Oracle: Eclipse of the SUN (Updates)

Oracle hat heute bekanntgegeben, dass es Sun Microsystems übernimmt, vorbehaltlich der Zustimmung der jeweiligen Aktionäre, woran aber kein Zweifel besteht. Oracle hatte für 7,4 Millarden Dollar ohne Berücksichtigung der hohen Verbindlichkeiten von Sun zugeschlagen, nachdem IBM beim Poker bei 7 Millarden ausgestiegen war. Sun war finanziell zuletzt nicht besonders erfolgreich.

Was bedeutet das für den Markt? Für die Kunden? Für die Mitarbeiter? Oracle beherrscht einen grossen Teil des Markts für Applikationen in mittleren und grossen Unternehmen, speziell ERP-Systeme. Diese Anwendungen laufen wiederum zu einem grossen Anteil unter Sun Solaris, dem Betriebssystem von Sun. Mit dem Zukauf beherrscht Oracle somit noch stärker die Rechenzentren für betriebswirtschaftliche Anwendungen. Sie verbessert damit ihre Position gegenüber IBM (Grossunternehmen), SAP (Grossunternehmen und Mittelstand) und Microsoft (Kleinunternehmen und Mittelstand). Wie werden die Kunden reagieren? Meist sind sie auf Jahre vertraglich an ihre Lieferanten gebunden, zudem stecken in ihren Systemen ein mehr- bis zigfaches der Systemanschaffungskosten an Entwicklungsaufwand. Wie die Kunden reagieren, hängt mittel- und langfristig von der Produktstrategie, von der Servicequalität und von der Preispolitik des neuen Unternehmensriesen ab. Nun, Monopolisten neigen dazu, ihre Stärken auszunutzen. Schaunmermal.

Inwieweit sich dieser Deal auf die Open Source Produkte auswirkt, ist nicht ganz klar. Die Hauptentwickler von Java, mySQL, OpenOffice und einigen anderen Produkten sitzen ja bei Sun. Auf jeden Fall wird es Auswirkungen bei den Sun Mitarbeitern geben. Üblicherweise bei solchen Deals werden viele aus dem mittleren Management, aus der Verwaltung, aus Marketing und Vertrieb sowie sicher auch viele Servicemitarbeiter von Sun mittelfristig entlassen. Weil man im neuen Konzern („SOracle“ nenne ich ihn mal) nicht diese Stellen doppelt und dreifach besetzt haben will. „Kostenoptimierung“ heisst so etwas auch. Vielleicht machen sich die OpenSource Entwickler-Teams von Sun ja selbstständig? Wer weiss. Warum auch nicht. Mit einer fetten Abfindung. Denn Larry Ellison, der CEO von Oracle, ist nicht gerade dafür bekannt, dass er gerne umsonst entwickelt. Sun war sowieso dabei, weltweit seine Belegschaft um 20% zu reduzieren…

Übrigens, Sun Microsystems war mal eine Gründung von dem Deutschen Andreas von Bechtolsheim und den Amerikanern Bill Joy, Vinod Khosla und Scott McNealy. Eine Ära ist nun zu Ende gegangen. Schade. Die Sonne hat sich verfinstert. Eclipse of the SUN.

Update: Was sagen bloggende Mitarbeiter dazu? Bei Sun: (1), bei IBM (1). Microblogging-Stream.

Update2: The story of the Sun and Oracle Acquisitions, Winners and Losers, Why the Oracle/Sun deal is bad news for Microsoft and SQL Server, Thoughts on Oracle and Sun, Ballmer, IBM reportedly surprised by Oracle-Sun deal, was Om Malik GigaOm dazu sagt, und mySQL Entwickler Kris Köhntopp (Isotopp) (Dank an Markus in den Kommentaren!), Oracle kauft Sun — und damit MySQL und Java

Update3: Die grösste Sorge der Reaktionen scheint die Zukunft von mySQL zu sein.


10 thoughts on “Oracle: Eclipse of the SUN (Updates)

  1. Hab auch drüber gebloggt – bin sehr gespannt, ob Oracle den Brocken wirklich schlucken kann. Sich so kurz mal veranderthalbfachen ist nicht ohne – und quasi eine ganz neue Art von Produkt mitreinzuholen auch nicht. Eine Ergänzung ist natürlich da – aber wieviel Zeit wird es benötigen da zu kombinieren und wirklich zu integrieren? Spannend! Hoffentlich hat Oracle sich da nicht verschluckt – das wäre dann doppelt schade.

  2. >Eine Ära ist nun zu Ende gegangen. Schade. Die Sonne hat sich verfinstert.

    Na ja … wenn die Sonne noch wirklich hell geschienen hätte (um mal in Deinem Bild zu bleiben), wäre Larry beim Griff nach ihr noch geblendet worden. Nach meiner Wahrnehmung hatte SUN in den letzten 2-3 Jahren nicht mehr die klare Strategie im Bezug auf Software – Geschäftsfeld der Zukunft oder Dreingabe für die Hardware?

    Und es wird SEHR spannend zu beobachten, wie es mit mySQL weitergeht – vielleicht nur ein Nebenkriegsschauplatz aus Datenbanken-Umsatz-Sicht aber das Oracle da noch viel investiert nehme ich mal nicht an …

  3. Danke für den Tipp :-)

    Bringt mich auf einen weiteren interessanten Punkt: Das SteveB-Stuhl-Thema resultierte damals ja wie man kolportierte aus Wut auf Google – das ist auch derzeit auch sicher der „Angriffspunkt“ #1 aus vielen Gründen, vor allem dem Consumer/Advertisement/Vllt Office (online)-Aspekt. Diese Ankündigung aus der Enterprise/JAVA-Welt, wie ich es mal verkürzt nennen möchte, wird man dort sicher zur Kenntnis nehmen aber ob man es als Bedrohung versteht – keine Ahnung.

    Ich werde mich mal hier als Prophet betätigen: Die MS/SAP-Gespräche werden wieder aufgenommen! Und wenn es nicht zum Kauf kommt, würde ich zumindest ein signifikantes SQL-Server-2008-Incentive für die SAP-Vertriebler erwarten :-)

  4. henning, aus dem Microblogging-Stream höre ich gerade, dass Steve Ballmer sehr überrascht gewesen sein soll, laut CNET: http://twurl.nl/jq5yj4

    Mit MS/SAP könntest du sogar recht haben. SAP braucht jetzt eine stärkere Business-Alternative und eine Gegenposition. Das ewige Schachspiel.

  5. Die „wichtigen“ Akteure haben beispielsweise nach der Übernahme von Mysql ohnehin schon das „sinkende Schiff“ verlassen, sprich Forks sind am köcheln. Das war auch abzusehen, wer mag schon ein Mysql, welches Solaris-konzentrisch entwickelt wird oder neuerdings gemäß dem Gusto Oracles?

    Java selbst ist auch für Oracle immens wichtig, Openoffice und OpenSolaris weniger bis gar nicht – bleibt zumindest bei OO abzuwarten wie es weitergeht, OpenSolaris selbst konnte bisher in der Community noch nicht Momentum erlangen (weil teils auch verteitelt seitens Sun).

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