Binnurs türkisches Online-Kochbuch

Das was wir in Deutschland und Mitteleuropa als türkische Küche kennen, ist in der Türkei grösstenteils unbekannt. Die echte türkische Küche, die zuhause zubereitet wird, ist anders. Anders als auch das, was wir im Urlaub in den Restaurants am Bosporus, an den Ufern der Ägäis oder am Mittelmeer in den Touristenghettos kennen lernen. Dort begegnen wir fast ausschliesslich hastig Gegrilltem, den Kebabs, etwas was in der normalen türkischen Hausmannskost recht selten vorkommt. Höchstens im Hochsommer an der häuslichen Holzkohlengrillschale, dem Mangal aus Messing oder aus Bronze, auf der Terrasse. Denn Fleisch – Lamm, Kalb oder Rind – ist auch in der Türkei teuer.

Die original türkische Küche besteht hauptsächlich aus viel Gemüse, Reis, Hülsenfrüchten und relativ wenig Fleisch und je nach geografischer Lage auch Fisch. Viel Eintöpfe. Wie bekannt, kommt Schweinefleisch nicht vor. Ihre historischen Ursprünge sind im wesentlichen einerseits die einfache ländliche Küche mit Anklängen an die Nomadenzeit der Turkvölker und andererseits aus der osmanischen Hof- und Hochküche. Erstaunlicherweise erfüllt die türkische Küche eine Reihe Anforderungen aus der Nouvelle Cuisine, frische Produkte, lokale Produkte, viel Gemüse, eher leichte Kost, wenn auch aus völlig anderen (historischen) Gründen als die französische Küche.

Beispiele und Leibgerichte aus meiner Kindheit und bei Muttern: Babyspinat (einschliesslich den Spinatwurzeln) mit Beef-Hack, Rote Linsensuppe, Bohnen in Öl, alles mit Kichererbsen,  Muhallebi als rein zufällige Auswahl aus der langen Liste und viele viele weitere.

Ich verfolge Binnurs türkisches Online-Kochbuch, in englisch und türkisch, seit Jahren. Es ist eine grossartige Sammlung aus Original-Rezepten, die ich fast alle auch von zuhause kenne. Alles Rezepte, die ausserhalb der Türkei wenig bekannt sind und die so gut wie nie in einem „türkischen Restaurant“ zu finden sind. Die Zutaten gibt es aber bei fast jedem türkischen Kaufmannsladen, dem Bakkal, auch in unseren Breiten. Die Gerichte sind deshalb nicht in Restaurants zu finden, da sie für sie zu aufwendig sind und der deutsche Gast sie nicht kennt.

Binnur Tomay ist eine türkischstämmige Hausfrau in Kanada. Ihre Rezepte gibt es auch mittlerweile gedruckt als Broschüre. Binnur’s Turkish Cookbook ist ein sehr schönes Beispiel, wie jemand aus seinem Interesse, seiner Leidenschaft und seiner Erfahrung etwas im Web machen kann. Da kann ich nur noch sagen: „Afiyet olsun!“ – Guten Appetit!

PS: Ihr Vorname „Binnur“, „bin nur“, heisst übersetzt auf deutsch: „Tausend Lichter“ oder auch im übertragenen Sinn „Tausend Freuden“. Wie wahr. Wie schön.


9 thoughts on “Binnurs türkisches Online-Kochbuch

  1. Tausend Dank für den Tip. Es sieht so aus, als würde meine Küche doch noch benutzt werden müssen ;-)
    Leider hab ich jetzt furchtbar Lust auf Salep und meine restlichen Vorräte lagern noch in einer Kiste. Nur in welcher?

  2. Oh, der Tag wird immer besser! Vielen Dank. Da könnte ich glatt zum Internet-Ausdrucker werden, damit ich dann mit dem Kommentar an Deiner Tür klopfen kann :)
    An der remix-Planung wird noch gearbeitet. Ich melde mich, sobald ich Genaueres weiß.

  3. re Salep: Ich weiß, aber ich bekam so ganz spontan unbändige Lust darauf. Außerdem soll man an heissen Tagen doch heisse Getränke zu sich nehmen ;-)
    Und Lust auf rote Linsensuppe – mit der bin ich nämlich dank türkischer Mitbewohner ebenfalls groß geworden. Und ich bekomme sie wieder häufiger, seit ich wieder in der Gegend lebe.

  4. Uh, tolle Links! Vielen Dank für die prompte Umsetzung meines kürzlich übermittelten Wunsches nach mehr Türkischem… ;-) Ich glaub, ich werde mal das Muhallebi ausprobieren, das läuft mir grad ständig über den Weg, weil ich Orhan Pamuks „Das schwarze Buch“ lese.
    Übrigens: mein türkisches Lieblings-Gemüsewort ist die Aubergine – patlıcan. Und ich liebe patlıcan kızartma im türkischen Restaurant.
    Liebe Grüsse aus Ulm ins wunderschöne Hamburg.

  5. Danke für den tollen Linktipp. Habe ich gleich in meinen Feed-Reader aufgenommen. Ich werde das mal mit meinen türkischen Kochbüchern vergleichen. Vielleicht gibt es ja doch Übereinstimmungen? :-)

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