlichen Vorwurf, das möchte ich gerne klarstellen. Ich möchte nur dasjenige Problem ansprechen, das ich angesichts Deiner Überlegungen am wichtigsten finde. Es ist vielleicht nicht zu lösen, weil eine ehrenamtliche Organisation ab einer bestimmten Größe einfach nicht mehr zu machen ist und auch nicht mehr zumutbar wäre. Ich kenne das aus dem Vereinswesen aus eigener Anschauung sehr gut. Irgendwann geht es nur noch mit fest angestellten Leuten in Vollzeit.

    Es kann durchaus sein, daß wir aneinander vorbeireden. Aber das schließt es trotzdem nicht aus, daß man voneinander etwas lernt.

    Daß die meisten den Mund nicht aufbekommen und verstohlen weggucken, statt etwas zu tun, findest Du übrigens überall, in der Schulklasse, an der Uni, im Betrieb und in jedem Mietshaus, wenn es etwas zu sagen oder zu tun gäbe. So also auch hier. Wenn also die „sozialen Medien“ im Mainstream ankommen, überrascht mich dieses Bild nicht.

  12. führen Veranstaltungen wie LeWeb, DLD, Next etc zu einer sozialen Spaltung??

    Nein, da sie eine komplett andere Zielgruppe adressieren, als Graswurzelveranstaltungen wie barcamps, re:publica oder – vor mir aus – der chaos communication congress. Die Spaltung existiert rein (netz-)gesellschaftlich bereits. Bisher dachte ich allerdings, dass obige Veranstaltungen ein Gegengewicht zu ihrer Überwindung sein könnten.

    Wobei mir jetzt aber auch nicht so recht klar ist, welche Zielgruppe du mit einer professionellen Veranstaltung im Auge hast, wenn es nicht die der LeWeb und Co. ist, Cem? Es soll offensichtlich ja ein Businessevent werden.

    Damit sind die meisten Blogger und Blogleser draussen. Eigentlich alle (nicht kommerziell orientierten Selbstzahler), die das „Mitmach“-Web vor allem als partizipatorische Chance begreifen.

  13. Es muss ja nicht immer der starre Sprung von 40 zu 400 Euro sein. Als Cem und ich über das Angebot, Pricing und anderes für die remix09 nachgedacht haben, spielten auch die von Jürgen geschilderten Überlegungen – natürlich- eine Rolle.
    Es macht einfach keinen Sinn, Jürgen, wenn wir unterstellten, dass ab einer dreistelligen Eintritts-Summe nur noch gedanklich unflexibles Establishment am Start sei und anders herum nur äußerst günstige bis kostenlose Veranstaltungen die wahren Innovatoren und Agenda-Setter auf den Plan rufen würden.
    Was aber wirklich dringend – und besonders im ganzen Socialmediadingens- notwendig ist, ist eine Zusammenführung! der verschiedenen Gruppen und Disziplinen. Auch das Preisgefüge darf dabei nicht starr sein. Selbst die „Klassiker“ finden es völlig in Ordnung, wenn es besondere und günstige Preise für Studis, Freelancer, Blogger und andere Gruppen gibt, die eben nicht mal locker den Eintritt von ihrer Steuer (oder über das Unternehmen) absetzen können.
    Außerdem gefällt mir der Gedanke, dass etwas solventere Teilnehmer einen weniger zahlungskräftigen, dafür aber ebenso engagierten z.B. Studenten mit ihrem Ticketpreis sozial „quersubventionieren“. So soll es doch sein.

    Barcamps werden immer bleiben und sich weiter thematisch spezialisieren. Aber es gibt ganz offensichtlich auch ein Bedürfnis nach mehr Professionalität und übrigens auch wieder nach etwas überschaubareren Veranstaltungen, was die Teilnehmerzahl angeht. Will man beides wuppen, geht es nun wirklich nicht ganz für lau, besonders dann nicht, wenn nicht jeder auf der Veranstaltung mit einem Campingstuhl und Kiosk-Kaffee zufrieden ist oder man auch bzgl. der Sponsoren noch etwas Unabhängigkeit bewahren will.
    Es gilt- wie so oft im Leben- einen flexiblen Web zu finden, thematisch und preislich, um möglichst viele Gruppenvertreter zusammenzubringen… Das ist der Versuch bei der remix09.

  14. Also ich weiss auch nicht, wieso der Preis die Professionalität bestimmt. Es liegt einfach an der Mentalität derer, die da kommen, ob eine Veranstaltung produktiv ist oder nicht. Der Preis hat damit nichts zu tun.

    Wenn ich z.B. ins Valley rüberschaue, dann treffen sich dort z.B. an OpenID und Open Web interessierte Menschen dauernd auf entweder Barcamps, Internet Identity Workshops oder bei jemandem in der Firma organisierten Summits (ok, die Firmen sind meist Google oder Facebook usw. aber das spielt ja an sich keine Rolle). Dort wird dann sehr produktiv an einem Thema gearbeitet und es kommt hinten auch was bei raus.

    Hier ist das irgendwie nicht so. Man geht zu Veranstaltungen mit einer Konsumentenhaltung, wobei sicherlich auch die anscheinend notwendige Rundumversorgung mit Essen usw. beiträgt. Ich denke da eher, dass ein hoher Eintrittspreis die Konsumerwartung eher noch höher treibt, denn schliesslich will man ja auch was für sein Geld geboten bekommen.

    Es kommt natürlich auch darauf an, was man von so einem Event als Veranstalter und Teilnehmer erwartet, wer die Zielgruppe ist etc. Will man nur Vorträge machen, so kann man sicher mit mehr Geld bessere Leute bekommen (oder deren Anreise bezahlen). Will man mehr Arbeitsgruppen mit bestimmten Themen haben, ist das Geld evtl. nicht so wichtig. Wichtig ist eher, dass jeder in dem Thema drin ist. In Deutschland ist man aber anscheinend immer erst in Themen so richtig drin, wenn die schon alle zu Ende entwickelt sind (und natürlich ins Deutsche übersetzt ;-) ).

    Und bzgl. Hochpreis-Konferenz: Die Web2.0-Expo 2007 fand ich jetzt vom Inhalt auch nicht wirklich berauschend. Und es wird auch immer relativ zum Kenntnisstand des Teilnehmers bleiben, schlussendlich bleiben so Konferenzen dann wohl doch eher teure Meetingpoints.

    @valentin Leider kann ich nicht, aber ich bin mal gespannt, was man so davon hören wird. Genau das ist nämlich ein Thema, zu dem ich auch gern mehr Diskussion und produktive Session hätte (z.B. wie Politiker denn zielgerichtet social media nutzen können, um besser mit den Bürgern zu kommunizieren usw.)

  15. @Christian, ne, andersherum: Die Professionalät hat Einfluss auf den Preis. Kleines Beispiel: Hätte man ein exzellentes WLAN auf der re:publica installiert, hätte man deutlich mehr und besseres Equipment und Anschlüsse installiert etc. …hätte das mehr Geld gekostet: Für Ausrüstung, Service.

  16. Also ich habe teure Konferenzen mit schlechtem WLAN und auch preiswerte mit gutem WLAN besucht, also daran muss es nicht unbedingt liegen. Aber generell kann man natürlich mit mehr Geld mehr machen (und braucht nicht soviele Freiwillige). Es ist auch nicht so, dass ich jetzt komplett gegen Eintritt bin. Nur für gewisse Beträge muss dann der Inhalt aber auch wirklich stimmen.

    Wir reden aber vielleicht auch von unterschiedlichen Dingen. Ich persönlich brauche keine „tolle Referenten tragen über Thema X“-Konferenz vor, denn wenn ich in dem Bereich aktiv bin, weiss ich meist schon alles, was die da erzählen. Was ich dagegen lieber hätte, wären eben diese Mitmach-Konferenzen, wo aber „Mitmachen“ sich nicht nur darauf beschränkt, mal über sein Lieblingsthema was vorzutragen, sondern eher sich zusammenzusetzen und was neues zu entwickeln. Dazu braucht es auch nicht viel Geld und vielleicht nichtmal WLAN (und auch nicht 300 Leute).

    Aber dies passiert leider in Deutschland eher wenig. Das mag eben an der Mentalität liegen, dass man lieber erstmal genau untersucht, ob das jemand braucht oder das vielleicht von irgendwem als albern abgestempelt werden könnte (Stichwort virtuelle Welten), aber vielleicht auch daran, dass diese Themen im Netz erstmal auf englisch diskutiert werden. Eine lokale, deutsche Diskussion eines Internetthemas bringt es ja auch recht wenig.

    Zu Social Media-Konferenzen mag ich aber auch noch sagen, dass doch evtl. eine Einführung reichen müsste. Wer dahingeht und die goldene Lösung all seiner Probleme erwartet, wird wohl enttäuscht werden, denn man muss es machen, um es zu verstehen. Da bin ich mir nicht sicher, wieviel eine Konferenz leisten kann. Arbeitsgruppen-artige Veranstaltungen vielleicht eher und Barcamps würden sich ja zum Austausch auch anbieten, aber ich sehe halt relativ wenige Blogposts über die Ergebnisse von Sessions. Auch hier herrscht eben meist Konsum statt Mitmachen vor.

  17. Ich glaube, das Ziel „Klasse statt Masse“ ließe sich am ehesten nach dem Prinzip der „Gruppe 47“ lösen: Persönliche Einladungen des Organisators an einen begrenzten Teilnehmerkreis. Die persönliche Kaufkraft ist jedenfalls kein Kriterium für Kompetenz oder Qualität.

  18. Jürgen, ich hatte das tatsächlich mal so Ende der 90er Jahre gemacht. Der Kreis war sehr klein, aber sehr exzellent. Es war sehr erfolgreich. remix09 in Hamburg („online meets classic“) ist im „classic“-Teil so ähnlich. „Exzellenz“ ist einer der wichtigen Stichworte für diese Art. Das hat aber auf den Preis keinen Einfluss. Beenden wir einfach diese fruchtlose Diskussion um Preisgestaltung. Bitte. Es gibt genügend Alternativen für andere Modelle. Mach selber gerne eines. Deine Botschaften haben alle verstanden, lieber Jürgen. Ich möchte Business und Inspiration paaren. Es muss nicht immer dabei um das Web gehen.

    Wenn man jemanden auf einer Veranstaltung unbedingt haben möchte, gibt es für den Veranstalter immer Mittel und Wege. Roland hat das gestern abend sehr schön gesagt, finde ich.

  19. Ich denke, höhere Eintrittspreise garantieren nicht automatisch höhere Qualität der Inhalte, Professionalität ist bei beiden erforderlich, sei es eine „unentgeltliche“ Veranstaltung oder eine „eintrittspflichtige“ Veranstaltung. Bei vielen Veranstaltungen, wo Sponsoren das Sagen haben, sinkt trotz der verlangten Eintrittspreise die Qualität am Angebot. Dies ist meiner Meinung nach darauf zurückzuführen, weil die Sponsoren bzw. die Veranstalter sich mit dem Zielpublikum nicht näher beschäftigen und sich nicht auf veränderte Situationen einlassen. Dabei wäre es für „herkömmliche“ Veranstaltungen umso sinnvoller sich mit dem Zielpublikum auseinanderzusetzen und auf deren Bedürfnisse einzugehen, und nicht nur etwas „verkaufen“ wollen. Nur ein Beispiel zu erwähnen, die Session bei Barcamp Hamburg, wo T-Mobile G1 vorgestellt hat, wäre z.B. auf einer NEXT Konferenz sicher anders verlaufen. In diesem Sinne plädiere ich für mehr Professionalität auf jeden Fall, aber ohne die Verpflichtung alles kostenpflichtig zu machen. Die Zeit der Barcamps wird sicher auch irgendwann vorbei sein, aber Menschen die zusammenkommen und gemeinsam Ideen schmieden wollen, werden die Möglichkeit finden, dies auch zu tun, ohne kostenpflichtige Veranstaltungen zu besuchen.

  20. @Meral, „höhere Eintrittspreise garantieren nicht automatisch höhere Qualität“ – Natürlich nicht. Ich sagte ja auch genau anders herum, dass höhere Qualität meistens mehr kostet und sich deshalb auch in höheren Preisen niederschlägt.

  21. Klar, Professionalität kostet. Ab einer bestimmten Grössenordnung „erwarte“ ich auch Professionalität. So was wie make.tv bei der re:publica geht z.B. garnicht. Bei Special Interrest Veranstaltungen, wo die Experten unter sich bleiben (wollen?), kann ich ungewöhnlich hohe Eintrittspreise auch verstehen. Filter über den Geldbeutel. Macht, denke ich, auch Sinn bei einer Verstaltung wie der remix09, die ja auch nicht als reine Social Media Conference gedacht ist. Dort wo Social Media aber Kernthema ist, habe ich für reguläre Eintrittspreise von 590,– Euro für 2 Tage stArt Conference nur ein Kopfschütteln übrig. Zumal es erklärtes Ziel der stArt.09 ist „Kulturschaffende und ExpertInnen aus dem Social Media Bereich zusammen zu bringen“. Ich kenne viele Kulturschaffende, die froh wären, wenn sie monatlich 590,– Euro Einnahmen aus ihrem Kulturschaffen hätten.

    Ich hoffe, das es in Zukunft den Veranstaltern von Social Media Events nicht so wie Teilen der SPD geht, die manchmal den Eindruck hinterlässt, sie hätte vergessen wofür das „Sozial“ steht. Ich halte Eintrittspreise von 50,– für eine 2 Tage Konferenz für angemessen. Gerne auch ohne kostenloses WLAN und Drei-Gänge-Menü. Für freien Kaffee und Mineralwasser findet sich hoffentlich ein Sponsor. Aber dieser Vollverpflegungsanspruch saugt. Und kein kostenloses WLAN würde vielleicht auch dazu führen, das es wieder eine Nachlese in den Blogs gibt, anstatt als schnelles Twitterfutter zu verpuffen. Eintrittspreise, für die ich dreimal die Rolling Stones live sehen kann, halte ich für Social Media Veranstaltungen für masslos.

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