„Le Bucheron” im Marais

Paris 035„Le Bucheron” im Marais, auf deutsch „Der Holzfäller“, ähnelt einem italienischen Bistro der 30er Jahre. Von Aussen unscheinbar. Drinnen ein langer dunkler Raum. Ein langer Tresen. Mit Haken unter der Kante für Jacken oder Taschen. Viel Holz. Praktisch und robust. Einfach. Der Fussboden eine Rekonstruktion alter römischer Fliesen. Dann die Überraschung: Die Einrichtung ist von Hubert de Givenchy, gleichnamiger Sohn des Parfümherstellers und Neffe des großen Modeschöpfers, wie ich erfahren habe. Hat was.

Einfache, enggestellte Holztische. Ein riesiger Blumentopf, so wie ihn Gärtner benutzen, um ihre Planzen auf den Markt zu bringen. Grosser alter Bistro-Spiegel. Die Leuchten in der Bar sind ehemalige Gas-Brenner aus der Stadt Toulouse. An der Treppe nach unten ist eine Batterie von Spardosen aus Holz untergebracht – für schlechte Zeiten der Stammgäste. Überwacht wird der Laden des heutigen jungen Patron Franck Feuillet von seinen beiden Urgrosseltern, die beide einträchtig nebeneinander im Goldrahmen an der Wand hängen. Das ganze Ensemble des Bistro ein kleines Juwel am Anfang der Rue de Rivoli.

Das Geschäft hat zwei Eingänge: Einen für die jugendlichen abendlichen Flaneure des Marais und einen hinteren für den Mittagstisch der Berufstätigen des Viertels. Einfache italienische Küche. Eine Trattoria nennt sich „Le Bucheron“ auch. Wenig Touristen im Lokal, eher Einheimische.

Paris 032Hier habe ich früh morgens immer meinen hervorragenden Café Créme am Tresen getrunken und ein frisches Croissant mit einigen müden Frühaustehern geteilt. Dafür waren die aparten Damen der Frühschicht hinter dem Tresen sehr flink und freundlich. So kann der Tag in Paris gerne anfangen.

Das Marais ist überhaupt mein liebstes Viertel der Stadt. Ein lebendiger Stadtteil mit vielen kleinen Läden, Restaurants, Bars, Hotels und Pensionen, kleinen Plätzen und Märkten. Einer der ältesten noch bestehenden Plätze von Paris ist hier: Place des Vosges. Abseits der ganz grossen amerikanischen, japanischen und chinesischen Touristenströme, abgesehen vom Centre Pompidou, freundlich und intim im Vergleich zum Rest-Paris. Hier würde ich gerne wohnen.

Mein Beitrag zu Le Bucheron – Ich bin CemB – auf Qype


5 thoughts on “„Le Bucheron” im Marais

  1. Als das Goldenberg noch existierte, haben wir uns da häufig an einen Tisch gequetscht. Wie wir später erfahren haben, gab es wohl diverse Probleme mit der Sauberkeit… Jedenfalls: Marais sollte man auf gar keinen Fall auslassen. Häufig ist es das Ziel eines verlängerten Spaziergangs vom Centre Georges Pompidou aus.

  2. @Cem Das „Jo Goldenberg“ war (leider war) ein jüdisches (aber kein koscheres) Restaurant inmitten von Marais. Dort gab es auch ein kleines Geschäft für koschere Nahrungsmittel und natürlich das Restaurant indem es viele Dinge, vor allem aus der osteuropäischen jüdischen Küche gab. Es mangelte meistens an Platz, aber man kam recht schnell mit Sitznachbarn ins Gespräch und das Personal war großartig, freundlich zuweilen auch frech. Das Essen wurde so fast zur Nebensache…
    Traurige Berühmtheit erlangte es in Frankreich nach einem Terroranschlag durch „Drive-By-Shooting“.

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