comicstars.de: Mangas digital publizieren und vermarkten

winnerEigentlich eine sehr naheliegende Idee, die schon längst im deutschsprachigen Raum überfällig ist. Ich hatte vor Kurzem gerade darüber mit Dirk Baranek auf dem PolitCamp09 in Berlin gesprochen. Dirk, selber mal Comicbuch-Verleger, meinte dazu, der Markt für (digitale) bunte Bilder sei in Deutschland nicht so gross und beliebt wie beispielsweise in Frankreich, Japan oder Amerika. Es gäbe nicht genügend Fans und die Tradition sei nicht so ausgeprägt wie in den genannten Ländern. Wahrscheinlich hat er nicht ganz unrecht.

Ich bin und war immer ein Fan von guten gezeichneten Geschichten für Erwachsene. Bei comicstars.de kann nun der Aficonado eigene Mangas und andere Comics digital publizieren und vermarkten. Deutsche-startups.de meinte dazu, es sei erste Plattform dieser Art auf europäischem Boden und in Japan sei es ein Milliardengeschäft. Sei’s drum.

Ich habe aber einen grossen grundsätzlichen Kritikpunkt dazu. Nicht an comicstars.de, sondern an den Künstlern:

Hefte aus Papier sind meistens im Hochformat wegen der besseren Handhabung. Aber digitale Comics werden auf einem Bildschirm im Querformat betrachtet. Warum alle(?) veröffentlichten Geschichten im Hochformat sind, entgeht mir völlig. Für mich heisst das, dass die Zeichner das Medium „digital“ und die Lesegewohnheiten nicht verstanden haben. Es sind bisher digitalisierte Papiergeschichten. Hochkantige Panels zu scrollen ist doof. Auch die Mimik, Doppelseiten durchzublättern. Die Handhabung am Bildschirm ist anders als mit bedrucktem Papier. Irgendwie ist es wie Pils aus Schnapsgläsern zu trinken so.

799px-Aspect_Ratios_and_Resolutions_svgHier sind Bildschirmformate und -auflösungen. Die meisten nutzen Querformat 1024×768 und höher. Liebe Talente im deutschsprachigen Raum, bitte entdeckt doch das neue Medium für euch, spielt damit rum und optimiert eure Geschichten an das Publikum an den Monitoren! Digitalisiert nicht eure „Kritzeleien auf Karton“, sondern… Macht gleich echte digitale Mangas und Comics!


7 thoughts on “comicstars.de: Mangas digital publizieren und vermarkten

  1. Ich kann gut nachvollziehen, warum sich Comic Künstler mit dem Anpassen an das digitale Trägermedium schwer tun. Wie lange hat es gedauert, bis z.B. das gute alte Vinyl Cover auf die CD Hülle überzeugend „übersetzt“ wurde? Und dort war es nicht einmal eine Quer/Hochkantformat Frage. Traditionelle Werte aufzugeben und sie „digital anpassen“ tut halt auch manchmal dem Künstlerherz weh. Man verliert einen Teil seiner Sprache und ist mit der neuen Sprache (und deren Möglichkeiten) noch nicht vertraut.

  2. bei der weigerung, inhalte für print und monitor separat zu gestalten, trifft sich für mich „worst of both worlds“. polemisch überzogen: print ignoriert digital, digital pfeift darauf, die weisheit der typografischen tradition auf den monitor zu übertragen.

  3. Es wäre schön wenn der Markt für Comics und Mangas in Deutschland so groß wäre, das man darauf verzichten könnte für alle Medien anzubieten. Ich weiss auch das dies irgendwann so sein wird. Bis dahin ist „digital“ immernoch Sklave des Printproduktes. Und das heisst es muss sich daran anpassen.

    Aber wir planen bereits für die „Digital Only“ Generation ;)

    MfG, Steve Jones
    Comicstars GmbH

  4. Ich möchte die jungen Talente hier in Schutz nehmen.
    Natürlich haben wir von der ersten freien Schule für Comickunst Scott McClouds Ideen für digitale Comics mit in unseren Unterricht integriert, z.B.

    Es ist Comicstars GmbH, die das Format der Online-Comics auf den Pixel genau festgelegt hat.

    Erstaunlich ist, daß Printversionen ihrer eigenen Comics in diesem Format für erst 2010 angekündigt sind, dies aber – so wie ich es auch hier verstehe – trotzdem als Wesentliches Argument dafür verstanden wird, Comics und Manga, die ÜBERHAUPT nicht in gedruckter Form erscheinen werden (nämlich die Mehrheit der derzeitigen Gratis-Comics, die die Seite derzeit lebendig halten), in eben diesem ungünstigen Format zu erstellen.

    zudacomics aus USA z.B. besteht auf Querformaten, und vermarktet Online-Comics getrennt von Printcomics. Eine sinnvolle und rentable Verbindung existiert freilich dennoch, indem zudacomics als Organ von DC Comics (u.a. Superman, Batman, Watchmen etc.) explizit dafür gedacht ist, neue Talente zu identifizieren und dann zu akquirieren.

    Onlinecomics werden hierzulande einen schweren Stand haben.
    In Japan gilt es als unfein, öffentlich Comics zu lesen, und so werden die großen Manga-Magazine auch diskret in der U-Bahn liegengelassen, bevor man die Arbeit erreicht.
    Da macht es Sinn, Manga über das iPhone o.ä. zu lesen. Es könnte ja dann auch der Börsenbericht sein.
    Ich habe bei der Deutsch-japanischen Gesellschaft Bayern einen jungen Mann kennengelernt der sehr stolz darauf war, so heimlich seine Lieblingszeichentrickfilme mit sich führen zu können.
    Hierzulande allerdings ist das Lesen von Comics auch für Erwachsene bestenfalls Grund zum Stirnrunzeln, aber nicht für soziale Stigmatisierung.
    Preise und Umsätze richten sich nach Angebot und Nachfrage.
    Das Angebot auf Comicstars.de ist derzeit mit nur 7 Titeln eher dünn.
    Die Nachfrage für kostenpflichtige Comics im Internet, das von Raubkopien und lizenzfreien Übersetzungen ausländischer Comics wimmelt, könnte kaum niedriger sein.
    Keine guten Marktbedingungen.

    Allerdings bin ich für kostenlose Webcomics, da sie meinen jungen Schützlingen Gelegenheit geben, wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

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